Olympiatraining

20.04.2006 – Am 20. Mai beginnt in Turin die Schacholympiade. Zwei Jahre bevor mit Dresden eine deutsche Stadt Gastgeber dieser großen Sportveranstaltung sein wird, möchten die deutschen Teams im Allgemeinen und im Frauenwettbewerb besonders gut abschneiden. Mit Arkadij Naiditsch, der erstmals in der Olympia-Mannschaft ist, dem Rückkehrer Artur Jussupov, sowie Jan Gustafsson, Christopher Lutz, Alexander Graf und Thomas Luther bringt der Deutsche Schachbund eine sehr starke Mannschaft an den Start, die bei gutem Verlauf ganz oben mitspielen kann. Bei den Frauen wird Elisabeth Pähtz erstmals aufgrund ihrer höheren Elozahl das Team an Brett Eins anführen. Außerdem spielen Ketino Kachiani-Gersinska, Jesicca Nill und erstmals Vera Jürgens. Dagobert Kohlmeyer besuchte das Trainingscamp der Frauen-Nationalmannschaft in Berlin und sprach mit Bundestrainer Uwe Bönsch. Zudem wurden uns einige Bilder von einem getarnten Sondertraining zugespielt. Mehr...

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"Nur als geschlossenes Team haben wir in Turin Erfolg!“
Von Dagobert Kohlmeyer

In gut vier Wochen beginnt die Schacholympiade in Turin. Titelverteidiger bei den Herren ist die Ukraine, bei den Damen China. Wir interessierten uns für die Vorbereitung der beiden DSB-Teams. Bundestrainer Uwe Bönsch hat die deutschen Mannschaften längst nominiert. Bei den Herren ist erstmals Arkadij Naiditsch dabei und Artur Jussupow zurück. Hauptstützen bei den Damen werden Elisabeth Pähtz und Ketino Kachiani-Gersinska sein. Nähere Auskünfte über den Stand der Vorbereitungen gibt Großmeister Bönsch im Gespräch mit Dagobert Kohlmeyer.

Nach welchen Kriterien wurde das Herren-Team nominiert?

Ich habe die Mannschaft nach leistungssportlichen Gesichtspunkten aufgestellt. Mein Vertrauen haben Arkadij Naiditsch, Jan Gustafsson, Christopher Lutz, Artur Jussupow, Alexander Graf und Thomas Luther. Ganz besonders freue ich mich natürlich, dass Arkadi Naiditsch auch mit dabei ist. Er hat derzeit die höchste ELO-Zahl in Deutschland. Als führender Spieler wird er das DSB-Team sehr verstärken und unterstützen.

Wie wurde - nach vorherigen Dissonanzen - die Einigung mit Arkadij Naiditsch erzielt?

Wir haben uns getroffen und miteinander geredet. Auch wenn es in der Vergangenheit kleine Auseinandersetzungen gab, haben wir uns insofern geeinigt, dass wir jetzt nach vorn schauen und gemeinsam für die deutsche Nationalmannschaft das Beste erreichen wollen.

Wird der Dortmunder  vom Deutschen Schachbund unterstützt?

Ja, wir unterstützen sein Training finanziell. Arkadi trainiert vorwiegend mit Alexander Beljawski und mit Adrian Michaltschischin.

Artur Jussupow ist zurück im Boot. Das war eine gute Nachricht für Schach-Deutschland und sicher auch für den Bundestrainer.

Ohne Frage hat mich das sehr gefreut.

Arturs Rückzug aus dem Nationalteam vor vier Jahren wurde von vielen Seiten bedauert. Er erfolgte damals unter Hinweis auf die Dopingproblematik. Ist das Thema jetzt vom Tisch?

Ja. Artur Jussupows Problem war, dass er während der Partie nicht mehr ausreichend Kaffee trinken durfte. Koffein stand seit Bled 2002 auf der Dopingliste. Heute ist das nicht mehr der Fall. Und darum ist es für Artur auch überhaupt kein Problem mehr, sich irgendwelchen Kontrollen zu unterziehen. Er kann während des Spiels weiterhin Kaffee trinken, und es wird nicht geahndet.

Neben seiner  Spielstärke - Artur war 2005 deutscher Meister - gab wohl auch die positive Ausstrahlung des 46-Jährigen auf das Team den Ausschlag?

So ist es. Nicht nur als Schachlehrer, auch als Großmeister ist Artur Jussupow natürlich das große Vorbild für viele junge Spieler. Er war in der absoluten Weltspitze, stand seinerzeit gegen Anatoli Karpow im Kandidaten-Halbfinale. Ich bin fest überzeugt davon, mit seinem Können und seiner riesigen Erfahrung ist Artur eine große Verstärkung für die deutsche Nationalmannschaft.

Wie sieht die Situation bei den Frauen aus?

Diese Mannschaft habe ich auch nominiert. In Turin spielen Elisabeth Pähtz, Ketino Kachiani-Gersinska, Jessica Nill und erstmals Vera Jürgens  Die Damen werden während der Olympiade in Italien von Großmeister Philipp Schlosser trainiert. Ihre Brett-Reihenfolge steht noch nicht ganz fest.

Unser weibliches Spitzenduo nimmt sich ja nicht sehr viel.

Elisabeth Pähtz hat die bessere ELO-Zahl, und danach werde ich mich auch richten. Falls es zu Beginn der Olympiade noch so ist, wird sie in Turin auch vorn an Nr. 1 aufgestellt.

Die amtierende Juniorenweltmeisterin ist derzeit Bundeswehrangehörige. Wird Elisabeth auch ausreichend für das vorherige Training und die ganze Zeit der Olympiade freigestellt?

Auf jeden Fall. Die Bundeswehr-Sportfördergruppe Schach leite ich. Damit koordiniere ich auch Elisabeths Training und ihre Wettkampf-Planung in dieser Zeit. Aus diesem Grunde ist die Freistellung von Elli überhaupt kein Problem.

Wo dient Elisabeth Pähtz eigentlich?

Sie ist nach Frankenberg in der Nähe von Chemnitz versetzt worden. Dort ist die Sportfördergruppe eingegliedert. Der Nachwuchsspieler Hannes Rau ist zurzeit in der Sportfördergruppe in Halle. Diese wird aber aufgelöst und ebenfalls nach Frankenberg verlegt.

Es ist gute Tradition, dass sich die Nationalteams von Männern und Frauen vor der Schacholympiade zu einem Trainingslager treffen. Passiert das auch 2006?

Wir treffen uns Anfang Mai zu einem gemeinsamen Trainingslager. Es wird eine knappe Woche dauern. Die Frauen haben schon einmal mit Alexander Bangijew in Berlin trainiert.

Wo liegen die Schwerpunkte des Trainingslagers?

Neben den rein schachlichen Vorbereitungen versuchen wir, auch die Teambildung voranzutreiben. Denn nur, wenn wir uns zu richtigen Mannschaften zusammenraufen, dann können wir in Turin auch erfolgreich sein.

Es gab ja in der Vergangenheit schon gute Beispiele für echtes Teamwork.

Den Beweis, dass es großartig funktionieren kann, haben die deutschen Herren vor allem mit ihrer Silbermedaille bei der Olympiade 2000 in Istanbul geliefert.

Danke für das Gespräch, und viel Erfolg in Turin!

Uwe Bönsch erwähnte schon das Training der DSB-Damen in Berlin. Großmeister Alexander Bangijew leitete den zweitägigen Lehrgang. Der 59-jährige Ukrainer lebt in Hannover und ist schon 14 Jahre in Deutschland. Er kann auf eine vier Jahrzehnte lange Erfahrung als Schachtrainer zurückblicken.

Für den Deutschen Schachbund aber gab er in Berlin sein Debüt. Über den Inhalt der Arbeit sagte er: “Wir wollten einfach die Technik trainieren. Und beim Lernen eine bestimmte Denkmethode anwenden. Mit dem Computer kann man das besser machen. Man sieht die Position und überlegt sich die nächsten Züge. Um dann zu vergleichen. Was ist das Prinzip der Stellung?“


Jessica Nill und Elisabeth Kachiani-Gersinska mit Alexander Bangijew


Elisabeth Pähtz und Vera Jürgens am Tische gegenüber


Insgesamt 12 Stunden lang trainierten die Damen, vorwiegend am Computer. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz. Es wurde geschnattert und gelacht. Elisabeth Pähtz unterhielt sich zum Beispiel angeregt mit Jessica Nill über Kleidung. "Dein Rosa steht dir gut. Ich mag vor allem Weiß", meinte die Juniorenweltmeisterin.


Elisabeth Pähtz


Jessica Nill


Ketino Kachiani-Gersinska
 
Auf unsere Frage, wie ihr das Leben bei der Bundeswehr bekommt, erwiderte sie: "Ich bin Zeitsoldat. Das geht mindestens zwei Jahre, dann muss man sehen.“


Wie hoch ist dein Sold?

Zwischen 1200 und 1400 Euro.

Dann ging es zum Gruppenbild. Diese vier Grazien werden den DSB in Turin vertreten.


Vera Jürgens, Elisabeth Pähtz, Ketino Kachiani-Gersinska, Jessica Nill

„Welche Ambitionen habt ihr in Turin?“, wollte ich noch wissen: "Wir holen Gold!" flachste Elisabeth. Das war natürlich nicht so ernst gemeint. Aber um eine gute Platzierung kämpfen werden die vier Schachladies schon in der italienischen Olympiastadt.

 Hier noch eine Info vom DSB: Für die Schacholympiade vom 20. Mai bis 4. Juni 2006 wird der Deutsche Schachbund insgesamt vier Schiedsrichter entsenden. Klaus Deventer wurde als einer der 6 so genannten Senior Arbiters (Oberschiedsrichter) nominiert. Als Wettkampfschiedsrichter kommen Ralph Alt, Ralf Wadewitz und Horst Bellmann zum Einsatz. Alle Genannten sind Internationale Schiedsrichter.

Hier folgen noch ein Bilder von dem Zusatztraining, dass Elisabeths derzeitiger Arbeitgeber für angebracht hält:


Konventionelles Schachtraining auch bei der Bundeswehr



Zusatztraining im Gelände


Elisabeth Pähtz hinter Munitionskisten




Es folgt die Geländeausbildung


Unterschreiten von Drahtsperren


Tarnung


Anschleichen


Stellung halten


Feind beobachten


Schach mit dem Boxer Boris Boschenko


Elisabeth Pähtz mit einem G 36 von Heckler&Koch (750 Schuss/min, Kampfentfernung 200 Meter)


Text und:  Dagobert Kohlmeyer
Fotos: Dagobert Kohlmeyer, Thomas Pähtz

 

 

 


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