Opera Euro Rapid: So gewinnt Finale gegen Carlsen

von André Schulz
15.02.2021 – Magnus Carlsen wartet immer noch auf seinen ersten Turniersieg in "seiner" Champions Chess Tour. Wie schon beim Skilling Open war Magnus Carlsen im Finale gegen Wesley So der unterlegene Spieler. Wesley So gewann die erste Finalpartie des zweiten Satzes und setzte damit die Zeichen auf Turniersieg. | Grafik: Champions Chess Tour

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Es hat wieder nicht geklappt. Das Opera Euro Rapid war das dritte Turnier der Meltwater Champions Chess Tour 2020-21, aber auch diesmal konnte sich Magnus Carlsen nicht als Sieger in die Turnierliste eintragen. Der Weltmeister kam bis ins Finale, unterlag dort aber Wesley So. Für den US-Großmeister ist es der zweite Turniersieg in dieser Serie und er führt nun auch in der Gesamtwertung.

Das Finale wurde wie die K.o.-Runden zuvor über zwei Sätze gespielt. Am Samstag endete der erste Satz mit einem 2:2 und das Match war damit am Sonntag völlig offen.

Die Entscheidung über den Turniersieg fiel dann im Prinzip schon in der ersten Partie. Carlsen legte diese mit Schwarz viel zu ehrgeizig an.

So,Wesley (2770) - Carlsen,Magnus (2862) [B30]

Opera Euro Rapid KO 2021 chess24.com INT (3.21), 14.02.2021

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 e6 4.0–0 Sge7 5.c3 a6 6.La4 b5 7.Lc2 Lb7 8.Te1 Tc8 9.a4 b4 10.d4 cxd4 11.cxd4 Sg6 12.Sbd2 Sa5 13.g3 Le7 14.h4 Lxh4 

 

[Im Fußball würde man sagen: Der Spieler ging übermotiviert zu Sache. Carlsen antwortet auf den Vorstoß am Königsflügel mit einem spekulativen Figureneinschlag "auf Chance".]

15.gxh4 Sxh4 16.Sxh4 Dxh4 17.Te3 f5 18.Tg3 0–0 19.Sf3 Dh5

 

20.Se5 Dxd1+ [Der Damentausch ließ sich kaum vermeiden. Es ist aber ein Eingeständnis, dass das Opfer auf h4 sich nicht gelohnt hat.]

21.Lxd1 d6 22.Sd3 fxe4 23.Sxb4 Sc4 24.a5 d5 25.Lg4 Tf6 26.Lg5 Tg6

 

27.Lh5 [Verliert auch noch die Qualität.] 27...Txg5 28.Txg5 [Weiß hat einen Turm weniger für fast nichts und gab auf.] 1–0

Die nächsten beiden Partien endeten Remis und so musst Carlsen in der 4. Partie noch einmal alles geben, um wenigstens einen Stichkampf zu erreichen. 

 

27.Dd2 [27.Tg4!? c5 28.Lc2 bot bessere Angriffschancen.]

27...c5 28.f4 Dh6 29.Tg5 [29.Lc2]

29...f6 30.exf6 Lxf6 31.Dxd5+ Kh8 [Nun droht a3.]

32.Lf3

 

32... a3 [32...Lf7 33.Dxb7 a3 wäre noch stärker gewesen, mit Gewinnstellung.]

33.Tag1 axb2 34.Txg6 Dxg6 35.Txg6 b1D+ 36.Tg1 Dh7 [Weiß hat eine Qualität weniger, aber mit dem Läuferpaar noch Gegenspiel.]

37.f5 Tg8 38.Te1? [Besser war 38.Tg6 Txg6 39.fxg6 Dxg6 40.Le4 Dh6 41.Df5 mit guten Remischancen.]

38...Tae8 39.Te6 Txe6 40.Dxe6

 

40... Dh6 [Droht Matt. Schwarz steht auf Gewinn.] 41.Ld1 Dg5 [Droht erneut Matt, diesmal auf g2.]

42.De4 Dd2 43.Lg4 Dg5 44.f3 Dc1+ 45.Kg2 h3+ [45...Dd2+ 46.Kh3 Df2 47.Dc4 Te8 48.Dc1 Te3 mit überwältigender Stellung.]

46.Kxh3 Dh6+ 47.Kg3 Td8 48.Lh3 Dg5+ 49.Lg4 Dh6 [49...Dh4+ 50.Kg2 Td2+ und Matt.]

50.Lg1 Dh4+ 51.Kg2 Td2+ 52.Kf1 Td1+ 53.Kg2 Td2+ 54.Kf1 Td1+ 55.Kg2 Td2+ [Schwarz könnte hier immer noch auf Gewinn spielen, gibt sich aber mit dem Remis zufrieden, das zum Final- und Turniersieg reicht.] ½–½

Nach seinem Sieg beim Skilling Open war Wesley So also auch hier im Vergleich mit Carlsen der bessere Spieler.

Opening package: 1.b3 and Black Secrets in the Modern Italian

Wesley So hat bei ChessBase 2 Eröffnungs-DVD veröffentlicht: 1.b3, der so genannte Nimzowitsch-Larsen-Angriff, aus weißer Sicht und seine Geheimnisse im modernen Italienisch (mit c3 und d3) aus schwarzer Sicht.

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Das Spiel um Platz drei gewann Teimour Radjabov gegen Maxime Vachier-Lagrave.

Partien

 

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Meli Meli 17.02.2021 10:33
@Arelius: Sie sagen, man sollte diesen Carlsen nicht überbewerten. Da frage ich mich, wie Sie überhaupt zu dieser irritierenden Aussage kommen. Carlsen führt seit 10 Jahren die Weltrangliste auf Position 1 an und gehört sicherlich zu den Top 5 Spielern aller Zeiten.
knight100 knight100 15.02.2021 06:31
Magnus ist doch immerhin 2. bei diesem Weltklassefeld geworden. Ist das nichts wert? Zählt für Euch nur der Sieg? Die niedrigere Qualität (bei Profis wie Amateuren) ist simple der Bedenkzeit geschuldet. An der Aussage: "Mit der ganzen Blitzerei und Online-Zockerei versaut man sich sein ganzes Schach!" könnte allerdings was dran sein. Ergo kann die 2. Reihe der Supergroßmeister, oder die, die weniger blitzen, in der Weltrangliste aufsteigen?
ThomasU ThomasU 15.02.2021 06:20
Ach, ich gönne Wesley So seinen Sieg gegen Magnus Carlsen! Unbestritten ist Online anders als übers Brett. Und natürlich sind auch Blitzschach und Schnellschach anders als der "normale" Turniermodus. Aber ist es deswegen gleich besseres oder schlechteres Schach? Oder gar das einzig wahre Schach? - Sicherlich nicht, denn es ist einfach nur anders und es ist und bleibt zumindest immer noch Schach! Ob das Spielen im normalen Turniermodus wirklich darunter leidet, glaube ich persönlich nicht! Weshalb sollte es? Jedenfalls zolle ich, neben dem reinen schachlichen Können, ebenfalls Respekt dafür, sich auch auf unterschiedliche Turnierbedingungen einstellen zu können.
Arelius Arelius 15.02.2021 02:45
Die Weltspitze ist einfach weiter zusammengerückt und man sollte diesen Carlsen auch nicht überbewerten. Das, was er da beim Opera Euro Rapid gezeigt hat, war zudem auch noch mehr schlecht als recht. Dieses Online Schach mit diesem Zeitmodus ist sicherlich eine feine Sache, nur hat das mit dem normalen Turniermodus recht wenig gemein.
crizzy crizzy 15.02.2021 12:51
Der Weltmeister hat unsicher und schlecht gespielt, war gesundheitlich nicht auf der Höhe. Trotzdem hatte Magnus in der 3. Partie nach 18. Dd4? eine klare Gewinnchance mittel Sxg2 und hätte das Match ausgleichen können. Jeder einigermaßen taktisch versierte Spieler hätte hier geopfert: zwei Bauern für den Springer plus starken Angriff. 19.Lxe6 hatte sogar zwei gewinnbringende Antworten mit Sxe1 bzw. fxe6. Dieses Dauergezocke ist anstrengend und schlaucht. Magnus braucht dringend eine Auszeit.
Lt Marseille Lt Marseille 15.02.2021 12:08
Ich kann dem nur beipflichten. Mit der ganzen Blitzerei und Online-Zockerei versaut man sich sein ganzes Schach!
Heipit Heipit 15.02.2021 11:16
Magnus ist von seiner Form weit weg, wie wenn er zu viel Blitz- und Kurzpartien spielten würde, ohne sein fundamentales Schach weiterhin zu stärken. Er spielt zu risikohaft, macht Züge und Fehler, die auf seinem Level unerklärlich sind. Sein Abschneiden beim Tata-Steel-Turnier war schon sehr ernüchternd, in den Onlinespielen geht es gerade so weiter.

Das ist nicht der Mozart des Schachs, so wie wir ihn kennen, er lässt nach und müsste seine Situation mit einem Gross-Meister und "Mental-Mentor" seines Vertrauens gut analysieren!
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