OSG Baden-Baden ist Deutscher Mannschaftsmeister 2018

von André Schulz
24.05.2018 – Nachdem die OSG Baden-Baden und die SG Solingen die Saison punktgleich beendet hatten, wurde ein Stichkampf um den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters nötig. Dieser wurde heute in Baden-Baden ausgetragen. Der Titelverteidiger gewann knapp, aber ungefährdet mit 4,5:3,5. | Fotos: Guido Giotta, schachbundesliga.de

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Knapp, aber ungefährdet

Die zentralen Endrunden der Bundesliga-Sasion 2017/18 fanden spektakulär im Berliner Hotel Maritim statt. Einziges Manko in diesem Jahr: Es gab keinen Sieger. Die OSG Baden-Baden und die SG Solingen kamen beide mit gleicher Punktzahl, 15 Zählern ins Ziel. Entscheidung vertagt.

Baden-Baden hatte sich im Laufe der Saison ein Unentscheiden gegen den Hamburger SK geleistet und war dann im Spitzenspiel der Runde zehn - etwas unerwartet - der SG Solingen unterlegen. Diese hatten bis dahin nur ein Remis gegen Werder Bremen abgegeben und wäre mit zwei Punkten Vorsprung in Berlin in den Zielhafen eingelaufen, wäre da nicht in Runde 12 der SV Hockenheim quer gestanden. Die Hockenheimer Hürde erwies sich als zu hoch für die Solinger und nun war die OSG Baden-Baden weider im Rennen. Solingen und Baden-Baden fuhren also punkgleich nach Berlin und lösten beim langen Schach-Wochenende dann ihre Aufgabe. Das hieß gemäß dem Reglement: Es musste einen Stichkampf um den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters 2018 geben. 

Hier hat die Mannschaft mit der höheren Brettpunktausbeute Heimrecht, das war Baden-Baden. Die Termingestaltung erwies sich als nicht so einfach, denn das Baden-Badener Spiellokal im Kulturhaus L8 stand nach dem regulären Saisonende an den Wochenendtagen nicht zur Verfügung. In Absprache mit der SG Solingen fand man dann einen Termin in der Woche, an dem auch die meisten der Spieler zur Verfügung standen. Unter Gentlemen gab es anscheindend auch kein großes Hin-und Her-Gezerre um den strategisch günstigsten Termin zum eigenen Vorteil. Die Absprache wurde schnell und geräuschlos getroffen.

Der Termin kurz vor Beginn des Altibox Norway Chess Turniers kam der OSG Baden-Baden sicher nicht allzu ungelegen. Mit Caruana, Vachier-Lagrave und Anand sind drei Spieler der OSG dort eingeladen und konnten den Weg nach Stavenger elegant mit einer Zwischenstation in Baden-Baden nehmen. 

Stichkampf im LA 8

OSG- Mannschaftsführer Sven Noppes nahm die Aufgabe offenbar sehr ernst und brachte eine Mannschaft an den Start, in der kein Geringerer als Rustam Kasimdzanov den Platz am 8. Brett einnahm. Von den ersten Acht der Mannschaft fehlten nur Aronian und Vallejo-Pons, die durch Bacrot (#9) und Kasimdzhanov (#12) ersetzt wurden. Vallejo-Pins fehlte wegen seines Einsatzes in der Chinesischen Liga. Aus dem gleichen Grund musste die SG Solingen auf ihr zweites Brett, Harikrishna, verzichten. Außerdem fehlten den Solingern aus ihren ersten Acht Richard Rapport (#3), Shekhar Ganguly (#6), Robin van Kampen (#7) und Benjamin Bok (#8). Dafür konnten sie erstmals in der Sasion Anish Giri, ihre Nummer Eins, ans Brett bringen. Die fehlenden Spieler wurden durch Jan Smeets, Erwin l'Ami, Borki Predojevic, Mads Andersen und schließlich Pedrag Nikolic ersetzt - alles andere als Laufkundschaft.

Als erste beendeten dann Loek van Wely und Viswanathan Anand ihre Partie. Im 33. Zug, nach drei Stunden Spielzeit, wurde der Punkt in einem Endspiel geteilt, in dem der Niederländer einen allerdings schwer zu verwertenden Mehrbauern hatte.

Zu diesem Zeitpunkt waren bei Giri-Caruana schon reichlich Steine getauscht. Und auch Maxime Vachier-Lagrave und Markus Ragger befanden sich schon in einem Endspiel - mit je einem Turm und ungleichfarbigen Läufern. Erwin L'Ami und Radoslaw Wojtaszek hatten ein Doppelturmendspiel auf dem Brett, das mit vorgerücken Bauernpaaren allerdings noch etwas Spannung aufwies. In den übrigen fünf Partien konnte man noch einigermaßen volle Bretter sehen.

Schließlich brachten Rustam Kasimdzhanov und Peter Svidler den Titelverteidiger mit ihren Siegen über Pedrag Nikolic und Jan Smeets in Führung.

Nach einer langwierigen Positionspartie in der Französischen Verteidigung hatte Kasimdzanov den Bauern f7 gewonnen, den Ankerpunkt der schwarzen Stellung. Danach war die Partie rasch zu Ende.

 

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Nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5 Sfd7 5. f4 c5 6. Sf3 Sc6 7. Le3 untersucht der Autor die Hauptvariante mit 7... a6 und b5, das mutige Vorgehen mit 7... cxd4 8. Sd4 Db6 und die ruhigeren Stellungen, die nach 7...cxd4 8. Sd4 Lc5 entstehen.

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Peter Svidler hatte gegen Jan Smeets in der Russischen Partie zumeist die Führung und konnte seinen Vorteil im Endspiel mit Läuferpaar und Mehrbauern dann einigermaßen mühelos realisieren.

 

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Ohne Sieger endeten die Partien zwischen Michael Adams und Borki Predojevic sowie Erwin L'Ami und Radoslaw Wojtaszek. Zwischenstand nach 5 Stunden: 3,5:1,5 für Baden-Baden. Es liefen nun noch die Begegnungen zwischen Anish Giri und Fabiano Caruna, Maxime Vachier-Lagrave und Markus Ragger und Mads Andersson gegen Etienne Bacrot.

Am ersten Brett stand Anish Giri gegen Fabiano Caruana in einem Endspiel mit Dame und Läuder gegen Dame und Springer und vier gegen zwei Bauern tatsächlich zumindest theoretisch auf Gewinn. 

 

Markus Ragger hatte gegen Maxime Vachier-Lagrave in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern mit Minusbauern auf keinen Fall Gewinnaussichten, sondern kämpfte stattdessen ums Remis.

 

In der letzten Partie zwischen Mads Andersen gegen Etienne Bacrot hatte der Franzose eigentlich nach einem Qualitätsopfer eine deutlich bessere Stellung, sehr wahrscheinlcih gewonnen, die ihm dann aber um die Zeitkontrolle herum zum Remis entglitt.

 

Der halbe Punkt war aber für Baden-Baden völlig in Ordnung, genauso wie das Remis zwischen Vachier-Lagrave gegen Ragger. Anish Giri erzielte einen schönen Achtungserfolg gegen Fabiano Caruana, doch mehr als Ergebniskosmetik bedeutete dieser Sieg aus Sicht von Solingen nicht.

Giri schlägt Caruana

 

Ein toller Vizemeister: Die SG Solingen, vl.: Loek van Wely, Borki Predojevic, Pedrag Nikolic, Markus Schäfer (Vorsitzender der Bundesliga), Mads Andersen, Jan Smeets, Erwin l'Ami, Anish Giri

Überschattet wurde der Stichkampf vom Tod des Solinger Bundesliga-Urgesteins Herbert Scheidt. Er starb einige Tage vor dem Stichkampf nach kurzer, schwerer Krankheit. Zuvor hatte er das Vereinsleben über 50 Jahre lang mitgeprägt und auch mit seinen Kontakten dafür gesorgt, dass Solingen eine solche starke Mannschaft ins Rennen schicken konnte. Hoffentlich geht es in Solingen auch in der Bundesliga weiter.

Schachbundesliga...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Jörg Baier Jörg Baier 25.05.2018 09:21
"Früher war alles besser ..."

Beim Blick auf die aktuelle Schachbundesliga-Tabelle: https://www.schachbundesliga.de/tabelle/562/517
vermisse ich die Vereine aus den frühen 90er Jahren, um regelmäßig als Dortmunder Kiebitz vor Ort sein zu können. Für Dortmund selbst waren die SF Brackel vertreten und mit Castrop-Rauxel und Bochum war mein Schachbundesliga-Terminkalender komplett. Unvergessen bleibt aber auch Bamberg mit Dr. Helmut Pfleger, oder Köln mit Christopher Lutz.

"Einmal Bockwurst mit viel Senf, bitte", waren allzu oft meine Worte in den örtlichen Schach-Kantinen.

Tatort: Solingen. Auf ein Remis-Angebot eines IM nach der Zeitkontrolle in einem 4-Springer-Endspiel an den GM, Herrn Dr. Robert Hübner, mit den weißen Steinen, schüttelte dieser nur seinen Kopf und sagte wörtlich:
Zitat: "Entschuldigen Sie bitte, junger Mann, aber hier fängt doch Schach erst an."

Ehrlich gesagt, über diesen Satz muss ich heute noch schmunzeln, aber an der Aussage ist was Wahres dran, wenn man Endspiele mag und diese zu führen weiß, denn Wissen ist ja bekanntlich Matt.
Die Partie endete erwartungsgemäß mit 1:0.

Was mache ich nur mit den vielen Schachbundesliga-Disketten, die es früher noch käuflich zu erwerben gab?
Ich werde mich unsterblich machen und sie an das Chessbase-Museum spenden, sobald Ihr es eingerichtet habt.
"sponsored by Jörg Baier" ... das hat was.

Was ich noch sagen wollte ... Dieses live Dabei-Sein kann kein Medium ersetzen. Ich vermisses es.
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