Oslo Esports Cup: Praggnanandhaa holt sich nach Carlsen-Patzer die Führung zurück

von André Schulz
27.04.2022 – Tröstlich für alle Schachfreunde: Auch den Besten unterlaufen bisweilen grobe Fehler. In der 5. Runde des Oslo Esport Cups stellte Magnus Carlsen gegen Jorden van Foreest auf sehr schlichte Weise einen ganzen Turm ein und verlor damit Partie, Match und Spitzenposition. Praggnanandhaa holte sich so seine Führung zurück. | Fotos und Grafiken: Play Magnus Group

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Nach einem bis dahin nicht ganz überzeugenden Turnier, mit einer Matchniederlage gegen Le Quang Liem, hatte sich Magnus Carlsen in Runde vier am Montag gegen den Spitzenreiter Praggnanandhaa in Bestform gezeigt und nach einem überzeugenden 3:0 die Spitzenposition erobert. Doch die Freude darüber hielt nur einen Tag. Am Dienstag traf der Weltmeister auf Jorden van Foreest. Der Niederländer ist nicht mehr ganz so jung wie Praggnanandhaa - in drei Tagen feiert er seinen 23. Geburtstag -, aber doch auch ein Spieler der "jüngeren Generation", knapp zehn Jahre jünger als Carlsen. Eine besondere Komponente hatte die Begegnung dadurch, dass Jorden van Foreest beim letzten Weltmeisterschaftskampf von Magnus Carlsen gegen Ian Nepomniachtchi im Carlsen-Team als Sekundant mitgearbeitet hatte.

Der Wettkampf lief nicht gut für Magnus Carlsen. Nach einem Remis in der ersten Partie, gewann der Norweger in der zweiten Partie mit einer interessanten Variante in der Englischen Verteidigung einen Bauern und hatte Gewinnaussichten. Doch Jorden van Foreest schaffte es, die Partie unübersichtlich und kompliziert zu halten. Und dann passierte es:

 

 

 

 

In der dritten Partie geriet Carlsen in die Defensive, konnte die Partie aber halten und zum Remis führen. In der vierten Partie musste der Weltmeister nun unbedingt gewinnen, doch das gelang ihm nicht. Van Foreest sicherte sich das Remis und damit den Matchsieg.

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Jorden van Foreest war vom Sieg gegen seinen "Chef" selbst überrascht: "Es ist im Moment ein kompletter Schock. Ich habe nicht erwartet, dass ich Magnus in einer Partie, geschweige denn in einem Match, schlagen würde. Es ist also einfach ein Schock. Ich hatte definitiv viel Glück. Natürlich braucht man eine Menge Glück, um Magnus zu schlagen, aber es ist trotzdem ein großer Erfolg in meiner Karriere, den ich sehr hoch einschätzen würde."
 

Praggnanandhaa gab sich indes gegen Eric Hansen keine Blöße. Mit einem 2,5:0,5-Sieg hatte der Inder als erster sein Match mit Erfolg beendet. 

 

 

 

Trotz der so glatten Niederlage gegen Carlsen in der Runde zuvor, zeigte sich Praggnanandhaa selbstbewusst und hat den Turniersieg im Visier. "Der Sieg geht in Ordnung", kommentierte der Youngster aus Chennai seinen Erfolg, "weil ich gut gespielt habe. Ich werde in den restlichen Runden mein bestes Schach spielen." Auch die Preisbörse stimmt. Nach vier Siegen in fünf Matches hat er bereits 30.000 Dollar auf seinem Zähler. 

 

Die beiden anderen Partien der Runde fünf wurden erst im Stichkampf entschieden. Shakrhiyar Mamedyarov, der bisher auf kein besonders gutes Turnier blicken kann, gewann die zweite Stichkampfpartie gegen Anish Giri und damit das Match.

Jan-Krzysztof Duda feierte seinen 24. Geburtstag, erhielt aber von seinem Gegner Le Quang Liem keine Geschenke. Der Stichkampf ging mit 2:0 an den Vietnamesen. 

Zwei Runden vor dem Turnierende führt Praggnanandhaa das Feld an. Magnus Carlsen folgt auf Platz

Ein gewonnenes Match bringt 3 Punkte bzw. 2, wenn der Sieg nach Tiebreak zustande kam. Ein nach Tiebreak verlorenes Match bringt noch einen Punkt; wer ein Match glatt verliert, geht leer aus. 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.