Ostern auf Korfu

von Bettina Trabert
13.05.2019 – Viele nutzten die Osterfeiertage, um an einem Schachturnier teilzunehmen. Freunde des schönen Wetters konnten zum Beispiel nach Korfu fahren. Elofavorit Oleg Roimansichin hatte es gegen die junge Konkurrenz schwer. Stargast des Turniers war der bekannte Sänger und Schachfan Sakis Rouvas. | Fotos: Bettina Trabert

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Ostern in Korfu

Ostern in Korfu ist – wie die meisten Dinge in Griechenland – ein bisschen lauter und bunter als in Mitteleuropa. Das griechisch-orthodoxe Osterfest, in diesem Jahr eine Woche später als unseres, wird in Korfu mit einer besonderen Tradition gefeiert: Tausende von Zuschauern versammeln sich, wenn am Ostersamstag um Punkt 11 Uhr überall rote, mit Wasser gefüllte Tonkrüge von den Balkons der Altstadt geworfen werden.

Ein großes Geschepper…

Scherben bringen Glück – auch hier soll es Glück bringen, sich eine Scherbe mitzunehmen (allerdings sollte man warten, bis wirklich alle Krüge unten sind…)

Die eigentliche Feier findet dann in der Osternacht von Samstag auf Sonntag als Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Spianada-Platz, dem größten Platz Griechenlands statt. Anschließend gibt es genau um Mitternacht ein großes Feuerwerk, und dann wird in den meisten Häusern noch gegessen und weiter gefeiert. Am Sonntag ist es auf den Straßen ungewohnt ruhig.

Und am Ostermontag? Da kann man Schach spielen. Das 1. Korfu-Oster-Open, das in diesem Jahr ausgetragen wurde, soll eine alte Tradition von Turnieren wieder zum Leben erwecken.

Eine Tradition, die auch in Korfu begonnen hat: 1989 fand hier das erste Sommer-Open statt – das erste überhaupt in Griechenland. Weitere große Opens und Schachveranstaltungen folgten: In den 90er Jahren besuchten viele berühmte Spieler die Insel, darunter Karpov und Kasparov für Simultanvorstellungen, Jan Timman und die Polgarschwestern für Wettkämpfe gegen die damals stärksten griechischen Spieler, zu denen auch der einheimische GM Skembris zählte.

Nach einer längeren Pause wurden die korfiotischen Schachorganisatoren vor etwa 10 Jahren wieder aktiv. Angesichts des überalterten Teams beschloss man, eine neue Basis im Jugendschach zu schaffen, und zwar mit einem sehr optimistisch angelegten Trainingsprogramm für Kinder. Drei Schachtrainer besuchen seitdem jedes Jahr alle Vor- und Grundschulen in Korfu und veranstalteten dort einen Schachtag: 7000 Kinder kamen so zuletzt in einer Saison ans Brett – das ist rund die Hälfte aller Schulkinder dieses Alters!

Plakatwerbung für die diesjährige Schulschachmeisterschaft: Alle ans Brett, von der Katze bis zum Kleinkind!

Die Jahrgangssieger aller Schulen wurden dann vom Verein zu einem großen Turnier eingeladen. Und viele blieben auch im Schachverein „hängen“: Rund 200 Kinder sind im Moment für das Training eingeschrieben, das an sechs Tagen der Woche an zwei verschiedenen Standorten angeboten wird. Die besten Spieler haben die Möglichkeit, Extra-Unterricht zu bekommen. Nach knapp 10 Jahren sind die Erfolge auch in der Spitze sichtbar: Bei den griechischen Meisterschaften holte der korfiotische Nachwuchs in den letzten Jahren einige Medaillen. Auch die Mannschaft von Korfu ist mit Hilfe der Jugendlichen sowie dem in die Heimat zurückgekehrten GM Spyridon Skembris inzwischen wieder in die erste griechische Liga aufgestiegen.

Und so meinte der Präsident des Schachclubs, Manos Nathanail, dass es an der Zeit sei, den jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, sich auch in offenen Turnieren mit stärkerer Konkurrenz zu messen. In diesem Jahr hatte das ‚Corfu Open’ mit insgesamt 80 Teilnehmern noch relativ bescheidene Ausmaße, aber größere Veranstaltungen sind geplant.

 

Alte Freunde:  Nikos Skiadopoulos, Vorsitzender der Nordwest-griechischen Schachunion und einer der besten Spieler Korfus, mit Weiß gegen GM Spyridon Skembris, den einzigen Großmeister aus Korfu. Dahinter Panagiotis Avgustis, einer der hiesigen Nachwuchsspieler.

Der vielgereiste ukrainische GM Oleg Romanischin hatte es nicht immer leicht, sich gegen die einheimischen Spieler durchzusetzen, mit 6,5 Punkten belegte er den 5. Platz.

Der 22-jährige FM Panagiotis Koutoukidis aus Athen gewann das Turnier, mit einem halben Buchholzpunkt Vorsprung vor GM Skembris.

Keiner ist zu klein für Schach: Im B-Turnier kämpften schon die jüngsten mit.

Der 8-jährige Apostolos Palaiologou, griechischer Meister seiner Altersklasse, spielte im B-Turnier ganz vorne mit.

Mindestens so viele kleine wie große Sieger.

Ein besonderer Turniergast war Sakis Rouvas. Der in Griechenland sehr beliebte Sänger hat schon mehrfach bei „Eurovision“ für sein Land teilgenommen, mit dem Lied „Shake it“ erreichte er 2004 den dritten Platz.

 

Sakis stammt aus Korfu und ist Schachfan. Wenn er in der Heimat weilt, schaut er immer gerne mal beim Schach vorbei und setzt sich mitunter auch selbst ans Brett.

Hier spielt Sakis im Schachcafé „Akteon“ gegen Katerina Gkoutzouki, die selbst schon eine kleine Berühmtheit ist: Die inzwischen 11-jährige war in ihrer Altersklasse schon mehrfach griechische Meisterin und hat zweimal erfolgreich an der Jugend-EM teilgenommen. Als Zuschauer Giannis Revithis, Schachspieler und Direktor des lokalen TV-Senders.  

Der Spielort des Turniers war diesmal das 5-Sterne-Hotel „Korfu Holiday Palace“ in Kanoni, benannt nach der alten Festungsanlage mit Kanonen, die dort einst vom Berg aus die Insel verteidigten. Hier lag auch die antike Stadt Korfu, von der heute nur noch wenige Überreste zu sehen sind.

Der Blick von Kanoni (Titelbild, s.o.) ist wohl das am meisten fotografierte Postkartenmotiv von Korfu. Vorne das kleine Kloster Vlacherna, im Hintergrund Pontikonissi, die „Mäuseinsel“.

Und der Blick zurück von der Mäuseinsel: Rechts das Hotel, wo das Turnier stattfand.

Direkt neben dem Spielsaal: Nach der Partie konnte man sich am Pool oder weiter unten am Strand erholen.

Remispartien müssen nicht langweilig sein. Hier sind ein paar interessante Momente, die Bedeutung für den Ausgang des Turniers hatten:

 
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Scheinbar ist es schlecht um Weiß bestellt. Es droht sehr ernst ...Ta1. Aber Weiß hat noch einen Pfeil im Köcher. 45.g4! Qc1 Jetzt ist 45...Ra1 46.Qe7+ Kg8 46...Kh6?? 47.Qf8# 47.Qe8+ Dauerschach 46.d4! Der Läufer muss mitspielen. Qf4 47.Bc4 Qxe4+? Zu verlockend, noch dazu mit Schach. Zum Sieg führte nur der starke prophylaktische Zug 47...Kh6! und der weiße Angriff wird ausgebremst. 48.f3 Jetzt steht Weiß schon nicht mehr schlechter. Qf4 48...Qxd4 49.Qg8+ Kh6 50.Qf8+ Rg7 51.Qxf6 Qd2+ 52.Kh3 Qc1 53.g5+ Kh5 54.Qxg7 Qh1+ mit Dauerschach 49.Qg8+ Kh6 50.Bf7! Mit Mattdrohung auf f8. Qd2+ 51.Kh3 Qb4 52.dxe5 Qa3 53.Bd5 fxe5? 53...f5! 54.gxf5 Qd3 hält wiederum mit Dauerschach remis. 54.Be4? Weiß gibt das Kompliment zurück. Es droht 55.g5+ Kh5 56.Lg6+ nebst Dh8+, aber Schwarz hat eine Verteidigung. Zum Sieg führte das schlaue 54.Qe6! mit der Drohung g5+ nebst Dg4 matt, und auf Ra4 erneuert 55.Bb3! die Drohung: Rb4 Ansonsten muss Schwarz die Dame aufgeben. 56.g5+ Kh5 57.Qg4+! Rxg4 58.fxg4# 54...Qa6! Sichert den Ausgleich. Aber nicht 54...Qd6 55.Bf5! und die Drohung g5+ nebst Lg4 entscheidet 55.Qf8+ Rg7 56.g5+ Kh5 57.Qxg7 Qf1+ Also doch Dauerschach. ½–½
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Skembris,S2395Kourkoulos-Arditis,S2449½–½2019A11Korfu Open7.1

 

 
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Alexandros Valsamis ist ein begabter Nachwuchsspieler aus Korfu, der sicherlich unterbewertet ist. Jedenfalls musste der spätere Turniersieger in der letzten Runde noch ein paar bange Momente überstehen. Die folgenden Züge lassen vermuten, dass in Korfu immer noch ein guter Teil des Trainings im Kaffeehaus stattfindet... 18.Ng5 Was will der Springer dort? h6 19.Qh5 Ach was, es gibt doch noch einen Springer! hxg5 20.hxg5 Bf8? Mit 20...Nd7! 21.g6 bzw. 21.Ng4 g6 21...fxg6 22.Qxg6 Nf8 hätte Schwarz den wilden Angriffsversuch entkräften können. 21.Ng4! Da ist der zweite - jetzt werden die Drohungen schon ernster. Ne7 22.Nf6+! Und auch der will sich nur opfern. gxf6 23.exf6 Qd7 24.fxe7 Qxe7 25.g6! Die nächste Brechstange. fxg6 26.Qxg6+ Noch stärker war 26.Qg4! was aber psychologisch schwer zu finden ist. Nach Bb5 27.Rxe6 greift auch der weiße Turm in den Angriff ein, was Weiß deutlich bessere Chancen verspricht. 26...Qg7 27.Qxe6+ Qf7 28.Qg4+ Der Wunsch, Dauerschach zu geben, ist natürlich verständlich, vor allem wenn der Gegner 500 Elopunkte mehr aufweist. Tatsächlich braucht Weiß den Damentausch aber nicht zu fürchten. Nach 28.Bxb8 Rxb8 29.a4 stände Weiß angesichts der nicht optimalen Koordination der schwarzen Figuren immer noch etwas besser. 28...Qg7 29.Qe6+ Qf7 30.Qg4+ Qg7 31.Qe6+ ½–½
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Valsamis,A1841Koutoukidis,P2357½–½2019A05Korfu Open9.1

 

 
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Diese Partie aus der letzten Runde sollte sich als das Zünglein an der Buchholzwaage erweisen. Hätte Schwarz die Partie gewonnen, wären die beiden Erstplazierten nach Buchholz und allen weiteren Kriterien punktgleich gewesen. 42...Nf6 43.Qxf5? 43.Qe2!= wäre klüger. 43.Qxh6+? Rh7 44.Qg5 Rg8 45.Qxf5 Rxh4 mit nachfolgendem ...Sg4+ macht nur dem Schwarzen Spaß. 43...Rg8! Jetzt droht ...Sg4+ mit Damengewinn. 44.Qe6 Darauf hatte sich der in Zeitnot befindliche Weißspieler verlassen. Ng4+! Trotzdem! 45.Bxg4 Qxh4+ 46.Bh3 Rfg7 47.Rf1 Rxg3 48.Rxg3 Qxg3+ 49.Kh1 Schwarz nahm das Remisangebot an, dabei stand er glatt auf Gewinn! Nach 49...Dh4 50.Kh2 e3 51. Tf3 gewinnt am schnellsten 51...Le5!, und der e-Bauer geht durch. ½–½
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Gouloutis,N2361Avgoustis,P2004½–½2019A47Korfu Open9.4

 

Endstand

1 5 FM Koutoukidis Panagiotis 2357 GRE 7 ½
2 3 GM Skembris Spyridon 2395 GRE 7 ½
3 2 IM Kourkoulos-Arditis Stamatis 2449 GRE 1
4 4   Gouloutis Nikolaos 2361 GRE 1
5 1 GM Romanishin Oleg M 2456 UKR 1
6 6   Markidis Konstantinos 2274 GRE 6 0
7 12   Avgoustis Panagiotis 2004 GRE 0
8 20   Valsamis Alexandros 1841 GRE 0
9 19   Sideris Theodoros 1852 GRE 0
10 24   Makris Spyridon-Dionysios 1731 GRE 5 0
11 15 AIM Skiadopoulos Nikolaos 1937 GRE 5 0
12 10   Leftheriotis Alexandros 2054 GRE 5 0
13 29   Bebis Epaminondas-Alexandros 1578 GRE 5 0
14 14   Stratigos Spiros 1957 GRE 0
15 17   Agistriotis Mihail 1910 GRE 0
16 18   Georgiadis Alexandros 1910 GRE 0
17 9 IM Skalkotas Nikolaos 2056 GRE 4 0
18 26   Banos Polyhronis 1657 GRE 4 0
19 11   Harokopakis Georgios 2009 GRE 4 0
20 23   Stoumbou Eleni 1795 GRE 4 0

35 Spieler

 

 

Turnierseite...

 


Bettina Trabert, seit 2000 WGM, nahm an mehreren Jugendweltmeisterschaften teil und spielte an fünf Schacholympiaden und zwei Mannschaftseuropameisterschaften für Deutschland. Für die ChessBase Nachrichtenseite hat sie bereits eine Vielzahl von Turnierberichten verfasst.

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