Peter Weber bester Arzt

06.06.2008 – Ende März (28.-30.3) fand in Bad Homburg im Maritim Kurhaushotel zum 16ten mal die vom Ärzteblatt organisierte Meisterschaft der Ärzte im Schach statt, an der sich in diesem Jahr knapp 150 Mediziner, davon viele mit gutem Clubniveau, beteiligten. Bei einer Bedenkzeit von 30 Minuten wurden am ersten Turniertag sechs Partien gespielt, am zweiten drei. Vlastimil Hort und Dr. Helmut Pfleger gaben zudem Simultanvorstellungen. Sieger wurde zum dritten Mal nach 1998 und 2003 Peter Weber, der für Monheim in der NRW-Liga spielt, vor Hannes Knuth und Peter Krauseneck. Rechtzeitig vor Quartalsende hier der Bericht.Artikel beim Deutschen Ärzteblatt... Artikel bei RP-online...Nachdruck...

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
 

Ärzteschach
Opferlust in Bad Homburg
Von Dr. Helmut Pfleger
Fotos: Josef Maus

Alle Jahre wieder, aber mit ungebrochener Begeisterung, treffen sich Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland auf Einladung des Deutschen Ärzteblattes zum Schachspielen.




Mit den Schach spielenden Ärzten kam auch die Sonne über Bad Homburg. Am letzten Märzwochenende hatten sich 145 Ärzte versammelt (die Osterferien verhinderten einen noch größeren Andrang), um all die Alltagssorgen um Budget und Abrechnung eine Zeitlang zu vergessen und sich der laut Dr. med Modjataba Abtahi „schönsten Nebensache der Welt“, dem Schachspiel, hinzugeben. Kommen dieses Schachspiel und sein Name (Schah = König) doch aus Abtahis ursprünglichen Heimat Persien – wegen dieser etymologischen Verwandtschaft ließ es Khomeini für viele Jahre verbieten.

Bereits zum 16. Mal fand die Deutsche Ärzteschachmeisterschaft in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schachbund und Unterstützung des Schachclubs Bad Homburg nun bereits statt, gar nicht wenige waren von Anfang an immer dabei. Andere Berufsgruppen können da nur neidvoll staunen, der Versuch der Juristen beispielsweise schlief schon nach dem zweiten Mal ein. Kaum denkbar wäre indes das in einem so großzügigen Rahmen durchgeführte Ärzteturnier ohne die Unterstützung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank und deren Direktor Manfred Hermes. Frei nach Schiller, dem das Schachspiel ein großer Trost noch in seinem Sterben war, kann man sagen: „Er teilte jedem eine Gabe, dem Schachbuch, jenem anderes aus, der Jüngling und der Greis am Stabe, ein jeder ging beglückt nach Haus.“

In der derzeitigen Debatte um Ärzteirrtümer mit entsprechenden Selbstbezichtigungen, wovon stellvertretend das humorvolle Opus magnum eines Professors für Allgemeinmedizin „Meine gesammelten Fehldiagnosen“ mit jährlichen Ergänzungen künden mag, sollte nicht vergessen werden, dass nicht nur heilende, sondern auch Schach spielende Ärzte Fehler machen, wie schon der Spötter Tartakower wusste: „Eine Schachpartie ist ein Märchen aus 1001 Fehlern.“

Um dies und die keineswegs gewagte These „Meine Torheiten wachsen schneller heran als meine Erfahrungen reifen“ in einem statistisch abgesicherten Großversuch zu untermauern, wurde schließlich das Ärzteschachturnier einst vom stellvertretenden Chefredakteur des Deutschen Ärzteblattes, Josef Maus, der eine unerklärliche und wahrlich leidgeprüfte Liebe zum 1. FC Köln hegt, ins Leben gerufen. Mutmaßlich wollte er sich und der außerkölnischen Welt beweisen, dass nicht nur fußballernde Geißböcke Mist machen.


Wer ist der nächste Gegner?








Helmut Pfleger begutachtet das Werk der Kollegen


Peter Weber (re.)





Ergiebiges (Bockmist-) Material für die lüsternen, aber dank ihres Arztseins selbstverständlich stets objektiven und nie schadenfrohen Kiebitze lieferten insbesondere die Zeitnotgefechte der Schnellpartien mit nur einer halben Stunde Bedenkzeit für die ganze Partie. Da wurde wild geopfert, manchmal mit gutem, manchmal weniger guten Ergebnis. Da wurden aber auch hin und wieder einzügige Matts übersehen und in der 8. Runde etliche Springer mitten auf dem Brett „verhaftet“, von simpel verloren gegangenen oder kunstvoll eroberten Damen ganz zu schweigen.

Apropos Damen. Nur zwei keinesfalls hölzerne, sondern recht lebendige, junge Damen hatten sich diesmal ohne ihre Anführerin Dr. med. Utta Recknagel, die leider wegen Familienferien mit Kindern und Enkeln nicht teilnehmen konnte, unter die Männermeute gewagt. „Da ist ja der Frauenanteil noch geringer als bei den Unfallchirurgen (dort sind es fünf Prozent)“, sagte mir eine begleitende Unfallchirurgin. „Aber oho“, antwortet der begeisterte Chronist.

Dr. med. Bergit Brendel und Dr. med. Andrea Huppertz spielten beide hervorragend; erstere überwältigte gar mit einem herrlichen, in allen Varianten korrekten Springeropfer den gefürchteten Bamberger Recken Prof. Dr. med. Peter Krauseneck, der sich so mit dem dritten Platz (auch nicht schlecht!) begnügen musste. Per Definition war es übrigens kein Opfer à la ihrem Vorbild Mihail Tal, dem ehemaligen Weltmeister und Hexenmeister aus Riga, der humorvoll über sich sagte: „Es gibt zwei Arten von Opfern – meine und korrekte!“ Gelegentlich soll Bergit Brendel laut Augenzeugen allerdings auch wie Tal opfern.

Es gewannen schließlich ex aequo „Altmeister“ Dr. med. Peter Weber, der angeblich schon auf die 50 zugeht (keiner glaubt’s ihm – erhält Schach etwa gar jung?) und den nach dem Tod seines einstigen Idols (hoffentlich nur schachlich!) Bobby Fischer im Januar wieder verstärkt die Schachlust packte, und der mehrfache Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern Dr. med. Hannes Knuth. Vielleicht fuhr ja gar der „genius loci“ in den nach Feinwertung Ersteren, immerhin war Bobby Fischer einst (da lag Dr. Weber allerdings noch in der Wiege) in Bad Homburg, allerdings nicht zum Schachspielen, sondern in der Spielbank. Dr. med. Helmut Pfleger



Simultan
Von Helmut Werner

Als Dr. med. Timm Ludwig in der ersten Runde der Ärztemeisterschaften trotz Gewinnstellung (drei Mehrbauern) wegen Zeitüberschreitung die Partie verlor, kommentierte der Kiebitz Dr. med. Michael Ullrich treffend: „Jetzt wird auch schon die Zeit budgetiert und gedeckelt.“





Die Budgetierungsproblematik spielte am Vorabend bei den Simultanveranstaltungen der Großmeister Vlastimil Hort und Dr. med. Helmut Pfleger keine Rolle. Pfleger, der am Vortag noch ein Simultanturnier in Moers absolvierte (27 Gegner, 21 Siege, 6-mal remis), spielte gegen 14 Berufskollegen simultan und diesmal ohne Uhrenhandicap. Vlastimil Hort stellte sich 25 hoch motivierten Ärzten.



Pfleger und Hort spielten gewohnt stark und gaben sich auch in brenzlichen Situationen keine Blöße. Beide wiesen auf Eröffnungsvarianten hin, zeigten gelegentliche Fehlzüge ihrer Gegner auf, gaben ihnen die Möglichkeit der längeren Bedenkzeit und zeigten sich trotz der hohen Konzentration äußerst kommunikativ. Pausen für die Protagonisten gab es nur durch gelegentliche Flüssigkeitsaufnahme (Hort Kaffee, Pfleger Tee).

Nach zweieinhalb Stunden konnte Pfleger 11 Siege verbuchen und spielte dreimal remis gegen die starken Dr. med. Wilhelm Burow, Kassel, Dr. med.Peter Dorner, Villingen, und Dr. med. Bernd Skutta, Köln. Als Hort kurz vor Mitternacht und nach etlichen Kilometern Fußmarsch Bilanz zog, hatte er 24 Siege und ein Remis gegen Dr. med. Tomislav Trupkovic aus Speyer auf der Habenseite. Das parallel stattfindende Blitzturnier gewann Dr. med. Giampiero Adocchio (Mosbach) überlegen mit 9½ Punkten aus elf Partien vor Dr. med. Hannes Knuth (Ludwigslust) mit acht Punkten.
 

Die besten Zehn
Rang Teilnehmer Ort Punkte
1 Weber, Peter Langenfeld 8,0
2 Knuth, Hannes Ludwigslust 8,0
3 Krauseneck,Peter Bamberg 7,0
4 Rautenstrauch, Hans Stuttgart 7,0
5 Kröger, Jan Sauensiek 7,0
6 Jaster, Robert Rostock 6,5
7 Jacob,Helmut Ochtrup 6,5
8 Müschenich,Stefan Münster 6,5
9 Loukanov,Tsevetomir Eppelheim 6,5
10 Jordan,Michael Schmelz 6,5



Die Sieger (v. l.): Hans Rautenstrauch, Peter Weber, Hannes Knuth, Peter Krauseneck und Jan Kröger
 

 

 

 

 


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