28.03.2015 – Drei Begegnungen mit verkürzter Bedenkzeit entschieden im Tie-Break der vierten Runde über den Einzug ins Halbfinale. Sie waren dramatisch: Marya Muzyckuk setzte sich in zwei taktischen Partien gegen Humpy Koneru durch, Natalia Pogonina brachte das Wolga-Gambit ein zweites Mal Glück und Pia Cramling besiegte Anna Muzychuk im Blitz. Mehr...
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Im zweiten Teil seiner Serie zur Vorteilsverwertung richtet IM Harald Schneider-Zinner den Fokus auf dynamische Chancen und technische Umsetzung.
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Marya Muzychuk gegen Humpy Koneru
Marya Muzychuk
Humpy Koneru
Beide Schnellpartien zwischen Humpy Koneru, der Nummer eins der Setzliste, und Marya Muzychuk, verliefen äußerst taktisch betont. In der ersten hatte die Inderin Schwarz und kam gut aus der Eröffnung heraus. Nach dem Damentausch kam es zu einer komplizierten taktischen Stellung mit ungewöhnlichen Motiven, in der sich beide trotz verkürzter Bedenkzeit gut zurechtfanden. Humpy Koneru hatte stets leichte Initiative, aber Muzychuk behielt die Übersicht und rettete sich schließlich in ein Turmendspiel mit Minusbauern, das sie ohne große Probleme Remis halten konnte.
In der zweiten Partie hatte die Inderin Weiß und wieder übernahm sie aus der Eröffnung heraus die Initiative. Doch dann fiel sie - wie schon in der ersten Partie gegen Marya Muzychuk mit klassischer Bedenkzeit - einem taktischen Konter zum Opfer.
Humpy Koneru - Marya Muzychuk, Stellung nach 33...Te3.
Weiß hat eine Qualität mehr und hätte nach 34.Tf1 auf Gewinn gestanden. Doch Weiß spielte 34.Dc1? und nach 34...Sd3 stand auf einmal Schwarz auf Gewinn. Der schwarze Springer greift die weiße Dame und den weißen Turm auf e1 an und 35.Txd3 scheitert an 35...Dxg3#. Weiß versuchte es noch mit dem Trick 35.Ld8, aber nach 35...Txe1+ 36.Dxe1 kostete sie das Zwischenschach 36...Dc5+ die Dame. Wenig später gab Humpy Koneru auf und Marya Muzychuk war für die Runde der letzten vier qualifiziert.
Zhao Xue gegen Natalia Pogonina
Für Verblüffung sorgte die Eröffnung in der ersten Schnellpartie zwischen Zhao Xue und Natalia Pogonina. Zhao Xue hatte Weiß und ließ sich erneut auf das Wolga-Gambit ein, mit dem Pogonina am Tag zuvor den so notwendigen Sieg erzielen konnte. Noch überraschender war, dass die Chinesin keine wirklich überzeugende Spielweise gegen dieses Gambit präsentieren konnte. So verlief die Partie ähnlich wie die am Tag zuvor: Zhao Xue verbrauchte viel Zeit, um allen schwarzen Drohungen auszuweichen und übersah am Ende in schwieriger Stellung einen taktischen Trick.
Dank Wolga-Gambit in Runde 5: Natalia Pogonina
Zhao Xue - Natalia Pogonina, Stellung nach 44.Dxd3.
Mit 44...Txg2+ gewann Schwarz eine Figur. Nach 45.Kxg2 Db2 fällt der Turm auf a1.
In der zweiten Partie hatte Pogonina mit Weiß keine allzu große Mühe, das Spiel der Chinesin zu neutralisieren. In deutlich besserer Stellung beendete sie die Partie schließlich mit einem Dauerschach und hatte sich durch dieses Remis für die nächste Runde qualifiziert.
Anna Muzychuk gegen Pia Cramling
Anna Muzychuk
Pia Cramling
Einen erbitterten Kampf lieferten sich Anna Muzychuk und Pia Cramling. In der ersten Partie spielte Muzychuk mit Weiß von Beginn energisch auf Angriff, der von Cramling jedoch pariert wurde. Bald stand dann ein dynamisches, objektiv ausgeglichenes Endspiel auf dem Brett und dort unterlief Muzychuk ein schwerer Fehler.
Anna Muzychuk - Pia Cramling, Stellung nach 35...Ke4
Hier spielte Muzychuk 36.Td3? und jetzt kam Schwarz mit 36...Sh3 mit der Drohung 37...Sg1+ entscheidend in Vorteil. Weiß fand nichts Besseres als den Rückzug 37.Td1, aber nach 37...d3+ 38.Kf1 Tf8+ 39.Kg2 Sf2 konnte sie den d-Freibauern nicht mehr aufhalten und gab nach 40.Tf1 d2 41.a3 d1D 42.Txd1 Sxd1 43.axb4 Sxb2 44.e6 Te8 45.Sd7 Sd3 schließlich auf. 0–1
Doch in der zweiten Partie schlug Muzychuk zurück. In einer scharfen Eröffnungsvariante opferte sie mit Schwarz bereits in der Eröffnung eine Qualität, für die sie jedoch mehr als genügend Kompensation erhielt. Cramling suchte ihr Heil im weiteren Verlauf der Partie in einem Angriff auf den König, den sie mit etlichen Materialopfern vorantrieb. Doch das brachte keinen Erfolg und am Ende stand ein Endspiel auf dem Brett, in dem Cramling mit Turm und König gegen König, Springer, zwei f- und einen g-Bauern kämpfen musste. Dieses Endspiel gewann Muzychuk und die beiden mussten in die Verlängerung und zwei Blitzpartien mit je zehn Minuten Bedenkzeit spielen.
In der ersten dieser beiden Blitzpartien hatte Cramling Weiß und es blieb taktisch. Muzychuk entschied sich für die Benoni-Verteidigung und nach einer taktischen Sequenz kam es zu einer Stellung, in der Cramling mit Dame gegen Turm und zwei Springer spielte. Eigentlich mehr als genug Material für die Dame, aber die schwarzen Figuren standen unharmonisch und zudem verfügte Weiß noch über gefährliche Freibauern. Diese Vorteile nutzte Cramling geschickt aus und ging erneut in Führung.
Pia Cramling - Anna Muzychuk, Weiß hatte soeben 45.De6 gespielt. Schwarz gab auf.
In der zweiten Blitzpartie spielte Muzychuk dann unter hohem Risiko auf Gewinn und opferte bereits in der Eröffnung eine Qualität, um Chancen zu bekommen.
Anna Muzychuk - Pia Cramling, Stellung nach 15...Sxg2.
Objektiv sollte Weiß jedoch nicht genügend Kompensation für die Qualität haben. Im weiteren Verlauf der Partie verteidigte sich Pia Cramling umsichtig und wehrte alle weißen Drohungen ab. Und als nach dem 53. Zug von Weiß nur noch die beiden Könige auf dem Brett standen, hatte sich auch Cramling für das Halbfinale qualifiziert.
Damit ist ihr wie allen anderen Halbfinalistinnen ein Preisgeld von mindestens 20.000 US-Dollar sicher. Die Verliererinnen der vierten Runde erhalten immerhin 12.000 US-Dollar.
Runde vier
Player
Fed
Rtg
G1
G2
G3
G4
G5
G6
G7
G8
G9
Pts
Muzychuk, Mariya
UKR
2526
1
0
½
1
2,5
Koneru, Humpy
IND
2581
0
1
½
0
1,5
Player
Fed
Rtg
G1
G2
G3
G4
G5
G6
G7
G8
G9
Pts
Pogonina, Natalia
RUS
2456
0
1
1
½
2,5
Zhao, Xue
CHN
2527
1
0
0
½
1,5
Player
Fed
Rtg
G1
G2
G3
G4
G5
G6
G7
G8
G9
Pts
Cramling, Pia
SWE
2495
½
½
1
0
1
½
3,5
Muzychuk, Anna
UKR
2552
½
½
0
1
0
½
2,5
Player
Fed
Rtg
G1
G2
G3
G4
G5
G6
G7
G8
G9
Pts
Arabidze, Meri
GEO
2374
½
0
0.5
Harika, Dronavalli
IND
2492
½
1
1,5
Partien:
Zeitplan:
Datum
Ereignis
Zeit
März, 16.
Ankunft der Teilnehmer Eröffnungsfeier
Technische Vorbesprechung
19:30
Runde 1 - 64 Spieler
März, 17.
Partie 1
15:00 Ortszeit
März, 18.
Partie 2
15:00 Ortszeit
März, 19.
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
Runde 2 - 32 Spieler
März, 20.
Partie 1
15:00 Ortszeit
März, 21.
Partie 2
15:00 Ortszeit
März, 22.
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
Runde 3 - 16 Spieler
März, 23.
Partie 1
15:00 Ortszeit
März, 24.
Partie 2
15:00 Ortszeit
März, 25.
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
Runde 4 - 8 Spieler
März, 26.
Partie 1
15:00 Ortszeit
März, 27.
Partie 2
15:00 Ortszeit
März, 28.
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
Runde 5 - 4 Spieler
März, 29.
Partie 1
15:00 Ortszeit
März, 30.
Partie 2
15:00 Ortszeit
März, 31.
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
Ruhetag - April, 1
Runde 6 - 2 Spieler
April, 2
Partie 1
15:00 Ortszeit
April, 3
Partie 2
15:00 Ortszeit
April, 4
Partie 3
15:00 Ortszeit
April, 5
Partie 4
15:00 Ortszeit
April, 6
Stichkämpfe
15:00 Ortszeit
April, 7
Schlussfeier*
*Die Schlussfeier kann auf den 6. April verlegt werden,
falls keine Stichkämpfe stattfinden
Fotos: Turnierseite (Eteri Kublashvili, Vladimir Barsky, By B. Dolmatovsky)
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
Eigentlich unfassbar das Humpy Koneru so einen Patzerzug wie 34.Dc1 im Schnellschach gemacht hat. Sie hat einfach keine starken Nerven.
Nun wird wieder eine Spielerin Weltmeister welche gar nicht die Stärkste ist. Einfach schade und was diesen WM-Modus sehr in Frage stellt.
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