Polen bei den NATO-Meisterschaften

12.03.2019 – Sehr oft gingen die deutschen Teilnehmer bei den NATO-Schachmeisterschaften in der Mannschaftswertung als Sieger hervor. Nach 2016 konnten die Polen aber im letzten Jahr zum zweiten Mal die Mannschafstwertung für sich entscheiden. Oberstleutnant Sławomir Kędzierski berichtet von den NATO-Meisterschaften 2018 aus polnischer Sicht. | Das Foto zeigt Colonel Tomasz Malinowski, Foto: Wojciech Król

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Polen bei den Schachmeisterschaften der NATO

Von Oberstleutnant Sławomir Kędzierski

Nachdruck aus Mat, mit freundlicher Genehmigung

Die Soldaten der NATO-Staaten spielen gerne Schach. Die ersten NATO-Meisterschaften im Schach fanden 1978 statt, seit 1993 gibt es jedes Jahr ein Turnier. Bei den Eröffnungsfeiern sind neben den Schachspielern oft die Verteidigungsminister oder die Stellvertretenden Verteidigungsminister der teilnehmenden Länder dabei, dazu noch Generäle, Offiziere und Vertreter der nationalen Schachverbände.

Die sportliche Rivalität ist groß, vor allem beim Mannschaftswettbewerb im klassischen Turnier. Zu den Siegern der NATO-Einzelmeisterschaften zählen Großmeister wie der Norweger Simen Agdestein oder der deutsche Großmeister Jan Gustafsson. Auch Deutschlands Nummer eins bei den Frauen, Elisabeth Pähtz, oder Endspielexperte Karsten Müller (damals noch FM) waren schon bei NATO-Meisterschaften dabei.

Jedes NATO-Mitglied hat das Recht, sechs Spieler für die Nationalmannschaft und zwei für die NATO-Mannschaft zu nominieren. Die Ergebnisse der vier besten Spieler der Nationalmannschaft gehen in die Mannschaftswertung ein. Spieler der gleichen Nation spielen nicht gegeneinander, es sei denn, die Regularien der Auslosung machen es zwingend erforderlich.

Polen hat seit 2002 an jeder NATO-Meisterschaft teilgenommen und gehörte auch bei starker Konkurrenz meist zu den Medaillengewinnern. Seit 2003 organisiert das Polnische Militär (PAF) regelmäßig Armeemeisterschaften (wobei 2009 und 2018 allerdings keine Meisterschaften gespielt wurden), und diese Armeemeisterschaften dienen als Qualifikationsturniere für die NATO-Meisterschaften. Die drei Erstplatzierten dürfen Polen bei den NATO-Meisterschaften vertreten. Die restlichen Spieler der Mannschaften werden nach Elo-Zahl und Turnierergebnissen ausgewählt. Alle Mitglieder der Nationalmannschaft müssen bestimmte physische und psychische Anforderungen erfüllen und stressresistent sein. In der Regel absolvieren die Mitglieder der Nationalmannschaft einige Wochen vor der NATO-Meisterschaft ein gemeinsames Trainingslager, um gut vorbereitet für das eigentliche Turnier zu sein.

Polen hat die Geschicke des für Schach verantwortlichen Internationalen Militärkomitees seit 2012 gelenkt, mit Colonel Tomasz Malinowski als Vorsitzendem und Oberstleutnant Sławomir Kędzierski als Schriftführer. Diese Pflichten waren zuvor von den Niederlanden übernommen worden, und zwar von Hendrik Steffers (General im Ruhestand) und Kapitän Harm-Theo Wagenaar.

Bislang haben 29 Soldaten und Zivilangestellte des Polnischen Militärs die polnischen Fahne bei den NATO-Meisterschaften vertreten, einige davon mehr als einmal, und zwar:

Bajgrowicz, Andrzej
Bielawski, Michał
Bieluszewski, Piotr
Bobula, Mateusz
Bręgoszewski, Leon
Cichy, Kamil
Graczyk, Damian
Kaczorowski, Piotr
Kapral, Krzysztof
Karbowiak, Adam
Kędzierski, Sławomir
Kraiński, Sławomir
Listowiecki, Tadeusz
Łokasto, Anatol
Marek, Mariusz
Matyja, Stanisław
Michalski, Daniel
Nurkiewicz, Maciej
Pietruszewski, Marcin
Pioch, Zygmunt
Przedmojski, Rafał
Sarnowski, Witold
Skindzier, Saturnin
Skwarczyński, Marcin
Stańkowski, Aleksander
Sycz, Dariusz
Sypień, Mateusz
Szcześniak, Andrzej
Waruga, Wojciech

Die Ergebnisse der polnischen Vertreter waren durchgängig gut. 2016 und dann noch einmal 2018 wurden sie mit der Goldmedaille in der Mannschaftswertung gekrönt.

Die Ergebnisse der polnischen Mannschaften

2002 – Brest, Frankreich – 6. Platz

2003 – Hovelte, Dänemark – 2. Platz

2004 – Den Haag, Niederlande – 2. Platz

2005 – Kołobrzeg, Polen – 2. Platz

2006 – Berkshire, UK – 2. Platz

2007 – Ankara, Türkei – 2. Platz

2008 – Brüssel, Belgien – 3. Platz

2009 – Hammelburg, Deutschland – 3. Platz

2010 – Koge, Dänemark – 2. Platz

2011 – Kaunas, Litauen – 4. Platz

2012 – Brest, Frankreich – 2. Platz

2013 – Warschau, Polen – 3. Platz

2014 – Quebec, Kanada – 2. Platz

2015 – Amsterdam, Niederlande – 2. Platz

2016 – Shrivenham, UK – 1. Platz

2017 – Budapest, Ungarn – 3. Platz

2018 – Lubbock, USA – 1. Platz

2016 und 2018: Polen gewinnt Gold | Fotos: Sławomir Kędzierski

Außerdem gewannen die Vertreter Polens eine Reihe von Medaillen für ihre Einzelergebnisse im klassischen Turnier:

2004 – Silber, Rafał Przedmojski

2003 – Bronze, Saturnin Skindzier

2005 – Bronze, Rafał Przedmojski

2009 – Silber, Mateusz Sypień

2012 – Bronze, Mateusz Sypień

2014 – Silber, Dariusz Sycz

2016 – Bronze, Rafał Przedmojski

2018 – Silber, Damian Graczyk.

Auch im Blitzturnier waren die polnischen Spieler erfolgreich:

2005 – Gold Adam Karbowiak, Bronze, Piotr Bieluszewski

2010 – Silber, Piotr Bieluszewski

2012 – Silber, Adam Karbowiak

2013 – Silber, Sławomir Kraiński, Bronze, Adam Karbowiak

2014 – Bronze, Daniel Michalski

2015 – Bronze, Piotr Bieluszewski

2016 – Silber, Damian Graczyk.

Bei der NATO-Meisterschaft 2017 in Budapest gab es außerdem ein Blitzturnier für Mannschaften, das die Mannschaft Polen 1 gewann, und in dem Polen 2 den dritten Platz belegte. In der ersten Mannschaft gewannen Mateusz Sypień und Damian Graczyk außerdem je eine Silbermedaille für das zweitbeste Einzelergebnis am zweiten und am dritten Brett. In der zweiten Mannschaft holte Marcin Pietruszewski Silber für das zweitbeste Ergebnis am vierten Brett und Kamil Cichy gewann die Goldmedaille für das beste Ergebnis an Brett 4.

Der polnische Spieler, der bei den NATO-Meisterschaften und den polnischen Armeemeisterschaften die meisten Titel holte, ist Mateusz Sypień.

Die Teilnahme an den NATO-Meisterschaften ist ein guter Weg, die Rolle Polens als NATO-Mitglied zu fördern. Polen war zwei Mal Ausrichter der NATO-Meisterschaften: in Kołobrzeg 2005 und in Warschau 2013.

Die polnische Mannschaft ist im Vergleich zu vielen der anderen Mannschaften noch recht jung, aber ehrgeizig und fleißig. Die bisherigen Erfolge steigern dabei die Motivation der Spieler und spornen sie zu noch intensiverem Training an. Besonders gefreut haben sich die polnischen Spieler über den Gewinn der NATO-Meisterschaft 2018 in Lubbock. Nach dem Erfolg in Shrivenham 2016 war es der zweite Sieg einer polnischen Mannschaft bei den NATO-Meisterschaften, der dazu noch in dem Jahr kam, in dem Polen sein 100-jähriges Jubiläum als unabhängiger Staat feierte. Und der Sieg war besonders wertvoll, weil die deutsche Mannschaft, der größte Konkurrent des polnischen Teams, mit sehr starken Spielern ins Rennen gegangen war.

Weitere Informationen über die NATO-Schachmeisterschaften liefert die Webseite www.natochess.com.

Im September 2019 wird unsere Mannschaft versuchen, den Titel in Berlin zu verteidigen.

 



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prokes prokes 12.03.2019 05:02
Danke schon !
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