Polizist setzt Großmeister matt

02.11.2004 – Unter dem Titel "Polizist setzt Großmeister matt" berichtet der englische Guardian über das Handgemenge zwischen dem Vizepräsidenten der FIDE Zurab Azmaiparaschvili (Foto) und dem Sicherheitsdienst bei, genauer: unmittelbar im Anschluss, der Schlussfeier der Schacholympiade in Calvià. Nach der Schlägerei ließ man den georgischen Großmeister und Sportfunktionär ins Gefängnis werfen. Nach Zahlung einer Kaution von 500 Euro ist Azmaiparashvili inzwischen unter Auflagen wieder auf freiem Fuß. Das Land darf er bis zur Anhörung vor dem Richter nicht verlassen. (Foto: Albert Vasse) Meldung im Guardian...Mehr...

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Links:

Presseerklärung der Organisation...
FIDE Presseerklärung 1... (Oct 30)
FIDE Presseerklärung 2... (Nov 1)
ChessBase Bericht...
Meldung im Guardian...


Foto: Albert Vasse

Der Fall Azmaiparashvili hat zu teils heftigen Reaktion bei der FIDE und den Organisatoren der Schacholympiade respektive dem spanischen Schachverband geführt, die sich dazu in kontroversen Presseeklärungen geäußert haben. Dabei gibt es unterschiedliche Darstellungen, wie es zu dem Handgemenge kam. Laut der Darstellung der Organisatoren ging die Aggression von Azmaiparashvil aus, der einen Sicherheitsmann mit dem Kopf auf den Mund geschlagen habe, nachdem dieser ihn daran gehindert habe, an die Bühne zu treten. Azmaiparashvili wollte den auf der Bühne befindlichen FIDE-Präsidenten Kirsan Illymshinov auf einen Fehler im Ablauf der Schlussfeier hinweisen. Zeugen berichten, so der US-Kapitän Paul Truong, dass der erste körperliche Kontakt vom Sicherheitsmann ausging. Petra Kortschnoj, die mit ihrem Mann Viktor den Vorfall aus der ersten Reihe beobachten konnte, meinte, dass der Sicherheitsmann Azmajparashvili am Bauch weg geschubst habe, wodurch dieser nach vorne fiel und den Sicherheitsmann mit dem Kopf am Mund traf.

Letztendlich ist der genaue Hergang und auslösende Moment des Handgemenges für die Beurteilung des Vorfalles von nachrangiger Wichtigkeit. Wahrscheinlich wird er sich auch gar nicht mehr ermitteln lassen. Klar ist, dass der FIDE-Vizepräsident die Veranstaltung nicht stören wollte, sondern auf einen aus seiner Sicht schweren Fehler aufmerksam machen wollte.

Der Skandal besteht darin, dass Sicherheitsdienst und Organisatoren nicht in der Lage waren, die Situation einvernehmlich zu meistern, stattdessen eine massiven Eskalation herbei führten und zu guter Letzt den ausgewiesenen und bekannten hohen Schachfunktionär wie einen Sträfling abführen und einsperren ließen. Ungeachtet dessen, ob sich Azmaiparashvili ungeschickt verhalten hat oder nicht, war die Reaktion der Organisatoren völlig überzogen und unangemessen. Auch in den folgenden Presseerklärungen hätte man vielleicht besser versuchen sollen, ein Einvernehmen mit der FIDE zu erzielen anstatt zu versuchen, das drastische Vorgehen nachträglich noch zu rechtfertigen

André Schulz
 

 

 

 

 

 


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