Prag, Runde 5: Vidit schlägt Firouzja

von Johannes Fischer
17.02.2020 – Vidit Gujrathi gilt als eines der größten indischen Talente, Alireza Firouzja als eines größten Talente der Welt. Doch ihre Partie in Runde 5 des Prager Chess Festivals verlief kurz und einseitig: nach 24 Zügen hatte Vidit gewonnen. Der zweite Sieg der Runde gelang David Navara in einer hübschen Angriffspartie gegen Nils Grandelius. Vor dem Ruhetag am Montag führt Vidit mit 4 aus 5, vor Vitiugov und Duda mit je 3 aus 5. | Foto: Archiv

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Masters, Runde 5

Alireza Firouzja gilt als ein Spieler, der kein Risiko scheut, um Gewinnchancen zu bekommen. Gegen Vidit Gujrathi ging er dabei allerdings zu weit. In der als ruhig geltenden Abtauschvariante der Slawischen Verteidigung brachte er als Schwarzer seine Dame früh ins Spiel, um im weißen Lager auf b2 auf Bauernraub zu gehen. Eine Strategie, vor er schon Anfänger gewarnt werden.

In der Großmeisterpraxis sind die Dinge jedoch oft komplizierter, als Anfängerregeln suggerieren und tatsächlich kann Schwarz in manchen Eröffnungen durchaus früh auf Bauernraub gehen - die Najdorf-Variante mit 7...Db6 (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Db6!?) ist vielleicht das bekannteste Beispiel. Das Spiel wird oft sehr scharf und taktisch kompliziert, aber widerlegt wurde die provokante schwarze Strategie bislang noch nicht.

Doch die Partie zwischen Vidit und Firouzja lieferte ein schlagendes Beispiel, warum Anfänger vor Bauernraub in der Eröffnung gewarnt werden. Denn durch den frühen Damenausflug lag Firouzja bald weit in der Entwicklung zurück und das erwies sich schnell als fatal.

 

Sagar Shah hat sich die Partie genauer angeschaut.

David Navara, Tschechiens Nummer 1, hat in Prag Heimspiel, aber einen guten Start ins Turnier hatte er nicht. Nach vier Runden lag er mit zwei Niederlagen und zwei Remis mit 1 aus 4 auf dem letzten Tabellenplatz. Zu größerer Vorsicht hat ihn das jedoch nicht veranlasst. In Runde 5 spielte er mit Weiß gegen Nils Grandelius und bewies in einer scharfen und komplizierten Partie, warum die ungleichfarbigen Läufer im Mittelspiel gut für die Partie sind, die angreift.

 

Die drei anderen Partien der Runde endeten Remis, wobei Sam Shankland gegen David Anton fast die ganze Partie über klaren Vorteil hatte und eine Reihe guter Möglichkeiten ausließ.

 

Mit seinem überzeugenden Sieg gegen Firouzja konnte Vidit seinen Vorsprung an der Tabellenspitze weiter ausbauen und liegt zur Halbzeit und vor dem Ruhetag am Montag mit 4 aus 5 einen ganzen Punkt vor Vitiugov und Duda.

Ergebnisse der 5. Runde

 

Tabelle nach der 5. Runde

 

Partien

 

Challengers

Im Challengers verteidigte der Isländer Hannes Stefansson seine Tabellenführung mit einem Sieg gegen Jan Krejci.

Ergebnisse der 5. Runde

 

Tabelle nach der 5. Runde

 

Partien

 

Turnierseite



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".

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