Praggnanandhaa gewinnt Polgar Challenge

von André Schulz
12.04.2021 – Der Polgar Challenge war ein Wettstreit der weltbesten Jugendlichen im Schach, Junioren und Mädchen. Praggnanandhaa gewann das Turnier mit 1,5 Punkten Vorsprung. Vincent Keymer wurde Sechster. Beste Spielerinnen waren Lei Tingjie und Zhu Jiner. | Grafik: Turnierseite

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Der Gender-Gap im Schach ist ein viel diskutiertes Phänomen. Die besten weiblichen Schachprofis spielen zwar besser als die meisten schachspielenden Männer, aber nur ausnahmsweise erreichen sie die absolute Weltspitze. Über die Ursachen wurde und wird eifrig spekuliert. Manche halten den Umstand für einen rein statistischen Effekt - viel weniger Frauen spielen Turnierschach und bleiben auch lange dabei. Andere glauben, dass unterschiedliche Förderung die Ursache für den Gender-Gap ist. Oder gibt es doch biologische Ursachen?

Judit Polgar war die einzige Frau, die jemals ganz oben erfolgreich mitspielt. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gehörte sie zu den Top Ten der Welt und war in der Lage jeden Spieler zu schlagen. Polgar war jetzt Namensgeber eines Online-Schachturniers, bei dem einige der weltbesten jungen Schachspieler, männlich und weiblich, gemeinsam in einem Turnier im Wettstreit antraten. Die Idee bestand darin, den Jugendlichen in einem harten Turnier ein Feld zur Weiterentwicklung zu geben, aber auch die Lücke zwischen den Geschlechtern zu schließen. Je zehn der weltbesten männlichen und weiblichen Talente wurden eingeladen und traten im Modus jede(r) gegen jede(r) gegeneinander an

Es wurden zudem zwei gemischte Teams gebildet, die von je drei Trainer unterstützt wurden. "Team Polgar" bestand aus Zhansaya Abdumalik, Polina Shuvalova, Nihal Sarin, Sara Khadem, Volofar Murzin, Jiner Zhu, Gunay Mammadzada, Gukesh D, Awonder Liang und Vincent Keymer. Die Coachs waren Weltmeisterin Ju Wenjun, Surya Ganguly und Artur Kogan.

"Team Kramnik" wurde von Christopher Yoo, Carissa Yip, Lei Tingjie, Praggnanandhaa, Nurgyul Salimova, Leon Mendonca, Jonas Bjerre, Olga Badelka, Dinara Saduakassova und Nodiberk Abdusattorov gebildet und von Hou Yifan, Boris Gelfand und Anna Muzychuk gecoacht.

Nach vier anstrengenden Spieltagetagen mit mit fünf bzw. vier Partien stand der klare Sieg von Praggnanandhaa fest. Der 15-jährige Inder deklassierte das restliche Feld um 1,5 Punkte. Nodirbek Abdusattorov aus Usbekistan, Nihal Sarin und Gukesh, beide ebenfalls aus Indien,  und Volodir Murcin aus Russland kamen alle mit 14 Punkten ins Ziel. Vincent Keymer kam hinter diesem Quartett mit einem halben Punkt weniger als Sechster ins Ziel.

Die besten weiblichen Spielerinnen waren die 24-jährige Lei Tingjie und die 18-jährige Zhu Jiner, die beide mit zehn Punkten Anschluss an das Feld vor ihnen hielten, gleichzeitig aber auch die zweite Hälfte der Tabelle anführten, in der sich alle weiblichen Spielerinnen versammelt hatten. Hinter den Chinesinnen klaffte dann schon eine Lücke von drei Punkten. Mit diesem Turnier wurde der Gender-Gap also noch nicht geschlossen, was aber auch nicht zu erwarten war. Dinara Saduakassova musste wegen anhaltender Verbindungsabbrüche vom Turnier zurücktreten.

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Rainbow66 Rainbow66 13.04.2021 11:16
Mit wenn, wäre und hätte stünde Vincent Keymer auf Platz 2. Das trifft auch auf die vier 14-Punkter (Pl. 2-5) zu.
Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Form des Trostes den geeigneten Motivationsschub für Vincent bieten kann.
Eben weil er "eine wirklich gute Performance mit variablem Spiel gezeigt" hat, wird er sich wohl an der Realität orientieren. Die lautet: Man kann auch ohne wenn, wäre und hätte ein Spitzenturnier - sogar mit großem Vorsprung - gewinnen. Dazu wünsche ich ihm viel Erfolg.
Chessiszen Chessiszen 13.04.2021 07:17
@knight100 und welche biologischen Gründe wären das ? Bitte mit Belegen.
Körperliche Unterschiede auf jeden Fall, das ist offensichtlich aber geistig...
peter_bx peter_bx 12.04.2021 07:09
Ich kann den Vorrednern "Beseitiger20_#" und vucko nur beipflichten.
Vincent hat eine wirklich gute Performance mit variablem Spiel gezeigt. Wer die Partien live verfolgt hat wird beipflichten, dass er ihn mehreren Partien ein Feuerwerk abgebrannt hat. Dies führte in den diversen Chats zu Beifallsbekundungen, die allenfalls bislang Fußballfans zugordnet waren. Gegen Abdusattorov und vor allem gegen Sarin hat er, trotz toller Partieführung, Punkte liegen gelassen. Mit etwas Glück in der letzten Partie wäre er verdienter Zweiter geworden. Von einer Deklassierung kann so nicht die Rede sein.
Arelius Arelius 12.04.2021 06:49
Der kleine Volodar Murzin ist mit seinen 14 Jahren einfach eine Augenweite. Von ihm werden wir noch sehr viel Gutes sehen. Wenn er sich in diesem Tempo so weiter entwickelt sollte er in ca. vier bis sechs Jahren auch ganz oben stehen. Ich persönlich glaube nicht das der Vincent Keymer jemals, in die Top Ten kommt. Selbst die 2700er Marke zu knacken wird sehr schwer sein. Da müsste er sich schon jetzt ausschließlich nur dem Schach widmen.
knight100 knight100 12.04.2021 02:12
Glückwunsch an Pragg. Vincent hat Potential zur Weltspitze - großartig, dass ein deutscher JugendspielEr mithalten kann.

Endergebnis: Platz 1-10: Schachspieler (Jungen/werdende Männer/Männer); Platz 11-20: Schachspielerinnen (Mädchen/werdende Frauen/Frauen) - die Wahrnehmung des weiblichen Geschlechts durch Sprachgendering ist ausdrücklich erwünscht.

Im Artikel wurde die Frage gestellt: "Oder gibt es doch biologische Ursachen?" Die simple Antwort ist JA. Die körperlich/geistigen Unterschiede der Geschlechter wirken sich in jeglichem Spitzenleistungssport aus.
vucko vucko 12.04.2021 02:06
@Beseitiger20 Danke, habe auch eine ganz andere Wahrnehmung des Turniers gehabt. Für mich war der rote Faden des Turniers eine beeindruckende Siegesserie von Vincent Keymer, bei der er leider zweimal gestolpert ist. Bei der Bedenkzeit kann halt alles passieren. Wäre interessant, das Format mit klassischer Bedenkzeit zu wiederholen. Hatte jedenfalls große Freude daran, die Partien von Keymer zu verfolgen. Wünsche ihm alles Gute für die Zukunft und hoffe, dass ich seine Partien in ein paar Jahren auf absoluter Weltspitzenebene mit ebenso großer Freude verfolgen werden kann.
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