Rückblick auf die Russische Mannschaftsmeisterschaft

21.04.2008 – Die Russische Mannschaftsmeisterschaft ist zwar stärker besetzt als die deutsche Bundesliga, deren Selbstverständnis als "stärkste Liga der Welt" ist aber keinesfalls in Gefahr: die russischen Mannschaftsmeisterschaften werden nicht im Ligabetrieb, sondern als geschlossenes Turnier durchgeführt. Trotzdem gibt es Auf- und Abstieg und auch eine Qualifikation für den Europapokal. Nach einer hohen Niederlage des Titelverteidigers Tomsk gegen TPS brodelte die russische Gerüchteküche. Irina Sudakova hat mit einigen Freunden die Meisterschaft für die Nachwelt im Bild festgehalten. Mehr...

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Auch wenn die Russische Mannschaftsmeisterschaft klar stärker besetzt war als die deutsche Bundesliga, ist deren Eigenverständnis als "Stärkste Liga der Welt" nicht in Gefahr. Die Russische Mannschaftsmeisterschaft wird nämlich nicht im Ligasystem gespielt - mit regelmäßigen über eine Saison verteilten Spieltagen - sondern als geschlossenes Mannschaftsturnier. Wie im letzten Jahr war der Vorort von Sochi namens Dagomys und dort das Hotel Dagomys Austragungsort bzw. Gastgeber. Das Hotel, 1977 erbaut, bietet eine schöne Aussicht, aber keinen schönen Anblick. Den Hotelgästen, die mittels eines hoteleigenen Fahrstuhls direkt zum Strand gelangen können, wird dies vermutlich egal sein.


Hotel Dagomys

Am Strand liegend, den Hotelkomplex mit seinen 27 Etagen im Rücken, muss man sich noch daran gewöhnen, dass eine Bahnstrecke den Strand säumt und vorbeifahrende Züge gelegentlich die Idylle stören. 



Wer abseits des Strandes umher streift, sieht einige industrielle Altlasten, die mit moderner Urlaubsromantik ebenfalls noch nicht ganz im Einklang stehen. Bis zum Beginn der Winter-Olympiade, die 2012 ja in Sochi stattfinden wird, wird sich hier sicher noch einiges tun.

Unweit von Sochi, befindet sich in nördlicher Richtung mit Tuapse übrigens der Geburtsort von Vladimir Kramnik. Sergei Tiviakov stammt aus dem ebenfalls nicht weit entfernten Krasnodar.

Anders als in Deutschland oder anderen Ländern werden in Russland die Mannschaftsmeisterschaften nicht von Vereinsmannschaften gespielt. Es handelt sich stattdessen um Teams, die mit dem Namen eines Sponsors oder einer Region versehen, nur für diesen Event und einen weiteren Event zusammen gestellt werden. Der weitere Event ist der Europacup der Vereinsmannschaften, für die sich vier Mannschaften qualifizieren. Es gibt auch ein Auf- und Abstiegssystem, das mit der gleichzeitig stattfindenden zweiten Liga korrespondiert. Außerdem findet parallel eine Meisterschaft der Frauen statt. Bemerkenswert ist noch der Umstand, dass zwei Mannschaften des gleichen Sponsors/Trägers im gleichen Turnier antreten dürfen. So spielten aus Saratov die Mannschaften Economist 1 und Economist 2.

Der Zugang zu den Informationen zum Turnier ist für Nicht-Russen schwierig, da der veranstaltende Verband Nachrichten nur in russischer Sprache veröffentlicht. Russisch war bekanntlich Lingua franca bis 1990 zwischen Elbe und Behringstraße. Nach einigen Irritationen im Selbstverständnis nach dem Zusammenbruch der UdSSR hat sich das russische Selbstvertrauen unter Putin wieder deutlich erholt. Es ist schließlich nicht der Fehler der Organisatoren, wenn einige Nicht-Russen etwas über das Turnier wissen, aber kein Russisch lernen wollen. Auch die deutsche Bundesliga publiziert schließlich nur in deutscher Sprache. Hauptsache der lokale Sponsor kann es lesen.


Blick auf das abendliche Schwarze Meer

Gespielt wird mit sechs Spielern pro Mannschaft. In Russland gilt eine Ausländerbeschränkung. Nur zwei Ausländer dürfen spielen. Die meisten Teams bieten zwei Ersatzspieler auf. Mit Kortschnoj und Karpov traten auch zwei echte Schachlegenden den Weg ans Schwarze Meer an. Am Ende hatte das favorisierte Star-Team von Ural die Nase vorn. In der fünften Runde der Meisterschaft kam es zu einem ungewöhnlichen Ergebnis: Titelverteidiger Tomsk unterlag hoch mit 0,5:5,5 gegen TPS. In seinem Chessninja-Blog berichtet Mig Greengard aus der russischen Gerüchteküche, es hätte Schwierigkeiten mit dem Honorar gegeben und die Spieler wollten mit dem Verlust den Sponsor an seine Verpflichtungen erinnern. Tatsächlich erhielt Kharlov von der Turnierleitung sogar ein Strafgeld wegen unsportlichem Verhalten. Der genaue Grund ist allerdings nicht bekannt. Loek van Wely verweist jedoch die Gerüchte um fehlende Honorare ins Reich der Märchen. Man habe schon Schwierigkeiten bei der Aufstellung der Mannschaft gehabt, weil einige Wunschspieler ausgefallen sind. Zudem wurde Morozevich zu Anfang krank, er selbst und Timofeev waren ohne Form. Honorarschwierigkeiten hätte es keine gegeben. Sogar er sei trotz seiner miserablen Leistung ohne Umstände bezahlt worden.

 

Russische Mannschaftsmeisterschaft
2.-13.April 2008, Sochi-Dagomys

Endstand
1 Ural Yekaterinburg 17 39.5
2 Economist 1 Saratov 15 37.0
3 TPS Saransk Saransk 14 37.0
4 Finek Gazprom Sankt Petersburg 14 35.5
5 Spasio-Swiss Moscow 12 34.4
6 Shatar Metropole Buryatia 12 34.0
7 64 Moscow 11 32.0
8 SHSM Moscow 10 33.5
9 Tomsk 400 Tomsk 10 31.0
10 Politekhnik Nizhny Tagil 9 31.0
11 South Ural Chelyabinsk 5 27.5
12 Economist 2 Saratov 3 23.5

Alle Partien...



Peter Svidler (Finec)


Alexei Shirov (Ural)


Alexey Dreev (Ural)


Ural vs Sounth Ural


T. Radjabov (Ural)


Sergey Karjakin (Tomsk-400)


Loek van Wely (Tomsk-400)


Bu (Shatar)


Pavel Tregubov (Shatar)


Aleksei Aleksandrov (Spasio)


Boris Gelfand (64)


Vassily Ivanchuk, Konstantin Sakaev, Andrei Volokitin (TPS)


Andrei Volokitin (TPS)


Emil Sutovsky (TPS)


South Ural


Viktor Kortschnoj, Igor Kurnosov  (South Ural)


Gelfand zur Hälfte, Ian Nepomniaschij, Pentala Harikrishna, Wang Hao (64)


Vadim Zvjaginsev (Finec)


Sergei Movsesian (Finec)


Wang Hao (64)


Pentala Harikrishna (64)


Boris Gelfand, Sergei Rublevsky (64)


Ekaterina Korbut (Finec-1)


Viktoria Cmilyte (Finec-1)


Anna Ushenina (Economist-1)


Baira Kovanova (Economist-1)


Katerina Lahno (Sounth Ural)


Anna Muzychuk (AVS)


Natalia Pogonina (AVS)


Xu Yuhua (Spartak)


Zhao Xue (Spartak)


Finec-1 – Ekaterina Korbut, Vladimir Bykov, Viktoria Cmilyte, Natalia Zhukova, Irina Turova, Julia Demina


Meisterpaar:  Aleksander Grischuk (Ural) and Natalia Zhukova (Finec-1)


Artem Iljin (Polytechnik-2)


André Schulz
Fotos: Irina Sudakova, Anna Ushenina, Julia Gromova, Sergei Tiviakov


 

 

 

 


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