Rückblick aufs ACP-Turnier

28.07.2004 – Was macht eine deutsche Bundesligaspielerin drei Tage nach einem Open in Amsterdam, bei dem sie mit ihrem eigenen Abschneiden sehr unzufrieden war? Fährt sie schimpfend nach Hause, wirft ihre Schachbücher aus dem Fenster und schwört sich, nie wieder holländischen Käse zu essen - geschweige denn, Urlaub für ein blödes Turnier zu opfern? Von wegen! Evi Zickelbein (Hamburger SK) hat daran (k)einen Gedanken verschwendet und uns einen stimmungsvollen Abschlussbericht mit vielen Fotos geschickt. Nijboer und Normenregen...

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Überragender Nijboer und Normenregen in Amsterdam

 

Auch die Schlussrunde bot noch jede Menge Spannung, da es erstens an den Spitzenbrettern noch ums große Geld ging und zweitens noch jede Menge Nomen möglich waren.

GM Nijboer blieb seiner kämpferischen Linie treu und gab mit Weiß gegen GM Ganguly kein Remis, um sich dann das Hauen und Stechen unter seinen Kollegen anzuschauen und womöglich den ersten Platz noch teilen zu müssen. Erst als seine Großmeisterkollegen Timman gegen Krasenkow und Lobron gegen van Wely schon lange den Remishafen angesteuert hatten, ließ er sich in vielleicht gewonnener Stellung aber mit extrem knapper Zeit auf das Remis ein. Parallel dazu spielten von GM Nikolic gegen GM Tregubov, doch war die Stellung so ausgeglichen, das es höchst unwahrscheinlich war, dass die Partie einen Sieger finden sollte. So kam es ja dann auch, und Friso Nijboer konnte als alleiniger Sieger mit sieben Punkten seine Danksagung bei der Siegerehrung an die Organisatoren loswerden:

 

Papa kommt ja gleich spielen: der überlegene Sieger Friso Nijboer

Siegerehrung vor großem Publikum (im Vordergrund: Timman mit Frau sowie Lobron)

Turnierdirektor Jeroen van de Berg

Begehrte Gesprächspartner: Schachlegende Jan Timman...

I

... und der ACP-Sieger 2004

 

Die Normenjagd

 

Die Norm war fast die Norm

Von den möglichen 11 Normen wurden schließlich fünf erzielt – auch in dieser Hinsicht also ein sehr erfolgreiches Turnier für die jungen holländischen Nachwuchsspieler, die die Normen erzielten:

Der erst 14jährige Wouter Spoelman, der im Juli in Paris bereits seine erste IM-Norm erzielen konnte, hätte mit einem Remis in der Schlussrunde gegen GM Sokolov eine GM-Norm erzielen können. Sokolov behielt, seine letzte Chance auf ein Stück vom Preisgeldkuchen, die Nerven und besiegt Woeter Spoelman sicher. Doch auch die IM-Norm ist natürlich ein großer Erfolg – der Titel wird nicht lange auf sich waren lassen.

IM Erwin L’Ami rappelte sich nach seiner Niederlage in der sechsten Runde gegen ebenjenen Spoelman wieder auf, schaffte drei Siege in Folge – dabei in der letzten Runde gegen GM Acs -  und damit seine zweite GM-Norm.

Ramon Koster hatte leichteres Spiel, weil er seine Norm bereits vor der letzten Runde in der Tasche hatte:

Ramon Koster zeigt stolz das Normzertifikat der Turnierleitung

Schwerer dagegen hatte es Lucien van Beek, der in der letzten Runde noch ein Remis gegen GM Sandipan brauchte. Doch er ließ mit Weiß nichts anbrennen und durfte dann auch das verdiente „Norm-Bierchen“ genießen:

 

IM-Norm für Beek

Die letzte Norm des Tages sicherte sich mit einem dramatischen Schwarzsieg Peter Doggers aus Amsterdam: Er besiegte den starken, in diesem Turnier aber indisponiert agierenden, IM Daniel Stellwagen, der von vielen neben IM Jan Smeet, der in diesem Jahr auch weit unter seinem Level spielte, als die größte holländische Hoffnung angesehen wird:

 

IM Daniel Stellwagen und IM Yochanan Afek unterhalten sich nach der letzten Runde über ausgelassene Chancen

Dem Amsterdamer Arno Bezemer wurde übrigens die letzte Normchance durch seinen Gegner genommen, der zur letzten Runde nicht erschien. Hartnäckig hält sich das Gerückt, dass sein Gegner Rick Duijker nicht kam, weil er die bis dato gewonnenen ELO-Punkte nicht wieder einstellen wollte. Eine Reaktion des Betroffenen kann auf der holländischen Schachinformationsseite www.schakers.info abgerufen werden.

Der ACT-Kindergarten

Sehr aufheiternd waren, nicht nur bei der Siegerehrung, die Kinder der Spieler: Fiso Nijboers Töchter und auch die Kinder von Ivan Sokolov tollten ausgelassen herum und wurden abwechselnd sogar von den Großmeisterkollegen „gehütet“:

Sokolov mit Tochter

IM Sipke Ernst mit Nijboer-Tochter

GM Loek van Wely mit Nijboer-Tocher

Marion Adriaans mit Nijboer-Tochter

GM Stuart Conquest mit Nijboer-Tochter

Paare

 

Van Wely und seine Zukünftige, Marion Adriaans

Krasenkow und Frau

Houska und Freund

Verschiedenes

Für besonders großes Interesse in der Öffenlichkeit sorgte die Begegnung zwischen Jan Timman und Loek van Wely in Runde 7.

Ja keinen Zug verpassen

Stellung nach 14 Minuten...

...und nach zwei Zügen (nach 12 war's dann remis)

Breakdance auf dem Leidseplein

Das wäre irgendwie nichts für mich. Wenn ich's recht überlege, hätte ich eigentlich viel mehr Lust, bald mal wieder ein Schachturnier zu spielen...

 

Eva Maria Zickelbein


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