"Respekt, Magnus"! - Eine Bilanz des WM-Kampfs Carlsen vs Caruana

von Conrad Schormann
29.11.2018 – Der WM-Kampf zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana ist gestern zu Ende gegangen, Carlsen gewann den Tiebreak mit 3-0 und verteidigte seinen Titel. Am Tag nach dem Wettkampf zieht Conrad Schormann eine Bilanz: das Niveau der Partien hat ihn beeindruckt, doch manche Zuschauerreaktion hat ihn gewundert. Er fordert Respekt für beide Spieler und freut sich schon auf den nächsten WM-Kampf. | Foto: World Chess

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Respekt, Magnus!

Fabiano Caruanas Aufgabe anzusehen, zerriss dem Beobachter fast das Herz. Fast drei Wochen hatte er den Weltmeister auf Augenhöhe bekämpft, um dann im Tiebreak mit leichter Hand vom Brett gefegt zu werden. Wenige Minuten später auf der Pressekonferenz kämpfte Caruana wieder, mit den Tränen dieses Mal – und fand doch ausschließlich anerkennende Worte für seinen großen Gegner. Was für ein Sportsmann.

Schach ist das unbarmherzigste aller Spiele. Der Weg nach oben ist hart, ein jahrelanger zehrender Aufstieg, den viele angehen, aber nur alle zwei Jahre kommt einer durch. Und wenn der dann am Ende des Weges kurz vor dem Gipfel steht, wartet ganz oben ein norwegischer Endgegner, der neben seiner Klasse auch die Routine erworben hat, um selbst gleichwertigen Widersachern den letzten Schritt zu verwehren.

Fürs Kandidatenturnier 2020 qualifiziert

Ja, gleichwertig. Nachdem Magnus Carlsen schon vor dem Match angedeutet hatte, in Fabiano Caruana einen würdigen potenziellen Nachfolger zu sehen, bediente er sich nach dem Match dieses Begriffes: gleichwertig. Carlsen erwartet, dass Fabiano Caruana den Aufstieg von neuem angeht und sich womöglich schon 2020, sei es in Wien, Oslo oder Saint Louis, zu einem weiteren WM-Match stellt.

Allemal ist der Weg zum Gipfel für Fabiano Caruana dieses Mal kürzer als zuvor. Für das Kandidatenturnier 2020 ist er als Herausforderer bereits qualifiziert. Nach heutigem Stand dürfte in zwei Jahren in erster Linie der Chinese Ding Liren derjenige sein, der Caruana auf dem Weg zum WM-Match 2020 im Wege steht. Aber wer weiß. Zwei Jahre sind mittlerweile auch im Schach eine lange Zeit.

Schauen wir erst einmal zurück auf das WM-Match 2018.

Weltmeister Magnus Carlsen, wie Willum Morsch ihn sieht.

Respekt

Als Schachspieler ist Michail Tal kaum erwähnenswert. Das Endspiel beherrschte er zwar nicht wie Magnus Carlsen, aber doch einigermaßen gediegen. Ansonsten war Tal ein Zocker, der das Glück hatte, zeitlebens gegen armselige Hanswürste zu spielen, die nicht wussten, wie man sich beim Schach verteidigt.

Emanuel Lasker, oje. Tal konnte wenigstens Endspiele, Lasker überragte in keiner Partiephase. Feige war er noch dazu: Dem Vergleich mit den Besten seiner Zeit ging er konsequent aus dem Weg. Wer ausschließlich WM-Matches gegen zweitklassige Taugenichtse spielt, der bleibt halt 20 Jahre und länger Weltmeister.

Merkt Ihr was?

Technisch, theoretisch, pragmatisch

Das Wettkampfschach des 21. Jahrhunderts ist nicht romantisch, sondern vom Pragmatismus der Kontrahenten bestimmt, nicht erst seit November 2018. Schach ist technischer und theoretischer geworden. Und viel, viel präziser, hochklassiger.

Wer die besten Spieler der Welt dafür kritisiert, dass ihre Partien gegen ihresgleichen zu selten „schön“ sind, dass ihnen der Mut fehlt, der Siegeswille gar, der übersieht, dass beim Wettkampf um den höchsten Titel Schönheit kein Faktor ist und unkalkulierbares Risiko unverantwortlich.

Wie objektiv schlecht Tal, Lasker und andere Schach gespielt haben (auch im Vergleich mit Carlsen oder Caruana, erst Recht im Vergleich mit Maschinen), ist seinerzeit niemandem aufgefallen, weil damals nicht jeder Hinz und Kunz auf seine Engine gucken konnte. Ahnungslosigkeit und Meinungsstärke haben die Menschen wahrscheinlich früher schon kombiniert, aber konnten damit in Ermangelung Sozialer Medien allenfalls ihr direktes Umfeld belästigen.

Das Blog „modeanalytics“ hat Stockfish die Fehlerquote vergangener WM-Matches ausrechnen lassen. Siehe da, das Match Carlsen-Caruana war das beste in der langen Geschichte der Schachweltmeisterschaften jemals gespielte.

„Dumme Meinungen“

Wozu die Kombination von Engines für alle und Sozialen Medien führt, war während des gesamten Matches und insbesondere direkt nach der zwölften Partie zu sehen. Nicht einmal respektable Schachmeister widerstanden der Versuchung, den erstbesten Gedanken in die Welt herauszuposaunen. Kasparows und Kramniks Kritik an Carlsens Remisangebot war mehr als überzogen.

„Die beiden haben natürlich ein Recht auf ihre dumme Meinung“, erklärte Carlsen grinsend, nachdem er das Match so gewonnen hatte, wie es sein Matchplan vorsah. Diesem Plan treu zu bleiben, einen gleichwertigen Herausforderer auf Distanz zu halten, ohne sich vom Gequatsche der Beobachter über Mut und Siegeswillen ablenken zu lassen, ist eine gewaltige zusätzliche Leistung, die Weltmeister früherer Generationen nicht erbringen mussten.

Jedes Mal, wenn die Engine-Bewertung schwankte, wussten es überall auf der Welt unzählige Leute besser als die beiden besten Spieler des Planeten. In Partie 10 zum Beispiel sprang die Engine im Turmendspiel nach einem Zug Carlsens um eine Bauerneinheit von 0 auf 1, von ausgeglichen auf signifikaten Vorteil für Caruana.

Aufregung im Internet, ein Missgeschick des Weltmeisters? Nein, er hatte schlicht einen Bauern gegeben, um in ein Turmendspiel mit 2 versus 3 Bauern auf einem Flügel abzuwickeln. Dieses Endspiel war so klar remis, dass Caruana nicht einmal versuchte, es zu gewinnen.

Sogar Veranstalter WorldChess reihte sich bei seiner vermeintlich letzten Weltmeisterschaft in die Schar der ahnungslosen Lautsprecher ein. Caruana habe einen Bauern eingestellt, stand nach der elften Partie in der offiziellen Pressemitteilung. Hatte er natürlich nicht, sondern wie Carlsen in der Partie zuvor in ein Endspiel mit Minusbauer abgewickelt, das sich leicht würde halten lassen. Nur lassen sich solche Begleitumstände nicht aus dem Bewertungsfenster der Engine ablesen.

Gewinner

Die Gewinnerin der WM haben wir längst gekürt. Ein zweiter Gewinner sollte ebenfalls erwähnt werden. Großmeister und Schach-Erklärer Daniel King machte als Moderator der Pressekonferenzen einen souveränen und um einige Klassen besseren Job als jede andere, die WorldChess bislang damit betraut hatte. Obendrein produzierte King reihenweise Youtube-Häppchen, die gleichermaßen verdaulich wie substanziell-kompetent waren. Diesen stets schwierigen Spagat vollbringen wenige Schach-Berichterstatter unfallfrei, King absolviert ihn mit Leichtigkeit.

Daniel King

Daniel King bei ChessBase...

Die Medien

Während auf den Social-Media-Kanälen die Schachfreunde dilettierten lamentierten, wie sehr doch diese Serie von Unentschieden der öffentlichen Wahrnehmung unseres geliebten Spiels schade, überboten sich die schreibende und Bewegtbilder aussende Zunft mit Schachberichten. Gefühlt ist seit Jahren, Jahrzehnten womöglich, nicht so viel über Schach berichtet worden.

In der FAZ hielten Stefan Löffler und Doc Hübner das Fort, beim Spiegel tickerte Georgios Souleidis, bei der Zeit erzählte Ulrich Stock auf bewährte anschauliche Weise Schachpartien für Nichtschachspieler, und Eurosport schickte einen pfiffigen Schach-Clip nach dem anderen über den Äther.

Stefan Kindermann und sein Demobrett.

Der Königsplan zum Turniererfolg

Stefan Kindermann erklärt, wie man allgemeine Regeln im Leben wie im Schach gleichermaßen mit Erfolg anwenden kann.

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Die Süddeutsche Zeitung kreierte derweil einen wunderbaren Anachronismus, indem sie nach jeder Partie Stefan Kindermann mit seiner 90er-Jahre-Frisur vor ein Demobrett aus den 80er-Jahren stellte und die Partie erklären ließ. Großartig!

Dieser Ansatz der SZ steht dafür, was Schach für die Allgemeinheit so interessant macht: Es ist tiefgründig, langsam, abwägend und der genaue Gegensatz zum gehetzten Scrollen und Weiterklicken, dem der moderne Mensch mehr und mehr erliegt. Zwölf Remis am Stück empfindet der kaum schachkundige Beobachter eher als bemerkenswertes Phänomen denn als langweilig.

Marco Baldauf hat das als Antwort auf eine krasse Fehleinschätzung des indischen GMs Vidit besser auf den Punkt gebracht, als wir es könnten, darum sei er hier zitiert:

rückblick baldauf.png

Der Modus

„Armageddon“. Auf kein Wort aus dem Schach-WM-Begriffsfundus sind die Medien mehr abgefahren als dieses. Niemand störte sich daran, dass ein Sportmatch zwischen zwei gleichwertigen Gegnern mit einem Tiebreak endet, und dass dieser Tiebreak im Armageddon gipfelt.

Ist ja auch in anderen Sportarten so. Beim Fußball gibt’s das Elfmeterschießen, das hat mit Fußball nichts zu tun, entscheidet aber das Match, potenziell sogar darüber, wer Weltmeister wird. Beim Tennis haben sie einen Tiebreak, beim Volleyball und unzähligen anderen Sportarten. Und beim Schach eben auch.

Für die öffentliche Wahrnehmung war der Modus perfekt. Erst diese seltsamen Unentschieden, die dafür standen, dass hier zwei gleichwertige Geistesgrößen einander intensiv bekämpfen und doch neutralisieren. Dann der Showdown zwischen diesen beiden, mit dem der gemächliche Geisteswettstreit mit einem Mal martialisch und dramatisch wurde.

Ist nur schade, dass wir jetzt zwei Jahre bis aufs nächste WM-Match warten müssen.

Links

Perlen vom Bodensee...
 




Conrad Schormann, gelernter Tageszeitungsredakteur, betreibt in Überlingen am Bodensee ein Büro für Redaktion und Kommunikation. Fürs Schachspielen hat er zu wenig Zeit, was auch daran liegt, dass er so gerne darüber schreibt, sei es für Chessbase, im Reddit-Schachforum oder für sein Schach-Lehrblog Perlen vom Bodensee...

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Blitz2010 Blitz2010 01.12.2018 09:34
Diese Diskussion zeigt aus meiner Sicht sehr schön, dass es sich lohnt, User-Kommentare im Internet zu lesen und sich zu beteiligen. Denn es kamen doch einige interessante Aspekte und Argumente in der Debatte zustande, die deutlich über den Sinnzusammenhang des Textes von Herrn Schormann hinausführten (z.B. sachlich gut begründete Relativierung des Kriteriums "Fehlerquote", unterschiedliche Perspektiven auf Lasker - den ich übrigens sehr verehre!). Und vielleicht ist auch ein bisschen deutlich geworden, dass Amateure wie ich ein Interesse daran haben, im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten mitzudenken und sich mit anderen auszutauschen - ganz unabhängig von Rechenmaschinen. Zum Beispiel hätte ich mir als Amateur sehr gewünscht, dass Caruana in der 12. Partie im Sizilianer mal etwas ganz anderes ausprobiert hätte, z.B. 2. Sc3 oder 2.b3 - einfach, damit eine möglichst unklare Situation und ein ergebnisoffener Kampf zustande kommt. In meiner Laienlogik fühlte ich mich dann durch den realen Verlauf der Partie bestätigt, als die noch einmal gewählte Lasker-Variante zu nichts führte. Aber diese subjektive, scheinbare (Selbst-)Bestätigung hat doch mit mangelndem Respekt vor der Größe Caruanas nichts zu tun. Ich weiß doch, dass er mich mit 99,9999%iger Wahrscheinlichkeit vom Brett fegen würde. In diesem Sinne: Respekt vor den Profis - aber auch bitte Respekt vor den Amateuren! Schach ist nun mal auch ein Breitensport, so dass Leute wie ich dabei sind...
Weserberglander Weserberglander 30.11.2018 11:36
Ein niedrige Fehlerquote (vermutet durch das average centipawn loss delta messbar) ist keineswegs ein Beleg für die besondere Qualität eines Matches. Im Gegenteil, es kann auch ein Hinweis auf inhaltsarme Partien sein: Erst wird die Vorbereitung abgespult, danach gilt das Motto "Wer nichts macht, macht auch keine Fehler." Also abtauschen, Stellung ausbrennen lassen, Handshake. Wie die Grafik auch zeigt, wurde der objektiv schlecht spielende (ironiefreie Behauptung des Autors) Tal 1960 in einem Match mit einem der niedrigsten aclds Weltmeister.

Aber Sieger sind natürlich sexy, und so läuft man denen gerne hinterher - auch als Autor.
DoktorM DoktorM 30.11.2018 09:45
Natürlich darf man die Spieler kritisieren, wenn sie in vielen Stellungen einen Weg einschlagen, der das Spiel relativ schnell ins Remis abgleiten lässt. Wer betont, wie viel besser Carlsen und Caruana sind als die Zuschauer, der bringt für die Diskussion wenig, möchte sie vielleicht sogar abwürgen. Den merkwürdigen und perspektivlosen Zug Sb5 anstelle von Sb7 hätten auch viele Amateure nicht gespielt. Und c7 ist einfach nur schlecht, das anschließende Sd5 ein krasser Fehler. Das sieht man auch ohne Computerhilfe. Den Tiebreak hat Caruana vergeigt. Ob mehr dahinter steckt (fehlendes Stellungsgefühl, Nerven, ...), soll er sich selbst beantworten. Carlsen ist verdient Wéltmeister. So richtig gefordert hat ihn Caruana nicht. Leider.
gerreg gerreg 30.11.2018 06:23
@Matrose: "Werturteile abgeben, ohne den zeitlichen und sachlichen Kontext zu berücksichtigen ...? " ist doch etwas, was Herr Schormann u.a. in seinem Beitrag implizit kritisiert. Er würde Ihnen hier zustimmen! Wenn man sich die Zeit nimmt, den Beitrag aufmerksam zu lesen (und ihn dann auch noch versteht, was ich bei Schachspielern aber voraussetze *g*), dann ist doch (trotz Ironie/Satire) ganz klar, was er sagen möchte.
knight100 knight100 30.11.2018 05:06
Die vom Autor abschließende Frage/Auflösung "Merkt Ihr was?" im Abschnitt "Respekt" ist zu undeutlich/unterrepräsentiert, deswegen gab's wohl ein paar typische Missverständnisse. Manche "überfliegen" halt nur Texte. Viell. ein Hinweis, wie Meinungsbildungen/-mehrheiten/Fakenews in soz. Medien funktionieren. Außerdem können IQs (Auffassungsgabe/Verarbeitung) sehr variieren. Wir sollten aufpassen, dass uns das alles nicht um die Ohren fliegt!
Pauli2006 Pauli2006 30.11.2018 03:19
Ich habe den Eindruck, das auf der Seite " Perlen vom B... " , man sich gerne auf Kosten anderer lustig macht.

Zum Beispiel Claus Spahn oder hier Stefan Kindermann. Leistet doch mal etwas. Wie Ihr schreibt ist unterstes Niveau.
rinasky rinasky 30.11.2018 03:13
DENKFEHLER

Fehlerfreies Spiel, gleich, in welcher Sportart, ist kein Beleg für Qualität. Da der Autor Fußballvergleiche mag: Zwei Mannschaften, die vorwiegend in ihrer eigenen Hälfte bleiben und nur hier und da einen Stürmer auf die andere Seite schicken, haben beste Chancen auf fehlerfreies Spiel. Allerdings dürfte ein solches Spiel wenig
Anklang finden.

Fazit dieser WM:

"They want to be worldchampions, but they don't like to play chess."

Kein Respekt!
Arelius Arelius 30.11.2018 02:00
@querschlaeger, das hat mit Ironie überhaupt nichts zu tun. Dann hätte er es anders formulieren müssen. Nein, das hat er schon so gemeint. Und übrigens mit einer ELO von gerade mal 2100 ist man von der Beurteilung im Spitzen-Schach Lichtjahre weit entfernt. Im Grunde genommen ist das Pazerschach Niveau fünfte Liga.
Pemoe6 Pemoe6 30.11.2018 01:53
@Blitz2010: noch zu dem alten Post von gestern früh:
Ihre Argumente sind absolut zutreffend: Worüber wir hier diskutieren, das erlebt man überall im Netz, ob nun beim Schach oder Fußball oder im Comic-Forum oder was weiß ich was. Allerdings kann man sich ja fragen, ob die Tatsache, dass es überall so ist, den Zustand rechtfertigt oder die Sache besser macht :-).
Pemoe6 Pemoe6 30.11.2018 01:39
@Martin Rieger: Moment, diese Argumentation ist unlogisch!
1) Schormann fordert Respekt für die Spitzenspieler.
2) Er stellt fest oder meinetwegen unterstellt, dass viele User respektlos agieren.
3) Gegenüber diesen Usern hat er selbst konequenterweise keinen Respekt/keine Achtung und ist der Meinung, sie verurteilen zu können/dürfen - wobei er das doch eigentlich sachlich und in gutem Ton macht.

Stichwort also einfach "Meinungsfreiheit des Autors" - Achtung: |Ironie ein| Selbstverständlich ist dann der Artikel heuchlerisch und einfach Unsinn |Ironie aus|

Ja, und jemandem, von dem man meint, er habe Unrecht oder sich schlecht ausgedrückt oder schlecht benommen oder was auch immer (wobei das ja nicht stimmen muss, ist eben nur seine Meinung) dies auch klar zu sagen, hieß früher eigentlich mal "Kritik üben" und nicht "bevormunden" oder "lehrmeistern" oder "vor den Kopf stoßen".

Was hat die ELO mit respektvollem Umgang zu tun? Ich habe auch nur etwas über 2000, und gerade deshalb maße ich mir nicht an, über die Qualität der WM-Partien urteilen zu können, über den Gehalt, die Spannung etc. Was aufs Brett kommt, ist die eine Sache, was alles an wilden (und inkorrekten) Varianten von den Spielern durchgerechnet und verworfen wurde, eine andere. Dafür gibt es eben die Großmeisterkommentare. Gerade die Lubbes haben es meiner Meinung nach sehr gut verstanden, die grundlegenden Ideen, Pläne, aber auch Fallen "unters einfache Volk" zu bringen - und siehe da: plötzlich erschließen sich einem auch inhaltliche Dinge und, ja, auch die Spannung steigt, ob denn dieses oder jenees nun funktionieren oder vom Gegner antizipiert wird. Dank nochmal dafür an die Kommentatoren-Teams bei chess24!
Wie gesagt, das alles meine ich nur für die einfachen Vereinspieler unter uns - wenn hier auch Großmeister posten, neme ich die ausdrücklich davon aus.
.
Martin Rieger Martin Rieger 30.11.2018 12:30
Unsinn hoch drei. Da helfen auch keine selbstgeschriebenen Lobesleserbriefe mehr, der Artikel ist einfach Unsinn. Da fordert jemand Respekt und gleichzeitig stösst er andere vorm Kopf. Da glaubt ein DWZ 2070er, andere bevormunden und lehrmeistern zu können, alles sehr lachhaft und unglaubwürdig. In meinen Augen ein richtig heuchlischerer Artikel.
Krennwurzn Krennwurzn 30.11.2018 11:35
Ironie/Satire hat es schwer in Zeiten von 140 Zeichen fake news!
gerreg gerreg 30.11.2018 11:17
Wenn man Satire oder Ironie erklärt, nimmt man ihr die Wirkung und der Text verliert an Kraft! Das Satire bzw. Ironie im Internet oft nicht erkannt wird, ist ein bekanntes Phänomen. Der Artikel von Herrn Schormann ist insbesondere wegen des Einsatzes der Satire/Ironie so gelungen, so entlarvend. Eine ganz tolle Leistung!
Blitz2010 Blitz2010 30.11.2018 11:03
@Pemoe6: Ihr Beitrag mit der "Übersetzung" zeigt doch sehr schön, dass sich User-Diskussionen im Internet tatsächlich lohnen, denn - und das meine ich ganz unironisch! -: Mit Ihrer Ergänzung wäre der Text von Herrn Schormann meines Erachtens deutlich besser geworden.

Da mir als einem Dilettanten (der ich wirklich und gerne bin!) ja offenbar unterstellt wird, dass ich alles immer nur "mit Engine" wahrnehme und bewerte, möchte ich dem Klischee gern entsprechen, also: Der Beitrag von Herrn Schormann wurde von Sesse zunächst mit -3,42 bewertet, aber dann, mit Ihrer Ergänzung, kam Sesse auf -0,91. Besser war der Wert bei Sesse dann leider immer noch nicht - warum, weiß ich natürlich nicht.
Pemoe6 Pemoe6 30.11.2018 10:11
@gerreg: Ja, das wird hier langsam wirklich unerträglich. Ich würde es nicht einmal als Stilmittel der Ironie bezeichnen, das Schormann anwendet ... Hat denn hier noch nie jemand was von Satire, Sarkasmus, vielleicht sogar Zynismus gehört.
Ich übersetze Schormanns Abschnitt über Tal und Lasker also jetzt einmal explizit: "Hätte es schon damals die Engines gegeben und wäre schon damals eine solche Diskussionskultur wie heute üblich gewesen, dann hätte man leider Gottes schon damals Folgendes lesen müssen: (Einschub: "Schormanns Schmähungen Tal/Lasker"). Und genauso abartig, wie das rüberkommt, ist es heute auch. Punkt. Ganz private Meinung Schormann (der ich mich irgendwie anschließen möchte).
Es kann doch irgendwie nicht sein, dass dies so unklar ist - ich glaube, viele hier wollen es auf Kraft falsch verstehen, um den Artikel zu diskreditieren.
RiskyDecision RiskyDecision 30.11.2018 08:48
Schöner, erfrischender Beitrag!
Es ist doch klar, dass die Passagen über Tal und Lasker bewusst überzeichnet und z.T. ironisch und nicht wortwörtlich als Meinung des Autors zu interpretieren sind.
Was Lasker betrifft: Jeder, der sich mit der Schachgeschichte auseinandersetzt, wird erkennen, dass dessen 27 Jahre als Weltmeister in der Tat höchst kritisch zu bewerten sind.
Lasker hat es vermieden, gegen die stärksten Gegner seiner Zeit WM-Matches austragen zu müssen, und konsequent die Verhandlungen platzen lassen, z.B. durch das Fordern unerfüllbarer finanzieller Bedingungen. So umging er WM-Matches gegen Pillsbury, Rubinstein, den jüngeren Tarrasch, später Capablanca – Gegner, die zu dieser Zeit mit ihm auf Augenhöhe waren. Übrigens hatte Capablanca ein Angebot für ein WM-Match, bei dem er hätte mit 2 Punkten Vorsprung gewinnen müssen, empört abgelehnt (nachzulesen u.a. bei Kasparow). Der mutmaßliche Schlechter-Deal war für Capa ein schlechter Deal.
Noch vor (!) dem Krieg hat Lasker infolge dieses Abblockens 10 Jahre lang keinen einzigen WM-Kampf gespielt. Titelkämpfe gab es dann gegen Spieler wie Janowski oder Marshall, die keine ernsthaften Gegner waren.
Lasker war ein superstarker Praktiker und einer der Größten seiner Zeit, und seine Turniererfolge, nicht zuletzt in höherem Schachalter, sind phänomenal. Dennoch kann man die genannten Fakten bezügl. der stattgefundenen und nicht stattgefundenen WM-Kämpfe nicht einfach unter den Tisch kehren. Man kann sogar mit einigem Recht behaupten, dass Magnus Carlsen in 5 Jahren als Weltmeister nicht weniger Titelkämpfe gegen Spieler der absoluten Elite ausgetragen hat als Lasker in 27…
Manja Manja 30.11.2018 08:34
Hervorragender Artikel!
Und unglaublich wie idiotensicher ein Autor seinen Artikel verpacken muss, um richig verstanden zu werden -im Gegensatz zu all den fachlich hochwertigen Kommentaren der sozialen Medien.
Vielleicht muss zukünftig noch eine Anleitung für das Lesen eines Artikels begefügt werden. Ein Artikelschlüssel im Reclamformat. :D
querschlaeger querschlaeger 30.11.2018 08:24
Noch ein Empörter. Arelius, bitte, bitte....lesen und _verstehen_ Sie den Text (vorher bitte auch einmal das Stilmittel der Ironie). Merken sie was? Sie verurteilen übrigen genauso, was Sie kritisieren (Conrad Schormann hat eine ELO >2100), wo bleibt ihr Respekt?! (Achtung, kann Spuren von Ironie enthalten!).
Arelius Arelius 30.11.2018 08:01
Conrad Schormann sie sind noch relativ jung und haben vom praktischen Schach wohl recht wenig Ahnung. Michael Tal als einen Zocker hinzustellen, der das Glück hatte zeitlebens gegen armselige Hanswürste gespielt zu haben, welche nicht wussten wie man sich beim Schach verteidigt, ist eine bodenlose Frechheit. Sie sollten sich vielleicht einmal seine damalige Gegnerschaft richtig anschauen. Ach ja, das waren ja alles nur Hanswürste. Zu Tals Zeiten gab es da wohl gar keine richtigen guten Schachspieler zumal es ja auch keine Engine gab. Herr Conrad Schormann, beurteilen sie bitte nie wieder Schachspieler, denn sie verstehen nichts davon.
JoelH_DE JoelH_DE 30.11.2018 07:50
Schachengines kennen offensichtlich keine Ironie. Wie man an manchem Kommentar hier erkennen kann. Danke Herr Schormann für diesen tollen Artikel.

Hat mich dazu animiert einen Account zu erstellen! Die Medien waren in der Tat vielfältig bei der Sache, wann gab es zuletzt Bewegtbilder von einer Schachpartie (!) im Fernsehen?
querschlaeger querschlaeger 30.11.2018 07:49
Noch einmal.... "merkt ihr was" (falls einige ob ihrer Empörung dies nicht gelesen haben, es ist ein Textzitat)? Wie gerreg schon korrekt erkannt hat, scheinen einige Kommentatoren den Artikel wirklich nicht verstanden zu haben! Da wird fehlende Qualitätskontrolle moniert und er sei absolut unerträglich. Muss denn immer sofort reflexartig die Zündschnur abbrennen?? Hauptsache empört? Es erinnert ein wenig an die Stümper, die sich mit Engines Kritik an Groß- und Weltmeistern erlauben.... Noch einmal, der Artikel ist fein geschrieben und hält so richtig gemein den Spiegel hoch! Danke dafür
gerreg gerreg 30.11.2018 06:23
Scheinbar verstehen Einige den Artikel nicht richtig. Herr Schormann hält mit der scheinbaren Respektlosigkeit gegenüber Tal und Lasker bestimmten Personen den Spiegel vor und zeigt, wie absurd deren "Argumente" für eine schlechte Leistung der Weltbesten, für die Unverdientheit des Titels etc. ist. Bin mir absolut sicher, dass er den aller größten Respekt vor Tal und Lasker hat.
Vandyne Vandyne 30.11.2018 02:13
Dieser Artikel ist ein Grund auf meinen Chessbaseaccount zu verzichten,habt ihr denn keine Qualitätskontrolle???????
Torsten Cuber Torsten Cuber 30.11.2018 12:59
Absolut unerträglich.
Wie Herr Schorman sich hier über den einzigen deutschen Weltmeister Emanuel Lasker auslässt, der vor den Nazis fliehen und alles zurück lassen musste, und ihn als Stümper und Feigling bezeichnet, ist das erbärmlichste, was ich seit Jahren über Schach gelesen habe.
Lasker war der größte Matchspieler seiner Epoche, sich über ihn lustig zu machen, ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.
Und Tal, einen der größten Schachzauberer aller Zeiten, als Zocker zu verunglimpfen, der zeitlebens nur gegen "armselige Hanswürste" gespielt habe, ist eine Frechheit sondergleichen. Er hat seinen WM Titel nicht in der Glücksspirale gewonnen, sondern 1960 im Kampf gegen den legendären Botwinnik.
Herr Schorman, schreiben Sie in Zukunft lieber Anleitungen über Kaffesatzlesen, aber verschonen Sie die Schachwelt mit Ihren absurden Ergüssen.
Christop Baumann Christop Baumann 30.11.2018 12:52
Ich mische mir ein kleines Schachmenü - mit folgenden Zutaten:
1. Ich lassen Computer berechnen, wer am ehesten wie ein Computer spielt.
2. Ich spiele grobschlächtig Schönheit gegen Effizienz aus und verleugne mich damit als Mensch selbst.
3. Ich platziere rein zufällig ein paar Chess-Base-Autoren an positiver Stelle.
4. Ich verachte Spieler wie Mikhail Tal, weil mein Rechner in irgendeiner Variante eine Widerlegung gefunden hat. Dass Tal den Raum des Denkbaren und Möglichen ins nahezu Phantastische erweitert hat, davon habe ich keinen Begriff. Auch dass er nach Augenzeugen schwierigste, geradezu schmerzhaft paradoxe Studien im Kopf in wenigen Minuten lösen konnte, sei's drum. Dass er, bereits schwer krank, im Simultan Titelträger besiegt hat, sicher nur Zufall. Dass jemand wie M. Dworetzki die allerhöchste Meinung von Tal hatte, unverständlich. Was im Gedächtnis der Menschheit verbleibt, sind die magischen Momente des Spiels und was vergessen werden wird, sind die erbärmlichen, auswendig gelernten Maschinenvarianten.
querschlaeger querschlaeger 29.11.2018 10:17
Respekt… merkt ihr was? Nun, so wie hier doch einige Kommentatoren darauf anspringen, scheinbar nicht….! Es ist auch böse, so den Engine-Spiegel vorgehalten zu bekommen, mit dessen Unterstützung es ein Leichtes ist, damalige Koryphäen als Stümper zu bezeichnen. Conrad Schorman ist dies wunderbar gelungen, trotz seiner -eigentlich disqualifizierenden- geringen ELO. ;-)
MBachmaier MBachmaier 29.11.2018 10:07
@Naseweis: Ich muss jetzt im Nachhinein sagen, dass es einfach unglaubwürdig ist, dass Schlechter mit 2 Punkten Unterschied gewinnen hätte müssen. Angenommen, Schlechter hätte in der 10. und letzten Partie Remis gehalten, dann wäre demnach Lasker mit einer 4,5:5,5-Niederlage Weltmeister geblieben. Da hätte er doch den WM-Titel und sich selbst dem Spott ausgesetzt.
Forderungen aber, dass der Herausforderer mit zwei Siegen Unterschied gewinnen musste, gab es tatsächlich, nur etwas subtiler. Bobby Fisher forderte bei seiner Titelverteidigung ein Match auf 10 Siege; bei einem Stand von 9:9 Siegen aber bleibe er Weltmeister. Da muss also der Herausforderer mindestens 10:8 gewinnen, denn ein 10:9 ginge nur über ein 9:9, welches aber den Stopp auslösen würde. Auf diese Forderung Fishers ging die Fide zurecht nicht ein, und es kam zum Abbruch der Verhandlungen.

Die Schelte über das Spiel Laskers und vor allem Tals, der mit seinen "inkorrekten" Opfern die Schachwelt so begeistert hat, möchte ich auch nicht teilen. Dass aber, bevor die Fide die WMs in die Hand nahm, die privaten Weltmeister, insbesondere Lasker und Aljechin, guten Gegnern ausgewichen sind, ist eine berechtigte Feiglings-Schelte.

Deswegen widerspreche ich auch der Kritik am jetzigen WM-Modus (mit Ausnahme des meinerseits verurteilten Armageddon), wenn auch mehr Partien wünschenswert wären.

Das diesjährige Drama hatte nach der anfänglichen Remis-Serie so vermutet: Ein 0:0 und dann die Niederlage des im Schnellschach schwächeren, aber doch so sympathischen "Italieners". Hoffentlich zerbricht er nicht daran. Ich wünsche ihm dann später den WM-Titel.
Gardendwarf Gardendwarf 29.11.2018 09:51
Merkwürdige Charakterisierung der Spielstärken von Tal und Lasker...Letzterer war einer der größten Endspielexperten seiner Zeit. Vielleicht wäre auch ein wenig "Respekt" den Altvorderen gegenüber angebracht, Herr Schormann.
Weserberglander Weserberglander 29.11.2018 09:22
Der größte Vorzug des Schachs ist, dass der Skilllevel messbar ist. Wenig Raum für Wichtigtuerei und substanzlose Meinungsführerschaft, eine der großen Geißeln der menschlichen Zivilisationsgeschichte.

Sollte man mit einer DWZ < 2100 also nicht sehr vorsichtig sein, Spielern die schachliche Qualifikation abzusprechen, die einen am Brett locker durch den Fleischwolf gedreht hätten? Warum nicht, die von Hinz und Kunz benutzte Engine scheint einem doch recht zu geben ... Sehen wir es positiv: Schach ist demokratischer geworden, im 21. Jahrhundert.
HoJoKo HoJoKo 29.11.2018 09:15
Nachtrag: Die Partie war nicht einmal nur remisträchtig, sondern Lasker stand sogar ganz klar besser und hat sie dann selbst in den Sand gesetzt.
Falk Falk 29.11.2018 08:59
@Ramumbi - sehe ich auch so. Engines wie Stockfish haben einen Optimierungsalgorithmus und entscheiden taktisch über Stellungen. Das Optimum ist eine Zahl, die den besten Zug kennzeichnen soll. Aber eigentlich gibt es nur 3 Zustände auf dem Brett. Die taktischen Spieler geben dem Gegner die Möglichkeit fehlzugreifen. Sie sind also eine Art Fallensteller auf hohem Niveau.

Es wäre interessant, wie häufig AlphaZero bei den ruhigeren Spielern Gewinnchancen eingestellt sah. Klar - auch AlphaZero wird die Opferzüge von Tal nicht mögen. Bei Lasker muss ich gestehen, dass ich seine Partien und Stellungen bis auf einige wenige bisher nicht genug angesehen habe. Da traue ich mir kein Urteil zu. Nur dass er - egal in welchem ollen Alter - stets für jeden zeitgenössischen Schachspieler gefährlich war. Er kann also kein größerer Patzer als seine Schach spielenden Zeitgenossen bis in die späten 30er gewesen sein.

Um ihn noch etwas zu verteidigen:
Seinen Weltmeistertitel hatte er verloren, als er sich nicht wohl fühlte (das kann aber auch mit an Capablancas Spiel gelegen haben, das Klima war aber für einen älteren Herren auch nicht das beste). Allgemein hat er in seinem Leben immer wieder Phasen gehabt, in denen er auch als Weltmeister recht wenig Schach gespielt hatte. Es war damals noch nicht so einfach, selbst als absolut bester Spieler seiner Zeit mit Schach seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Lasker hat eine Doktorarbeit in Mathematik als Schachweltmeister geschrieben und um nicht einzurosten hatte er z.B. auch noch erfolgreich Go gegen Spieler der Weltspitze gespielt.

Da können Leute mit einer deutlich geringeren Fehlerquote wohl kaum mithalten. Nagut - Smyslow konnte wohl gut singen. Es gibt also doch etwas, wo Lasker nicht mithalten konnte ;-)
HoJoKo HoJoKo 29.11.2018 08:41
@Krennwurzn: Leider kann ich im Moment nicht die Quelle angeben (müsste ich erst noch einmal suchen), der zufolge Schlechter das Match nicht einfach nur deshalb gewinnen wollte, weil er die 5. Partie (die "eigentlich remis" war) lediglich durch einen groben Fehler Laskers für sich hatte entscheiden können. Das erschien ihm, so die Mutmaßung, wohl zu "mickerig" und er wollte die letzte Partie und damit die WM auf "ehrliche" Weise gewinnen, wobei er dann überzog.
Pauli2006 Pauli2006 29.11.2018 08:19
Respekt, aha. Ein so schwacher Spieler wie Schormann sollte etwas mehr Respekt vor den alten ( Welt-) Meistern haben. im übrigen ist es billig sich über andere lustig zu machen. Verschonen Sie uns mit Ihrem Sch…..
HoJoKo HoJoKo 29.11.2018 08:16
Der Vergleich mit Fußball (Elfmeter) und Tennis (Tiebreak) scheint mir doch unpassend. Elfmeter gehören bereits zu einem regulären Fußballspiel dazu, und ein Punkt im Tennis ist ein Punkt im Tennis. Ob der nun innerhalb eines Satzes eingesammelt wird oder bei einem Einzelspiel während des Tiebreaks, ändert am eigentlichen Spielcharakter nichts. Deswegen muss ein Tennispieler nicht flotter laufen, schneller schlagen oder einen Ballwechsel verkürzen. Es gibt schließlich auch weder eine Elfmeter- noch eine Tiebreak-Weltmeisterschaft.

Sinnvoller wäre doch ein Vergleich z. B. aus der Leichtathletik: Man stelle sich vor, ein 10000 m-WM-Lauf würde so knapp ausgehen, dass man nicht einmal per Zielfoto einen Sieger feststellen könnte. Sollte der WM in dieser Disziplin dann tatsächlich durch vier 200 m-Läufe, evtl. vier 100 m-Sprints oder ein Armageddon-Rennen (einer muss nur 95 Meter laufen, aber gewinnen, während der andere mit 100 Metern lediglich gleichauf durchs Ziel kommen muss) entschieden werden? "Da ist unlogisch!" würde das alte grünblütige Spitzohr vermutlich sagen - wohl zu Recht.

Klassisches Schach, Schnell- und Blitzschach sind drei verschiedene Disziplinen, die sollte man nicht mischen. Warum kommt beim derzeitigen Modus eigentlich kein Schach 960 vor?

Und widerspricht ein Schnell- oder Blitzschachentscheid nicht gerade der vom Autor zuvor getätigten Aussage, dass Schach für die Allgemeinheit deshalb so interessant sei, weil es doch "tiefgründig, langsam, abwägend und der genaue Gegensatz zum gehetzten Scrollen" sein soll?

Was die Qualität der WM angeht, so liegt - soweit ich das als nur mit minderwertigen spielerischen Fähigkeiten augestatteter Schachfreund überhaupt beurteilen kann und darf - Conrad Schormann sicherlich richtig. Mir hat das Match gefallen - bis auf das inkompatible Ende.
Ramumbi Ramumbi 29.11.2018 07:51
soso Tal und Lasker waren Stümper ... gut dass ich das nun auch weiß. Lasker hat übrigens so lange nicht gegen Capablanca um die Weltmeisterschaft gespielt, weil dieser die Kampfbörse nicht aufgebracht hat. Und wenn ich so spielen könnte wie Lasker oder Tal ... wow ... das wäre toll!!!
Naseweis Naseweis 29.11.2018 06:54
Hallo M. Bachmann ! Danke für die sachliche Replik. Die Info mit den 2 Siegen ist bei mir seit Jahrzehnten im Gedächtnis gespeichert und beruht auf einer Quelle, da es noch lange kein Wikipedia gab. Tendentiell neig ich dazu, einer deutlich älteren Quelle den Vorzug zu geben. Leider kann ich diese Quelle auf die Schnelle nicht mehr ausfindig machen. Vielleicht gibt es ja Leser, welche bezüglich des WM-Duells 1910 zwischen Lasker und Schlechter genaueres Wissen besitzen. Dies wäre schon sehr interessant.
Aber Lasker zuzutrauen wär das "Stück" schon, weil er ja auch stets, wie Schormann korrekt schreibt, Herausforderer erst akzeptierte, wenn diese ihren Zenit überschritten hatten etc.
Viele Grüße aus der Kurpfalz Wa.Gerhard (ad) freenet.de .
Sangesgott Sangesgott 29.11.2018 06:33
"Ansonsten war Tal ein Zocker, der das Glück hatte, zeitlebens gegen armselige Hanswürste zu spielen"

Also, Botvinnik als Hanswurst zu bezeichnen, das hat er nicht verdient!
Mattkatastrophe Mattkatastrophe 29.11.2018 05:52
Ich möchte diesen Beitrag mit Einschränkungen loben, weil ich ihn nicht nur sachlich finde, sondern auch fachlich fundiert, sehr respektvoll den Spielern gegenüber und vor allem sehr wertschätzend, was unser schönes Spiel angeht. Gegenüber Tal und Lasker hätte er etwas milder ausfallen sollen. Und was deren "Glück" betrifft, dass zu deren Schaffenszeiten noch keine Engines existieren: Wir machen uns heute auch nicht über Fußballgenies von früher lustig, die bei der heutigen Athletik vielleicht untergehen würden. Dass keine oder nur noch wenige Hammerpartien auf dem Niveau aufs Brett kommen, ist schade. Das Talsche Wirken hatte tatsächlich etwas damit zu tun, dass sein überlegenes Angriffstalent (mit dem er der Zeit voraus war) auf eine weniger entwickelte Verteidungstechnik traf.

"Leider" spielen die beiden Protagonisten heute so gut, dass sich die Tiefe (und damit die Schönheit) der Partien erst mit zunehmender Spielstärke erschließt. Allerdings muss man anmerken, das Caruana mit der Sd5-Variante im Sweschnikow und Russisch eher Eröffnungen gewählt hat, die über den Ausgleich hinaus nicht wirklich Vorteil versprechen. Für das breite Publikum, das panem et circensis inklusive viel Blut sehen will, war das eher langweilig. Ich fand es toll. Nur sind 12 Partien sicher zu wenig.
Blitz2010 Blitz2010 29.11.2018 05:07
Als einer der Dilettanten, die es gewagt hatten, hier zu diskutieren, eine kleine Verteidigung meines Tuns: Solche Kommentare wie meine sind doch bei allen Sportarten ganz normal und lohnen doch eigentlich gar nicht solchen Gegen-Aufwand, wie der Beitrag von Herrn Schormann sie betreibt!
1. Denken Sie doch nur vergleichsweise an die Kritik an die "80 Millionen Bundestrainer", die es besser wissen wollten als Herr Löw - natürlich war auch ich einer dieser 80 Millionen - so what?
2. Sportstars wie Carlsen oder international bekannte Fußballer müssen doch immer jede Menge Spott, anmaßende Kommentare von Dilettanten aushalten, die selbst gar nicht so sportlich sind und auf jeden Fall weit entfernt von der Profi-Expertise - so what? Das ist halt so, wenn ein Publikum zu Wort kommt. Warum dagegen wettern?
3. Das Internet in unserer Zeit hat solche Kommentarfunktionen nun einmal - wer sie nicht will, kann doch zum alten Medium Buch oder zur gedruckten Schachzeitschrift zurückgreifen. Da sind dann nur Expert*innenkommentare zu lesen. Mir aber macht nun mal der Meinungsaustausch mit anderen Spaß, darum freue ich mich über die lebhaften User-Diskussionen im Internet und nehme gern als Dilettant daran teil.
4. Ansprüche an Schönheit kann ein Publikum doch stellen, sind doch legitim. Man kann auch beim Fußball doch sich entweder freuen, weil die Mannschaft, von der man Fan ist, gewinnt, oder man kann sich über ein "schönes", temporeiches, berauschendes, torreiches Fußballspiel mit packenden Strafraumszenen freuen. Ist halt eine andere Perspektive als die rein am Ergebnis orientierte. Aber es gibt diese Perspektive nun mal. Ist doch ganz einfach.
In diesem Sinne freue ich mich, dass es das Internet gibt und ich als Dilettant und SportPUBLIKUMsteil meine Meinungen posten kann. Wozu die Aufregung über Dilettanten wie mich?
MBachmaier MBachmaier 29.11.2018 04:48
@Naseweis, das mit den zwei Siegen Unterschied ist offenbar umstritten und wird in Wikipedia eher angezweifelt. Zitat daraus:

"Das Match war auf zehn Partien angesetzt. Die ersten fünf davon sollten in Wien gespielt werden, die folgenden in Berlin. Bei einem 5:5 sollte Lasker seinen Titel behalten.
Die genauen Regelungen des Matches sind auch heute noch umstritten. Sehr weit verbreitet ist die Vermutung, Schlechter hätte nach den ausgehandelten Bedingungen zum Gewinn einen Vorsprung von zwei Punkten benötigt, was sein riskantes Spiel in der letzten Partie (die er dann letztlich verlor) erklären würde. Andere Quellen geben an, Schlechter hätte im Falle eines Sieges einen Rückkampf gegen Lasker ausfechten müssen, um den Titel zu erringen; oder sie zweifeln, dass es sich überhaupt um einen Weltmeisterschaftskampf gehandelt habe.
Ein Bericht von Lasker für die New York Evening Post kurz vor dem Matchende widerspricht jedoch diesen Thesen:[2]
„The match with Schlechter is nearing its end and it appears probable that for the first time in my life I shall be the loser. If that should happen a good man will have won the world championship.“
– Emanuel Lasker nach Larry Evans, 1910"

Wieweit jetzt da Wikipedia auf neuestem Stand ist, weiß ich auch nicht.

Ich hatte diese WM 1910 im letzten Thread zu diesem Match erwähnt, um die Kritik an der vielfach vorgebrachten geringen Partienanzahl abzumildern. Der 12-reguläre-Partien-Modus hat uns ja seit seiner Einführung 2006 lauter würdige Weltmeister beschert.

Ich persönlich kritisiere ja bereits, dass dem Weltmeister ein Unentschieden zum Titelerhalt gereicht hat.

Ansonsten: Auch mich hat dieser Artikel hier von Conrad Schormann so richtig begeistert. Das ist Wahrheit pur.