Rezension: Baldauf/Seyb: Der Paulsen-Sizilianer

von Christian Hoethe
19.07.2021 – Wer mit Schwarz Sizilianisch spielen, aber die vielen scharfen Abspiele der großen Systeme vermeiden möchte, der ist mit der flexiblen Paulsen-Variante gut bedient. Marco Baldauf und Alexander Seyb stellen diese Eröffnung auf ihrer Fritztrainer-DVD ausführlich vor ( 8 Stunden Video) und liefern auch Rezepte gegen die Antizilianer. Christian Höthe hat sich den Kurs angesehen.

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Rezension Baldauf Seyb zum Paulsen-Sizilianer

Der Paulsen-Sizilianer

Mit der Zugfolge e6/a6 wird die Option offengelassen, d5 in einem Zug zu spielen, zudem ist der Ausfall Lb4 eine Option. Konkretes Wissen ist im Paulsen-System weniger entscheidend als die Kenntnis der taktischen und positionellen Motive.

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Mit großer Spannung habe ich die neue DVD des Autorengespanns Baldauf und Seyb zum Paulsen-Sizilianer erwartet! Und ich sage es gerne vorweg - ich wurde nicht enttäuscht! Ganz im Gegenteil!

Auf satten 8 Stunden Spielzeit (!) geben die jederzeit sympathisch rüberkommenden Autoren nicht nur eine hervorragende Einführung in den Paulsen-Sizilianer, sie tauchen auch in die Details aller kritischen und weniger kritischen Haupt- und Nebenvarianten ein. Dabei gefällt mir besonders, wie es zur Auswahl dieser und jener Variante gekommen ist! 

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6

 

Schon gefallen hat mir das Einführungskapitel, in dem es um die Vor- und Nachteile des Paulsen-Sizilianers gegenüber den anderen beiden Schwergewichten "Najdorf" und "Taimanov" hat. Im Grunde genommen ist es die teils extreme Theorielastigkeit dieser beiden Systeme, die sie insbesondere für Hobbyspieler so schwer zu spielen macht. Die Abspiele mit 6. Lg5 gegen Najdorf füllen ganze Bücher, wohingegen die scharfen Abspiele des englischen Angriffs und 6. Le3 nebst Df3 im Taimanov-Sizi für beide Seiten nicht leicht zu spielen sind. Ein kleiner Fehlgriff, eine noch so winzige Erinnerungslücke kann hier fatale Folgen und damit den Partieverlust zur Folge haben. Das kommt beim Paulsen-Sizilianer eher selten vor und ist ein gewichtiges Argument für ebendiesen. 

In den nächsten Kapiteln erfolgt eine Reise zurück zu bedeutsamen Partien im Paulsen-Sizilianer, bevor sich Baldauf und Seyb den strategischen Eigenheiten zuwenden, insbesondere dem Zurückschlagen nach Sd4xc6 mittels ...d7xc6! statt - wie eher typisch sizilianisch mit bxc6.

Anschließend geht es ans Eingemachte, sprich: es geht um konkretes Variantenwissen gegen die Fianchettovariante, 5. Le2 und den englischen Angriff. Diese Kapitel machten mir besonders viel Spaß, weil Baldauf und Seyb auch oft auf mögliche Übergänge in andere Sizilianer, wie zum Beispiel den Scheveninger hinweisen. Ihr Weg bleibt aber konsequent auf Paulsen-Ebene!

Den größten Block machen die schwarzen Igel-Aufstellungen nach weißem Ld3 oder Le2 aus. Hier leisten die Autoren meiner Meinung nach Außergewöhnliches! Natürlich kennen sie die Repertoire-Empfehlungen für die Anziehenden aus der Feder von Negi und Khalifman und setzen ihnen vernünftige und wohlpointierte Konzepte entgegen. Auch der einst so gefürchtete Kasparov-Plan erfährt eine detaillierte Untersuchung und wird gut entschärft! 

Sehr gut gefallen hat mir auch das Extra-Kapitel zu den Sizilianischen Nebenvarianten - hier werden zum Beispiel 2. c3, 2. Sc3, Varianten mit 3. b3 und 3. g3 ebenso besprochen wie zahlreiche Gambits. Dies ist ein Bonus, der keinesfalls selbstverständlich ist! Bücher zu einem speziellen Hauptabspiel lassen häufig aufgrund von Platzmangel die zahlreichen und oft nervtötenden Nebenvarianten aussen vor. Aber hier wird der Käufer nicht ohne Rezept im Regen stehen gelassen - so sollte es eigentlich auch sein! 

Interaktive Aufgaben mit Video-Feedback, eine extra: Datenbank mit Musterpartien und ein spezielles  Tool zum Ausspielen von Repertoire und Schlüsselstellungen gehören bei Chessbase-DVDs seit langem zum Standard und runden diese gelungene und sehenswerte DVD zu einem tollen sizilianischen Gesamtpaket ab! 

Der Paulsen-Sizilianer

Mit der Zugfolge e6/a6 wird die Option offengelassen, d5 in einem Zug zu spielen, zudem ist der Ausfall Lb4 eine Option. Konkretes Wissen ist im Paulsen-System weniger entscheidend als die Kenntnis der taktischen und positionellen Motive.

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Christian Hoethe ist Jahrgang 1975, Vater zweier Töchter und eines Sohnes, wohnt in Braunschweig und erlernte die Gangart der Figuren relativ spät mit 13 von seinem Vater. Ein Jahr später spielte in der Schach-AG seines damaligen Erdkundelehrers, mit dem er auch heute noch ab und zu eine Partie spielt. Mit 15 landete er Dank seines Mathe-Nachhilfelehrers (!) endlich in einem Verein. Er brachte es zu seinen besten Zeiten auf eine Elo-Zahl von 2247 und spielt für den Schachverein Gifhorn, wo er auch einmal im Monat Training gibt.

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