Rezension: Der Königsindische Angriff von GM Victor Bologan

04.10.2018 – Der Königsindische Angriff ist eine universelle Eröffnung, die man auf verschiedenen Wegen zum Einsatz bringen kann. Philipp Hillebrand hat sich Victor Bologans DVD zu dieser Eröffnung gründlich angeschaut und seine Beobachtungen aufgeschrieben. Hier ist seine Rezension:

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

von Philipp Hillebrand

Der Königsindische Angriff von GM Victor Bologan     

Großmeister Victor Bologan hat zuletzt einige Werke herausgebracht, wo er sogar zwei Wege anbietet, wie man in einer Eröffnungsvariante seine Gegner vor Probleme stellen kann, z.B. in seinen Büchern über die Spanische Partie, wo er das Breyer System und das Marschall Gambit vorschlägt. Dies hat unmittelbar den klaren Pluspunkt, dass ein möglicher Gegner mehr Probleme mit seiner potentiellen Vorbereitung hat. In dieser DVD bietet der moldawische Großmeister für den Anziehenden einen Repertoirevorschlag um 1.e4 an. Zum einen schlägt er den Aufbau mit De2 vor und andererseits den von ihm als klassisch bezeichneten Aufbau mit Sbd2 an. Diese Aufbauten werden gegen die Französische Eröffnung und die Paulsen Variante der Sizilianische Verteidigung empfohlen.

Folglich ist die Zugfolge gegen Sizilianisch 1.e4 c5 2.Sf3 e6 (eine Variante, welche recht beliebt ist wegen der Möglichkeit 3.Lb5 (+) Systeme zu umgehen) und nun 3.d3 (!). Dies ist eine sehr sinnvolle Vorgehensweise, denn die Gemeinsamkeit der Stellungen bzw. die Überleitung aus der Sizilianischen Paulsen Variante in den Königsindischen Angriff ist sehr schnell erreicht: 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 Sf6 4.4.Sgf3 c5 oder eben via 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3 d5 4.Sbd2 Sf6. Der Autor nennt in seiner Einführung der DVD die praktischen Vorteile dieses Ansatzes, denn seiner Meinung nach sind die meisten Spieler theoretisch besser vorbereitet auf die sog. kritischen Varianten, wenn der Anziehende versucht das Zentrum mittels e4 und d4 zu besetzen. Er räumt dabei auch ein, dass der Königsindische Angriff nicht zwingend dazu genutzt werden kann einen stabilen theoretischen Eröffnungsvorteil zu erlangen. Ihm geht es vielmehr darum, den Gegner vor praktische Probleme zu stellen, welche zum einen durch die seltener gespielten Systeme per se entstehen und den oben genannten Ansatz zwei unterschiedliche Hauptfortsetzungen in einer gewählten Variante parat zu haben, wobei ihm die Aufbauten mit De2 etwas mehr zusagen, da sie ihm seiner Meinung nach noch mehr Flexibilität gestatten, u.a. wird der Damenläufer nicht verstellt und er kann so schneller einen auf e5 stehenden Bauern mittels Lf4 decken.

Nicht unerwähnt lässt Bologan, dass diese Strukturen auch aus der Reti Zugreihenfolge entstehen können, welche aber nicht im Fokus der Videos sind. Allerdings findet man in einer der Modellpartien in den Analysen einige Gedanken zu den Zugfolgen zu diesem Thema! Wenn man Königsindisch hört oder liest denkt man meist an ein Wettrennen. Setzt der Nachziehende den weißen König matt oder schafft es der Anziehende schnell genug den schwarzen Damenflügel einzuäschern? In den Gefilden des Königsindischen Angriffs sind die Rollen umgekehrt. Der Anziehende versucht mit vielen taktischen Mitteln einen schwarzen Monarchen zur Strecke zu bringen und ist oft dazu bereit seinen Damenflügel seinem Schicksal zu überlassen und darf auch vor Figurenopfern nicht zurückschrecken. Oft spielt bei solchen Angriffsszenarien der weiße Bauer auf e5 eine wichtige Rolle, da er einen schwarzen Springer von f6 fernhält, womit die Rochadestellung des Nachziehenden anfälliger wird und auch ein Raumvorteil in diesem Brettabschnitt verspricht, wo die taktischen Gefechte stattfinden:

„Die Stellung ist der Partie Grischuk, A – Dominguez, L, 0-1 (36) Beijing 2013 entnommen.

Dies ist eine typische Stellung in jenen Abspielen, wo der Anziehende oft vor der Situation steht „all in“ zu gehen, da der Nachziehende am Damenflügel gutes Spiel besitzt, also lautet die Frage, ob ein Opfer auf h6 durchschlägt oder nicht.“

Die Kapiteleinteilung ist wie folgt:

1) De2 gegen Französisch mit vier Unterkapiteln,

2) Sbd2 gegen Französisch, wo der Nachziehende nicht die Hauptvariante wählt mit 5 Unterkapiteln,

3) Sbd2 gegen Französisch Hauptvariante mit vier Unterkapiteln,

4) Sizilianisch Paulsen Variante mit sechs Unterkapiteln und

5) die Quizfragen zum Lehrstoff.

Winning with the King's Indian Attack

Der Königsindische Angriff ist voller positioneller und taktischer Ideen und oft eine unangenehme Überraschung für den Gegner.

Mehr...

Zu 1)

Hier schafft es Bologan sehr deutlich aufzuzeigen was die Vorteile im Aufbau mit einer weißen Dame auf e2 sind. Zum einen ist der Damenspringer noch auf dem Feld b1, was nicht selten eine Wanderung nach c2 möglich macht via a3. Von dort aus unterstützt der Springer den Bauernvorstoß b2-b4, was vor allem bei heterogenen Rochaden sehr nützlich ist und auch auf e3 gibt es gute Perspektiven mit der Kontrolle über das Feld c4 oder sogar auch taktischen Einschlägen auf dem Feld d5. Diese sind immer dann besonders effektiv, wenn eine schwarze Dame auf dem Feld c7 steht weil sie durch den Springer attackiert wird und nicht selten einem Vis- a- Vis mit einem auf f4 stehen Läufer ausgesetzt ist. Zum anderen sind diese Varianten mit der weißen Dame auf e2 bei geschlossener Stellung und weißem Bauern auf e5 angenehmer als mit einem auf d2 stehenden Springer, denn dieser ist wie bereits gesagt im Bereich des Damenflügels oft besser aufgehoben um eben diesen Flügel zu unterstützen. Die alternative Route des Springers nach e3 via d2-f1 nimmt zwar die gleiche Zuganzahl in Anspruch, allerdings gewinnt der Zug Sa3 meist ein Tempo wegen der Idee mit Sa3-b5 die auf c7 stehende Dame anzugreifen. Der Anziehende ist also nicht so sehr unter Zwang einen Angriff auf Biegen oder Brechen vom Stapel zu lassen, wie es in den sog. klassischen Varianten mit einem Sd2 der Fall ist.

Sehr ehrlich ist Bologan hier bei der Darlegung des Preises, welchen der Anziehende für diese genannten Vorteile zahlen muss. Es handelt sich um die Sequenz mit einem Abtausch auf e4 und anschließendem …b6. Dies ermöglicht mittels …Ba6 die weiße De2 zu behelligen und wenn der Anziehende hier auf Vorteil hoffen möchte, muss er einen verdoppelten c-Bauern in Kauf nehmen:

„Eine Stellung wie sie auch in der Nimzowitsch- Indischen Verteidigung hätte auftreten können. Das weiße Läuferpaar im Gegensatz zu der geschwächten Struktur versprechen einen komplexen Kampf.“

Wer diese Stellung als Anziehende nicht mag, der sollte von der Variante mit De2 Abstand nehmen. Zwar muss dieser Doppelbauer nicht zwangsläufig hingenommen werden, aber Bologan zeigt daraufhin auf, dass der Anziehende keine wirklichen Aussichten auf einen objektiven Vorteil besitzt, wenn er anders vorgehen möchte gegen das für den Nachziehenden aussichtsreiche Manöver mit 1.e4 e6 2.d3 d5 3.De2 dxe4 4.dxe4 b6! (spielt der Nachziehende hier 4…e5, was auch plausibel ist, empfiehlt es sich Ideen aus der Philidor Verteidigung zu kennen, was der Autor auch erwähnt!) 5.Sf3 La6 6.c4 und nun Lb4+!

Zu 2)

Der zweite Französisch Komplex behandelt den Zug 3.Sd2 und startet mit einer feinen Überleitung bzw. Anknüpfung an das vorangegangene Kapitel, wo der Nachziehende mittels …b6 und …La6 versuchen konnte die auf e2 stehend weiße Dame zu behelligen. Nunmehr steht zwar zunächst nicht mehr die Königen auf der Diagonalen a6-f1, aber dennoch besitzt der Nachziehende ein Interesse daran seinen Damenläufer auf eben diese Diagonale zu stellen, da er von dort aus gegen die Rochade des Anziehenden kämpfen kann in Verbindung mit einem Nehmen auf e4. Dank kleiner Finessen gelingt es dem Anziehenden jedoch diesen Plan zu vereiteln. 1.e4 e6 2.d3 d5 3.Sd2 Sf6 4.Sgf3 b6 5.g3 d5xe4 (nimmt der Nachziehende nicht jetzt auf e4 mit dem Bauern, so spielt der Anziehende bei 5…La6 6.e5!) 6.d3xe4 Lb7 (setzt der Nachziehende auf eine abwartende Taktik mit …Lc5 7.Lg2 um nun mit …La6 sein Ziel zu erreichen, klappt jetzt problemlos c4, was am Ende des vorherigen Kapitels wegen …Lb4+ unangenehm war.) 7.De2 La6 8.Sc4 und in der Folge schafft es der Anziehende die lästige Fesselung mit der Idee e5 und Da4 abzuschütteln und steht besser. Dann folgt ein Clip mit 4…Sc6 und falls …e5 folgt, was eine Art Philidor mit vertauschten Farben wird, besitzt der Anziehende freilich zwei satte Mehrtempi, da er zum einen die Partie begonnen hat und der Nachziehende mit …e6 und dann ..e5 ein weiteres Tempo verloren hat. Solch ein Szenario ist quasi von Haus aus angenehm für den Anziehenden. Daher empfiehlt Bologan einem Nachziehenden die Expansion b2-b4 mittels …a7-a5 zu unterbinden, was natürlich auch seinen Preis hat

Die weiteren Unterkapitel beschäftigen sich mit der Frage der Positionierung des schwarzen Königsläufer zunächst auf d6 und dann in zwei weiteren Clips auf g7, wobei ein Clip dem Aufbau mit einem Springer auf e7 und der andere Clip dem Aufbau mit Sf6 gewidmet ist. Hierbei hebt der Autor zwei wichtige positionelle Elemente hervor. Zum einem die Postierung eines weißen Bauern auf c3, welcher die Diagonale h8-a1 gegen einen Lg7 abschirmt und dem Sc6 die Felder d4 und b4 verwehrt. Nun ergibt sich ein weiteres Kettenglied durch die weiße Drohung b2-b4 (Diese Idee ist wiederum aus Stellungen der Philidor oder Pirc Verteidigung relevant, und man sieht, wie wichtig ein flexibles Denken in diesen Strukturen ist, da man im Grunde genommen bereit sein muss viele Ideen aus Schwarzaufbauten zu übernehmen, was aber dank eines Mehrtempos auch nicht schadet.) , welche der Nachziehende meist mit …a7-a5 abwehren sollte. Die auf b5 entstandene Lücke wird dann mit einem Manöver anvisiert, welches laut GM Bologan sehr instruktiv ist und zum Arsenal eines jeden KIA Anhängers gehören sollte: Sd2-b1-a3-b5. Darüber hinaus erklärt er, wann es besser ist mit e4-e5 die Stellung zu schließen oder es besser ist sie mit e4xd5 zu öffnen, was erneut den flexiblen Charakter unterstreicht.

„Hier startet die Umgruppierung des weißen Damenspringers und das Diagramm zeigt eine Situation, wo der Abtausch auf d5 erfolgte, was die weißen Figuren sehr lebendig werden lässt.“

Zu 3)

Dieser Abschnitt behandelt die klassischen Abspiele, wo es in der Regel darum geht, dass der Anziehende mit einem Angriff am Königsflügel durchschlägt oder der Nachziehende am Damenflügel seine Vorzüge nachweisen kann, folglich ein Szenario, wie es auch im klassischen Königsinder der Fall ist. Zunächst folgt ein Clip, in welchem gezeigt wird, was eine Positionierung der schwarzen Dame auf dem Feld c7 mit sich bringt. Zum eine wird der Bauer e5 ins Visier genommen und die Türme sind verbunden sobald der Damenläufer entwickelt wurde. Auf der anderen Seite steht die schwarze Lady auf diesem Feld aber auch taktisch anfällig aufgrund von taktischen Einschlägen auf d5, sei es durch einen Rösselsprung oder durch einen Läufereinschlag, die Kernidee bleibt es mittels e5-e6 einen Abzugsangriff mit einem Lf4 auf die Regentin zu starten, was in der Regel das investierte Material auf d7 zurück gewinnt, aber erhebliche positionelle Vorteile mit sich bringt. Gerade weil die weiße Kavallerie auf den Feldern g5 und auch g4 so wirksam steht, ist ein Weg nach g4 via e3 manchmal nützlicher wegen der Möglichkeit auf d5 einzuschlagen und die Zusatzoption c2-c4 existiert, womit der weiße Damenflügel meist sehr gut versiegelt wird, damit sich der Anziehende in aller Bequemlichkeit dem schwarzen Monarchen nähern kann. Gerade der kleine Zeitgewinn mit der Drohung kann das entscheidende Tempi bedeuten für das Gelingen oder Misslingen des weißen Angriffs.

„Der letzte Zug war Sf1-e3 und wenn der Nachziehende etwas unternimmt gegen den Einschlag auf d5, dann kommt der Springer nach g4 und hat keine Zeit verloren im Vergleich zu der Route via h2, was auch ein übliches Vorgehen in diesen Strukturen ist.“

Danach wird aufgezeigt, warum die Kombination aus kurzer schwarzer Rochade und …b6 anstatt des aggressiveren …b5 für den Nachziehenden zu langsam sein dürfte und in den folgen beiden Videos bietet GM Bologan abermals zwei mögliche Wege der Herangehensweise an die Stellung. Zum einen bespricht er das verpflichtende Vorgehen des Bauern nach e5 und er gibt dem Anziehenden Kniffe und typische Ideen an die Hand um der Invasion seines Damenflügels zuvor zu kommen. Hier möchte ich allerdings auf die Partie zwischen Grischuk, A – Domniguez, L 0-1 (36), Beijing 2013 verweisen. Diese Idee der Verteidigung ist sehr wichtig zu kennen, denn sie ist sehr ökonomisch aus Sicht des Nachziehenden. Der Zug …Dc7 gewinnt nämlich auch ein Tempo durch den Angriff auf den Bauern e5 und mit Nachfolgendem …Tfc8, und …Qd8! Verfügt der Nachziehende über die Möglichkeit mittels den Zügen …Lf8 oder …Df8 den Punkt auf h6 zu stärken. Diese Verteidigungsidee ist es, welche GM Jan Gustafsson in seiner Videoserie empfiehlt, wie man als Nachziehender auf den KIA reagieren sollte. Und vielleicht noch entscheidender, auch Nikolaus Ntirlis, welcher als sehr starker Analytiker und Fernschach Experte einen Namen hat, sieht in dieser Verteidigungsmethode einen Weg um als Nachziehender auf Gewinn spielen zu können, da die Vorteile des Nachziehenden am Damenflügel dauerhafter Natur sind. Beide eben genannte Autoren standen vor der Aufgabe eine Empfehlung gegen den KIA zu finden, welchen sie gegen die Reti- Zugreihenfolgen angeben. Hier hätte ich mir mehr Erläuterungen im Video gewünscht zu der Güte der schwarzen Verteidigungsidee. Die mitgelieferten Analysen und Modellpartien beinhalten aber diese Verteidigungsidee, vor allem die Fernschachpartie Nickel, A – Wiacek, K, eMail 2007 ist hier wichtig zu studieren. Ein wirkliches Problem hat das Repertoire von Bologan an dieser Stelle aber nicht, denn er empfiehlt ja (neben dem von ihm als zu Recht „verantwortungsvollen“ 8.e5 genannten) auch die Alternative mit 8.Te1. Dieser kleine Turmzug, welcher eh gespielt werden muss erlaubt es an dieser Stelle gegen den schwarzen Hauptplan 8…b5 zu kämpfen, denn nun besitzt der Anziehende die Idee 9.a4 nebst e4xd5 und nicht selten winkt der weißen Kavallerie diesmal ein ordentliches Feld auf c4 oder auch auf d4 um gegen einen isolierten Bauern auf d5 zu spielen. Gerade hier sieht man wieder den flexiblen Ansatz von GM Bologan, warum es sehr wichtig ist sich in Klaren darüber zu sein, was die eine oder andere Entscheidung für Verpflichtungen und Möglichkeiten mit sich bringt.

Zu 4)

Wer die DVD in der „chronologischen“ Reihenfolge durcharbeitet, wird mit dem letzten Kapitel wenige Schwierigkeiten haben, denn hier kommen noch mal alle bereits zuvor genannten Elemente vor. Diese sind der Moment wo es sich lohnt den Bauernvorstoß e4-d5 zu erwägen oder das Nehmen auf d5 mit e4xd5 zu bevorzugen, die Postierung des Damenspringers auf c2 mit den Pirouetten nach a3-b5 oder vielleicht doch nach e3 und g4, der Vorzug der Dame auf e2 mit der Möglichkeit schnell zu Lf4 zu gelangen und die Ideen hinter den Bauernzügen c2-c3 und b2-b4 werden alle noch einmal erläutert, weswegen das nunmehr etwas schnellere Tempo der Ausführung der Züge mit den entsprechenden Bewertungen ausreichen sollte, sich von der Güte der einen oder anderen Wahl überzeugen zu können. Das einzige Abspiel, welches von den üblichen Strukturen abweicht ist das, wo die Züge 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d3 und nun 3…b6!? gespielt werden. Hier empfiehlt Bologan einen Übergang mit d3-d4 in offene Stellungen, wenn dem Nachziehenden auch die Möglichkeit eingeräumt wird einen Igelaufbau mit einem Mehrtempo einzunehmen. Da es sich um einen komplett anderen Stellungstypen handelt, sollte jeder, welcher den KIA über 1.e4 spielen möchte auch damit rechnen, damit man nicht unangenehm überrascht wird:

„Eine recht typische Struktur für den Igel, wo man als Anziehender schon wissen sollte, was für Konterchancen der Nachziehende besitzt: Sie liegen vor allem in den Bauerndurchbrüchen mit …b6-b5 und oder …d6-d5, sowie eine manchmal etwas luftige weiße Königsstellung.“

Kleine Abstriche sind in den Notationen zu finden, wo ab und wann einmal verbale Kommentare in Kyrillischer Schrift zu finden sind oder dass in den Analysen die Hauptvariante nicht immer identisch ist mit denen, welche die Videonotationen hat. Diese sind aber nicht wirklich schlimm, denn wenn man mit den Materialien wirklich arbeitet und die Schlussfolgerungen des Autors aus den Videos kennt, dann stellt dies wirklich kein Problem dar. Ferner habe ich den Eindruck, dass GM Bologan wesentlich sicherer geworden ist mit der englischen Sprache, was es einem ermöglicht auch mit Schulenglisch so gut wie alles zu verstehen, sogar kleine Wortspiele und Anekdoten sind vorhanden, welche hier und da helfen eine Stellungsbewertung besser verinnerlichen zu können.

Musterpartien

 

Fazit:

Diese DVD bietet für den kreativen Spieler alles was man sich wünschen kann wenn er gewillt ist eine Partie zu spielen, anstatt eine Neuerung im 30. Zug präsentiert zu bekommen. Insbesondere das Vorstellen typischer Manöver, Bauernstrukturen und die richtigen Momente, wo es wichtig ist eine u.U. radikale Vorgehensweise zu wählen zeichnen dieses Werk aus. Die Konzipierung des Materials, also in welcher Reihenfolge welches Video folgt, sind didaktisch sehr gelungen. Wenn man nach dem Studium der DVD mitgenommen hat, dass der Anziehende nicht selten am Damenflügel spielt mit der Kombination aus a2-a4 und einem Sb5, dann hat man seinen schachlichen Horizont deutlich erweitert und ist nicht auf den „all-in“ Ansatz reduziert. Dies erkennt man vor allem in dem gut ausgewählten Material im interaktiven Test am Ende der DVD. Das mitgelieferte Übungsmaterial in Form der Partien ist darüber hinaus sehr aktuell und man findet viele Partien aus den letzten Jahren. Mithin 5/5 Sternen trotz der kleinen Mängel mit der Notation.

 



Themen: Rezension
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren