Rezension: Masterclass, Bd. 15: Viktor Kortschnoj und My Life for Chess

von Christian Hoethe
09.01.2023 – Viktor Kortschnoj war einer der ganz Großen im Schach. Zweimal spielte er um die Weltmeisterschaft und verpasste den Titel nur ganz knapp. Im neuen Masterclass Fritztrainer kann man seine lange Karriere Partie für Partie nachverfolgen und in seinen eigenen Aufnahmen ("My Life for Chess" in einer Neuauflage) stellte der Meister seine besten Partien selber vor. Christian Höthe hat sich die beiden Fritztrainer angesehen.

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Viktor Kortschnoj ist wohl jedem halbwegs Schachinteressierten ein Begriff. 1931 in Leningrad geboren, starb er 2016 im Alter von 85 Jahren und widmete sein ganzes
Leben dem Schach. Nachdem er 1976 aus der Sowjetunion emigrierte, spielte und unterlag er 1978 und 1981 gegen Anatoli Karpow in zwei Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft.

Master Class Band 15 - Viktor Kortschnoi

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Viktor Kortschnoi. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Kortschnoi wählte, wo seine Stärken im Mittelspiel lagen oder wie er seine Gegner im Endspiel überspielte.

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Master Class Band 15 - Viktor Kortschnoi und My life for chess

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Viktor Kortschnoi. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Kortschnoi wählte, wo seine Stärken im Mittelspiel lagen oder wie er seine Gegner im Endspiel überspielte.

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Aufgrund seiner ungewöhnlich langen aktiven Karriere hält Kortschnoj mit fast 5000 dokumentierten Partien den Rekord für die meisten gespielten Schachpartien.
Fast 50 Jahre lang kämpfte er auf Schacholympiaden und krönte seine unzählige Erfolge 2006 mit dem Seniorenweltmeistertitel. Im Januar 2007 belegte er noch immer Rang 85 der Weltrangliste und war damit mit 75 Jahren der älteste Spieler in den Top 100.

Sein kompromissloser Stil brachte Kortschnoj den Spitznamen Viktor der Schreckliche ein; seine beste jemals erreichte Elo-Zahl betrug 2695.

Obwohl Kortschnoj selbst diverse lesenswerte Partiensammlungen herausbrachte, möchten viele Schachfans ihre Idole am liebsten wahrhaftig sehen und erleben. Dieses ermöglichen die beiden Chessbase-Fritztrainer "My life in chess" sowie die  Neuerscheinung "Masterclass 15 - Viktor Kortschnoj" sind, die ich mir begeistert angesehen habe.

Kortschnoj selbst hat für ChessBase zwei Fritztrainer mit zusammen fast 20 Partien auf Video aufgenommen und detailliert auf englisch erklärt. Hier sieht man den "Master" in seinem Element, hier lässt er Erinnerungen neu aufleben, erklärt seine Entscheidung für die eine oder andere Variante und hier ist es, wo sich Kortschnoj immer wieder ein schelmisches
Lächeln abgewinnt - unbedingt sehenswert!

Kommen wir nun zur Masterclass an sich, die alle Kortschnoj-Partien in einer separaten Datenbank enthält!

Interessant wie zugleich amüsant fand ich schon den einleitenden Kommentar des bekannten Schweizer Grossmeisters und ChessBase-Kommentators Yannick Pelletier, der sich selbst öfter mit Kortschnoj messen und mit ihm trainieren konnte. Demnach war es nach täglich acht Stunden Schachtraining der Jungspund Pelletier, der am Ende eines Tages erschöpft und müde war, nicht der Haudegen Kortschnoj.

Eine aufschlussreiche Anekdote fand ich ebenfalls zu hören, wie Kortschnoj versuchte, sein Zeitnotproblem in den Griff zu bekommen und es ihm letztlich auch gelang. Inwiefern eine kleine Flasche Congnac gegen die Aufregung dabei eine Rolle spielte, in Pelletiers Einleitung erfahren wir es! Hier finden sich auch Ideen für all diejenigen Schachfreunde unter uns, denen die Zeit gefühlt schneller davonläuft als ihren Gegnern.

Die weiteren Inhalte der Masterclass betreffen natürlich auch das Eröffnungsrepertoire Kortschnojs. Viktor Kortschnoj galt als großer Kämpfer. Was das konkret für
die Eröffnungswahl bedeutet, beleuchtet GM Yannick Pelletier in seinen jeweiligen Videos. Kortschnoj versuchte dabei stets konzeptionell an die Eröffnungen heranzugehen.
Bekannte Züge neu zu hinterfragen, war dabei eines seiner herausragendsten Markenzeichen. Die Videos behandeln explizit die holländische Leningrader Variante, die Königsindische Verteidigung, klassische Eröffnungen wie das orthodoxen Damengambit, die englischen Eröffnung, sowie Kortschnojs Repertoire mit Schwarz gegen 1.d4 und 1.e4. In der Schlussfolgerung fasst GM Pelletier die Eröffnungsvorlieben Kortschnojs noch einmal zusammen.

Der nächste große Block betrifft die strategischen Vorlieben Kortschnojs. Es ist wohl schwer, einen Spieler mit einem größeren strategischen Arsenal zu nennen
als Viktor Kortschnoj. Selbst mit bereits über 70 Jahren experimentierte er weiterhin mit Eröffnungen und Stellungen, die er noch nie zuvor gespielt hatte.

 
Wie Botvinnik einmal bemerkte, pflegte Kortschnoj seine Partien auf sehr interessante Weise aufzubauen, was jeweils zu inhaltsreichem Spiel führte. In aller Regel strebte er dabei Stellungen mit komplexen Bauernstrukturen an, in denen konkrete Nuancen eine wichtige Rolle spielten. Jede Sammlung von Kortschnojs Partien kann als eine umfassende Enzyklopädie des Schachs betrachtet werden. GM Mihail Marin betrachtet in seinen jeweiligen Videos einige dieser Meisterwerke.

Das Thema Taktik hat sich Oliver Reeh ausführlich vorgenommen und dafür 27 instruktive Kortschnoj-Partien ausgewählt und als Video mit interaktiven Fragen aufgezeichnet.
Sie zeigen Kortschnoj als mutigen Opferspieler und ungestümen Angreifer, aber auch als kühlen Verteidiger und scharfen Rechner, der taktisch in jedem Moment voll
auf der Höhe war – eben "Viktor der Schreckliche“!

Es wäre keine wirklich runde "Masterclass", ohne dass sich der Hamburger Großmeister Karsten Müller die filigrane Endspieltechnik Kortschnojs nicht mit der Lupe vorgenommen
hätte! Laut Karsten Müller kämpfte Viktor Kortschnoj immer bis zum Schluss und hatte viele lange Endspiele. Endspielexperte Müller hat dafür mehr als 20 faszinierende
Kortschnoj-Endspiele ausgesucht, darunter spannenderweise recht viele Partien gegen den Endspielgiganten Anatoli Karpow. Die hier behandelten Themen beschäftigen sich unter anderem mit der Absperrung, der Lucenastellung, Freibauern in Kombinationen mit Türmen, Kortschnojs König, der Macht eines e-Freibauern, der Stärke von verbundenen
Freibauern, dem WM-Match Karpov-Kortschnoj Baguio City 1978, Kortschnojs unbändigem Wille zum Gewinn, der Initiative, weiss- und schwarzfeldrigem Powerplay, Zugzwang und weiteren Endspielspezialitäten.

Fazit: mit der neuen Masterclass wird Kortschnoj, der als einer der umstrittensten Großmeister der letzten Jahrzehnte gilt, dank Pelletier, Marin, Reeh und Müller
auf unterhaltsame und instruktive Weise für eine breite Masse an Spielern deutlich nahbarer, greifbarer und verständlicher! Ich jedenfalls habe die neue Masterclass
15 - Viktor Kortschnoj in Verbindung mit "My life for chess" sehr genossen und kann sie wärmstens empfehlen! 

Master Class Band 15 - Viktor Kortschnoi

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Viktor Kortschnoi. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Kortschnoi wählte, wo seine Stärken im Mittelspiel lagen oder wie er seine Gegner im Endspiel überspielte.

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Master Class Band 15 - Viktor Kortschnoi und My life for chess

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Viktor Kortschnoi. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Kortschnoi wählte, wo seine Stärken im Mittelspiel lagen oder wie er seine Gegner im Endspiel überspielte.

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Christian Hoethe ist Jahrgang 1975, Vater zweier Töchter und eines Sohnes, wohnt in Braunschweig und erlernte die Gangart der Figuren relativ spät mit 13 von seinem Vater. Ein Jahr später spielte in der Schach-AG seines damaligen Erdkundelehrers, mit dem er auch heute noch ab und zu eine Partie spielt. Mit 15 landete er Dank seines Mathe-Nachhilfelehrers (!) endlich in einem Verein. Er brachte es zu seinen besten Zeiten auf eine Elo-Zahl von 2247 und spielt für den Schachverein Gifhorn, wo er auch einmal im Monat Training gibt.
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