Rezension: Tiviakovs Learning from the World Champions

21.12.2018 – Es gibt sicher keine besseren Vorbilder im Schach als die besten der besten, die Weltmeister. Auf seiner DVD "Learning from the World Champions" hat Sergei Tiviakov bestimmte Themen und Motive anhand weltmeisterlicher Beispiele erläutert. Gerhard Schmidt hat sie sich angesehen.

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Sergei Tiviakov, Learning from the World Champions

von Gerhard Schmidt, Unterhaching

Diese DVD behandelt strategische  Pläne im Mittelspiel. Auch die  Übergänge von der Eröffnung ins Mittelspiel, wie auch die Übergänge vom Mittelspiel ins Endspiel werden betrachtet. Angesichts der umfangreichen Materie nennt Tiviakov ausgewählte strategische Themen, die er jeweils mit 2-3 Partien erläutert. In 24 Video-Clips bespricht Sergei Tiviakov diese Themen anhand von Partien der Weltmeister wie auch anhand eigener Partien.  Danach folgen 10 Testaufgaben/Übungen.

Die besprochenen Themen sind:

Rolle des Zentrums bei dem Übergang von der Eröffnung zum Mittelspiel
Raumvorteil und schlechter Läufer
Isolierter Bauer
Mattangriff mit verschiedenfarbigen Läufern
Positionelle Opfer für Blockadestellung
Königsaktivität
Königsangriff mit Schwerfiguren
Endspiele mit verschiedenfarbigen Läufern/Zugzwang
Vorteil Springer und Läufer gegen das Läuferpaar
Vorteil Läuferpaar in symmetrischen Stellungen
Kontrolle der offenen Linie mit Bauernmehrheit am Damenflügel

Learning from the World Champions

Der Autor dieser DVD hat eine einfache und preiswerte Lösung: man lernt von den Weltmeistern!

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Tiviakov erläutert die Charakteristika der Stellungen und die dazugehörigen Pläne. Bei den meisten Themen folgt einer Weltmeisterpartie (die Musterpartie als Prototyp) eine Tiviakov-Partie mit ähnlichem Stellungstyp. So ist es besonders lehrreich zu verfolgen, wie Tiviakov die Weltmeisterpartie als Vorbild nimmt und deren Ideen mit eigenen Variationen anreichert. Die Wiederholungen ähnlicher Stellungstypen erleichtern das Einprägen der Spielweisen.

Aufgrund der großen Themenanzahl möchte ich nicht alle Themen besprechen, sondern ein Thema auswählen und anhand dieses Themas die Vorgehensweise Tiviakovs anschaulich machen.

Zum Thema Mattangriff mit verschiedenfarbigen Läufern werden die Partien Karpov - Kasparov, Tiviakov - Bajarani und Tiviakov - Maljutin kommentiert.

 

In dieser Partie  Karpov - Kasparov hat sich Weiß im Mittelspiel entschieden, nicht gegen den Isolierten Bauern d5 zu spielen, sondern mit dem vorausgegangenen Tausch 21. Sd4xe6  f7xe6 lieber ungleichfarbige Läufer zu erzeugen. Weiß möchte auf diese Weise mit einem Königsangriff bessere Gewinnchancen erhalten als beim Kampf gegen den isolierten Bauern d5.

Weiß hat leichten Vorteil. Offensichtlich sind die weißfeldrigen Schwächen am Königsflügel des Nachziehenden. Für eine weiße Damen-Läuferbatterie bietet sich die Diagonale b1-h7 an. Schwarz kann die Diagonale nicht blockieren. Tiviakov erläutert die Pläne der folgenden Partiephase gründlich. Er weist auf die aktuellen Schwächen hin, er erklärt, ob man Schwerfiguren tauschen soll und zeigt auch eventuelle Fallen. Schwarz ist im Besitz der offenen c-Linie, daraus ergeben sich immer Fragen, wie Weiß einem Tausch der Schwerfiguren ausweichen kann. Sehenswert ist das Finale mit dem Turmschwenk Tf1-d1-d3-f3-f4-e4, der schwarze König findet keinen sicheren Ort.

Tiviakov weist bei seiner Partie gegen Bajarani darauf hin, wie nützlich die Kenntnis der Partie  Karpov - Kasparov für ihn war. Bei gleichem Figurenmaterial (alle Schwerfiguren und ungleichfarbige Läufer sind vorhanden) hat Schwarz die Königsflügelbauern nicht auf g7 und h6 stehen, sondern auf g6 und h7. Auch in dieser Partie gibt es eine offene c-Linie, sodass immer die Gefahr des Schwerfigurentausches zu beachten ist. Die Diagonale b1-h7 steht wiederum im Mittelpunkt des Kampfes. Weiß geht (vorsichtig) mit dem h-Bauern vor, um die Diagonale b1-h7 zu öffnen.

Die dritte Partie zu diesem Thema: Tiviakov - Maljutin enthält auch dieses Motiv, sie wird relativ kurz behandelt, als Ergänzung zu den beiden vorangegangenen Partien.

Bei den Weltmeisterpartien sind viele Klassiker dabei, wie Karpov - Unzicker, Reshevsky - Petrosjan, Karpov - Kasparov oder Smyslov - Denker. Diese Partien sind zwar bekannt, dennoch ist es lehrreich, diese Partien im Kontext ausgewählter strategischer Pläne erläutert zu bekommen.

Die 10 Testaufgaben/Übungen sind anspruchsvoll, und es ist nicht immer einfach, den richtigen Plan und den richtigen Beginn-Zug zu erkennen. Die Datenbank enthält die 24 vorgeführten Partien.

In der zusätzlichen Datenbank sind 51 Angriffspartien von Weltmeistern bzw. aus WM-Kämpfen aufgeführt. Sie umfassen den Zeitraum von 1895 bis 2014. Diese Partien bieten einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der strategischen Kampfesweisen sowie über die unterschiedlichen Spielauffassungen der Weltmeister.

Fazit:

Die Paarung von Weltmeisterpartien mit eigenen Partien zur Erläuterung eines Themas ist gelungen. Selbst gespielte  Partien sind immer gut zu erläutern, da man alle Pläne und Absichten kennt. So wird zum Einen durch Wiederholung das Thema vertieft und andererseits wird unterstrichen, wie nützlich es ist, aus Weltmeisterpartien zu lernen. Die Kommentare Tiviakovs helfen, den  Stellungstyp zu verstehen und damit den Plan zu erkennen (beispielsweise in der Partie  Tiviakov - Miladinovic der weitsichtige Hinweis im Mittelspiel auf die künftigen Endspielschwächen a6 und g7). Insgesamt für mich eine perfekte Vorstellung strategischer Themen mit sorgfältig ausgewählten und gut kommentierten Partien.

 



Themen: Rezension
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Gevelsberg Gevelsberg 21.12.2018 01:11
Leider muss ich Dir voll und ganz zustimmen.
schachkauf schachkauf 21.12.2018 12:33
So sehr ich Tiviakov als Schachspieler schätze, so sehr mag ich ihn als Trainer leider nicht. Es fällt mir einfach schwer, ihm länger als 5 Minuten zuzuhören. Inhaltlich ist die DVD spitze, aber es ist hier wie bei einem Konzert. Die schönste Komposition hört sich grauenhaft an, wenn man das Instrument nicht spielen kann.

Tiviakov fehlt es einfach an Kommunikationsbegabung.
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