Rezension: Trends in the opening

01.12.2015 – Rustam Kasimdzhanov gilt als einer der führenden Eröffnungsexperten und wird deshalb gerne als Eröffnungstrainer verpflichtet. 2011 unterstützte er die Deutsche Nationalmannschaft bei deren Europameisterschaftssieg und auch in Reykjavik war Kasimdzhanov wieder als Trainer dabei. In seinen DVDs "Trends in the Opening" lässt er die Zuschauer an seinem Wissen teilhaben. Max Müller hat sich die DVDs angeschaut. Mehr...

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Rezension zu „Trends in modern openings“ von Rustam Kasimdzhanov

von Max Müller

Mit dem Namen „Rustam Kasimdzhanov“ assoziiert man direkt ein ungeheures Wissen über Eröffnungen. Rustam Kasimdzhanov (ELO: ~2700) gilt weltweit als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Eröffnungen und begleitete 2011 auch die deutsche Nationalmannschaft als Trainer bei der Europameisterschaft. Darüber hinaus half er Anand schon bei verschiedenen WM-Kämpfen als Sekundant. Deshalb freut es mich sehr, dass er zwei CDs für ChessBase aufnahm, in denen er kurze Einblicke in die neuesten Modevarianten gibt und darin sein Wissen mit anderen teilt.

In Verbindung mit hochaktuellen Großmeister-Partien stellt Rustam Kasimdzhanov die wichtigsten Neuerungen der vergangenen Monate dar. Meine Rezension ist unterteilt in die „Trends“ von 2014 und 2015.

„Trends in modern openings 2015“:

Diese DVD besteht aus 6 größeren Abschnitten:

  • Anish Giris Neuerung 7.Df3 im Taimanov-Sizilianer
  • Russische Verteidigung mit 7.Sa6 im Grünfeld-Inder (Vishy Anand)
  • 6.h3 im Najdorf (Caruanas Spezilität)
  • Neuere Analysen im Holländer (Leningrader System)
  • Bogo-Indisch mit 9.h4 und 9.Dc2
  • Königs-Indisch mit h3 (Tomashevskys Waffe beim FIDE-GP)

Die DVD „Trends in modern openings 2015“ besteht insgesamt aus 28 kurzen Videolektionen, einschließlich 10 Testaufgaben am Ende, mit denen man seinen Lernerfolg überprüfen kann. Deren Gesamtlaufzeit beträgt knapp 4 Stunden.

Im ersten Kapitel geht Rustam Kasimdzhanov auf die Neuerung 7.Df3 von Anish Giri im Taimanov Sizilianer ein. Er liefert nützliche Erläuterungen zu den Varianten, die nach 7.Se5 8.Dg3 h5 entstehen. Mithilfe verschiedener brandaktueller GM-Partien erklärt der Top-GM aus Usbekistan welche Vor- bzw. Nachteile die Züge 9.f3, 9.Lf4, 9.0-0-0 und 9.Sf5 in der oben genannten Ausgangsstellung haben. Diese Erläuterung finde ich sehr einprägsam und auch für eigene Partien hilfreich.


Im folgenden Abschnitt wird die Variante aufgegriffen, die Vishy Anand im letzten Jahr gegen Magnus Carlsen anwandte: die Russische-Variante (5.Db3) im Grünfeld-Inder, genauer gesagt die Prins-Variante mit 7.Sa6. Längere Analysen des Eröffnungsgurus Rustam Kasimdzhanov bestätigen den Eindruck der WM-Partien, dass es dem Weißen sehr schwer fällt, einen Vorteil nachzuweisen, sowohl nach Anands 12.Lg5 im WM-Match, als auch nach seiner Abweichung Td1 zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Thema der nächsten Einheit stellt die Variante 6.h3 im Najdorf-Sizilianer dar, die in der letzten Zeit sehr häufig vom Neu-Amerikaner Fabiano Caruana aufgegriffen wurde. Diverse Abspiele zeigen, dass Schwarz ziemlich genau spielen muss, um Ausgleich erzielen zu können. Varianten, in denen Schwarz mit 6.e6 oder ähnlichem spielt, sind übrigens Gegenstand der DVD von 2014. Besonders gefallen hat mir seine Idee 11.b3 in der Partie Caruana-MVL aus Wijk aan Zee 2015, um den gegnerischen Läufer auf e6 mit dem Bauernvorstoß f4 in Bedrängnis zu bringen. aber 





Anschließend rückt das Leningrader-System der Holländischen-Verteidigung in den Mittelpunkt des Geschehens. Früher galt diese Eröffnung lange Zeit als „unspielbar“ oder sogar als „widerlegt“, aber dank verschiedener Engines findet das Leningrader-System zunehmend wieder mehr Anhänger und sogar Top-GMs wie Mamedyarov, Caruana oder sogar Carlsen haben sich schon daran versucht. Dennoch weist Kasimdzhanov einen spürbaren Vorteil für den Weißen nach, vor allem in der Hauptvariante, beginnend mit 7.De8: Anstatt des früher häufig gespielten Zuges 14.Sd5 stellt 14.Ld5 den Schwarzen vor weitaus größere Probleme. Auch in der Variante nach 7.c6 hat der Weiße in allen Abspielen, möglicherweise nach 8.b3, das deutlich angenehmere Spiel. Trotz all dem sieht Kasimdzhanov das Leningrader-System als gute Möglichkeit an, um als Schwarzer auf den vollen Punkt zu spielen und auch die meisten GMs wenden dieses System auch nur dann an, wenn sie einen Sieg benötigen.

Im Intro dieses Kapitel geht Kasimdzhanov auch noch kurz auf den Stonewall-Aufbau ein, mit dem Carlsen ein spektakulärer Sieg gegen Anand gelang, doch der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt eindeutig auf dem Leningrader-System.


Nun erläutert Kasimdzahnov die energischen Versuche des Weißen, den Bogo-Inder zu bekämpfen. In den Aufbauten mit 6.d5 hat man als Weißer grundsätzlich zwei Möglichkeiten: einerseits das von Grischuk bei der Olympia 2014 erprobte 9.Dc2 oder eben das forsche 9.h4 (Navara-Najer). Auf den ersten Blick mag das vielleicht sehr scharf erscheinen, doch wie Kasimdzhanov herausstellt, sollte der Schwarze „nur“ einen kühlen Kopf bewahren und nicht auf die Drohung Lxh7+ hereinfallen. Am einfachsten und wirkungsvollsten erscheint ihm ein sofortiger Gegenschlag im Zentrum, wie beispielsweise 9.cxd4. Da offensichtlich vielen Schwarzspielern die sich ergebenden Stellungen doch ein wenig zu heikel erscheinen, gewinnt das solidere 6.d6 immer mehr Anhänger.


Den Abschluss dieser DVD bildet das stets beliebte Königsindisch. Aufgrund der neuerlichen Erfolge von Tomashevsky im Königsinder darf natürlich auch die Variante 6.h3 keineswegs auf so einer DVD fehlen. Die meisten Stellungen, so auch Holt-Nakamura, führen zu einer Stellung, wie sie im folgenden Diagramm zu sehen ist. Kasimdzhanov selbst probierte beim Kandidatenturnier gegen Andreikin 10.Sf4 aus, wonach er sich rasch in einer verlorenen Stellung wiederfand. Viele Schwarzspieler ziehen deswegen 10.Sf6 vor, was in diesem Kapitel ausgiebig thematisiert wird.

 

„Trends in modern openings 2014“:

Der Fritz Trainer ist gegliedert in folgende Kapitel:

  • Schottisch
  • Russisch (Hauptvariante mit 5.Sc3)
  • Damengambit (Lasker-Variante)
  • Caro-Kann (Vorstoß-Variante)
  • Slawisch (Hauptvariante mit 4.dxc4)
  • Spanisch mit 3.g6
  • Geschlossener Spanier mit 6.d3
  • Spanisch: Berliner-Variante mit Te1
  • Spanisch: Berliner-System (Hauptvariante)
  • Schwarzes Doppelfianchetto
  • Slawisch mit 3.Sc3 dxc4
  • Ragosin-Variante
  • QGD mit 5.Lf4
  • Najdorf mit 6.h3 (6.g6, 6.e6 und 6.e5)

    Diese DVD umfasst 31 Videolektionen mit einer Laufzeit von ebenfalls rund 4 Stunden. Auch hier befinden sich zu guter Letzt noch einige Übungsaufgaben, um sein eröffnungs-theoretisches bzw. taktisches Auge zu schulen.

    Das erste Kapitel dieses Fritz Trainers ist der Schottischen Eröffnung gewidmet, die in letzter Zeit wieder verstärkt in Turniersälen anzutreffen ist, da viele unzufrieden mit den neusten Ergebnissen im Berliner-System des Spaniers sind. Eine der Hauptfortsetzungen ist nach wie vor 4.Lc5 und hier liegt das Augenmerk dieses Kapitels nun auf dem Springer-Rückzug 5.Sb3.

Die Russische Verteidigung hat innerhalb der letzten Jahre stark an Beliebtheit eingebüßt, was unter anderem auch auf die Beliebtheit des Berliner Systems zurückzuführen ist. Wenngleich sich die klassische Variante mit 5.Sc3 in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt hat, bietet die Spielweise des ungarischen GMs Peter Leko ein gewisses Angriffspotenzial.





Seit jeher eine sehr beliebte und solide Antwort des Schwarzen auf den Zug d4 stellt die Lasker-Variante des abgelehnten Damengambits dar. Dennoch zeigt der usbekische GM einen Weg, um Spiel am Damenflügel zu erhalten und damit den Schwarzen (zumindest einmal) unter Druck zu setzen.


Auch mir fällt es seit jeher als Weißspieler gegen Caro-Kann sehr schwer, in der klassischen Hauptvariante mit 4.Lf5 auch nur den geringsten Vorteil für Weiß nachzuweisen. Aus diesem Grund beschäftigten sich die Spitzenspieler nun intensiv mit der Vorstoß-Variante im Caro-Kann, was zu vielen neuen Ideen geführt hat.








In dem nächsten Video beweist Kasimdzahnov eindrucksvoll, dass man gegen die klassische Hauptvariante des Slawen mit 4.dxc4 nicht nur mit dem aktiven Zug 6.Se5 in Vorteil kommen kann, sondern dies sehr wohl auch mit dem solideren 6.e3 möglich ist. Hier entstehen häufig Endspiele mit folgendem Charakter:

 

(Häufige Mittelspielstellung: Weiß hat gute Chancen aufgrund des Raumvorteils am Damenflügel in Vorteil zu kommen)

Eine der populärsten Abspiele zur Zeit ist ohne Zweifel Spanisch mit 6.d3, sodass auch diese Eröffnung Bestandteil einer DVD über die aktuellen Eröffnungstrends von Großmeistern sein muss. In den meisten Fällen entwickelt der Weiße seinen Springer nach c3, sichert dem wichtigen weißfeldrigen Läufer mit a3 das Feld a2 und spielt im geeigneten Moment dann entweder Lg5 und Sd5 oder aber Se2 und Sg3, gefolgt von f4.
 

(Kasimdzhanov empfiehlt nähere Analysen zu dieser Stellung nach 12.Sd7)


 

Selbstverständlich ist auch das Berliner-System der Spanischen Eröffnung Bestandteil dieser DVD. Kasimdzhanov erklärt die Bedeutung des merkwürdigen Zuges 9.h3 und welche Vorteile dieser gegenüber der bisherigen Hauptvariante 9.Sc3 bietet.


Nicht nur der englische Großmeister Simon Williams hat sich in seiner kürzlich erschienen DVD mit dem abgelehnten Damengambit mit 5.Lf4 beschäftigt, sondern auch Kasimdzhanov betrachtet dies als gute Alternative zur Abtauschvariante. Charakteristisch hierfür ist der Isolani auf d4 oder in manchen Abspielen der weiße Doppelbauer auf f4, nachdem Schwarz auf f4 seinen schwarzfeldrigen Läufer abtauschte. Dies bietet dem Weißen nicht nur einen gewissen Raumvorteil, sondern auch gute Angriffschancen.






Das Kapitel zur Najdorf-Variante besteht aus 3 kleineren Teilen, nämlich den Zügen 6.g6, 6.e6 und 6.e5 im Najdorf mit weißem h3. Der Zug 6.e5 wird im folgenden Fritz Trainer nochmals aufgegriffen. Nach 6.g6 entstehen oft sehr zweischneidige Stellungen:
 

 

Zusammenfassung/Fazit:


Mir persönlich haben die beiden DVDs von Rustam Kasimdzhanov über die aktuellen Eröffnungstrends in GM-Partien insgesamt betrachtet sehr gut gefallen, da ein renommierter Eröffnungsexperte wie Kasimdzhanov Hinweise gibt, welche Stellungen man gut analysieren sollte, um dort von seinem theoretischen Wissen auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Man muss hier allerdings erwähnen, dass dies keineswegs ein Repertoire darstellt und man über die DVD hinaus selbst sehr viel eigenen Aufwand betreiben muss, was vielleicht dem ein oder anderen nicht so ganz bewusst ist.

Dies finde ich persönlich ein wenig schade, denn wenn schon einmal jemand von der Klasse Kasimdzhanovs über aktuelle Eröffnungstheorie referiert, hätte ich mir zu Beginn mehr erhofft, als „lediglich“ Hinweise zu Stellungen, die ich besser einmal analysieren sollte. Außerdem bricht er bei seinen Erläuterungen öfter mal früh ab, um den Zeitrahmen der DVD nicht zu sprengen, was ich zwar nachvollziehen kann, wenngleich die eine oder andere Minute mehr Laufzeit nicht geschadet hätte. Dies soll die Qualität dieser DVD dennoch keinesfalls schmälern!

Außerdem sollte erwähnt werden, dass die Partien allesamt aus den letzten Monaten stammen und ausschließlich von Spielern der absoluten Weltelite gespielt wurden. Kasimdzhanov hatte diese DVD keineswegs „missbraucht“, um eigene Glanzpartien vorzuführen, obwohl er dabei sicherlich viel Auswahl hätte.

Zum Vortrag allgemein sollte gesagt werden, dass der Unterhaltungsfaktor zwar lange nicht so hoch ist wie bei King oder anderen, man ihm aber dennoch sehr gut folgen kann. Von den Übungsaufgaben am Ende bin ich ebenfalls überzeugt, da man hiermit sehr gut das vorher Gelernte überprüfen kann. An der DVD über die Trends von 2015 finde ich sehr positiv, dass eine klare Strukturierung der Kapitel erkennbar ist, was bei denen von 2014 nicht ganz so der Fall ist.

Wenn sie also großen Wert auf Eröffnungstheorie legen, dabei gerne von einem Meister der Klasse Kasimdzhanovs unterstützt werden möchten und auch den nötigen Fleiß mitbringen, um über diese DVD hinaus an ihrem Eröffnungsrepertoire zu feilen, kann ich ihnen diesen Fritz Trainer voll und ganz ans Herz legen!

Geraten sie mit ihrem Eröffnungswissen nicht in Rückstand und holen sie sich die beiden DVDs „Trends in modern openings“ von Rustam Kasimdzhanov!
 

 

 

 

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