Riga: Firouzja und Lei gewinnen Grand Swiss, Keymer und Pähtz überragend

von André Schulz
08.11.2021 – Alireza Firouzja und Lei Tingjie gewinnen die Grand Swiss Turniere. Der Deutsche Schachbund darf sich über die Erfolge von Vincent Keymer unbd Elisabeth Pähtz freuen. Keymer wird sensationell Fünfter und spielt nun beim nächsten Grand Prix mit. Elisabeth Pähtz wurde im Grand Swiss der Frauen Zweite und erzielte ihre letzte GM-Norm. | Fotos: Mark Livshitz und Anna Shtourman

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Die Sieger der beiden Grand Swiss-Turniere in Riga heißen Alireza Firouzja und Lei Tingjie. Der kommende Erfolg dieser beiden Spieler zeichnete sich bereits einige Runden zuvor ab und kam somit nicht unerwartet.

Firiouzja sicherte sich seinen Turniersieg mit einem Remis gegen Grigoriy Oparin. Der russische Großmeister ist einer der Überraschungsmänner und erreichte als Nummer 39 der Setzliste am Ende den dritten Platz. Das reichte nicht, um sich direkt für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, aber für die Qualifikation zur kommenden Grand Prix-Serie.

Oparin und Firouzja beim Rundestart

Als zweiter Spieler hinter Firouzja qualifizierte sich Fabiano Caruana für das Kandidatenturnier, punktgleich mit Oparin, aber mit der besseren Zweitwertung. Caruana reichte ein Remis gegen Alexandr Predke.

Für seinen Turniersieg wurde Alireza Firouzja auch noch mit dem ersten Preisgeld von 70.000 USD belohnt. Caruana erhält als Zweiter 50.000 USD, Oparin noch 40.000 USD.

Siegerehrung mit FIDE Präsident Arkady Dvorkovich und Dana Reizniece-Ozola

Hinter den Spitzenpartien und den zwei Plätzen für das Kandidatenturnier ging es für die Verfolger auch noch um sechs Plätze für den kommenden Grand Prix, der in Berlin und Belgrad ausgetragen wird.

Einer der sechs glücklichen Grand Prix-Teilnehmer ist Vincent Keymer. Die vier deutschen Großmeister in Riga, neben Keymer noch Matthias Blübaum, Alexander Donchenko und Dmitrij Kollars, präsentierten sich in Riga in prächtiger Spiellaune und sorgten bei ihren deutschen Fans vor allem in der ersten Turnierhälfte für Begeisterung. Währen die drei anderen deutschen Spieler gegen Ende dem anstrengenden Turnier Tribut zollen mussten, zündete Vincent Keymer den Nachbrenner und gewann in den Runden acht bis zehn drei Partien in Folge. In der Schlussrunde musste Keymer sich noch gegen den ehrgeizigen und starken David Howell verteidigen, der um seine Teilnahme am Grand Prix kämpfte, sie aber knapp verpasste, und erreichte mit einem Remis den sensationellen fünften Platz.

Keymers Eloperformance in Riga beträgt 2777 Elo, was einen Elozuwachs von über 20 Punkten bedeutet. Der deutsche Schachbund meldete schon vor der Schlussrunde stolz, dass das deutsche Schach nun mit Keymer die jüngste Nummer Eins in der deutschen Rangliste aller Zeiten hat.

Hinter Firouzja (8), Caruana und Oparin (7,5) kamen 13 Spieler auf 7 Punkte: Yu Yangyi, Vincent Keymer, Maxime Vachier-Lagrave, Alexandr Predke, Alexei Shirov, David Howell, Gabriel Sargissian, David Anton, Anton Korobov, Samuel Sevian, Andrey Esipenko, Bogdan-Daniel Deac, und Vladislav Artemiev. Die Spieler bis Platz acht werden den Grand Prix mitspielen.

In der Schlussrunde gab es vor allem an der Spitze viele Remisergebnisse, einige waren allerdings hart erkämpft. 

Ein echter Thriller spielte sich am Brett von Sjugurov und Vitiugov ab.

 

[Schwarz hat starken Angriff und steht überlegen.]

33...Dh6 [33...d5!? mit der Idee 34.Lxd5 Lxd5 35.exd5 Txe1+ 36.Dxe1 (36.Txe1 Sh3+) 36...Dh6 und Mattdrohung.]

34.g5 Dh4 [Nach 34...Dh2+ 35.Kf1 Dh1+ kann sich Weiß noch verteidigen: 36.Lg1 Sh3 37.Dd4]

35.Kf1 Tc3? [Das droht Matt mit Dh1 und Txf3. Schwarz hat aber übersehen, dass Weiß sich durch Hergabe der Dame verteidigen kann.]

 

36.Dxf4 [36.Dxc3 Dh1+ 37.Lg1 Dxg2#; 36.Lxc3 Dh1#]

36...Dxf4 37.Lxc3 [Damit ist Weiß dem Matt entronnen, steht aber immer noch unter Druck.]

37...Dxg5? [37...a5!? 38.bxa5 b4 und der La6 kommt ins Spiel.; 37...Dh4!?]

38.Ke2 [Weiß erobert die h-Linie und erhält mit der Drohung Th8# Gegenspiel.]

38...d5 39.Th1 f6 40.Th3 Lc6? [Besser war 40...Tc8 41.Lb2 Tc4=]

41.Tdh1 Kf7 42.Th7+ Ke6 43.Td1 [Nach dem besseren 43.Tc7 ist Weiß am Drücker. 43...Kd6 44.Tf7 Ke6 45.Thh7]

43...f5 44.Ld2 [44.exf5+? Kd6+ 45.Kd3 Dxf5+ wäre im Sinne von Schwarz.]

44...Dd8? [Besser war 44...f4]

 

45.Le3? [Droht Nehmen auf d5. Aber Schwarz hat eine ausreichende Verteidigung durch Räumen der e-Linie. Nach 45.Tc1 La8 46.Kd3+– stünde Weiß auf Gewinn.]

45...Kf6 46.Tc1 [46.exd5? Db6–+]

46...Dd6 47.Ta7 [Die Lage bleibt kompliziert. Beide Seiten spielen auf Gewinn.

[47.Kf1 fxe4 (47...dxe4? 48.Tf7+ Ke5 49.f4#) 48.Ld4+ Kg5 49.Txc6 Dxc6 50.f4+ Kxf4 51.Tf7+ Kg5 52.Le3+ Kh4 53.Tf4+ Kg5 54.Tf7+ mit Dauerschach.]

47...fxe4 48.Ld4+ Kg5 49.f4+ Kg4 [49...Kxf4 50.Txa6 Tc8 51.Tf1+ Kg4=]

50.Tf7 [50.Txa6 Tc8 51.a3 mit gleichen Chancen.]

50...e3 [Nun liegt Dd6–e6–e4 in der Luft.]

51.Ld1

 

51... Kh5? [51...De6 52.Tf6 (52.Tg7 Kxf4) 52...De4 gewinnt für Schwarz.]

52.Th7+ [Weiß verpasst hier und in den nächsten Zügen den möglichen Gewinn. 52.Kf3 droht Matt: Th7. 52...g5 53.Th7+ Kg6 54.Lc2+ Te4 55.Tg7+ Kf5 (55...Kh6 56.Th1#) 56.Txg5+ Ke6 57.Tg6+ und Weiß gewinnt.]

52...Kg4 53.Tf7 Kh5 54.Th7+ Kg4 55.Lxe3? d4? [Verpasst 55...Kf5 56.Tf7+ Ke6+–]

56.Kf1+ [Oder gleich 56.Txc6 Dxc6 57.Kf1+ Kf5 58.Tf7+ Ke6 59.Lb3+ Dc4+ 60.Lxc4+ bxc4 61.Tc7 dxe3 62.Txc4=]

56...Kf5 57.Txc6 Dxc6 58.Tf7+ Ke6 59.Lb3+ Dc4+ 60.Lxc4+ bxc4 61.Tc7 dxe3 62.Txc4 Kd5 63.Tc5+ Kd4 64.Ke2 Tf8 65.Kf3 Te8 66.Ke2 Tf8 67.Kf3 Te8 ½–½

 

Endstand

Rk. Name Pts.  TB1 
1 Firouzja Alireza 8,0 68,0
2 Caruana Fabiano 7,5 67,0
3 Oparin Grigoriy 7,5 63,5
4 Yu Yangyi 7,0 66,5
5 Keymer Vincent 7,0 65,5
6 Vachier-Lagrave Maxime 7,0 65,0
7 Predke Alexandr 7,0 64,5
8 Shirov Alexei 7,0 64,5
9 Howell David W L 7,0 62,5
10 Sargissian Gabriel 7,0 61,5
11 Anton Guijarro David 7,0 61,0
12 Korobov Anton 7,0 60,5
13 Sevian Samuel 7,0 60,5
14 Esipenko Andrey 7,0 60,0
15 Deac Bogdan-Daniel 7,0 60,0
16 Artemiev Vladislav 7,0 56,5
17 Petrosyan Manuel 6,5 66,5

114 Spieler
 

Partien

 

 

Grand Swiss der Frauen

Ein sogar noch besseres Turnier als Vincent Keymer spielte Elisabeth Pähtz im Grand Swiss der Frauen. Die "schon immer" deutsche Nummer eins der Frauenrangliste spielte von Anfang an oben mit und wurde erst zum Schluss von Lei Tingije überholt. Mit einem Sieg über Bibisara Assuybayeva in der Schlussrunde sicherte sich die Erfurterin den zweiten Platz vor der punktgleichen Zhu Jiner. Der Turniererfolg mit einer Eloleistung von 2600 bedeutet für Elisabeth Pähtz zudem die dritte GM-Norm.

Pähtz wird also als 40ste Spielerin der Schachgeschichte von der FIDE mit dem Großmeister-Titel geschmückt.

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Auch Elisabeth Pähtz ist mit dem Ergebnis für die Frauen Grand Prix qualifiziert.
 

Paehtz,Elisabeth (2475) - Assaubayeva,Bibisara (2400) [D76]

FIDE Grand Swiss Women Riga LAT (11.3), 07.11.2021

1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.c4 Lg7 4.g3 0–0 5.Lg2 d5 6.cxd5 Sxd5 7.0–0 Sb6 8.Sc3 Sc6 9.e3 Te8 10.h3 a5 11.d5 Sb4 12.e4 c6 13.a3 Sa6 14.dxc6 Dxd1 15.Txd1 bxc6 16.Lf1 Sc5 [16...Le6!?=; 16...Lxc3!? 17.bxc3 Sa4 ½–½ (37) Santos Ruiz,M (2567)-Jumabayev,R (2633) Biel 2019]

17.Le3 Sba4 18.Sxa4 Sxa4

 

19.Tac1 [Weiß ist deutlich besser entwickelt.]

19...La6?! [19...Lxb2 20.Tc4; 19...Sxb2 20.Td2 Sa4 21.e5 in beiden Fällen mit weißem Vorteil, der aber nicht so deutlich ist wie in der Partie.]

20.Lxa6 Txa6 21.e5 Tc8 [21...Sxb2 22.Td2 Sa4 23.Tc4 mit deutlichem weißen Vorteil.]

22.b3 Sb6 23.b4 axb4 24.axb4 [Es droht b5 und nach Tausch auf c8 Figurengewinn mit Td8.]

24...Sa4? [Führt zu Materialverlust. Ein Versuch war noch 24...Lf8!?]

 

25.b5 Taa8 26.bxc6 f6 27.Td7 Kf7 28.exf6 Lxf6 29.Sg5+ Ke8 [29...Lxg5 30.Lxg5 Te8 31.Te1 Tac8 32.c7 Sb6 33.Tdxe7+ Txe7 34.Txe7+ Kg8+–]

30.Sxh7 Txc6 31.Txe7+ Lxe7 32.Txc6 Kf7 33.Sg5+ 1–0

Vier Spielerinnen teilten mit 7/11 den vierten bis siebten Platz: Mariya Muzychuk (die Topgesetzte dieses Turniers), Harika Dronavalli, Lela Javakhishvili und Olga Badelka.
Die Plätze 2 bis 5 haben sich für den nächsten Grand-Prix-Zyklus der Frauen qualifiziert.

Endstand

Rk. Name Pts.  TB1 
1 Lei Tingjie 9,0 64,5
2 Paehtz Elisabeth 7,5 69,5
3 Zhu Jiner 7,5 67,5
4 Muzychuk Mariya 7,0 69,0
5 Harika Dronavalli 7,0 64,5
6 Javakhishvili Lela 7,0 64,5
7 Badelka Olga 7,0 61,0
8 Kosteniuk Alexandra 6,5 68,5
9 Pogonina Natalija 6,5 66,0
10 Assaubayeva Bibisara 6,5 62,5
11 Zawadzka Jolanta 6,5 61,0
12 Cori T. Deysi 6,5 58,0
13 Munguntuul Batkhuyag 6,5 57,0
14 Vantika Agrawal 6,5 56,5
15 Girya Olga 6,5 55,5
16 Cramling Pia 6,5 53,0
17 Batsiashvili Nino 6,0 68,5
18 Dzagnidze Nana 6,0 68,5
19 Kashlinskaya Alina 6,0 62,5
20 Shuvalova Polina 6,0 58,5
21 Osmak Iulija 6,0 58,5
22 Stefanova Antoaneta 6,0 58,0
23 Atalik Ekaterina 6,0 52,5
24 Sukandar Irine Kharisma 5,5 60,0

50 Spielerinnen

Partien

 

 

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Pemoe6 Pemoe6 09.11.2021 06:52
Auch die Sache mit dem Grand Prix stimmt wohl nicht so ganz: Wenn ich die Regularien richtig verstehe, sind nicht die Plätze 1 bis 8 für den Grand Prix qualifiziert, sondern die Plätze 3 bis 8. Die beiden ersten haben ja ihren Kandidatenplatz schon sicher. Und offenbar will man möglichst Doppelqualifikationen vermeiden, damit nicht wieder dritte Plätze nachrücken müssen.
crizzy crizzy 08.11.2021 03:08
Gratulation an Elisabeth Päthz zum langersehnten GM-Titel und zweiten Platz im Women's Grand Swiss mit einer Performence von über 2600 und Vincent Keymer zum überragenden fünften Platz im „offenen“ Grand Swiss mit einer Performence von 2777. Zwei großartige und nicht zu erwartende Ergebnisse.
Vincent hat sich sein größtes Geburtstagsgeschenk (am 15.11. wird er 17!) selbst erfüllt und ist auch noch Top100, also sogar 82. der Live-Rating-Liste!

Bei Vincent habe ich "mitgefiebert" und die erste Wertung ausgewertet. Ich nahm an, daß sich nur Spieler bis zum sechsten Platz für weiteres qualifizieren.
Wie durch ein Wunder schafften die früheren Gegner Shirovs nur Remisen, Adly verlor sogar, Vitiugov gegen Sjugirov war eine Partie zum wahnsinnig werden, jedenfalls als Zuschauer live.
Von den früheren Gegnern von Vincent gewannen Grandelius und Alekseenko, so dass der Wertungsrückstand von 0,5 nicht nur aufgeholt, sondern um einen Punkt überboten wurde.
MVL rutschte noch hinter Vincent, für mich überraschend.

Kleine Korrektur zum Artikel:
Bei Punktgleichheit werden Preise geteilt, also Caruana und Oparin jeweils 45.000 USD.
Die 13 Spieler mit sieben Punkten teilen sich rund 15.000 USD,
die nachfolgenden Spieler mit 6,5 Punkten müssen sich mit rund 3.400 USD begnügen, die Sechser gar nur mit 1.250 USD.
Über 60 Spieler gehen (wohl) leer aus, obwohl sie auch nicht so viel schlechter gespielt haben. Amerikanisches Prinzip der Geldverteilung: "The winner gets it all."
Ein sehr hartes Leistungs-Prinzip! Gerecht?
chesshans chesshans 08.11.2021 03:00
Glückwunsch an Elisabeth und Vincent! Erstere hat nebenbei auch wieder die ELO-Marke von 2500 überschritten..
DoktorM DoktorM 08.11.2021 01:34
Frau Pähtz hat endlich den GM-Titel geschafft. Das kann befreiend wirken und in der Spielstärke einen Sprung nach vorne bedeuten. Herr Keymer hat bereits die 2700 Elo in Reichweite. Dass das so schnell geht, hätte ich nicht gedacht. Glückwunsch an beide.
DerJumbo DerJumbo 08.11.2021 12:38
Gratulation zur letzten Norm!!
rollinghills rollinghills 08.11.2021 12:31
Ich freue mich vor allem für Elisabeth Pähtz, die keine einfache Zeit hinter sich hat, und es nun allen gezeigt hat!!! Bravo und herzlichen Glückwunsch.
knight100 knight100 08.11.2021 12:18
Herzlichen Glückwunsch an Vincent - Tolle Leistung. Glückwunsch auch an E. Pähtz, der es als erster Frau in Deutschland überhaupt gelang, den "Männer"-Großmeistertitel zu erreichen.
Fortgeschritten Fortgeschritten 08.11.2021 12:04
Endlich hat es Eli geschafft!! Sie hat den GM Titel so sehr verdient. Herzliche Gratulation Eli!
Blitz2010 Blitz2010 08.11.2021 11:29
Danke für den schönen Bericht zu einem großartigen Ereignis!
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