Rohde Open in Frankreich

10.11.2007 – Der Bürgermeister von Sautron, einer kleinen Stadt in Frankreich, wollte eine besondere Veranstaltung ins Leben rufen. Denn er hatte den Ehrgeiz, seine Stadt bekannt zu machen. Mit viel Engagement wurde deshalb vor sieben Jahren das "Festival des Jeux" mit Wettkämpfen in den unterschiedlichsten Spielen organisiert. Höhepunkt des Festivals ist immer das Schachturnier, das sich durch freundliche Atmosphäre und einen attraktiven Preisfonds auszeichnet. Und fast hätte das deutsche Nachwuchstalent Sebastian Bogner den größten Grund zur Freude gehabt. Dejan Bojkov berichtet.Zur Webseite des Schachklubs von Sautron...Zum Bericht...

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Von Dejan Bojkov


Reizvolles Sautron

Sautron ist eine kleine Stadt (weniger als 7000 Einwohner), die nur 15 Minuten von Nantes entfernt im Westen Frankreichs liegt. Vor ein paar Jahren beschloss der Bürgermeister, seine Stadt mit einer herausragenden Veranstaltung berühmt zu machen. So wurde das "Festival des Jeux" (Festival der Spiele) vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Bridge, Scrabble, Dame, eine Reihe unterschiedlicher Kartenspiele (Belote, Tarot, Yu-Gi-Oh, Magic…etc.) bilden einen Teil des Festivals, aber das Schmuckstück der Veranstaltung ist das Schachturnier.


Das Open: Ein zentrales Ereignis

Mit einem Preisfond von 14.000 Euro (2.200 für den Sieger) und einem günstigen Termin ist das Turnier für viele Titelträger interessant. Dieses Jahr nahmen 9 GMs, 16 IMs und Spieler aus sechzehn Ländern an der Veranstaltung teil. Gewöhnlich werden die Titelträger bei Schachfamilien untergebracht und jeder Gastgeber ist verantwortlich für seinen Gast. GM Alexander Raetsky (Russland): "Bislang war ich bei allen sieben Turnieren dabei. In der Zeit hat einer der Söhne meiner Gastgeber geheiratet, ein anderer steht kurz davor und zwei weitere sind bereits größer als ich. Dabei waren sie noch Kinder, als ich das erste Mal da war."

Raetsky gefällt der Ort nicht nur wegen der gastfreundlichen und herzlichen Atmosphäre, sondern auch, weil er hier seine letzte GM-Norm gemacht hat. Die Gastfamilien sind Schachliebhaber, die bei der Organisation mitmachen. Manche von ihnen spielen selbst in dem Turnier oder ihre Kinder nehmen teil. Das Verhältnis zwischen Gastfamilie und Gast ist in der Regel herzlich und im nächsten Jahr besucht der Spieler die Familie erneut.

Sautron bewahrt seine Traditionen und strebt immer nach Verbesserungen. Dieses Jahr gelang es dem Organisationskomitee, weitere Titelträger anzulocken und manche von uns waren in einem Hotel in der Nähe des Spiellokals untergebracht. Das verursachte anfänglich ein paar Transportprobleme, aber später verlief alles nach Plan. Ich war von dem straffen Zeitplan der Schachfans vor Ort beeindruckt, von denen ein paar jeden Tag eine bestimmte Aufgabe zugeteilt bekamen, die unserem Wohl diente.

Wie gewöhnlich gab es eine Lotterie, in der die Spieler die Chance hatten, Schuhe zu gewinnen, die vom Hauptsponsor, dem Schuhhersteller Rohde, gestiftet wurden. Außerdem wurden die Titelträger zu dem Empfang eingeladen, den der Bürgermeister der Stadt, Claude Bretecher, ihnen zu Ehren gab. "Ich gratuliere Ihnen alle und heiße Sie in unserer kleinen Stadt willkommen. Dank Ihnen ist Sautron jetzt nicht nur in Frankreich, sondern auch in Welt berühmt" war die Kernaussage seiner Ansprache.


Bürgermeister Claude Bretecher hält die Begrüßungsansprache

Die Kurzremis-Krankheit wurde durch folgende Regel bekämpft: "Remis sind erst nach 25 Zügen und einer Mindestspielzeit von zwei Stunden erlaubt." Obwohl manche Partien schon vor dem 25. Zug Remis endeten, war dies kein Problem, da sie offensichtlich gespielt wurden. Preise für jede 100. gewonnene Partie fachten die Kreativität zusätzlich an.

Mit dabei waren Spieler aus anderen Kontinenten. Einen starken Eindruck mit seinem hartnäckigen Spiel hinterließ Arghyadip Das aus Indien. Das ist noch kein Titelträger, aber spielte ein phantastisches Turnier. Er blieb ungeschlagen, erzielte eine GM-Norm und war der einzige Spieler, der gegen den späteren Turniersieger gewann. Gegen GM Anthony Kosten aus England fiel er auf eine bekannte Eröffnungsfalle herein, aber am Ende konnte er das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden.

Kosten,A (2519) - Das,A (2367) [A29]
7. Rohde Open, Sautron FRA (4), 29.10.2007

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 Sc6 4.g3 d5 5.cxd5 Sxd5 6.Lg2 Sb6 7.0-0 Le7 8.a3 0-0 9.b4 Le6 10.d3 a5 11.b5 Sd4 12.Tb1 f6 13.Sd2 Sd5 14.Lxd5 Lxd5 15.e3



Hier gab Schwarz in der Partie M. Suba - S. Garcia Martinez, aus dem Malaga Open 2001 auf. In diese Falle sind schon viele Spieler getappt und meistens haben sie ihren Widerstand ziemlich schnell (oder gleich hier) aufgegeben. Doch der Inder spielte weiter. Laut Tony Kosten ist die Position allerdings nicht völlig klar. Schwarz gewinnt zwangsläufig einen zweiten Bauern und sein Läuferpaar gibt ihm gewisse Kompensation. "Ich bin mir nicht völlig im Klaren über die Stellung und habe bereits einmal etwas darüber geschrieben", meinte der englische GM. "Dennoch bin ich nicht völlig von der Korrektheit des Figuren-‚opfers' überzeugt."

15...Le616.exd4 Dxd4 17.Sde4 Tfd8 18.b6 cxb6 19.Sb5 Dxd3 20.Dxd3 Txd3 21.Sc7 La2 22.Sxa8 Lxb1 23.Sxb6 Lc2 24.Sc4 Td4 25.Sed2 Ld3 26.Sxa5 Lxf1 27.Kxf1 Ta4 28.Sdb3 Lxa3 29.Le3 b5 30.Ke2 Lf8 31.Lb6 Ta2+ 32.Kd3 Lb4 33.Sc6 Le1 34.f4 Tb2 35.Sc5 exf4 36.gxf4 Txh2 37.Sd4 h5 38.Se4 h4 39.Sf3 Th1 40.Ke2 Lg3 41.f5 b4 42.Lg1 b3 43.Ld4 Lf4 44.Sf2 Tc1 45.Kd3 Tc2 46.Sh3 Le5 47.Lxe5 fxe5 48.Sd2 e4+ 49.Sxe4 Tc6 0-1


Optimistisch und kampfstark: A. Das aus Indien

David Pruess und Joshua Friedel kamen aus den USA. Sie planen, noch ein weiteres Turnier in Europe zu spielen: Die offenen Bayerischen Meisterschaften in Bad Wiessee. David freute sich über seine GM-Resultat und den geteilten ersten Platz.


IM Joshua Friedel und...


... IM David Pruess

Der Schlusstag brachte für manche Triumphe und Tragödien für andere. Zunächst gab es eine überraschende Miniatur:

Koziak,V (2437) - Okhotnik,V (2433) [B00]
7. Rohde Open, Sautron FRA (9), 03.11.2007

1.e4 Sc6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Le3 Dd7 5.c4 dxc4 6.Lxc4 0-0-0 7.Sf3 f6 8.exf6 e5 9.d5 Sxf6 10.Sc3 Sb4 11.0-0 Sc2 12.Lxa7 Sxa1 13.Lb5 Dd6 14.Da4 Db4 15.Txa1 Dxb2 16.Tb1 Dxc3



17.Lc5 Diesen Zug hatte Schwarz übersehen. Jetzt ist es aus: Ohotnik hatte sich auf 17.Ld4 Da3 verlassen. 17...c6 18.Lxc6 1-0


V. Koziak

Die Entscheidung über den Turniersieg fiel in der Partie Bogner gegen Abbasov. Sebastian musste gewinnen, um seine erste GM-Norm zu erzielen und geteilter Erster zu werden. Und bis zu einem gewissen Zeitpunkt sah auch alles mehr als OK für ihn aus.


Vor der entscheidenden Partie: Sebastian Bogner gegen Farid Abbasev

Bogner,S (2383) - Abbasov,F (2505) [A17]
7. Rohde Open, Sautron FRA (9), 03.11.2007



Weiß hat drei Bauern mehr und steht offensichtlich auf Gewinn. Aber eine gewisse Genauigkeit ist immer noch erforderlich. Leider geriet Bogner in große Zeitnot und verlor nach einer Reihe von Fehlern am Ende sogar noch. Schach kann grausam sein … 33...Kh7 34.Tb7 Tf8 35.g5 Sc3 36.Kh2 Se4 37.Te7 Df5 38.Dc7 Sxg5 39.Df4 Dh3+ 40.Kg1 Dh5 41.Kf1 Kg8 42.Lh4 Se6 43.De4 g5 44.Lg3 Tc8 45.Lc7 Sxc7 46.Df5 Se6 47.Kg2 Tc1 48.Te8+ Sf8 0-1


Sebastian Bogner: Eine bittere Niederlage

"Ich habe diese Partie nicht gewonnen, er hat sie verloren", meinte der aserbaidschanische Großmeister nach der Partie. Außerdem war er ziemlich überrascht, als er hörte, dass er die beste Buchholz-Zahl hätte und damit Sieger des siebten Rohde Open war.


Turniersieger Farid Abbasev

Zweiter nach Tie-Break-Punkten wurde Vladimir Potkin (Russland), der dritte Platz ging an Vitali Koziak aus der Ukraine.


Die drei Erstplatzierten


Die Siegertrophäe


Mit dabei: Jugendweltmeister Romain Edouard aus Frankreich


WIM Mihaela Sandu aus Rumänien


Gut gelaunt: IM Peter Vavrak aus der Slowakei


Sehenswürdigkeiten: Das Schloss...


... und der botanische Garten.

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