Rovinj: Kovacevic schlägt Fischer

von André Schulz
17.04.2020 – Das ist eine Sensation: Vlatko Kavacevic, ein Amateur ohne Titel, schlägt beim Tournament of Peace den übermächtigen Bobby Fischer. Gligoric ist jetzt bis auf einen halben Punkt an Fischer heran gerückt - alles ist noch offen.

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Große Sensation in der gestrigen 8. Runde des 2. Tournament of Peace in Rovinj. Bobby Fischer, der das Turnier nach Belieben zu dominieren schien, verlor seine Partie gegen Vlatko Kovacevic. Und das auch noch mit den weißen Steinen. Wer ist dieser Kovacevic? Er ist 28 Jahre alt und stammt aus Dubrovnik. Wir trafen ihn nach der Partie:

ChessBase: Das war ja eine sensationelle Partie...?

Kovacevic: Danke. Ich habe mich sehr intensiv mit der Französischen Verteidigung beschäftigt und und kenne mich da sehr gut aus. Die Variante, die Fischer da spielt, taugt nicht viel.

Der Zug b6 ist neu, oder...?

Ja, früher spielte man 9...c5, so wie Euwe gegen Aljechin, beim WM-Kampf 1935. Auch Byrne hat so gegen Fischer vor vier Jahren gespielt. Der Zug ist OK, aber b6 ist viel besser. Der Lc8 kommt gut ins Spiel.

Wann haben Sie Schach gelernt?

Spät, ich habe erst mit 15 Jahren angefangen. Ich war dann beim Marine Korps in Split. Ich kam dann gut voran. 1959 war ich Juniorenmeister von Kroatien und Dritter bei den Juniorenmeisterschaften von Jugoslawien. 1961 wurde ich Meisterkandidat. Dann habe ich aber erst einmal studiert.

Was studiert?

Elektrotechnik. Sie haben mir eine Assistentenstelle angeboten, aber dann habe ich mich doch für das Schach entschieden.

Mit Erfolg, wie man sieht!

Ja, letztes Jahr wurde ich auch kroatischer Einzelmeister.

Wohnen Sie noch in Dubrovnik?

Nein, ich bin dieses Jahr nach Zagreb gezogen. Ich spiele jetzt bei SK Mladost.

Sind Sie Profi?

Nein, ich arbeite als Sportreporter beim Rundfunk in Zagreb.

Während der Partie, als sie draußen spazieren waren, sah ich Rona Petrosian mit Ihnen sprechen. Was wollte sie? 

Ich weiß es nicht. Ich habe sie nicht verstanden.

Vielen Dank und viel Erfolg.

Danke.

Vlatko Kovacevic mit seiner Mannschaft: Udovcic, Damjanovic, Kovacevic, Hulak, Mrda, Nikolac und Bukal | Foto: Sah.hr

Ein Spieler, der nicht genannt werden möchte, kam nach dem Gespräch auf mich zu und winkte mich im Flur an die Seite:

"Ich sage Ihnen etwas, aber nennen sie nicht meinen Namen, sonst bekomme ich Ärger und muss am Ende noch meine Heimat verlassen. Als Fischer und Kovacevic ihre Partie spielten, saß ich nebenan im Café und verfolgten die Partie, mit Tigran und seiner Frau Rona. Sie wissen schon, für ihn ist sie ein Glücksfall, aber keiner kann sie leiden. 

Dann brachte Fischer diese Falle mit f3. Wie interessant, sagte ich, Fischer bietet ihm die Möglichkeit, die Dame zu gewinnen. Aber wenn er sie nimmt, kann er die Partie noch verlieren. Der Gewinnzug ist e3. Rona sah dann Kovacevic außerhalb des Turniersaals spazieren gehen und sprang auf: "Ich werde es ihm sagen". Wir konnten sie nicht mehr abhalten. Kovacevic würde das selber sehen, wir waren sicher. Schon beim Kandidatenturnier in Curacao vor acht Jahren hat Rona ständig souffliert, damals für Tigran."


Rona und Tigran
 

 

Fischer spielte 18.f3. Die Falle war 18...Sh4 19.fxe4 Txg5 20.Lxg5 und Weiß bekommt Gegenspiel. 

Nach der richtigen Antwort 18... e3! steht Weiß auf Verlust: 19.Lxe3 Sf8 20.Db5 Sd5 21.Kf2 a6 22.Dd3 Txh2 23.Th1 Dh4 24.Txh2 Dxh2 25.Sf1 Txg2+ 26.Ke1 Dh4+ 27.Kd2 Sg6 28.Te1 Sgf4 29.Lxf4 Sxf4 30.De3 Tf2 0–1

 

Partien

 

Tabelle

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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