Rücktritt von E. Pähtz: Stellungnahme des DSB

von ChessBase
31.05.2019 – Nachdem am vergangenen Mittwoch Elisabeth Pähtz öffentlich ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte, hat der Leistungssport-Referent des DSB Andreas Jagodzinsky im Namen des Deutschen Schachbundes dazu eine Stellungnahmen veröffentlicht.

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Gestern erklärte die langjährige Spitzenspielerin des DSB, Elisabeth Pähtz, ihren Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft. Leistungssport-Referent Andreas Jagodzinsky äußert sich dazu für den DSB in folgender Stellungnahme:

Der Deutsche Schachbund nimmt mit großem Bedauern den Rücktritt unserer langjährigen Spitzenspielerin Elisabeth Pähtz aus der Nationalmannschaft zur Kenntnis. Elisabeth war und ist das Aushängeschild des deutschen Frauenschachs. Durch ihre zahlreichen Erfolge im In- und Ausland hat sie sich bleibende Verdienste erworben.

Der Deutsche Schachbund hat Elisabeth im Rahmen seiner Möglichkeiten stets nach Kräften unterstützt, wenn auch vielleicht nicht immer in dem Umfang, wie sie sich das gewünscht hätte. Es steht nicht in der Macht des Deutschen Schachbundes, für sie ein "erstklassiges Turnier" zu organisieren. Auch die Turniere in Baden-Baden/Karlsruhe und Dortmund, die sie zum Vergleich anführt, sind keine Veranstaltungen des Deutschen Schachbundes. Es sollte in diesem Zusammenhang vielleicht nicht unerwähnt bleiben, dass der Deutsche Schachbund unter anderem die Frauenschach-Festivals in Erfurt unterstützt hat. Zurzeit findet in Magdeburg gerade das vierte German Masters der Frauen mit einem dank der Unterstützung unseres Sponsors UKA großzügigen Preisfonds statt. Den Vorwurf, dass der Deutsche Schachbund eine gestörte Grundeinstellung gegenüber dem Frauenschach habe, halten wir für unzutreffend.

Nachdem Elisabeth uns schon Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt hatte, dass sie in diesem Jahr für die Nationalmannschaft nicht zur Verfügung steht, wurden wir vom Zeitpunkt ihres Rücktritts überrascht – immerhin war sie gestern noch beim Gipfel in Magdeburg zu Gast. Auch die Art der Kommunikation in Richtung Deutscher Schachbund über eine externe Webseite empfinden wir nicht zuletzt deshalb als ungewöhnlich.

Wir wünschen Elisabeth weiterhin viel Erfolg für ihre schachliche Karriere und auch ansonsten alles Gute.

Andreas Jagodzinsky (Referent für Leistungssport des DSB)

Stellungnahme auf der Webseite des Deutschen Schachbundes...

 

 




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Falk Falk 02.06.2019 04:50
Irgendwie habe ich etwas falsch gelesen. Für einen Großmeistertitel sind offensichtlich nur 2 Normen nötig. Auf der Wikipedia-Seite steht aber nirgendwo etwas davon, dass sie das schon einmal geschafft hatte.

Aus dem Fide-Profil kann ich es auch nicht ablesen. Schon allein die Bedingung für eine Großmeisternorm ist nicht ganz einfach. Das Dokument der Fide ist recht konfus.

Normalerweise muss es ein internationales Turnier sein mit mindestens 2 weiteren Nationen, die Gegner müssen zu einem gewissen Prozentsatz Titelträger sein, midestens 35% der Punkte müssen erreicht werden, normalerweise mindestens 9 Runden (mit genau definierten Ausnahmen auch 7 und 8 Runden) und die Performance muss im Großen und Ganzen >= 2600 sein (das ist aber über Tabellen geregelt).

Es gibt auch Wettkämpfe, mit denen der Titel oder eine Norm beim richtigen Abschneiden automatisch verliehen wird. Weltmeitser U18 bei den Frauen gehört aber nicht dazu (zum Großmeister werden).

Edit:
Etwas konfus:
https://www.schachbund.de/news/elisabeth-paehtz-zum-zweiten-mal-auf-dem-2500er-gipfel.html
Dort steht etwas von 2 Normen, es fehlt noch eine weitere.

Im Wikipedia-Artikel steht etwas von mindestens 27 Partien. Deshalb eventuell die 3. notwendige Norm. Aber in der Fide-Beschreibung finde ich das nicht (und werde den Text auch nicht noch länger studieren).
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fmeister_(Schach)#Qualifikationskriterien
www.schachbund.de/srk-downloadarchiv.html?file=files/dsb/srk/downloads/Titel_2005.pdf -> vor allem Punkt 1.4 ...
cs001 cs001 01.06.2019 11:08
Noch einmal über 2500 muss sie nicht mehr kommen, um den GM-Titel zu erreichen. Die dritte Norm reicht, also ein richtig gutes Turnier gegen starke Gegner. Die 2500 hatte sie schon mal, das reicht. Man muss die 2500 nicht zum Zeitpunkt der dritten Norm halten, es reicht wenn man sie irgendwann mal hatte.

Und den GM-Titel wünsche ich ihr ebenfalls und halte es auch für realistisch
Falk Falk 01.06.2019 01:08
Ich wünsche Elisabeth Pähtz, dass sie es endlich schafft, ihre 3. Großmeisternorm zu erreichen und auch nochmal (wie letztes Jahr) über 2500 Elo kommt, dass sie also endlich den Großmeistertitel bekommt. Dazu ist offensichtlich Ihre ganze Kraft notwendig. Es gibt derzeit keine 30 aktiven Frauen, die das geschafft haben. Viele von denen haben eine kleinere Elo-Zahl also Elisabeth.

An alle, die meinen, dass Fauen gefördert werden: In den Top 100 gibt es nur eine Frau - auf Platz 88! Judit Polgar war die absolute Ausnahme in den Top 10 bei den Männern. Die hatte damals Shirov auskombiniert und Kasparov hatte wohl gegen sie einen Zug zurückgenommen. Niemand würde verlangen, dass Kugelstoßerinnen bei den Männern mitmachen müssen. Beim Schach geht das offensichtlich auch nicht. Warum - das wissen wir noch nicht.

Und eigentlich ist Elisabeth derzeit die absolute Ausnahmesportlerin im deutschen Schach. Sie ist die einzige, die regelmäßig zumindest an den Top 10 kratzt, also in der Lage ist, mit der Weltspitze mitzuhalten (das schafft derzeit kein anderer Deutscher auch nur ansatzweise). Ich zumindest würde mir wünschen, dass Elisabeth ihre Ziele erreicht - möglichst mit dem deutschen Verband. Und natürlich würde ich mich auch freuen, wenn die Rahmenbedingungen für Elisabeth doch nochmal passen würden, so dass sie nochmal für Deutschland antritt.

Aber ich habe keinen Einblick (kein Insiderwissen), wie die Verhältnisse wirklich sind.
DoktorM DoktorM 31.05.2019 06:47
Es ist abwegig, wenn behaupet wird, dass nicht genügend für das Mädchen- oder Frauenschach getan wird. Es gibt seit Jahrzehnten spezielle Turniere nur für Mädchen oder Frauen. Es wird seit Jahrzehnten darauf hingewiesen. Und auch in der Schule gibt es Turniere für Mädchen, teilweise sogar Trainingsangebote nur für Mädchen. Was sollen denn der Schachbund und die anderen Verantwortlichen bzw. Betreuer noch alles machen?

Wenn nicht genügend Mädchen oder Frauen Schach spielen wollen, liegt das an den Mädchen oder Frauen. Oder es liegt am Spiel Schach. Ich kann es nachvollziehen, wenn sich viele (Mädchen oder Frauen) für Schach nicht interessieren. Oder wenn irgendwann das Interesse nachlässt. Schach ist nur ein Spiel. Viel Zeit für ein Spiel wollen viele nicht opfern.

Ich sehe das nicht wirklich als Problem. Eher im Gegenteil. So spannend ist Schach auch nicht. Es gibt weitaus spannendere Tätigkeiten für das Denkorgan (z.B. altersgemäße Probleme in MINT-Fächern lösen, später im MINT-Bereich forschen). Vielleicht sind viele Mädchen oder Frauen schlauer und merken das eher als andere.

Die Stellungnahme des DSB ist völlig in Ordnung. Auf Gelabere, z.B. die üblichen Lobhudeleien und das Aufzählen der Erfolge, ist verzichtet worden. Frau Pähtz hat ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Das ist sicher schade. Aber die Schachwelt oder das Frauenschach wird das nicht beeinflussen. Die deutsche Frauenmannschaft ist mit oder ohne Frau Pähtz international meistens gescheitert.
RevTiberius RevTiberius 31.05.2019 06:01
Ich finde die Stellungnahme in Ordnung
Chessiszen Chessiszen 31.05.2019 05:03
@FramiS Frauen werden bevorzugt ? Es würde keinen Sinn machen Männerturniere zu veranstalten, da bei den meisten Turnieren ohnehin nur Männer eingeladen werden (aufgrund der Elo-Zahl) oder sich qualifizieren.

Da die Elo-Wertung bei den Frauen niedriger ist, haben die halt ihre eigenen, ausschließlichen Frauenturniere.
Das ganze hat deswegen nichts mit Bevorzugung zu tun.
WetHair WetHair 31.05.2019 03:37
Natürlich geschieht das völlig "zufällig" und total ungesteuert ein paar Stunden vor dem DSB-Kongress nebst Wahlen ...
Dazu kommt, dass dem Amateur, der das alles per DSB-Beiträge bezahlt, schon die zickigen Begehrlichkeiten der mindestens ebenso erfolglosen National-Team-Männern übelst aufstießen.
Frau Pähtz ist mit Elo 2470 die #20 der Welt (Damen ). Nicht überragend, aber gut.
http://ratings.fide.com/card.phtml?event=4641833
Jedoch: Es sollte ja keine Unterschiede zu den Herren geben, also dürfen wir nur die gemeinsame Liste heranziehen. In der FIDE-Gesamtliste (Damen und Herren) ist Frau Pähtz die #1.389. Nehmen wir einmal aufs Geratewohl die Aufstellung des momentanen Zweiten der Oberliga-Bayern, des bekannten Deggendorf. https://www.schachbund.de/SchachBL/bedm.php?liga=olby&nummer=3
IM E.Pähtz wäre dort ratingstark genug, um dass fünfte Brett zu bespielen. Auch nicht so toll, aber immerhin. Jedoch: Sollte der DSB Spieler solche Bereiche besonders fördern (womit?) und andere dafür dann eben nicht?
Und auf die Damen bezogen: der letzte Klein-Skandal liegt doch erst ein paar Wochen zurück, in dessen Verlauf das Team faktisch nicht mehr miteinander sprach - immer mittendrin, mit Amateur-Geld unterstützt: Frau Pähtz.
FramiS FramiS 31.05.2019 02:41
@haudraufrudi
".. dass zu wenig passiert in unserem Sport hinsichtlich Gleichberechtigung. ".
Ja, es gibt keine Gleichberechtigung, Frauen werden bevorzugt. Anders als Frau Pähtz behauptet, gibt es keine Männerturniere bzw. -meisterschaften. Es gibt nur offene Turniere und Meisterschaften, die bei entsprechender Leistung den Frauen offenstehen. Die speziellen Frauenturniere und -meisterschaften sind exklusive Förderung der Frauen.
Krennwurzn Krennwurzn 31.05.2019 02:27
Schweigen wäre GOLD gewesen … und ich kann nicht verdächtigt werden ein EP-Fan zu sein!!
haudraufrudi haudraufrudi 31.05.2019 01:49
Die Stellungnahme des DSB ist bedauerlich und der Schachbund hat damit eine Chance vertan. Im Verteidigungsmodus werden Gegenargumente gesucht; an Stelle auf Elisabeth's grundsätzliche Kritik an der Mädchen- und Frauenförderung einzugehen, werden Ihr individuelle Positionen (eventuell sogar finanzielle Wünsche?) vorgehalten. Dabei wäre es eine sehr gute Möglichkeit gewesen, zu überdenken, wie Schach für Mädchen und -Frauen explizit attraktiver gemacht werden kann, um die zweifellos großen Unterschiede in den Mitgliederzahlen anzugehen und weitere Probleme anzugehen. Mein Appell an die männlichen Funktionäre - Bleibt nicht in Eurer Haltung stehen und denkt weiter darüber nach, was Ihr besser machen könnt! So ist es schade und auch über die Schachszene hinaus eine "Message nach draußen", dass zu wenig passiert in unserem Sport hinsichtlich Gleichberechtigung.

Und: Förderung muss nicht immer finanziell sein, es können auch andere Zeichen gesetzt werden. Auch darauf wird in der Stellungnahme nicht eingegangen. Schade! (Nils Decker, SC Zitadelle Spandau)
Nicolas_2000 Nicolas_2000 31.05.2019 10:57
Der DSB findet in seiner Stellungnahme keine dankenden Wort für die abtretende Spitzenspielerin. In Anbetracht der unbestrittenen Verdienste von Frau Pähtz ist das eine unglaubliche Respektloslosigkeit. Wie sollen sich junge Frauen so für eine Zusammenarbeit mit dem DSB begeistern, wenn einer absoluten Spitzenspielerin so wenig Respekt und Dank erwiesen wird? Zum Vergleich: Frau Pähtz hat sich in ihrer Pressemeldung ausdrücklich für die Zusammenarbeit mit dem DSB bedankt.
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