Russland führt Schach als Pflichtfach in allen Schulen ein

von ChessBase
09.08.2019 – Die russische Ministerin für Erziehung und Wissenschaft Olga Wassiljewa hat beschlossen, Schach an allen allgemeinbildenden Schulen in Russland als Pflichtfach einzuführen. "Schach hilft bei der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten, das ist klar erwiesen", begründete die Ministerin die Entscheidung. | Foto: Kreml

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

 

Nach den positiven Erfahrungen von Pilotproketen in Khanyt-Mansijk und in Moskauer Schulen, hat das russische Bildungsministerium nun beschlossen, Schach in Russland zum Pflichtschulfach zu machen. Seit 2017 werden entsprechende Änderungen am Lehrplan vorbereitet.

Olga Wassiljewa, die Ministerin für Bildung und Wissenschaft in Russland, erklärte dazu: "Ich bin überzeugt, dass wir in der Schule Schach spielen lassen sollten. Es ist schwierig, gegen Statistiken zu argumentieren. Im In- und Ausland haben schachspielende Kinder eine bessere schulische Leistung in der Größenordnung von 35-40%. Die Beschäftigung mit dem Schachspiel hilft den Kindern bei der geistigen Entwicklung." 

Schach habe einen starken Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten, so berichtet auch die russische Tageszeitung Moskowski Komsomolez (mk.ru). Dieses Thema wurde wiederholt in psychologischen und pädagogischen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht.

Analytische und strategische Fähigkeiten und eine schnelle Auffassungsgabe sind in allen Wissensgebieten erforderlich, werden aber von "klassischen" Fächern eher unwirksam entwickelt. Viele russische Lehrer beschweren sich über veraltete Lehrprogramme, bei denen Kinder sich große Mengen an Informationen merken sollen. Diese Informationen sind aber leicht zugänglich und brauchen heute nicht mehr auswendig gelernt werden. Wichtiger sei es, mit den verfügbaren Informationen eigenständig und effektiv umzugehen. 

Im April 2019 wurden in 18.000 russische Schulen Schachunterricht eingeführt, also in fast der Hälfte aller allgemeinbildenden Schulen in Russland. Programme und Lehrbücher für den Unterricht sind bereits vorhanden. Die Lehrer werden nun umfassend weitergebildet.

Ab dem 1. September werden alle russischen Erstklässler 33 Stunden im Jahr Schach lernen, und von der zweiten bis zur vierten Klasse - eine Stunde mehr. Dies wird keine zusätzliche Belastung mit sich bringen, da das Fach einfach den dritten Sportunterricht ersetzt, der von vielen Lehrern und Eltern ohnehin  "übertrieben" kritisiert wurde. 

Übersetzt von André Schulz

Original-Artikel bei Komsomolskaja Prawda...

 




Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

ir77 ir77 12.08.2019 04:41
Nach Aserbaidschan, Armenien, Ungarn, Spanien, Polen und Türkei zieht jetzt Russland nach. Das Hauptproblem ist, wie so häufig, das Personal. Selbst in einer 5-Millionen-Stadt St. Petersburg gibt es keine Fakultät, die Schachlehrer professionell ausbildet. Dabei ist Schachunterricht als Schulfach logischerweise nicht dasselbe, wie Schachunterricht als Sport. Gleichzeitig wurde vielen erahrenen Trainern die Pädagogische Ausbildung nicht anerkannt, was zu einer erheblichen Gehaltsminderung im Schuldienst führt. (Ist in Deutschland übrigens ähnlich). D.h, die oft ahnungslosen Grundschullehrerinnen und Sportlehrer dürfen jetzt Schach unterrichten. Das ist aus fachlicher Sicht in etwa so, als wenn man einen 5.-Klässler in die 2. Klasse schickt und sagt, unterrichte jetzt mal Mathe oder Deutsch. Auf diese Idee würde wohl kein Mensch kommen. Unter diesen Gesichtspunkten bleibt nur zu hoffen, dass diese Idee in Deutschland in absehbarer Zukunft keine Nachahmung findet
brokkoli71 brokkoli71 11.08.2019 11:32
Zunächst: ich finde Pflicht-Schach in Schulen grundsätzlich super. Allerdings ist der kausale Zusammenhang der Statistik falsch interpretiert worden. Wahrscheinlicher ist es, dass kinder, die bessere schulische Leistungen aufweisen, eher mit Schach in Kontakt kommen als andere, nicht, dass Kinder automatisch schlauer werden durch Schach.
Rainbow66 Rainbow66 11.08.2019 12:09
Wirklich unerträglich diese Pflichten: Muttersprache, Mathe, vielleicht sogar gezwungen werden, Sport zu treiben oder zu singen. Das gibt's doch nur in Russland. Die Kinder sollten doch in der Schule tun und lassen dürfen, was sie wollen, z.B. chillen oder chatten. ;-)
rubato rubato 10.08.2019 02:51
wenn ich das schon höre : "Pflichtfach"; gezwungen werden, Schach zu spielen? Typisch Diktatur.
cyronix cyronix 10.08.2019 12:26
Learning by Doing ist sicherlich besser als Frontalunterricht für die intellektuelle Entwicklung
Walter Rädler Walter Rädler 10.08.2019 07:17
Aufgrund der hohen Zahl der Schülerinnen und Schüler wird es erstmals genaue wissenschaftliche Untersuchungen geben, inwieweit das Spiel der Königinnen und Könige den Kindern hilft oder nicht.
Mein Problem: Spaß am Spiel kann man nicht messen!
Rainbow66 Rainbow66 10.08.2019 02:55
Und wieso sollte das schlecht sein? Wozu es gut ist, wird doch ausführlich beschrieben.
Sturmaske Sturmaske 09.08.2019 03:16
Und wozu soll das gut sein?
1