Salzburger Schachcafés

von Dr. Franz Hager
11.08.2015 – Einst gehörte es zur europäischen Kultur, sich in Cafés zu treffen, sich zu unterhalten und allerlei Zeitvertreib nachzugehen, zum Beispiel dem Schachspiel. Im berühmten Café de la Régence wurde manche Eröffnungsvariante und eine Revolutionen ausgeheckt. Aber auch in den anderen Metropolen gab es Schachcafés. Dr. Franz Hager berichtet von drei frühen Schachturnieren in Salzburger Cafés. Mehr...

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Vom Salzburger 'Kaffeh- und Materialisten G´wölb'

und den drei frühen Salzburger Schach-Turnieren: 1869 im Café Baldauf am Platzl, 1873, und 1878 im Café Koller

Salzburg, Tor an der Steingasse

 

Salzburg , Freiluftschach am Kapitelplatz. Trotz mehrerer Urgenzen wird aber nur ein Schachspiel erlaubt

Im Salzburger Altstadt-Café Tomaselli gibt es im ersten Stock ein Spielzimmer, wo seit 1764 Billard, Karten- und gelegentlich auch mal Schach gespielt wurde. Auch im früheren Gerlich´schen, bzw. Erich´schen Café in der Getreidegasse 24, neben dem heutigen Café Mozart, seit 1751, war es so. Zeitungslesen, Billard, Literatur, Schach, oder auch Kartenspiel (gegen Kartengeld) waren beliebte Kombinationen der österreichischen, sogenannten Wiener Kaffeehauskultur.

Im direkten Vorgänger des späteren Schach-Café Mozart, der Cafésiederin Sophie Gasparotti, ab 1824 im ersten Stockwerk der Getreidegasse 22, dem „Kaffeh- und Materialisten Gewölb und in der Kafféhsiedersbehausung der Nr. 24 unter Josef und Anna Gasparotti scheinen 1833 neben Billards ebenfalls schon Schachbretter in den Inventarlisten auf. Die magistratische Kaffee-u. Chokolade Ausschank Gerechtsame bestand dort seit 1804.


Organisierter tritt uns das Schachspiel in der Stadt Salzburg aber dokumentiert erst (oder schon) im Jahr 1868, und namentlich im 2. Turnier 1873 u. dem dritten 1878/79 entgegen.

1. Frühes Salzburger Schach 1868-1880

1868: In der Salzburger Chronik, der Salzburger Tageszeitung, wird am 13.Oktober 1868, Seite 3, 1. Spalte, der Direktor des Salzburger Mozarteums, der Musikerschmiede, Dr. Otto Bach unter Tagesneuigkeiten folgendermaßen zitiert:

…“Auch in Salzburg hat sich nunmehr dem Vernehmen nach ein Schachklub gebildet, der sehr zahlreiche Teilnehmer zählen soll. Der Versammlungsort soll das Café Baldauf werden, daselbst demnächst ein Schachturnier stattfindet“.„Salzburg besitze viele und tüchtige Schachspieler.“

(Anmerkung: Das Café Baldauf am Platzl, Linzer Gasse 1, war am 19.7.1864 vom Pächter Simon Baldauf neu eröffnet worden. Baldauf erwarb 1873 den Gasthof zum goldenen Horn (dem Vorgänger des GH Sternbräu in der Griesgasse). Das Baldauf´sche Caféhaus am Platzl wurde im Frühjahr 1873 zu Guttmanns Café, ab 1881 zum Café Koller. (SVBL 25.3.1873).

In der Linzer Tages-Post v. 20.10.1868 (unter Korrespondenz aus Salzburg v. 16.10.1868) heißt es:…“Der in den Lokalitäten des Café Baldauf dahier gebildete Schachklub wird nächstens seine Wirksamkeit durch Ausschreibung eines Schachturniers veröffentlichen. Die Bedingungen werden noch vor Monatsende bekannt gegeben.“

Dies wurde zugleich mit der Ankündigung einer Jahresversammlung der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde unter Dr. Zillner im Sitzungssaal des Rathauses und eines Konzertes der 4 Jahreszeiten von Josef Haydn (das ca. 18 Jahre nicht mehr gehört wurde) des Salzburger Dommusikvereines unter der Leitung seines artistischen Direktors Dr. Otto Bach unter Mitwirkung der Salzburger Liedertafel veröffentlicht.

Das Turnier: Vom 6. bis 14. Jänner 1869 fand dann nach der Chronik der späteren Salzburger Schachgesellschaft (gegründet 28.4.1910) im Salzburger Café Baldauf am Platzl, am Brückenkopf der rechten Salzachseite, im Schnittpunkt von drei Gassen, heute ein Denksteingeschäft, ein kleines Winter-Schachturnier statt.

Der Kaufmann Franz Zeller hatte 1861 die Brandruine der alten Andräkirche gekauft und ein Café errichtet, das seit 19.7.1864 von Simon Baldauf geführt wurde. Danach wurde es im März 1873 das Guttmann´sche und ab Febr. 1881 das Koller´sche Café (Pächter Johann Koller) und im 1. Stock ab 5.11.1927 das Lohr´sche Kaffeehaus. Seit den 1960ern ist es ein Denkstein-Schuhgeschäft.

Das Schach-Turnier wurde jedenfalls schon seit zumindest Oktober 1868 vorbereitet. Nachdem dieses Turnier in einer Woche durchgespielt wurde, was ansonsten für reine Klubturniere doch unüblich ist, werden auch auswärtige Gäste teilgenommen haben. Ansonst wird üblicherweise einmal pro Woche gespielt. Die Aufzeichnungen dazu sind wohl den Erinnerungen von Baumeister Gemeinderat Josef Christoph und Bahninspektor (KuK Oberstaatsbahnrat) Adolf Mehrer´s entnommen, die beide (sowie der Meisterspieler Ing. Josef Hrdina) am 11.4.1913 bei der Generalversammlung im Café Central zu Ehrenmitgliedern der Salzburger Schachgesellschaft (28.4.1910 Gründungsversammlung) ernannt wurden.

Leider wurde über das kleine Stadt-Turnier anscheinend nirgendwo etwas publiziert. Schachzeitung gab es damals auch noch nicht. Nur das exakte Datum wurde festgehalten, ebenso wie das Datum des 3. Turniers im Jahr 1878/79 und der Name des Siegers.

Anmerkungen: Das blinde Gründungsmitglied der prominent besetzten Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (1860), der Wiener Kaufmannsohn Heinrich Schwarzleithner (1794-24.4.1867) war 1867 verstorben. Im Nachruf (Mitteilungen 1868) der Gesellschaft für Landeskunde wurde ihm attestiert, ein außerordentliches Zahlengedächtnis gehabt, sehr gebildet und - obgleich blind - ein guter Schachspieler gewesen zu sein. Vielleicht war dieses Turnier ihm gewidmet? Auch der Gründer des MCA im Jahr 1835, des Salzburger Museums Carolino Augusteum, Vinzenz Süß (1802 - 5. Mai 1868) war 1868 verstorben. (zb. Der Plafonds im Rittersaale zu Goldegg). Vielleicht war er zuvor bei dieser Schachrunde dabei? Es sind Möglichkeiten.

Zu der von Mozarteumsdirektor Dr. Otto Bach erwähnten Schach-Vereinsgründung in Salzburg ist aber bislang nichts Statutarisches bekannt.

Wahrscheinlich wurde einfach inoffiziell ab Mitte der 1860er im Schachzirkel beim Café Baldauf beim Platzl, (dann ab Febr. 1881 Café Koller benannt) gespielt und ab 1878 (Künstler sahen die Schachspieler so ab Mitte der 1880er) ins ebenso benannte, elegante Billard-Café Koller im Faberhaus, später (1903) Café Krimmel an der Westbahnstrasse 2, gegenüber dem Schloß Mirabell gewechselt.

(Entweder sind die Schachspieler vom Platzl um 1878 dorthin gewechselt, oder es hatte sich dort ein zweiter Schach-Zirkel gebildet. Dieser wurde (nach der späteren Teilnehmerliste 1910) vor allem von höheren Verwaltungsbeamten, Bahnbeamten, Lehrern, Gewerbetreibenden gebildet). Der Magistrat lag ja daneben.

1903: Ehemaliges Schach-Café Krimmel, früher Westbahnstrasse 2 (heute Rainerstrasse).

 

1876, im Frühjahr, wurde das Vorgänger Café als „Koller“ als größtes und elegantestes Salzburger Café mit 3 Billards in dem neuen Faberhaus eröffnet (SC 4.4.1876).

„Drei Billards, ein Lokal mit Spieltischen und eine Auswahl von Zeitungen sorgen ergiebig für Unterhaltung“.

Es folgten etliche Pächterwechsel. Café Rembke. Wilhelm Rembke verkauft es im Okt. 1881 an Franz Oberkogler, Café Oberkogler, dann hieß es um 1883 Café National (unter Ambros Pitter), und ab 1903 Café Krimmel (nach dem Pächter Georg Krimmel). 1945 wurde es durch Bomben teils zerstört.

1903 übernahm es der Wiener Cafétier Georg Krimmel und führte es zu neuer Blüte. In den Kriegsjahren wurde es in ein Soldatenheim umgewandelt und 1944/45 von Bomben getroffen. Im Jänner 1946 eröffnete im ehemaligen „Krimmel“ die Kleinkunstbühne „Bei Fred Kraus“. Georg Krimmel war ab 1903 auch Pächter des Café Corso, wo 1913 und neben dem Café Mozart bis ca. 1925 die Schachrunden beheimatet waren.
Zumindest seit 1878 (1876?) wurde im Café Krimmel anscheinend durchgängig bis 1911 Schach gespielt. Dann übersiedelten die Schachspieler der Schachgesellschaft ins Central, dann im September 1912 ins Café Corso bis 1923, bzw. ein Teil blieb bis 1925.

Ab Oktober 1923 wurde das neu eröffnete Café Mozart in der Getreidegasse die Heimstätte der Schachspieler.

2. Das Salzburger Turnier 1873

(Ende ca. 27.3.1873, Quelle: SVBL 3/1873)

Salzburgs erstes zeitungsmäßig dokumentiertes Turnier, vermutlich im Café Baldauf/Guttmann's am Platzl, mit 9 Teilnehmern und je 24 Partien. (Turnierort und Vornamen fehlen und sind nach hoher Wahrscheinlichkeit ergänzt).

1. Ludwig Hartmuth (21 Punkte aus /24 Partien) Fotograph
2. K&K Prof. (Friedrich ) Kammerer (16/24) Musiker
3. Prof. (Leopold) Sacher (wohl Sacher-Masoch, 1836-1895) (14/24) Univ. Dozent, und Schriftsteller.

(Der Erste, Hr. Hartmuth, kann sicher nur Ludwig Hartmuth , der Fotograph , Mönchsberg 1, gewesen sein. (17.9 1826 Wien - 21. 1. 1875; studierte in Paris und Wien Malerei, aus dem bayrischen Geschlecht der Hardtmuth). Im Turnierjahr 1873 fand z. B. die Trauung der österr. Erzherzogin Gisela am 20.4.1873 mit dem Baiernprinzen Leopold statt. Ihr zu Ehren wurde der Giselakai so benannt und erhielt das Paar von der Stadt Salzburg ein schönes Fotoalbum als Geschenk überreicht.

Der 2., K&K Prof. Friedrich Kammerer, war Musiklehrer und wohl beim Mozarteum.
Zum 3. Ein Franz Sacher (1816-1907) erfand zwar 1832 die Sachertorte, er war aber kein Professor, wie die Tageszeitung anführt. Leopold Ritter von Sacher-Masoch war Dozent in Graz, dann Schriftsteller, lebte auch mal in Salzburg, hatte die Gattin Wanja, und trifft somit alles auf ihn zu.

Anmerkung: Der Wiener Schachklub bekam im Jahr 1873 neue mondäne Räumlickeiten mit 20 ständigen Brettern in der Elisabethstrasse 7 in Wien (wohl zu Ehren der Kaiserin „Sissi“) und wurde dies durch den Meister und Blindspieler Max. Fleissig eingeweiht. Ein Baron Rohschild konnte sich das offenbar leisten.
 

Corso Gebäude am Mozartsteg, Schach Café von 1913-1925



Café Corso, Salzburger SchachCafé 1913-1925 ( im 1. Stock).

 

3. Salzburger Turnier: 1878/79

Sieger: Baumeister Joseph Christoph (1842-1913)

10 Jahre nach dem ersten Turnier 1869, also im Jahr 1879 sind Sieger und der Letzte nach der Chronik der Salzburger Schachgesellschaft bekannt (Baumeister Josef Christoph, bzw. ein Hr. Barth). Zeitungsmäßig wurde nur das Turnier 1873 festgehalten. 1879 fand sich kein Ergebnis, nur etliche Artikel über das Schachspiel an sich. Eine österreichische Schachzeitung gab es damals auch noch nicht.

Ein Jahr nach dem ersten Salzburger Turnier, 1870, fand in Graz ein Schachkongress statt, den der Grazer Endspieltitan und spätere Theoretiker Johann Nepomuk Berger gewann.
Auch in Deutschland begannen erst ab 1870 (Baden- Baden) die großen Schach Kongresse. Dieses erste große Turnier wurde aber durch den aufflammenden Deutsch-Französischen Krieg abgebrochen.

Das dritte Salzburger Turnier fand 1878/79 (29.12.1878-26.1.1879) statt. Der aus Tirol zugewanderte Baumeister und spätere Salzburger Gemeinderat Josef Christoph (1842-1913) wurde Sieger, bei 9 Teilnehmer. Dieses Turnier erstreckte sich allerdings über einen Monat.

Für 1903 gibt es Berichte, dass der Architekt Franz Drobny im Café Krimmel gespielt hätte.
Die „offizielle“ Salzburger Schachgesellschaft wurde dann erst Jahrzehnte nach den ersten Turnieren, im April 1910, im Jahr des Kampfes um die Weltmeisterschaft zwischen Dr. Emanuel Lasker und dem Österreicher Carl Schlechter, gegründet.

Das Proponentenkommitee dazu traf sich im März 1910 im Café Krimmel, die Hauptversammlung fand am 28. April 1910 im damaligen Hotel Mirabell (heutige Kammerspiele) statt.

Im Café Krimmel gab es 1911 aber Streit mit dem Pächter, weil die Schachspieler gern auf der Terrasse im Freien gespielt hätten, dies aber untersagt wurde. Der Club wechselte daher 1911 kurz ins Café Central (gegenüber vom Café Bazar) und 1913 ins Café Corso, (am später gebauten Mozartsteg). Während des ersten Weltkrieges kam natürlich das Schach fast zum Erliegen und wurde nur von einigen Pensionisten gepflegt.

1921 spielte aber schon wieder eine Salzburger Auswahl von Arbeiterschachspielern mit Oberösterreich in Linz einen Vergleichskampf gegen Wien, den sie aber 14:7,5 verloren. Quelle: Österr. Arbeitschachzeitung 1921.

1923 gab es auch in Bischofshofen einen Schach Zirkel um die Eisenbahner August Maggi und Jakobek.

Café Mozart. Sitz der Salzburger Schachgesellschaft seit 9. Okt. 1923 und dann des „1. Salzburger Schachklub 1910, Mozart“ (mit 15-jähriger Unterbrechung (1991- 2006).

 

Quellen und Anmerkungen:

Anmerkung: Die Angaben zu den Salzburger historischen Cafés wurden dem Buch der Salzburger Kunsthistorikerin Frau Dr. Walburga Schobesberger „Vom Cafégewölb zum Literatencafé, in: Salzburg Archiv, Band 20 (1995) entnommen, vom Verfasser jedoch um etliche bislang nicht publizierte Daten erweitert.

Linzer Tages-Post v. 20.10.1868, S 3, 1. Spalte
Salzburger Chronik (SC) v. 13.10.1868
SVBl 3/1873
SVBL 16.4.1873: „Eine Partie Schach“. Ein Roman in Serien.
Gesellschafts-Angelegenheiten, in: MGSLK 8, 1868, S. III-XXVIII zu Heinrich Schwarzleithner.
Am 22.12.1872 wurden zB. die neuen Räumlichkeiten mit einem Blindspiel des Meisters Max Fleißig des mondänen Wiener Schachklubs in der Elisabethstr. 7 eröffnet. 20 Schachbretter standen bereit.

Zu den Salzburger Schach-Cafés

Im 19. Jhd. gab es in Salzburg etwa die Cafétiers der Egger, Endres und Gasparotti (im Vorgänger-Mozart),. Johann Koller 1881 und um 1900 Georg Krimml.
Café Koller, Linzergasse 1, lt. Bescheid des Handels-Register Salzburg v. 9.2.1881, Inhaber: Cafétier und Hausbesitzer Johann Koller.
Café Baldauf am Platzl wird am 19.7.1864 neu eröffnet. (Quelle: Salzburger Bote). 1871 zB. als Restaurationsbetrieb bezeichnet, ab 1873 als Café. Hr. Simon Baldauf (der 1873 auch den Vorgänger des Sternbräu, den „GH zum goldenen Horn“ erwarb, war auch Salzburger Gemeinderat im 3. Wahlkörper (zB. GR-Wahl 1877). 1874 erhielt S. Baldauf die Konzession zum Führen eines Autobusses zum Bahnhof.
Café Krimmel. Der Vorgänger wurde als Café Koller 1876 im Faberhaus, Westbahnstrasse 2 als elegantestes Café in Salzburg mit 3 Billards eröffnet. (SC 4.4.1876). (Die Faberhäuser sind nach Moritz Faber benannt.)
Danach Café Remke. Hr. Wilhelm Remke verkauft es im Oktober 1881 an Franz Oberkogler, der zuvor beim Mirabell Restauration gearbeitet hatte (SC 20.10.1882).
Um 1883 scheint Ambros Pitter als Pächter auf und der Name „Café National“, 1903 übernahm es der Pächter Georg Krimmel, der schon das Café Corso am späteren Mozartsteg führte.
Demnach wurde dort, neben dem Spiel auf den 3 Billard´s, Kartenspiel (Kartengeld wurde eingehoben) und Zeitungslesen, seit zumindest 1878 auch oft Schach gespielt.

Café Corso: Eröffnung am Sa. 20.7.1895 (Salzburger Chronik v.26.7.1895), mit Billards und Gartenbetrieb. Eines der elegantesten Salzburger Cafés.
Café Central, Schwarzsstr. 8: Eröffnung Di 25.12.1894, 12.00 Uhr (ehemals die Pach-Restauration). Inhaber: Franz u. Marie Etmann.
Café Mozart: Schon am 11.2.1857 wird das Café Mozart in der Getreidegasse 24 in der Freien Presse als „Café Mozart“ (es hatte ein Abonement der Presse) bezeichnet. Anonst wird es immer als Café der Gasparotti (Josef und Anna) Getreidegasse 24 bezeichnet. 1874 übernimmt es ein Adolf Menguet als Speiselokal mit Extrakabinett. 1923 wird es neu eröffnet.
Café Wiesenberger, Judengasse 1, Café seit mind. 1866 (Franz W.), 15.10.1882 Übernahme Carl Pomayer. 14.5.1890 neu Café Prendtner, mit Carambol-Billard (SVBL 13.10.1882), über Schachspiel ist dort aber nichts bekannt.

Das Thema wurde vom Verfasser veröffentlicht (mit anderem Text) im Schach Aktiv 3/2014, S 153

Literatur:
Dr. Heinrich Breidenbach: Und wieder stirbt ein Stück Salzburg. In: Salzburger Fenster. 1991
Dr. Walburga Schobesberger (Kunsthistoikerin): Vom Cafégewölb zum Literatencafé, in: Salzburg Archiv, Band 20 (1995).
Rudolf Klehr: Die Linzergasse, Geschichte und Geschichten zu einer Salzburger Gasse. 2., erw. Auflage o. J.

In der Österreichischen Schachzeitung (Red.: Hermann Lehner), die von April 1872 bis Dez. 1875 erschien, findet sich von Salzburg leider nichts. (1855 gab es für ein Jahr eine Wiener Schachzeitung). In Graz waren damals (Mitte der 1870er) wohl Johann Nepomuk Berger u. Emil Feyerfeil die besten Spieler.
Die „Provinz“, insbesondere das doch katholisch-deutschnational, weniger liberal orientierte Salzburg zeigte damals immer gegen das Wiener stark aristokratisch- und jüdisch geprägte Schach doch gewisse Ambivalenzen. Die Salzburger Arbeiterschaft hatte widerum ihre eigenen Lokale und gibt es nur wenig Schriftliches zum damaligen Spielverhalten. Kartenspiel, Kegeln,…waren so die üblicheren Betätigungen.
Die Einstellung der Schachzeitung Ende 1875 begründet sich aus Geldmangel (Jahre des Börsencrash), sowie den nun immer mehr erscheinenden Schachrubriken in den Tageszeitungen. Erst am 1.7.1887 gelingt es dann wieder eine eigene österreichische. Schachzeitung zu etablieren, die „Wiener Schachzeitung“.
 

Und heute...

Aktuell wird täglich nachmittags (außer am Wochenende ) noch im Café Mozart in der Salzburger Altstadt, Getreidegasse, geblitzt - zumeist eher ein Pensionistentreff. Mittwoch ist beim Wastlwirt in Maxglan (3 km vom Zentrum) ein reges und gut besuchtes Clubleben des ASK. Ansonst kann man gelegentlich mal mit dem kreativen Wirt beim Rechenwirt im Vorort Glasenbach R. Röck blitzen, wenn er mal nicht kocht.. (direkte S-Bahn/Busstation). Auch Schach-Kids treffen sich dort freitags. Donnerstags ein kleines Häuflein beim Hotel Schaffenrath (Süden-Alpenstrasse).

 



Dr. Franz Hager ist Jurist, verheiratet, zwei studierende Kinder. Sein Interesse gilt neben der Geschichte des Salzburger Schachs.
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Powerwolf Powerwolf 12.08.2015 11:16
Wirklich sehr schöner Artikel!

Das macht wirklich Lust darauf Salzburg zu besuchen auch wenn es heute keine wirklichen Schachcafés mehr gibt.
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