Die 46. Schacholympiade startete am Mittwoch in Samarkand mit 206 Mannschaften im offenen Wettbewerb und 190 Mannschaften im Frauenwettbewerb. Usbekistan stellt als Gastgeberland in jeder Gruppe drei Mannschaften.
Beide Turniere werden im Schweizer System über elf Runden ausgetragen, wobei die Mannschaften in jeder Runde an vier Brettern spielen und jede Mannschaft zudem einen Ersatzspieler umfasst. Bis zum kommenden Montag werden an sechs aufeinanderfolgenden Tagen sechs Runden gespielt. Dienstag ist Ruhetag, bevor von Mittwoch bis Sonntag, dem 27. September, fünf weitere Runden stattfinden.
Im offenen Wettbewerb weisen die vier führenden Teams – die USA, Indien, Usbekistan und China – durchschnittliche Wertungszahlen von über 2700 auf. Die Teams auf den Plätzen 5 bis 16 haben alle Durchschnittswerte über 2600. Deutschland ist der Fünfte in dieser Setzliste und damit erster Verfolger der Topfavoriten. Der Auftakt des Gustafsson-Teams gelang souverän mit einem 4:0 gegen die Färöer-Inseln.
Die gleichen vier Teams galten auch bei der vorherigen Olympiade als Favoriten und belegten schließlich auch die ersten vier Plätze in der Endwertung. Indien gewann Gold mit beeindruckenden 21 von 22 möglichen Punkten, die USA holten Silber, Usbekistan Bronze und China wurde Vierter.
Die in der Weltrangliste höchstplatzierten Spieler in Samarkand sind Fabiano Caruana (USA), Javokhir Sindarov (Usbekistan), Wesley So (USA), Vincent Keymer (Deutschland) und Nodirbek Abdusattorov (Usbekistan). Der Weltranglistenerste und -zweite, Magnus Carlsen (Norwegen) und Hikaru Nakamura (USA), fehlen.

Wesley So gut gelaunt beim Treffen mit Vertretern der Philippinen, seinem Heimatland. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Ding Liren spielt für China am ersten Brett. | Foto: Michal Walusza / FIDE

Der amtierende Weltmeister Gukesh Dommaraju spielt für Titelverteidiger Indien am vierten Brett – in der ersten Runde spielte er am dritten Brett, da Praggnanandhaa Rameshbabu am Mittwoch nicht zum Einsatz kam. | Foto: Michal Walusza / FIDE

Die Delegation aus Burundi | Foto: Michal Walusza / FIDE

Die Delegation aus Fidschi | Foto: Michal Walusza / FIDE
Die 30 vorne gesetzten Mannschaften konnten in der ersten Runde allesamt Siege verbuchen. 17 von ihnen gewannen mit 4:0, 8 mit 3,5:0,5 und 4 mit 3:1 siegten.
Lediglich Ungarn, an Position 8 gesetzt, musste unter den Top-30-Teams mit dem knappsten Ergebnis vorliebnehmen. Sie besiegten Malta, die Nummer 110 der Setzliste, mit nur 2,5:1,5.
Die einzige Überraschung im Gesamtergebnis gab es an Brett 31: Botswana (Nr. 133 der Setzliste) erreichte gegen Brasilien (Nr. 31 der Setzliste) ein sensationelles und viel umjubeltes Remis. Providence Oatlhotse (Botswana, 2230) besiegte Alexandr Fier (Brasilien, 2537), während Mogotsi Mothudi (Botswana, 1914) Roberto Molina (Brasilien, 2390) schlug.
Darüber hinaus gelang es keinem anderen Team mit niedrigerer Wertung, seinem höher eingestuften Gegner in der ersten Runde Mannschaftspunkte zu stibitzen.
Am 21. Brett verbuchte Israel einen 4:0-Sieg gegen Pakistan, nachdem die pakistanische Mannschaft beschlossen hatte, nicht anzutreten und alle vier Bretter kampflos aufgab.
Oatlhotse gegen Fier 1:0
Für Fier lief es im Abgelehnten Damengambit schnell schief. Bereits im 19. Zug hatte Oatlhotse einen klaren Vorteil, und der Internationale Meister aus Botswana brauchte 25 Minuten, bevor er den von Fier sicher bereits gefürchteten Zug 19.d6! spielte.
Es folgte 19…Df7 20.Sb5, womit sowohl Sb5-c7+ als auch Sb5xd6+ drohten, falls Schwarz den Bauern auf d6 schlagen sollte. Nach 20…0-0 21.Sxc7 Tb8 22.0-0 Lf5 23.Sc5 Kh8 24.Dxf7 Sxf7 25.Tfd1 hatte Weiß mit dem weit vorgerückten Freibauern auf der d-Linie einen klaren Vorteil.

Mogotsi Arnold Mothudi aus Botswana erzielte am vierten Brett einen unerwarteten Sieg über Roberto Molina. | Foto: Michal Walusza / FIDE
Mehrere starke Großmeister spielten gegen deutlich schwächere Gegner nur remis. Der namhafteste unter ihnen war Levon Aronian (USA, 2725), der mit Schwarz gegen Ali Ehsan Aryan (Irak, 2163) lediglich ein Remis erreichte.

Ali Ehsan Aryan aus dem Irak punktete gegen Levon Aronian aus den USA. | Foto: Michal Walusza / FIDE
Vier Spieler mit einer Wertungszahl über 2500 verloren sogar ihre Partien. Besonders bemerkenswert war die Niederlage von Arjun Erigaisi (Indien, 2759) gegen Prin Laohawirapap (Thailand, 2363).
Benjamin Gledura (Ungarn, 2610) verlor gegen Matthew Portelli (Malta, 2187), Khumoyun Begmuratov (Usbekistan 2, 2514) verlor gegen Homayoun Mohtaat (Afghanistan, 1928) und Felix Blohberger (Österreich, 2552) wurde von Ahmad Abdel Wahab (Palästina, 2066) besiegt – hier seine selbstkritische Analyse:
Erigaisi gegen Laohawirapap 0:1
Im späten Mittelspiel hatte Erigaisi in einer Stellung mit Damen, Türmen und je einer Leichtfigur auf beiden Seiten einen klaren Vorteil. Der indische Star gab diesen Vorteil jedoch auf und erreichte ein objektiv ausgeglichenes Endspiel mit Damen, Türmen und einem Mehrbauern. Schließlich unterlief ihm mit 50.Dg7?? ein Fehler.
Der einzige Zug, der hier die Balance wahrt, ist 50.Df4, denn 50…Dh1+?! (wie in der Partie gespielt) ist für Schwarz nicht gut, da der König dort Schutz findet und Weiß seinen Mehrbauern optimal nutzen kann. Nach 50…Te4 51.Tf1 Dc3+ in dieser Variante könnte Schwarz die Stellung jedoch im Griff behalten.
Stattdessen konnte Schwarz nach 50.Dg7?? die Kombination 50…Dh1+ 51.Kg4 Te4+ 52.Tf4 Dd1+ 53.Kg3 (53.Kg5 scheitert an 53…Txe5+) Dg1+ 54.Kh3 Te3+ spielen, woraufhin Erigaisi aufgab.
Das Schachmatt steht in zwei Zügen. Ein denkwürdiger Sieg für Laohawirapap und die Schachbegeisterten in Thailand!

Zu diesem Zeitpunkt hatte Arjun Erigaisi gegenüber Prin Laohawirapap noch die Oberhand. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE
| Nr. | Team | Pkt. | MP | : | MP | Pkt. | Team |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Uzbekistan *) | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Peru |
| 2 | United States | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Mongolia |
| 3 | Indonesia | 4 | 2 | : | 2 | 3 | India |
| 4 | Chile | 4 | 2 | : | 2 | 4 | China |
| 5 | Germany | 4 | 2 | : | 2 | 3½ | Uzbekistan 3 |
| 6 | North Macedonia | 4 | 2 | : | 2 | 3 | Netherlands |
| 7 | Azerbaijan | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Philippines |
| 8 | Colombia | 4 | 2 | : | 2 | 2½ | Hungary |
| 9 | France | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Bosnia & Herzegovina |
| 10 | Scotland | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Armenia |
| 11 | England | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Tajikistan |
| 12 | Estonia | 3½ | 2 | : | 2 | 3½ | Ukraine |
| 13 | Spain | 3½ | 2 | : | 2 | 3 | Uruguay |
| 14 | Bangladesh | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Turkiye |
| 15 | Serbia | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Turkmenistan |
| 16 | Ireland | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Poland |
| 17 | Croatia | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Malaysia |
| 18 | Bolivia | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Iran |
| 19 | Greece | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Egypt |
| 20 | Paraguay | 2½ | 2 | : | 2 | 4 | Czech Republic |
| 21 | Norway | 4 | 2 | : | 2 | 3½ | New Zealand |
| 22 | Israel | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Albania |
| 23 | Romania | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Costa Rica |
| 24 | South Korea | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Argentina |
| 25 | Denmark | 3½ | 2 | : | 2 | 4 | Mexico |
| 26 | Japan | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Italy |
| 27 | Austria | 3 | 2 | : | 2 | 4 | South Africa |
| 28 | Venezuela | 4 | 2 | : | 2 | 3½ | Bulgaria |
| 29 | Georgia | 4 | 2 | : | 2 | 4 | Kyrgyzstan |
| 30 | Algeria | 3½ | 2 | : | 2 | 3 | Uzbekistan 2 |