Schöner Beginn in Dortmund

17.07.2010 – Die ersten zwei Runden des Dortmunder Sparkassen Chess-Meetings 2010 hatten es in sich: Kein kurzes Remis, interessante Partien, kämpferische Spieler und ein paar kleinere und größere Überraschungen. So liegt Ruslan Ponomariov nach zwei Runden mit zwei Siegen gegen Vladimir Kramnik und Peter Leko, beide schwer zu schlagen, an der Spitze der Tabelle. Der 19-jährige Dortmund-Debütant Le Quang Liem schlägt sich mehr als wacker, während die Dortmunder Veteranen Kramnik, Leko und Naiditsch das Tabellenende zieren. Natürlich steht das Turnier noch am Anfang, aber der war viel versprechend. Runde drei folgt heute, 15 Uhr, auf dem Fritz-Server kommentiert Dennis Breder.Turnierseite...Dagobert Kohlmeyer berichtet aus Dortmund...

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Munterer Turnierauftakt in Dortmund - Ponomarjow liegt vorn
Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer


Liegt nach zwei Runden in Dortmund in Führung: Ruslan Ponomariov

Seit Donnerstag sprechen im Schauspielhaus von Dortmund wieder die Figuren. Das Teilnehmerfeld von sechs Großmeistern bildet eine Mischung aus bekannten Gesichtern und neuen Gästen. Alle haben sich nach eigener Aussage gründlich auf das diesjährige Sparkassen Chess-Meeting vorbereitet. Es ist schon die 38. Auflage und mit der FIDE-Kategorie 20 wie gewohnt das stärkste klassische Schachturnier des Jahres in Deutschland sowie eines der renommiertesten weltweit. Titelverteidiger Wladimir Kramnik (Russland) und seine Kollegen kamen aus den verschiedensten Richtungen und mussten vor dem ersten Zug im Stadttheater durch Oberbürgermeister Ullrich Sierau eine mehr oder weniger schwierige Anfahrt bewältigen.


Dortmunds OB Ullrich Sierau eröffnet die Schachtage

Verlorene Koffer und Musik von Rammstein

Der neunfache Dortmund-Sieger Wladimir Kramnik kam aus Paris, wo er mit seiner französischen Frau und der kleinen Tochter wohnt. Der Ungar Peter Leko reiste aus Szeged mit seiner Frau Sofia sowie deren Eltern an.

Eine beschwerliche Tour hatten Großmeister Shakryar Mamedjarow (Aserbaidschan) und sein Manager Rustam Najafow. Sie waren von Baku über Istanbul nach Deutschland geflogen, doch beim Zwischenstopp in der Türkei ging ihr Gepäck verloren. Nach der Landung in Düsseldorf fuhren die beiden erst einmal ins Spielerhotel zur Pressekonferenz und zeigten sich am Abend auch beim Eröffnungsbankett in der Sparkasse Dortmund. Dann gab es Entwarnung, ihre Koffer kamen mit der nächsten Maschine und wurden ins Ringhotel Drees gebracht.


Shakryar Mamedjarov, Rustam Najafow

Ruslan Ponomarjow aus der Ukraine hat sich mit seinem Sekundanten Zahar Efimenko in Spanien für die Schachtage präpariert. "Wir trainierten an einem schönen Ort in der Nähe von Bilbao. Dort wehte immer ein frischer Wind, es war nicht so heiß wie hier in Dortmund.", erzählte der Exweltmeister beim Frühstück. In Spanien erlebten die zwei Großmeister auch ein Open-Air-Konzert der deutschen Hardrock-Band "Rammstein", von dem sie ganz begeistert waren. Musik ist offensichtlich immer eine gute Einstimmung aufs Schachspielen. Im Schauspielhaus erklingt deshalb seit Jahr und Tag vor jeder Runde die großartige Hymne "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss.


Ein erfolgreiches Team: Ruslan Ponomarjow (links) und Zahar Efimenko

Den weitesten Weg aller Figurenkünstler musste Neuling Le Quang Liem aus Vietnam zurücklegen. Der 19-jährige Großmeister wird bei der Dortmund-Premiere von seiner Mutter begleitet. Die kürzeste Strecke zum Arbeitsplatz auf der Schachbühne hat natürlich Lokalmatador Arkadij Naiditsch. Gleichwohl: Noch wenige Tage zuvor spielte er in Griechenland bei der dortigen Mannschaftsmeisterschaft. Arkadij braucht folglich kein "warm up" für das Chess-Meeting, dachte manch einer seiner Anhänger. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Zwei Siege und ein Überraschungs-Remis

Schon der erste Spieltag im Schauspielhaus war sehr spannend und zeigte, dass es in diesem Jahr im Revier munter zur Sache geht. Die Auftaktrunde brachte zwei Siegpartien, die nicht unbedingt erwartet wurden. Von Beginn des 38. Sparkassen Chess-Meetings an bieten die Großmeister hier couragiertes Schach und kämpfen ihre Spiele voll aus. Das liegt ganz sicher auch an der verschärften Remis-Regelung á la Sofia, die es den Spielern untersagt, allzu früh die Friedenspfeife zu rauchen und sie verpflichtet, das Unentschieden nur über den Schiedsrichter zu beantragen.

Das bisher längste Duell lieferten sich Wladimir Kramnik und Le Quang Liem. Nach mehr als sechs Stunden hatte der Neuling aus Vietnam mit Schwarz in einem Damengambit ein überraschendes Remis gegen den russischen Exweltmeister geschafft. "Ich habe alles versucht und Druck gemacht, aber mein Gegner spielte ganz genau und verteidigte sich sehr gut", lobte der Dortmund-Seriensieger den beherzten Auftritt des 19-jährigen Talents.


Wladimir Kramnik gegen Le Quang Liem

Den ersten Sieg des Turniers feierte Shakryar Mamedjarow. Der Großmeister aus Aserbaidschan gewann gegen den Dortmunder Arkadij Naiditsch nach 47 Zügen. In der Sizilianischen Partie hatte die deutsche Nr. 1 mit Weiß eine scharfe Variante gewählt, aber danach nicht die besten Züge ausgeführt. Mamedjarow konnte deshalb in ein günstiges Endspiel überleiten, das ihm den vollen Punkt einbrachte.


Arkadij Naiditsch gegen Shakryar Mamedyarow

Einen harten Kampf lieferten sich Ruslan Ponomarjow und Peter Leko. Der ukrainische Exweltmeister überraschte den Ungarn mit der Schottischen Partie. Leko brachte dann in der Eröffnung zwar einen neuen Turmzug, verlor aber später den Spielfaden. Im 17. Zug wurden die Damen getauscht, was Ponomarjow hinterher als Fehler von Schwarz einschätzte."Peter hätte das besser nicht tun sollen, weil mein König in der Brettmitte unsicher stand. Als die Damen vom Brett verschwunden waren, war meine Position schon etwas besser."


Ruslan Ponomariov gegen Peter Leko

Den entscheidenden Fehler beging Leko dann mit seinem riskanten Bauernvorstoß a5 am Damenflügel. Danach erhielt Ponomarjow einen starken Freibauern auf der a-Linie, der nicht mehr zu stoppen war. Leko wehrte sich verzweifelt, musste aber nach fünf Stunden kapitulieren. Nach seinem Punktgewinn sagte Ponomarjow tags darauf gut gelaunt beim Frühstück im Spielerhotel: "Ein gelungener Start, so kann es weiter gehen. Ich freue mich auf die nächste Partie."

Ponomarjow gewinnt Duell der Exweltmeister

Ruslan Ponomarjows Gegner in Runde 2 war am Freitag kein Geringerer als der Topfavorit Wladimir Kramnik. Der 35-jährige Turniersenior hatte Schwarz und die lange Partie vom Abend davor gegen den Vietnamesen Le Quang Liem noch in den Knochen. Würde sich das auswirken? Wer das vermutete, lag richtig.


Ponomarjow erwischte Kramnik auf dem falschen Fuß

Ponomarjow eröffnete mit 1.d4, und sie spielten Damenindisch (Bogoljubow-Variante). Mit 10…Dc8?! leistete sich Kramnik eine Ungenauigkeit, die Ponomarjow in der Folge entschlossen ausnutzte. Der normale Zug an dieser Stelle ist nach Auskunft von Ruslans Sekundanten Zahar Efimenko 10… Sfd7.

"Ich entwickelte nach dem schwachen Textzug von Schwarz meine Figuren weiter und bemühte mich um aktives Spiel", sagte Ponomarjow hinterher im Pressezentrum. Nach 17…Dd8? (statt 17…Ld8) kam Kramnik noch mehr ins Hintertreffen, so dass der Ukrainer den Angriffsdruck mehr und mehr verstärken konnte. Im 36. Zug kapitulierte der neunfache Sieger von Dortmund. Ruslan Ponomarjow war sichtlich zufrieden und konstatierte: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach zwei Runden mit 2,0 Punkten in Führung liegen würde, zumal ich gegen die beiden erfahrensten Spieler des Feldes gewonnen habe." Aber er ruderte sofort zurück und verwies darauf, dass das Turnier noch lang sei und er in der Rückrunde gegen Kramnik und Leko Schwarz hat. Da könne noch viel passieren. Und Mamedjarow sei ja auch noch da und immer ein sehr gefährlicher Gegner.


Immer gefährlich: Shakryar Mamedyarow

Am Nachbartisch trennten sich unterdessen Le Quang Liem und Arkadij Naiditsch in einem Damengambit remis. Der Vietnamese hatte lange Zeit eine vorteilhafte Stellung, ließ den Dortmunder aber am Ende ins Dauerschach entschlüpfen. Die längste Partie der zweiten Runde spielten Peter Leko und Shakryar Mamedjarow. Der Ungar wollte nach seiner Niederlage gegen Ponomarjow ins Turnier zurück und die Königsindische Verteidigung des Mannes aus Baku knacken. Peter war auf einem guten Weg dorthin, hatte eine vorzügliche Angriffsstellung und einen Mehrbauern, aber leistete sich mit 35. Tc7 ein ungenaues Turmmanöver. Danach konnte Mamedjarow seinen Kopf nochmal aus der Schlinge ziehen und sich ins Remis retten. Der Großmeister aus Szeged war nach dem viereinhalbstündigen Kampf erst einmal untröstlich.


Peter Leko leidet unter Startschwierigkeiten: Nach der Auftaktniederlage gegen Ruslan Ponomariov konnte er eine vorteilhafte Stellung gegen Mamedyarow nicht gewinnen.

In Runde 3 am Samstag spielen Kramnik - Leko, Naiditsch - Ponomarjow, Mamedjarow - Le Quang Liem.


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