Schach als Mittel zur Intelligenzforschung

von André Schulz
05.11.2020 – Ein Forscherteam aus Deutschland, den Niederlanden und den USA hat sich mit der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten beim Menschen beschäftigt und diese anhand von Schachturnierpartien bewertet. Ergebnis: Die kognitiven Fähigkeiten nehmen nur bis zu einem bestimmten Alter zu und heutige Schachspieler spielen besser als solche früherer Generationen. | Bild: Pixabay

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Ein Wissenschaftler-Team aus Deutschland, den Niederlanden und den USA hat sich mit der Erforschung der Entwicklung von Intelligenz beschäftigte und dazu die Ergebnisse von insgesamt 24.000 Schach-Turnierpartien aus den Jahren 1890 bis 2014 mit insgesamt 1,6 Millionen Zügen ausgewertet.

Die Forscher wollten herausfinden, ob und wie sich die kognitiven Fähigkeiten im Verlauf des Lebens der betreffenden Schachspieler entwickelt haben und wie der Vergleich früherer Schachspieler mit den heutigen ausfällt. 

In Deutschland war an dieser Studie Uwe Sunde, Professor für Bevölkerungsökonomie an der  Ludwig-Maximilians-Universität in München, beteiligt.  

Für die Studie bewerteten die Forscher die in den untersuchten Partien gespielten Züge mit der Hilfe von Computern und verglichen dann die Qualität der Züge von heutigen Spielern mit solchen früheren Schachspieler. 

Dabei kamen die Forscher zu folgenden Urteilen:

1. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen sind altersabhängig. Sie nehmen zunächst immer weiter zu und stagnieren ab einem gewissen Alter, um 35 Jahre herum.

2. Heute sind die Menschen - in ihren Leistungen beim Schachspiel -  im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen früherer Generationen leistungsfähiger. Das Spielniveau hat sich im Laufe des Untersuchungszeitraum von knapp 125 Jahren kontinuierlich erhöht.

Die Ergebnisse wurden kürzlich in den "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" (PNAS) veröffentlicht.

Professor Sunde wies selber auf eine Schwäche der Studie hin, die darin besteht, dass die meisten Schachspieler nur bis etwa zum 50sten Lebensjahr als Turnierspieler aktiv sind.

Eine weitere Schwäche besteht sicher auch darin, dass die Fähigkeit zum guten Schachspielen doch eine sehr spezielle Begabung ist. Gute Fähigkeiten auf dem Gebiet des Schachs lassen sich nicht unbedingt auf die kognitive Leistungsfähigkeit auf anderen Gebieten übertragen. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20sten Jahrhunderts war die Schachtheorie zudem kaum entwickelt. Tatsächlich hat erst der Computer die Erkenntnisse über das Schachspiel in den letzten 30 Jahren auf dramatische Weise vergrößert und das Spielniveau verbessert.

Artikel bei PNAS...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Rainbow66 Rainbow66 06.11.2020 12:21
Um zu erkennen, dass die kognitiven Fähigkeiten nur bis zu einem bestimmten Alter zunehmen und heutige Schachspieler besser spielen als solche früherer Generationen, hätte es m.E. nicht langwieriger Untersuchungen eines internationalen Forscherteams bedurft. Das ist dem Normalbürger auch ohne Studium klar.
Den Artikel bei PNAS muss man gesehen haben. Man beachte die Formeln und Diagramme. Das ist Wissenschaft vom Feinsten. ;-)
gambler1 gambler1 05.11.2020 10:45
Unsinn total. Mit steigender Intelligenz hat Schach nichts zu tun. Das ist allein die Entwicklung seit den 1850er Jahren und jetzt die technologische Revolution, die das Hirn natürlich befeuert. Suche hat früher in Informatoren Tage, Wochen gedauert...und jetzt hat man in Sekundenbruchteilen vergleichbare Stellungen. Taktiktraining geht 1000x schneller. Und zudem die entwickelte Theorie. Wenn man etwa Berger´s Endspiel-Analysen der 1880er Jahre betrachtet; dann hoher Respeckt vor den Alten.
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