Schach als Wintersport

13.11.2007 – Der Wintereinbruch im Süden Deutschlands überraschte auch viele Schachfreude, die nach Bad Wiessee unterwegs waren. Wegen Staus und Schneeglätte kamen zahlreiche Teilnehmer erst verspätete beim Turnier an und fordeten vom Veranstalter das ganze Können in puncto Organisationsgeschick. Nach drei Runden weisen noch zahlreiche Spieler die Maximalpunktzahl auf, darunter auch die Jungnationalspieler David Baramidze und Rainer Buhmann, aber auch der alte Haudegen Klaus Bischoff. Gerald Hertneck liefert in Reportagen und Interviews ein Stimmungsbild aus dem Tegernseer Tal, wo Schach im Moment eine Wintersport-Disziplin ist. Turnierseite...Berichte, Bilder, Partien...

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11. Offene Internationale Bayerische Schach Meisterschaft
10. - 18. November 2007

Partienauswahl der ersten drei Runden (cbv)...


Rundenbericht der Runde 2
von Gerald Hertneck


Am heutigen Sonntag atmeten erst einmal alle Organisatoren des Turniers von Bad Wiessee kräftig durch, nachdem der Stress der ersten Runde vorbei war. Bedingt durch den plötzlichen Wintereinbruch im bayerischen Oberland wurde die Anreise vieler Teilnehmer erschwert und es hagelte kurzfristige Absagen. Die Schiedsrichter Krause und Brugger meisterten die Situation jedoch souverän.

Nun bleibt also genug Zeit, sich die Stars des Turniers ein bisschen näher anzusehen. Manchem ist bisher vielleicht entgangen, dass eine lebende Schachlegende in Bad Wiessee am Brett sitzt, und zwar der stets bescheidene und zurückhaltende Schwede Ulf Andersson. Mit einem Alter von 56 Jahren ist er zugleich der älteste Spieler in der Spitzengruppe. Man erinnert sich noch gut, wie Ulf in den 80er und 90er Jahren zur Weltelite zählte, und durch sein Positionsspiel und seine Endspielleistungen glänzte. Seine beste Platzierung in der Weltrangliste erreichte er 1983 mit dem 3. Platz hinter Kasparow und Karpow. Heutzutage ist es etwas ruhiger um ihn geworden und seine Elozahl liegt nur noch bei 2528 Punkten. Leider hat Ulf nach der heutigen Runde über Erschöpfung geklagt, und für den morgigen Tag um eine spielfreie Runde gebeten.

Ebenfalls über 50 Jahre alt ist der ukrainische Großmeister Eingorn, der unzählige Male in Bad Wiessee teilgenommen hat.


Eingorn

Mit seiner stolzen Elozahl von 2576 dürfte er ein weiterer Anwärter für eine Platzierung in den Preisrängen sein.

Werfen wir nun einen Blick auf die jüngsten Teilnehmer in die Spitzengruppe. Hier hat der 19-jährige deutsche Hoffnungsträger David Baramidze mit einer Elozahl von 2569 den besten Alters-/Elo-Koeffizienten.


David Baramidze

Dicht auf den Fersen ist ihm der 20-jährige Georg Meier mit einer Elozahl von 2558. Wobei zu hoffen bleibt, dass er seine schmerzliche Niederlage in der letzten Runde der Jugendweltmeisterschaft in Eriwan bereits verdaut hat. Natürlich gibt es noch viele weitere junge Talente im Turnier, wie zum Beispiel den Israeli Postny, den Griechen Halkias und den 22-jährigen Aserbeidschaner Mamedov, der hierzulande bisher eher unbekannt ist, da er in keinem Bundesligaverein spielt.

Die stärkste Spitzengruppe stellt mit Abstand der Bundesligaverein TV Tegernsee, und zwar mit den Großmeistern Khenkin, Bischoff und Teske sowie den Internationalen Meistern Bromberger und Pezerovic. Es wäre gelacht, wenn da nicht wenigstens ein Medaillenplatz herausspringen würde! Enttäuscht äußerte sich allerdings bereits Stefan Bromberger nach seinem gestrigen Überraschungsremis gegen einen 500 Punkte schwächeren Gegner. Damit dürfte wohl bereits die Chance auf letzte noch benötigte Großmeisternorm futsch sein, denn in den großen Teilnehmerfeld wird er den benötigten Eloschnitt kaum noch herbekommen. So grausam kann Schach sein!



Rainer Buhmann


Mamedov


* * * Schachszene im Fokus

Aus Sicht eines Schachspielers ist ein Schachturnier eine Veranstaltung, die optimale Rahmenbedingungen bieten sollte, und um deren Organisation und Finanzierung man sich keine Gedanken machen muss. Die wichtigste Aufgabe eines Spielers besteht in der Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner sowie natürlich auf einen erfolgreichen Turnierabschluss, der durch möglichst viele Siege gewährleistet wird. So verhielt es sich auch jahrelang für den Autor dieser Zeilen, der mehr als 20 Jahre lang auf vielen Turnieren und Meisterschaften weltweit zu Gast war. Doch nun haben sich die Zeiten geändert, aus dem ehemaligen aktiven Turnierspieler ist ein Beobachter der Schachszene geworden, der eine aktive Rolle in der Turnierberichterstattung übernommen hat. In den nächsten Tagen werden daher in einer Gesprächsreihe die wichtigsten Akteure portraitiert, die Jahr für Jahr zum Gelingen der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft in Bad Wiessee beitragen.

Heute im Portrait: Turnierausrichter Kurt Geiss
im Gespräch mit Großmeister G. Hertneck

Herr Geiss, wann haben Sie die Organisation des Bad Wiesseer Turniers übernommen, die zuvor der Turniergründer Horst Leckner innehatte?

Diese Aufgabe habe ich vor 5 Jahren übernommen. Davor habe ich das Turnier lediglich als Caterer und Hotelier unterstützt, wobei meine Frau an der Turniertheke wertvolle Dienste geleistet hat. Am Anfang war die Organisation des Turniers für mich totales Neuland, und meine wichtigste Aufgabe bestand darin, ein schlagkräftiges Team zu bilden, in dem jeder seine Aufgabe erfüllt.

Da stellt sich natürlich sofort die Frage, wie Sie diese Herausforderung gemeistert haben, denn die Schachwelt hat ja ihre eigenen Gesetze.


Ganz so schwer war es für mich nicht, weil ich langjährige Erfahrung in der Organisation der verschiedensten Veranstaltungen habe. Wie bereits gesagt, war es das wichtigste, die vielen Aufgaben, die mit der Organisation eines Schachturniers verbunden sind, optimal zu verteilen. Hier muss man als wichtigsten Partner die Tourist Information von Bad Wiessee unter Leitung von Hr. Rie und die tatkräftige Unterstützung durch Fr. Wolff und Kolleginnen nennen. Die Bearbeitung der Anmeldungen und die Hotelbuchung läuft zum Beispiel komplett über die Tourist Information. Auch die technische Unterstützung im Turnierbüro wird durch die Tourist Information hervorragend gewährleistet. Überhaupt wäre das Turnier ohne den Einsatz von Computertechnik in dieser Qualität nicht möglich.

In schachlicher Hinsicht hat sich in früheren Jahren der Hauptschiedsrichter Herr Willi Knebel sehr stark eingebracht. Leider ist dieser engagierte Schachfreund aus Essen-Katernberg in diesem Jahr einen verfrühten Tod gestorben. In diesem Zusammenhang ist auch Großmeister Henrik Teske zu danken, der in den letzten Jahren die Pressearbeit, die Kommentierung, das Bulletin und zum Teil auch die Partieneingabe übernommen hat, und wirklich sehr viel beigetragen hat.

Also um ein Resümee zu ziehen: entscheidend für das gute Gelingen eines Turniers ist die Vorarbeit. Wenn man an dieser Stelle etwas verpatzt, lässt es sich bei laufendem Turnier nur noch schwer ausbügeln. Zum Beispiel hatten wir vor Jahren große Probleme mit dem früheren Turnierausstatter.

Die letzte Bemerkung verführt zu der Frage, was die Ursachen für die Anlaufprobleme in diesem Jahr waren.

Das Hauptproblem war der Wintereinbruch am Freitag und Samstag. Zum Beispiel standen viele der Teilnehmer nach einem Unfall bei Holzkirchen stundenlang im Stau. Viele Österreicher haben wegen der chaotischen Verkehrsverhältnisse ihre Teilnahme ganz absagen müssen. Dies war natürlich traurig für mich, weil wir heuer auf liebgewonnene Stammgäste verzichten müssen.
Somit mussten wir den Anmeldeschluss von 13:00 auf 15:00 Uhr verschieben, und einige Teilnehmer kamen gar erst um 16:00 Uhr an, sodass es Probleme mit der Auslosung gab. Glücklicherweise konnte diese kritische Situation durch unser erfahrenes Schiedsrichterteam Christian Krause und Hans Brugger gemeistert werden. Immerhin konnte das Turnier dann doch noch um 16:30 Uhr einigermaßen pünktlich starten. Die Teilnehmerzahl ist allerdings aufgrund der vielen kurzfristigen Absagen auf 416 gesunken, während wir zuvor bereits etwa 460 Anmeldungen verzeichnet hatten.

Noch mal zurück zum Thema Organisation. Wer sind die neben den Spielern die wichtigsten Akteure in einem Schachturnier?

Nun ja neben dem Cheforganisator die Sponsoren, die Schiedsrichter, das Turnierbüro und vor allem die Gemeindeverwaltung, mit der ich Hand in Hand arbeite, und ohne die das Turnier zu wenig Fachkräfte in der Organisation hätte. Außerdem der Webmaster der Internet Plattform - Hr. Otto Färber ebenfalls von der Tourist Information - und nicht zu vergessen der Turnierausstatter. Hier haben wir mit Hr. Jehle von der Fa. Chessware eine optimale Unterstützung gefunden. Man bedenke, bei 500 Teilnehmern benötigt man mindestens 250 Bretter und Figurensätze sowie Schachuhren.

Wie wirkt denn eigentlich die Schachwelt mit ihren Eigenarten auf Sie? Ist die Schachszene für einen normalen Menschen nicht sehr gewöhnungsbedürftig?

Sehr gut gefällt mir an der Schachwelt die große Altersspanne auf dem Turnier– diesen Generationenunterschied kann man in keiner anderen Sportart beobachten. Außerdem finde ich es faszinierend, wenn starke Jugendliche schon sehr viel können, und zum Teil sogar gegen Großmeister gewinnen. Schachspieler sind generell sehr kopfgesteuert, was natürlich angesichts der Materie kein Wunder ist. Bei manchen habe ich auch das Gefühl, dass sie im Schach so aufgehen, dass in der Außenwelt einiges an ihnen vorbei geht. Aber das ist ein allgemeines Spezialistenproblem. Wir haben im Tegernseer Tal oft Tagungen und Kongresse verschiedener Berufsgruppen, zum Beispiel aus der Medizin- oder Versicherungs- und Bankenbranche. In diesem Jahr hatten wir auch eine große Veranstaltung mit Professoren aus ganz Deutschland. Wenn so viele spezialisierte Menschen auf einem Fleck anzutreffen sind, fällt mir immer wieder auf, dass jede Berufsgruppe ihre Eigenarten hat. Das fängt zum Beispiel mit der Sprache an. Aber das trifft ja auch auf meine eigene Berufsgruppe, die der Gastwirte zu, die zum Beispiel eine sehr direkte Ansprache haben (lacht).

Diese Bemerkung führt mich zu Bitte, Ihren beruflichen Schwerpunkt zu schildern.


Ich bin seit 40 Jahren Gastwirt und Hotelier. In Bad Wiessee führe ich das Hotel zur Post und in Tegernsee das Hotel Guggemos. Ich war auch mal Kreisvorsitzender im Gaststättenverband. Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich relativ spät aufstehe, aber dann bis in die Nacht arbeite. Meistens komme ich dann erst nach 1:00 Uhr ins Bett. Trotzdem versuche ich, meine Arbeit entspannt anzugehen, und mich nicht stressen zu lassen.

Da stellt sich natürlich auch die Frage, wie Sie mit kritischen Situationen umgehen, zum Beispiel wenn es Störungen im Turnierablauf gibt.


Als Organisator des Turniers ist es meine Aufgabe, Probleme alle Art zu lösen, und zum Beispiel Störenfriede notfalls des Turniers zu verweisen. Ich erinnere mich an einen Fall aus den Anfangsjahren, als wir einen Spieler mit psychischen Problemen aus dem Turnier ausschließen mussten, und sogar die Polizei geholt haben. Es hat sich dann herausgestellt, dass dieser Schachspieler auf „Urlaub von der Psychiatrie“ war, und seine Medikamente nicht mehr nahm, was zu einem auffälligen Verhalten geführt hat. Da musste ich natürlich einschreiten.

Abschlussfrage: Was war ihr schönstes Erlebnis als Turnierorganisator in den letzten 5 Jahren?

Wie ich schon gesagt habe, am meisten freut es mich, wenn junge Spieler gegen einen Großmeister gewinnen oder besondere Turniererfolge erzielen. Es ist für mich immer schön zu sehen, wenn ein junger Mensch sich darauf konzentriert Leistungen zu erbringen, statt unter dem Schutzmantel der Eltern ein bequemes Leben zu führen. Leider beobachte ich allzu oft, dass unsere Jugendlichen mit dem Eintritt in die Pubertät andere Interessen entwickeln, und eher materiell orientiert sind. Da muss dann schon mit 18 der Führerschein und ein Auto her, damit man im Freundeskreis dazugehört. Diese Orientierung ist zwar einerseits verständlich, auf der anderen Seite würde ich mir wünschen, dass die geistigen Interessen nicht zu kurz kommen. In anderen Teilen der Welt, vor allem im Osten sind die Verhältnisse noch ganz anders. Zum einen gibt es dort oft eine staatliche oder halbstaatliche Förderung junger Sportler, zum anderen sind die Menschen nicht so wohlhabend, und es ist für die Jungen ein großer Anreiz über sportliche Erfolge ins Ausland zu reisen. Meiner Meinung nach ist deshalb die Leistungsorientierung dort höher als im Westen.

Herr Geiss, ich danke Ihnen für das Gespräch.


Rundenbericht der Runde 3
von Gerald Hertneck

Nach den ersten beiden Runden haben sich die Nebel etwas gelichtet. Die Spitzengruppe der Spieler mit 2 Punkten besteht noch aus 34 Brettern, wobei sich die Favoriten bisher erwartungsgemäß durchgesetzt haben. Umgekehrt gibt es am Tabellenende noch 36 Bretter mit Spielern, die bisher keine Partie gewonnen haben. Das mathematische Gesetz der Normalverteilung scheint also in der Praxis bestens zu funktionieren.


Esswein

Gleich zu Beginn des Turniers fiel dem Berichterstatter auf, dass eine große Gruppe von Schachspielern aus Singapur mit Kind und Kegel angereist ist. Man fragt sich unwillkürlich, welche Absicht dahintersteht. Freundlicherweise beantwortete der Delegationsleiter Herr Watson Tay die an ihn gerichteten Fragen äußerst zuvorkommend.

Die Gruppe besteht aus neun aktiven Spielern (er nennt sie Schachstudenten), die zwischen 10 und 14 Jahren alt sind. Bereits im letzten Jahr nahmen drei „Studenten“ an dem Turnier teil, und es hat ihnen so gut gefallen, dass heuer die Abordnung verstärkt wurde. Die Wertungszahl der Spieler liegt zwischen 1900 und 2200 Elo, wobei Herr Tay darauf hinweist, dass die Jugendlichen auch schon Spieler geschlagen haben, die 200 Punkte stärker waren. Allgemein entwickeln sich die „Studenten“ sehr gut. An dem Turnier gefällt den Vertretern aus Singapur vor allem die gute Organisation und das starke Teilnehmerfeld. Damit sich die Kinder besser entwickeln, hat Herr Tay mit dem in Israel wohnhaften Großmeister Boris Alterman einen starken Schachtrainer engagiert. Damit hat sich GM Alterman in die wachsende Riege der Großmeister eingereiht, die sich mehr auf Schachtraining als auf aktives Turnierspiel verlegen. Da bleibt zu wünschen, dass die Jungs aus Singapur so erfolgreich abschneiden, wie dies von Ihnen erwartet wird!

Ein besonderes Lob geht heute an Turnierinitiator Horst Leckner, der Tag für Tag mit eisernem Willen alle Partien der ersten 50 Tische in Chessbase eingibt, und so der Nachwelt hinterlässt.

In der dritten Runde mussten erstmals einige Spitzenspieler Federn lassen, d.h. sich mit Remis begnügen. Darunter befinden sich so prominente Namen wie Igor Khenikin, Vereslav Eingorn, Michael Prusikhin, Alexander Naumann, Henrik Teske und Sebastian Siebrecht.

Die Tegernseer schlagen sich bisher sehr gut: Bischoff und Pezerovic haben noch eine weiße Weste, Khenkin, Teske und Bromberger liegen mit 2,5 Punkten in Lauerstellung.

Insgesamt läuft das Turnier bisher trotz des unerwarteten Wintereinbruchs sehr harmonisch ab. Das Turnierflair und die Spielbedingungen wie in Bad Wiessee gibt es eben nicht alle Tage!


Kadziolka


* * * Schachszene im Fokus

Aus Sicht eines Schachspielers ist ein Schachturnier eine Veranstaltung, die optimale Rahmenbedingungen bieten sollte, und um deren Organisation und Finanzierung man sich keine Gedanken machen muss. Die wichtigste Aufgabe eines Spielers besteht in der Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner sowie natürlich auf einen erfolgreichen Turnierabschluss, der durch möglichst viele Siege gewährleistet wird. So verhielt es sich auch jahrelang für den Autor dieser Zeilen, der mehr als 20 Jahre lang auf vielen Turnieren und Meisterschaften weltweit zu Gast war. Doch nun haben sich die Zeiten geändert, aus dem ehemaligen aktiven Turnierspieler ist ein Beobachter der Schachszene geworden, der eine aktive Rolle in der Turnierberichterstattung übernommen hat. In den nächsten Tagen werden daher in einer Gesprächsreihe die wichtigsten Akteure portraitiert, die Jahr für Jahr zum Gelingen der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft in Bad Wiessee beitragen.

Heute im Portrait: Herr Rie, Leiter der Tourist Information Bad Wiessee sowie seine Assistentin Frau Wolff
im Gespräch mit Großmeister G. Hertneck

Herr Rie, wie kam es dazu, dass die Tourist Information die Aufgabe des Veranstalters übernommen hat?

Dies ergab sich im Jahr 2002 mit dem berufsbedingten Rückzug des Turnierinitiators Horst Leckner. Es musste dringend ein Ersatz gefunden werden, und da sind wir und Herr Geiß eingesprungen. Zuvor war die Tourist Information als Mitveranstalter verantwortlich für Zimmervermittlung, Marketing und Pressearbeit sowie vor Ort unterstützend tätig. Das Turnier wurde von Anfang an sehr gut angenommen, und hat schon im ersten Jahr etwa 250 Teilnehmer angezogen.

Die Wandelhalle in Bad Wiessee ist ja für das Turnier ideal geeignet. Zu welchen Konditionen stellen Sie die Halle denn zur Verfügung?

Die Gemeinde Bad Wiessee ist Pächter der Wandelhalle und stellt diese für die Dauer des Turniers kostenlos zur Verfügung.

Und welche Aufgaben übernimmt die Tourist Information im Rahmen des Turniers?

Es ist ein unglaublich vielfältiges Aufgabenspektrum. Zu nennen wären hier unter anderem Erstellung und Versand der Turnierausschreibung, Marketing, Pressekonferenz, Aufbau der Tische und Stühle, Dekoration der Wandelhalle, Bearbeitung der Anmeldungen, Vermittlung von Zimmern, Pflege der Homepage, Kontakt mit dem deutschen Schachbund zur Förderung von Kaderspielern, Konditionen für Großmeister und so weiter und so fort. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt natürlich auch die Arbeit vor Ort ein, wobei ich mir hier wünschen würde, dass wir mehr Unterstützung (Turnierhelfer) von der lokalen Schachszene, also zum Beispiel vom Schachclub TV Tegernsee hätten. Wenn man Bilanz über all die Arbeit zieht, die mit dem Turnier verbunden ist, dann sieht man erst, wie viel die Familie Leckner in früheren Jahren geleistet hat.

Wie ist es überhaupt möglich, dass Sie die Unterstützung in diesem Umfang leisten können?

Das funktioniert in der Praxis nur, weil mir ein tatkräftiges Team (für die Anmeldung vor allem Fr. Wolff) und einen Gastronom und Ausrichter wie Kurt Geiss an der Seite haben, auf das man sich in jeder Beziehung verlassen kann.

Wird das Turnier auch von der lokalen Politik unterstützt?

Die Unterstützung sowohl seitens der Gemeinden als auch des Landkreises ist mit Sicherheit sehr gut. Der 1. Bürgermeister Herbert Fischhaber und Landrat Norbert Kerkel sind ja immer auf der Eröffnungsveranstaltung präsent und halten Begrüßungsreden. Die Gemeinde hat natürlich ein vitales Interesse an dem Turnier, da je nach Anmeldungen zwischen 4.000 und 5.000 Übernachtungen jährlich gebucht werden. Allgemein muss man sagen, dass das Tegernseer Tal stark touristisch geprägt ist, und dass es unsere Aufgabe ist, mit diversen Veranstaltungen den Tourismus anzukurbeln.

Welche Großveranstaltungen bieten Sie denn außerhalb des Turniers an?

Da wäre unter anderem zu nennen der Konzertsommer, das Seefest, das Bluesfestival, Veranstaltungen im Radsport, und heuer sind wir auch zum ersten Mal mit dem BMW Sailing Cup in ein neues Segment eingestiegen. Das Highlight ist aber die jährliche Montgolfiade, an der 50 Mannschaften teilnehmen, und die über 4 Tage insgesamt 15.000 Besucher anzieht. Hinzu kommt natürlich noch eine Vielzahl von Kongressen und Tagungen. Doch auch im Schachbereich bieten wir nicht nur die Offene Internationale Bayerische Meisterschaft an, sondern haben bereits zwei Mal die Deutsche Seniorenmeisterschaft und heuer auch den Kongress des Deutschen Schachbunds zu Gast gehabt.

Wenn man sich all dies anhört, so stellt sich die Frage, mit wie viel Personal Sie all diese Veranstaltungen meistern...

Bei der Tourist Information sind etwa 15 Mitarbeiter beschäftigt. Wir organisieren aber nicht nur Veranstaltungen, sondern sind auch für den laufenden Betrieb des Badeparks, des Tennisparks, des Jodschwefelbads, des Orchesters, sowie die Zimmervermittlung und die meisten kulturellen Veranstaltungen verantwortlich. Angesichts all dieser Aufgaben und des damit verbundenen Personalaufwands begrüße ich es, dass Herr Leckner im nächsten Jahr nach seiner Pensionierung wieder mehr Verantwortung für das Turnier übernehmen möchte.

Wie kommt denn Fr. Wolff mit den vielfältigen Anforderungen im Tagesablauf des Turniers zurecht?

(Antwort von Fr. Wolff). Sehr gut, auch wenn es viel Arbeit ist, und ich in den neun Turniertagen bis in die Nacht arbeiten muss. In der Vorbereitung des Turniers, zum Beispiel bei der Bearbeitung der Anmeldungen und bei der Beantwortung der Anfragen greife ich auf weitere Ansprechpartner zurück, die sich mit den Internas besser auskennen, wie zum Beispiel Horst und Thomas Leckner. Im Internet- und Technikbereich werde ich sehr stark von Otto Färber unterstützt, der bei der Gemeinde Bad Wiessee arbeitet. In der heißen Phase des Turniers sind wir mit drei bis vier Mitarbeiter/innen in die Organisation eingebunden.

Herr Rie, Sehen Sie die Zukunft des Turniers in den nächsten Jahren gesichert?

Dies hängt in erster Linie vom Engagement des Hauptsponsors, der Kreissparkasse Miesbach Tegernsee ab. Hier erhalten wir mit Herrn Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme und Herrn Horst Leckner ja ideale Kooperationspartner gefunden. Allgemein sehe ich das Sponsoring von kleineren Veranstaltungen etwas in der Krise, da sich die großen Sponsoren auf die zugkräftigen und medienwirksamen Veranstaltungen konzentrieren, und für die kleineren Events zu wenig Förderung abfällt. In organisatorischer Hinsicht sehe ich wenig Probleme, solange die Aufgabenverteilung funktioniert. Ich denke also, das Turnier ist in den nächsten Jahren ungefährdet.

Wäre nicht auch das Spielcasino ein idealer Kooperationspartner?

Das wäre sicherlich denkbar. Das Spielcasino, das nebenbei gesagt, das umsatzstärkste in ganz Bayern ist, unterstützt bereits verschiedene Events, aber Schach war bisher noch kein Thema. Es bestehen allerdings Planungen, im nächsten Jahr während des Turniers enger mit dem Casino zusammen zu arbeiten.

Wäre es eventuell auch denkbar, das Turnier auf eine freundlichere Jahreszeit zu verlegen?

Die Lage im Oktober oder November hat sich seinerzeit so ergeben, dass es vor dem Start der Schachbundesliga gelegt wurde. Außerdem führt dies zu einer verlängerten Nachsaison im Tegernseer Tal, was aus Sicht der Gemeinde ein starker Anreiz ist. Ich muss auch darauf hinweisen, dass ein Teil unserer Hoteliers für Großmeister freie Unterkunft bietet, was in der Hauptsaison nicht möglich wäre. Insofern bin ich skeptisch, dass das Turnier in eine andere Jahreszeit verlegt wird.

Wie beurteilen Sie denn allgemein die Entwicklung des Tourismus im Tegernseer Tal?

Ich denke, neben den genannten Groß- und Kleinveranstaltungen profitieren wir sehr stark von der Nähe zum Großraum München. In letzter Zeit beobachten wir, dass viel internationaleres Publikum als früher Urlaub am Tegernsee macht. Und bei den großen Münchener Messen profitieren wir sehr stark bei den Übernachtungen, da wir wesentlich günstigere Konditionen bieten als die Münchener Hotels. In der nächsten Woche stellen wir einen 27 Meter hohen Christbaum auf dem Münchener Marienplatz auf, nachdem wir von der Stadt den Zuschlag erhalten haben, dies bringt uns als Naherholungsgebiet einen guten Namen.

Und wie stellt sich das Tegernseer Tal in Sachen Wintersport auf?

Wir würden uns sicher nicht als offensive Wintersportregion bezeichnen. Wir bieten aber geräumte Winterwanderwege, Langlaufloipen, die Naturrodelbahn auf dem Wallberg, Pferdeschlittenfahrten und so fort. Auch die Meisterschaften im Snowboardfahren haben schon in Bad Wiessee stattgefunden.

Herr Rie und Frau Wolff, ich bin beeindruckt von Ihren zahlreichen Aktivitäten und danke Ihnen für das Gespräch.



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