Schach auf dem Vulkan

15.07.2008 – Der Ort Alajuela ist im internationalen Schachkalender bisher noch nicht besonders aufgefallen. Doch vielleicht ändert sich das nun. Einer der besten Schachspieler Costa Ricas, Bernal González, lud zum Open in die zweitgrößte Stadt seines Landes, die sich in einem der größten Vulkangebiete der Welt befindet. In unmittelbarer Nähe faucht der 2754 m hohe Poás, in dessen Krater sich einer der sauersten Kraterseen der Welt gebildet hat. Durch gute Konditionen und ein ansehnliches Preisgeld ließen sich auch ein paar europäische Großmeister nach Costa Rica locken, das einst die "Schweiz Mittelamerikas" genannt wurde. Aber auch der absolute Star der Schachszene Costa Ricas und ganz Mittelamerikas, Alejandro Ramirez, ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Sergey Tiviakov und Bernal González haben das Geschehen in Bildern fest gehalten.Turnierseite...Costa Rica...

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Schach in Alajuela
Von Sergey Tiviakov, Bernal Gonzalez (Bilder) und André Schulz (Text)

Alajuela ist die zweitgrößte Stadt des Landes, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt unweit von San José, der Hauptstadt  von Costa Rica, in nordwestlicher Richtung. Gegründet wurde die Stadt am Fuße des Vulkans Poás im Jahr 1782 im Zuge eines Kirchenneubaus und blickt heute auf etwa 47.000 Einwohner (2005).

Der erste Europäer, der den Boden Costa Ricas betrat, war Christoph Kolumbus, der auf seiner vierten "Indien"-Fahrt am 18.September 1502, auf Insel Uvita nahe der Küste landete und danach eine Erkundungsfahrten die Küste entlang unternahm. Kolumbus nannte die Küste angesichts einiger Indios mit Goldschmuck und in der Hoffnung auf reiche Bodenschätze "Costa Rica y Castillo de Oro („Reiche Küste und Goldene Burg“). Die Wünsche nach Gold erfüllten sich zwar nicht, aber der Name "Costa Rica" blieb.

In den Jahren 1519-23 begann die allmähliche Inbesitznahme des Landes durch die Spanier mit einer Reihe von Expeditionen von Panama aus, nach 1560 die systematische Kolonisation. 1564 wurde die erste Hauptstadt Cartago gegründet. Während die neuen Herren im zentralen Hochland zügig Fuß fassten, wurde die Kolonisation an der Küste durch viele Freibeuter-Angriffe erschwert. Bis ins 18.Jahrhundert gab es zudem zahlreiche Aufstände der Indios, die von den spanischen  Konquistadoren blutig niedergeworfen wurden. Seit 1540 gehörte Costa Rica zu Guatemala und wurde zusammen mit diesem 1821 von Spanien unabhängig.

Danach gehörte das Land bis 1823 zum Kaiserreich Mexiko, dann zur zentralamerikanischen Föderation. 1844 gab sich Costa Rica eine eigene Verfassung und wurde vier Jahre später endgültig selbstständig. 1855-1857 musste sich der junge Staat einer Freibeuter-Invasion erwehren, die vom amerikanischen Arzt und Abenteurer William Walker angeführt wurde. Zuvor hatte Walker bereits Nicaragua erobert und sich dort zum Präsidenten erklärt. Mit Unterstützung des Vanderbilt-Konsortiums wurden die Angriffe Walkers und seiner Söldner vom damaligen Präsidenten Mora zurückgewiesen. Held einer Schlacht am Fluss Rivas (1856) war der in Alajuela geborene Juan Santamaría. Er kam beim Versuch, eine Verschanzung der Walker-Truppen in Brand zu setzten, ums Leben und wird von den Costaricanern als Nationalheld verehrt. In Alajuela erinnert ein Bronzedenkmal an den Kämpfer. Ein Geschichtsmuseum wurde ebenso wie der nahegelegene internationale Flughafen nach dem unglücklichen Helden benannt. Der 11. April ist zudem "Juan Santamaría Day".


Santamaria mit der Brandfackel in der Hand

Die US-Armee nahm Walker gefangen und brachte ihn in die USA zurück. In der zweiten Hälfte des 19.Jh. verbesserte sich die wirtschaftliche Situation Costa Ricas, die sich bis dahin vor allem auf dem Kaffeeanbau gestützt hatte, durch vermehrten Bananenanbau. Der Kaffee blieb aber der Exportartikel Nummer Eins. Diese Zeit ist durch jahrelange Machtkämpfe der Kaffeebarone geprägt, bis es schließlich 1889 den ersten Wahlsieg einer Opposition mit anschließendem unblutigem Regierungswechsel gab. In den Vierziger Jahren des 20. Jh. brach einen weiterer Bürgerkrieg aus, der mit dem Sieg der Nationalen Befreiungsarmee endete. 1949 wurde das Militär abgeschafft. 1987 erhielt Präsident Oscar Arias Sánchez den Friedensnobelpreis. Nachdem das frühere Musterland Mittelamerikas durch Korruption und Misswirtschaft in jüngster Zeit in Schwierigkeiten gerate, trat Oscar Arias 2006 erneut bei den Präsidentschaftswahlen an und hat seitdem das Amt inne.

Der beste Schachspieler des Landes ist Alejandro Ramirez. Der heute 20-jährige aus der Hauptstadt San Josè lernte Schach mit vier Jahren, angeregt durch den Filim "Searching for Bobby Fischer".

Mit 13 Jahren war Ramirez bereits Internationaler Meister, mit 15 Jahren Großmeister und damit der erste Großmeister in Mittelamerika, der jüngste Großmeister Amerikas jener Zeit und der zweitjüngste der Welt. Bei der Schacholympiade in Bled 2002 machte er u.a. durch ein Remis gegen Alexander Morozevich auf sich aufmerksam. Durch Ramirez' Erfolge wuchs auch die Popularität des Schachs in Costa Rica.

Nach Ramirez sind sind IM Bernal González, IM Sergio Minero und IM Leonardo Valdés die stärksten Spieler des Landes. Ramirez studiert derzeit "University of Texas in Dallas (UTD) und hat seine Schachkarriere offenbar etwas zurück gestellt.

IM Bernal González ist auch der Direktor des "IV Torneo Internacional de Ajedrez" in Alajula.



Bernal González eröffnet das Turnier

Mit einem Preisfonds von  mehr als "10.000 dólares" schaffte er es, eine Reihe von europäischen Meistern nach Mittelamerika zu locken. Großmeister erhielten zudem Sonderkonditionen.


Mitkov


Mikhakevsky


Leyva


Tiviakov


Sagalchik


Campos (li.)


Vl. Georgiev

Der erste Preis war mit 2000 Dollar dotiert. Um das Turnier auch für die weniger starken Spieler attraktiv zu machen, waren zahlreiche Ratingpreise ausgeschrieben. Gespielt wurde vom 9. bis 13. Juli mit 9 Runden Schweizer System.


Shirly Trejores


Campos-Tiviakov

Die Turnierwebseite im Internet war ehrgeizig angelegt, besonders für eine lateinamerikanische Schach-Internetseite und bot sogar eine Liveübertragung an, die aber den Ereignissen vor Ort etwas hinterher hinkte und nur die ersten drei Runden zum Abruf bereit hält.


Der Präsident des Schachverbandes von Costa Rica


Klein gegen Groß


Lorena Zepeda


Die Spitzentische


Mütze hält den Kopf warm


Shirley Trejos (Elo 2060)

Sieger des Turniers wurde etwas überraschend keiner der Großmeister, sondern der Peruansiche IM Emilo Córdoba:


Cordova

Endstand:

# Título Nombre País Puntos
1. MI Emilio Córdoba Peru 8*
2. GM Tiviakov Sergei Holanda 7.5*
3. GM Sagalchik Gennadij USA 7.5*
4. MI Luis Manuel Pérez Cuba 7*
5. GM Reinaldo Vera Cuba 7*
6. GM Mitkov Nicola Macedonia 7*
7. MI Héctor Leiva El Salvador 7
8. MI Arias Mauricio Costa Rica 7*
9. MI Lemmis Arias El Salvador 7*
10. Sebastian Ruiz Costa Rica 7

Partienauswahl der ersten drei Runden...


Autogrammstunde


Ansturm auf die Autogrammgeber

Untergebracht waren die auswärtigen Spieler im Hotel Martino, das den Betrachter zum Kommen einlädt.

Das herausragende Bauwerk von Alajuela ist die 1854 erbaute auf Marmor fußende Kathedrale, die von der großen katholischen Gemeinde der Stadt bei täglichen Messen besucht werden kann.


Altar


Die Jungfrau Maria vor der Kathedrale

Die 1941 erbaute Kirche "Iglesia la Agonia" wurde im Barockstil gehalten.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt außerdem der "Central Park" ...

... und die Markthalle.

Besuch des Poás

Unweit der Stadt bietet Costa Rica dem Besucher eine atemberaubende Vulkanlandschaft.


Panorama bei Alajuela


Zufahrt zum Poás


Alles voller Dampf


Gleich hinter dem Hügel ist der Vulkan


Der Poás ist einer von mehreren Vulkanen Costa Ricas und hat eine Höhe von 2753 Metern. Im Hauptkrater, dem zweitgrößten Krater der Welt, hat sich ein See von 1300 Meter Durchmesser und 300 Meter Tiefe gebildet, der eine mit einem pH-Wert von weniger als 1 zu den sauersten Kraterseen der Welt gehört.


Krater an einem ruhigen Tag

Gelegentlich sorgt ausströmendes Gas für bis 200 Meter hoch aufsteigende Geysire.


Der vertrauenswürdige Aufstieg zur Aussichtsplattform


Sie sehen dies, wenn Sie etwas sehen können


Der Krater des Poás


Die Erdkugel atmet aus

 

Außer dem Hauptkrater gibt es zwei Nebenkrater, von denen einer überwachsen, der zweite ebenfalls mit Wasser ausgefüllt ist. Seit 1828 ist der Vulkan 39 mal ausgebrochen. In jüngerer Zeit war der Poás in den Jahren 1952-54 aktiv, eine kurze Zeit im Jahr 1989 und zuletzt rumorte der Poás 1994. Seitdem scheint er zu erlöschen. In der Nähe des Kraters wurde geschmolzenes Sulfur gefunden. Es ist weltweit die einziges Fundstelle dieser Art. An den Hängen des Vulkans wird u.a. Kaffee angebaut.

Im Poás-Nationalpark findet man die für den Regenwald einzigartige Flora und Fauna.




Das letzte Bild von Sergey Tiviakov, der sich hier neben eine große fleischfressende Pflanze gestellt hat.

Das größte Raubtier ist der Jaguar. Allerdings sind Begegnungen mit dem Poisen Arrow Frog (Färberfrosch, Pfeilgiftfrosch), der seine Farbe nahezu beliebig ändern kann, oder der Viper u.U. ebenfalls unangenehm.

 

 

 

 


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