Schach auf der Insel

07.02.2009 – Das Königtum Bahrain ist ein kleiner Inselstaat im Persischen Golf und im Jahre 2002 testete Vladimir Kramnik beim Kampf gegen Fritz hier sein Geschick im Kampf gegen die Maschine. Auch nach diesem Wettkampf, der in der ganzen Welt verfolgt wurde, blieben die Schachliebhaber in Bahrain aktiv. So fand Anfang des Jahres in Bahrain die zweite Arcapita International Chess Championship statt, ein stark besetztes Open in opulentem Rahmen. Großmeister Mikhail Golubev schickt einen Bericht und viele Bilder.Webseite des Schachclubs Bahrain...Zum Bericht...

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Erfolgreiches Arcapita Open

Text: GM Mikhail Golubev
Fotos: A. Jalil, S.M. Ayyad, Jaffar Ali und Jamal E. Abdulghaffar



Einleitend möchte ich mich bei den Organisatoren des Arcapita International Chess Championship bedanken, weil sie mich eingeladen zu haben, an diesem Turnier, das vom 24. Januar bis zum 2. Februar 2009 stattfand, teilzunehmen und darüber zu berichten.

Die meisten meiner Landsleute wissen beinahe nichts über dieses kleine, moderne Land, das Königreich Bahrain. Ein britischer Kollege von mir meinte, ich sollte meine Rundenberichte informell "Ein Ukrainer in Bahrain" nennen. (Exotischer als ein Engländer in New York). Aber da ein so bedeutender Wettkampf wie das Match Kramnik gegen Fritz hier im Jahre 2002 ausgetragen wurde, gehören die Schachspieler zu denen, die mit Sicherheit schon einmal von Bahrain gehört haben. (Wie wahrscheinlich auch die Formel 1 Fans, und, ja, in Bahrain haben sie auch die besten Pferde der Welt!).

Den Schachklub Bahrain gibt es erst seit drei Jahren, er hat kein festes Spiellokal und erhält keine staatlichen Zuwendungen. Dennoch wurde das Internationale Open hier bereits zum zweiten Mal organisiert. Dank des neuen Turniersponsors, der Arcapita Bank, war das Turnier dieses Jahr sehr viel stärker als das vorherige. Etwas weniger als 100 Spielern aus 20 Ländern nahmen teil, darunter 45 ausländische Spieler, unter denen 14 Großmeister waren.

Genau genommen fand das Turnier in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, statt. Aber da das Land klein ist (die Einwohnerzahl liegt wie in meiner Heimatstadt Odessa bei ungefähr einer Million), neigen die Leute dazu, einfach 'Bahrain' anstelle von 'Manama' zu sagen.

ERÖFFNUNGSFEIER

Die äußerst eindrucksvolle Eröffnungsfeier fand am Samstag, dem 24. Januar, im Alumni Club statt.




Ein führenden Mitglied des Arabischen Schachverbands, Ibrahim Al-Banai, der Vorstandsvorsitzende der Arcapita, Atif Abdulmalik und der Geschäftsmann Abdulrahman Jamsheer


Turnierdirektor Jamal Abdulghaffar


Gesang zur Eröffnung


Der Arcapita-Vorstandsvorsitzende Atif Abdulmalik führt einen symbolischen Zug aus. Neben ihm stehen Jamal Abdulghaffar und der Handels- und Wirtschaftsminister Dr. Hassan Fakhro.


Ein Militärorchester aus Bahrain

An Eins gesetzt war Pavel Tregubov, der 2000 Europameister wurde. Der russische Großmeister lebt schon seit vielen Jahren in Paris.


Tregubov und der ägyptische Großmeister Basem Amin spielen eine symbolische Partie.


Der an zwei gesetzte Vadim Malakhatko spielte ebenfalls eine symbolische Partie, gegen Ahmed Adly.

Ich habe sogar zwei Großmeister getroffen, die nicht gespielt haben: Meine alten Freunde Alex Raetsky (Russland) und Sarkhan Guliev (Aserbaidschan) kamen als Trainer mit ihren Schülern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.


GM Raetsky mit seinen Schülern


GM Guliev mit seinen Schülern


Der Präsident des Schachklubs Bahrain, Dr. Khalid Al-Awadhi unterhält sich mit jungen Schachfans


GM Sergey Kasparov und WIM Tatiana Kasparova aus Weißrussland


Sie kamen aus dem Norden: GM Kveinys und ich selbst


GM Malakhatko spielt eine Freundschaftspartie gegen Yasser Al-Raee, den Direktor der Immobiliensparte bei Arcapita


Schach macht Spaß!


Die Hauptorganisatoren und die VIP-Gäste

SPIELERGALERIE

Die folgenden Bilder stammen aus den ersten Runden.






Mohamed Abdullah (Bahrain) gegen Malakhatko


Eine neue indische Hoffnung?


Sanajaya Gunawarkona (Sri Lanka) gegen Tregubov


Yannick Pelletier gegen Al Haddad Mohamed (Bahrain)






Zur Zeit gibt es in Bahrain noch keine Schachspielerinnen mit internationaler Elo-Zahl, aber das ändert sich hoffentlich bald.


Mama nimmt den Bauern...


Dalal Al-Ghasra (Bahrain)


Aysha Mutaywea (Bahrain)

Und jetzt die Profis...


GM Rasul Ibrahimov aus Aserbaidschan


GM Essam El Ghindy verfolgt die Partie von GM Valentin Iotov


Ihr Berichterstatter - es scheint, er braucht einen Kaffee


Ein gefährlicher Taktiker: IM Mohamed Ezat aus Ägypten


Malakhatko bei der Arbeit


Malakhatkos Freundin IM Anna Zozulia

SPIELFREIER TAG: GALADINER IN NATIONALMUSEUM VON BAHRAIN

Am 29. Januar war spielfrei und am Abend gab es ein Galadiner im Nationalmuseum von Bahrain. Für mich war dies ohne Zweifel der eindrucksvollste Museumsbesuch meines Lebens. Lassen wir die Bilder für sich sprechen!































DIE SIEGER

Die entscheidende Partie der Schlussrunde, Malakhatko-Iotov, endete friedlich. Damit gewann Vadim Malakhatko die Arcapita International Chess Championship 2009. Mit einem halben Punkt weniger landete Iotov auf dem zweiten Platz. Der iranische Großmeister Elshan Moradiabadi schlug in der letzten Runde seinen Landsmann GM Amir Bagheri und landete auf dem dritten Platz.

Malakhatko hat schon viele internationale Turniere gewonnen und sein bislang größter Erfolg war wahrscheinlich der Gewinn der Mannschaftsweltmeisterschaft 2001 - er war Mitglied der ukrainischen Nationalmannschaft. Heutzutage engagiert er sich für Belgien und Anna Zozulia.

Indian IM Roy Chowdhury, der in der Schlussrunde Remis gegen GM Rasul Ibrahimov spielte, erzielte seine zweite Großmeisternorm. Eine weitere GM-Norm erzielte der Georgier IM Davit Jojua, der allerdings alle notwendigen Normen schon beisammen hatte - er muss nur noch die Marke von 2500 Elopunkten erreichen, um den Titel zu bekommen. FM Moklis Adnani aus Marokko, der 6 Punkte erzielte, machte eine IM-Norm.


Der amtierende Bahrain-Meister, Ali Al Sulaiti, schnitt von den lokalen Spielern am besten ab (5 Punkte, 37. Platz).



Das Organisationsteam und die Sponsoren haben ein phantastisches, erfolgreiches Turnier auf die Beine gestellt, das von allen geschätzt wurde! Bei der Abschlussfeier wurde verkündet, dass das Turnier im nächsten Jahr sogar noch stärker sein wird....

Besondere Erwähnung verdient der Spielsaal, der Alumni Club-Al Adliya, im Isa Bin Salman Kulturhaus. Wie der an Eins gesetzte GM Pavel Tregubov in seiner Ansprache bei der Abschlussfeier erklärte, war das eins der besten Spiellokale, das er je gesehen hätte.


Der Sieger der Arcapita Championship GM Vadim Malakhatko, umgeben von Organisatoren und Spielern

MEDIENBERICHTE

Die Zeitung Gulf Daily News - Die Stimme Bahrains räumte den Rundenberichten des Sportredakteurs Vijay Mruthyunjaya und Partien, bei denen ich die Kommentare schrieb, jeden Tag viel Raum ein. Und so sah das aus:



An einem Tag war das jedoch anders: Der Schlussreport nahm zwei Seiten ein! Vijays Artikel können unter www.gulf-daily-news.com gelesen werden.

Jeden Tag vor Ort war auch BAHRAIN SPORT TV (Reporter: Noora Khalifa, Redakteur: Hussian Esa) und sorgte für hübsche, ausführliche Fernsehberichte.

Die Ergebnisse wurde auf der Seite des Schachklubs Bahrain - www.bahrainchessclub.com - und auch bei chess-results.com veröffentlicht.

PARTIEN

Als Kommentator der aktuellen Partien habe ich versucht, die besten Partien herauszusuchen. Die Partie Adnani gegen Adly war vielleicht die interessanteste Partie, die ich in Bahrain gesehen habe.

Partienauswahl Bahrain...

POSTSKRIPT
Vor meiner Ankunft in Bahrain hatte ich mich bei Wikipedia etc. mit etwas Wissen über Bahrain bewaffnet. Und erfuhr, dass dies eine Insel ist (oder zumindest eine Inselgruppe - aber eine Insel ist sehr viel größer als die anderen). Am meisten überrascht hat mich, dass ausnahmslos jeder, den ich getroffen habe, sich auf Englisch unterhalten konnte. Und die liberale Grundeinstellung. Bahrain steht in dem Ruf, das liberalste Land der arabischen Welt zu sein. (Es ist übrigens auch das kleinste arabische Land).

Zum Vergleich: Holland wird oft als das liberalste europäische Land bezeichnet. Aber die Liberalität endet immer irgendwo. In Bahrain ist es nicht gestattet, Alkohol auf der Strasse zu trinken, was eine gute Idee zu sein scheint. Schwerer zu verstehen ist, warum das Rauchen plötzlich in allen holländischen Restaurants verboten wurde. Wohingegen fehlende Raucherbereich in den Transitzonen der Flughäfen (so wie in Istanbul, wo ich beim Rückflug ein paar Stunden Aufenthalt habe) einfach nur eine Demütigung sind und sonst nichts. Wenn ich daran denke, dann würde ich am liebsten für immer in Bahrain bleiben.


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