Schach beim Pressefest

23.06.2010 – Schach wird bei der Tageszeitung "Neues Deutschland" traditionell groß geschrieben. Auch beim Pressefest am vergangenen Wochenende stand das Denkspiel einmal mehr im Mittelpunkt. Zur Präsentation hatte man die beiden Jungnationalspieler Melanie Ohme und Niclas Huschenbeth eingeladen, die am Samstag bzw. Sonntag Kindern und fortgeschrittenen Schachfreunden im Simultan einige zusätzlich Kniffe im Schach zeigten. Mit Dr. René Gralla konnten die Berliner Schachfreunde aber auch einmal einen Blick über den Tellerrand wagen. Der Hamburger Journalist war einer der Referenten bei der in China gebräuchlichen Schachvariante Xiangqi. Dagobert Kohlmeyer hat einige Momente der Schachparty in Wort und Bild eingefangen. Mehr...

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Melanie und Niclas „simul(t)ierten“ in Berlin
Von Dagobert Kohlmeyer

Die Zeitung „Neue Deutschland“ lud am vergangenen Wochenende in Berlin zu ihrem traditionellen Pressefest ein, und Schach durfte dabei natürlich nicht fehlen. Diesmal wurde sogar in mehreren Disziplinen gespielt. Beim Simultan traten am Samstag Nationalspielerin Melanie Ohme aus Leipzig

und am Sonntag der amtierende deutsche Meister Niclas Huschenbeth an.

Der Reporter beobachtete die Vorstellung des Hamburgers, der am zweiten Tag auf engagierte Gegner traf. Eine Kindergruppe aus Potsdam war mit ihrem Trainer Ludwig Stern gekommen, um vom deutschen Titelträger möglichst viel zu lernen. Und Niclas nahm sich vier Stunden Zeit für sie und alle anderen Schachfreunde.

Wer verloren hatte, durfte es nochmal probieren. Wer noch nicht ziehen wollte, wenn der Hamburger Abiturient ans Brett kam, konnte weiter überlegen.


Ludwig Stern mit Schachschülern

Es war eine ganz entspannte Atmosphäre, das Wetter spielte auch mit, so dass keiner nass wurde. Jung und Alt versammelte sich um die Bretter und hatte eine Menge Spaß dabei. 


Pause

Schauplatz war die berühmte Kulturbrauerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

 


Paul Werner Wagner gab Schachuntereicht für Kinder

Während Niclas Huschenbeth seine Kreise zog, spielte um die Ecke auf dem langen Innenhof eine Bigband, es gab unzählige Bücherstände, Diskussionspodien und natürlich Kulinarisches. Nach zweieinhalb Stunden bekam Niclas Hunger, worauf die Jugendspielerin Valeria Velina von Empor Berlin ihm eine Bratwurst holte. Die beiden kennen sich von verschiedenen Turnieren. Seine Bratwurst essend, spielte der deutsche Meister weiter.


Valeria Velina

Niclas wurde bei seinen Rundgängen auch einige Mal von Kiebitzen nach seiner Vita gefragt.

Eine ältere Dame wollte wissen, welchen Beruf er habe und tippte auf Physiker. Lächelnd erklärte Niclas, dass er gerade sein Abitur gebaut habe und als Nächstes vorhabe, erst einmal zur Bundeswehr zu gehen. In der Sportkompanie waren vor ihm ja schon viele andere Schachgrößen wie der vorjährige deutsche Meister Arik Braun, Großmeisterin Elisabeth Pähtz u.a.

Kleine Pausen legte Niclas nur ein, wenn ein Gegner partout nicht ziehen oder aufgeben wollte.

Zum Beispiel der vietnamesische Arzt Nguen Anh Tu, der sich lieber für unser Schach entschieden hatte und nicht für das chinesische Xiangq, das diesmal beim ND-Pressefest auch angeboten wurde. Kaum war die erste Simultanpartie vergeigt, versuchte der Mediziner es nochmal.


Helmut Pöltelt

Von zwei Gegnern wurde Niclas Huschenbeth ernster geprüft. Der frühere DDR-Spitzenspieler Michael Stettler war aus dem brandenburgischen Beeskow gekommen und zog sich mit einem Remis achtbar aus der Affäre.


Michael Stettler

Noch besser machte es Professor Wolfram Heimbrodt (SC Friesen-Lichtenberg), der sein Spiel gewinnen konnte. Sein Sohn neben ihm hatte weniger Glück. Hier die Siegpartie von Heimbrodt-Senior.

W. Heimbrodt – N. Huschenbeth
Pirc-Verteidigung B09

1.e4 d6 2.d4 g6 3.Sc3 Lg7 4.f4 Sf6 5.Sf3 0-0 6.Ld3 Sc6 7.Le3 Lg4 8.0-0 e5 9.Le2 Lxf3 10.Lxf3 exd4 11.Lxd4 Sxd4 12.Dxd4 De7 13.Tae1 c6 14.Td1 Se8 15.Dd3 Td8 16.Td2 Sc7 17.Tfd1 Se6 18.g3 Tfe8 19.De3 Dc7 20.Kg2 b5 21.b3 Sc5 22.e5 b4

23.exd6? (23.Txd6 Txd6 24.exd6) 23...Db6 24.Se4 Sxe4 25.Dxb6 axb6 26.Te2 f5 27.g4 Te6 28.d7 Te7 29.gxf5 gxf5 30.Td6 c5 31.Td5 Texd7 32.Txf5 Sc3 33.Te6 Td2+ 34.Kg3 T2d6 35.Te7 T6d7 36.Te6 (Remisangebot von Niclas) Sxa2 37.Txb6 Ld4 38.Le2 Sc3 39.Lc4+ Kh8 40.Th5 Se4+ 41.Kf3 Sd2+ 42.Kg4 Sxc4 43.bxc4 Tf7 44.f5 Lc3 45.Th3 Td4+ 0-1


Professor Wolfram Heimbrodt, li. Frank Hoppe

Detlef Just vom Berliner SC Zugzwang wehrte sich tapfer, aber konnte Huschenbeth nicht bezwingen.

N. Huschenbeth – D. Just
Pirc-Verteidigung B06
1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.f4 Sd7 5.Sf3 c5 6.Le3 Sgf6 7.Ld3 Sg4 8.Lg1 0-0 9.h3 Sgf6 10.Dd2 a6 11.e5 Se8 12.0–0–0 b5 13.Le4 Tb8 14.dxc5 Da5 15.c6 Sc5 16.Lxc5 dxc5 17.Kb1 Le6 18.Sd5 b4 19.Sxe7+ Kh8 20.Ld5 Sc7 21.Lxe6 fxe6 22.Dd7 c4 23.Sd2 Tbd8 24.Sxc4 Txd7 25.Txd7 Dc5 26.Sd6 Txf4 27.Txc7 Dxe5 28.Tc8+ Lf8 29.Sef5 Txf5 30.Sxf5 Dxf5 (Remisangebot von Detlef)

 Weiter geht’s. 31.c7 b3 32.axb3 e5 33.Td8 1-0


Beim chinesischen Schach Xiangqi trafen sich Enthusiasten aus Hamburg, Leipzig und Berlin, um unter freiem Himmel ein Turnier zu spielen und interessierten Besuchern die Regeln zu erklären. Dafür war ein Extra-Podest gebaut worden.


An einem großen Demobrett wurde Dr. René Gralla nicht müde, die strategischen Pläne des fremdartigen Spiels sowie die Gangart von General, Kanone und Streitwagen zu erläutern.


Dr. René Gralla erklärt das Xiangqi

Besonders Kinder interessierten sich für das exotische Spiel. Xiangqi wird von vielen vietnamesischen Bürgern gespielt, die in Deutschland leben, so von den Mitgliedern des Vereins der Vietnamesen in Leipzig, die an diesem Wochenende extra nach Berlin kamen.

Ihr Vorsitzender Bui Quang Huy gab dabei eine besonders gute Figur ab. Stundenlang spielten sie mit großer Geduld, bis die Sieger feststanden.


Bui Quang Huy

Unter den Organisatoren war auch Jürgen Woscidlo aus Hamburg, der das große Demobrett für René Gralla gebastelt hatte.


Nguyen Nhu Phuong, Jürgen Woscidlo

Der 43-Jährige erzählte uns, dass er Xiangqi in einer Hamburger Grundschule (Grumbrecht-Straße in Hamburg-Harburg) als Unterrichtsfach eingeführt hat. Eine tolle Idee.

Insgesamt war das Pressefest wieder eine gute Werbung für das Spiel der Könige. Das ND ist auch eine der wenigen deutschen Zeitungen mit einer wöchentlichen Schachecke. Bei Olympiaden und Weltmeisterschaften wird unserem Sport von dem linken Blatt immer sehr viel Platz eingeräumt.

Damit nicht genug Schach in Berlin. An diesem Wochenende fanden auch im Rathaus Schöneberg Turniere statt. Sieger im Berliner Schnellschach Grand Prix 2009/10 wurde Großmeister Robert Rabiega nach Feinwertung vor IM Ilja Schneider. Das Finale war spannend, doch Rabiega gewann wieder einmal den 1. Preis, obwohl er eine Partie gegen René Stern abgeben musste.

Endstand: 1.-2. Robert Rabiega, Ilja Schneider je 8½, 3.-4. Rainer Polzin, René Stern je 8, 5. Lars Thiede 7, 6.-7. Ulf von Herman, Hasan Krasnici je 6½, 8. Sergej Kalinitschew 5, 9. Jakob Meister 3½, 10.-11. Michail Sawlin, Michael Schulz je 2, 12. Wladimir Fainstein ½

Im traditionellen Vergleich Veteranen gegen Jugend, ebenfalls im Rathaus Schöneberg, gewann einmal mehr die Erfahrung. Die Berliner Oldies siegten mit 41:29 Punkten.

 


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