Schach im Kaiserbahnhof

28.06.2012 – Mit dem Potsdamer Kaiserbahnhof hält die Bahn ein ganz besonderes Kleinod in ihrem Besitz. Das Gebäude, 1907 im englischen Cottage-Stil am Park Sanssouci errichtet, war Einstellplatz für Kaiser Wilhelms II. Hofzug und Ausgangspunkt der etwa 500 Bahnreisen des letzten deutschen Kaisers, im Volk deshalb auch gerne Deutscher Reisekaiser genannt. Seine letzte Fahrt führte ihn 1918 nach Doorn ins Exil. Mit Kaiser Wilhelm verschwand auch der Glanz aus Berlin und Potsdam und der Kaiserbahnhof verfiel nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich. Nach der Wiedervereinigung hat die Deutsche Bahn ihn restauriert, nutzt ihn nun als Akademie für ihre Führungskräfte und öffnete seine Pforten am letzten Sonntag für ganz andere Züge. Frank Jarchov hat die Gelegenheit zu einem Besuch genutzt. Bericht, Bilder, Partien...

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Fotos: Frank Jarchov

Nachdem die Bahnstrecke Berlin-Potsdam-Magdeburg zweigleisig ausgebaut war, wurde im Park Sasssouci 1862 der Bahnhof Wildpark gebaut. Er wurde auch vom preußischen Hof genutzt. Das Empfangsgebäude im Fachwerkstil existiert noch, befindet sich aber in Baufälligem Zustand. Anfang des 20 Jahrhunderts ließ Kaiser Wilhelm II. sich dann von seinem Hofarchitekten Ernst von Ihne gegenüber einen neuen größeren Bahnhof bauen.


Sattelitenbild Sanssouci, der Kaiserbahnhof ist unten links

Dieser wurde 1909 mit einer Empfangsgebäude im englischen Cottage-Stil und einer Bahnhofshalle fertig gestellt.


Der Kaiserbahnhof

Dies war nun der Heimatbahnhof für den offiziellen kaiserlichen Hofzug und Ausgangspunkt der etwa 500 Zugreisen die der reisefreudige Regent in seiner Amtszeit (1888-1918) unternahm. Der "Kaiserbahnhof" war außerdem Zielbahnhof für zahlreiche Staatsgäste, die Wilhelm II. in seinem Schloss Sanssoucci empfing, darunter US-Präsident Theodor Roosevelt (1910) oder des Kaisers Cousin Zar Nikolaus II. Die letzte Fahrt Kaiser Wilhelms II. mit seinem Hofzug war am 10. November 1918 und führte ihn ins niederländische Exil.


Die Bahnhofshalle


Salonwagen, hölzerne Dachkonstruktion, hinten Schach


Der Bauherr

Nach 1920 wurde ein Teil der Wagen verschrottet, andere umgebaut und teilweise in Luxuszügen eingesetzt. Heute kann der Hofsalonwagen Nr. 1 (ab 1904: Berlin 11) im Deutschen Technikmuseum Berlin besichtigt werden.


Der Salonwagen des Kaisers (Wikipedia)

Ein Hofsalonwagen der Kaiserin befindet sich heute im Betriebsmuseum von Linke-Hofmann-Busch in Salzgitter. Ein weiterer Hofsalonwagen der Kaiserin (Berlin 2) steht ohne die originale Innenausstattung in der früheren Bahnsteighalle des Kaiserbahnhofs Potsdam und wird von der hier eingerichteten Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bahn als Konferenzraum genutzt.

1939 wurde das Geheime Oberkommando der Luftwaffe im Potsdamer Wildpark stationiert und nutzte den alten Kaiserbahnhof für ihre Zwecke. Herman Göring reiste hier mehrfach mit seinem Sonderzug  an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war der Bahnhof Endstation für den "Blauen Express", die Verbindungslinie Berlin-Moskau für sowjetische Offiziere. Ab 1952 befand sich der Bahnhof im Besitz der Deutschen Reichsbahn der DDR, die das Gebäude für verschiedene Zwecke nutzte, zuletzt als Lagerraum und allmählich verfallen ließ. Ab 1977 wurde der Bahnhof wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Nach der Wiedervereinigung und einer Umnutzungsstudie wurde der Kaiserbahnhof von der Deutschen Bahn AG restauriert und nun von der Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bahn (DB Akademie GmbH) genutzt.

Normalerweise ist der Bahnhof öffentlich nicht zugänglich, aber im Rahmen der Schachveranstaltung gab es Gelegenheit für die Schachfreunde neben ihren eigenen Zügen auch einen solchen der letzten deutschen Kaiserin zu bewundern.

Im "Schauspiel des Geistes" spielten drei Schachspieler, Vlastimil Hort, Marc Lang und Rasmus Svane, als Vertreter dreier Generationen, ein Blindsimultan gegen sechs Kaderspieler der Deutschen Schachjugend.


In Box 1: Vlastimil Hort


In Box 3: Weltrekordhalter Marc Lang


 


Rasmus Svane, vorne


Die jugendlichen Gegner

Dabei zogen die Blindkünstler immer abwechselnd an den einzelnen Brettern, mussten also blind erraten, was ihr "Vordermann" wohl mit seinem Zug geplant hatte. Am Ende stand es trotzdem 5:1 für die Blindspieler.


Bühne frei für...


GM-Kommentare

Partien des Simultan

 

Im Rahmenprogramm traten in einem Schnellschachturnier Auswahlmannschaften von Schachfunktionären, Politikern, Zahnärzten, Mitgliedern der Lasker-Gesellschaft, Schachjournalisten und  Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG in einem Turnier gegeneinander an.

 


Vorne: Joachim Wintzer und Frank Hoppe, Schachbund-Webmaster


Wolfgang Grenke kiebitzt


... und spielt selber


Schnellschach mit Vizeweltmeister

Die Mannschaft der Deutschen Bahn gewann das Turnier punktgleich mit dem Team der Lasker-Gesellschaft. Letzteres bot zeitweise mit Viktor Kortschnoi an Brett Eins an einen echten Vize-Weltmeister auf.


Hmm, Viktor verblüfft.

Einer der Initiatoren dieses besonderen Schachevents war Dr. Richard Lutz vom Vorstand der Deutsche Bahn AG, in seiner Jugend übrigens selbst ein herausragendes Schachtalent.

 

Andre Schulz

 

Links:

Bericht beim Schachbund... 

Schauspiel des Geistes (Marc Lang)...

 

 


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