Schach in acht Tagen: Eine Zeit-Miniserie

von André Schulz
06.01.2021 – Liegt es an der Pandemie? Oder an der genialen Netflixserie "Damengambit"? Alle wollen Schach spielen. Aber nicht alle kennen die Regeln. Ullrich Stock erklärt in der Zeit-Miniserie: "Schach in acht Tagen", wie es geht. Und zwar so flott, dass auch die Kids von heute Lust bekommen, einmal "mit dem Hubschrauber übers Brett zu kreisen". | Grafik: Zeit/Alessia Stock

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Die Netflix-Serie "Damengambit" hat ein Rieseninteresse am Schach ausgelöst. Oder das schon vorhandene pandemische Interesse noch einmal ordentlich verstärkt. Das Waisenmädchen Elisabeth Harmon lernt das Schachspiel vom Hausmeister im Waisenhaus, hat großes Talent und entwickelt den Ehrgeiz, immer besser zu werden. Sie nimmt an Turnieren teil, bei denen sonst nur männliche Schachfreunde mitspielen, schlägt die besten Spieler der USA und schließlich sogar den sowjetischen Weltmeister.

Die Geschichte, ausgedacht von Walter Tevis, spielt in den 1960er Jahren. Die Miniserie ist perfekt inszeniert und bis ins Detail liebevoll im Zeitkolorit ausgestattet. Hauptdarstellerin Anne Taylor-Joy gelingt es, alle Emotionen, die man beim Turnierschach entwickeln kann, auf ihrem Gesicht abzubilden: Neugier, Anspannung, Aufregung, Triumph und Enttäuschung. Schach wird zu einem intensiven Erlebnis. Die Serie kam bei Kritik und Zuschauern gleichermaßen gut an und ist wohl die Serie 2020.

"Wir müssen unseren Lesern Schach beibringen", erkannt die Zeit-Redaktion und hat dafür einen Fachmann in ihren Reihen - Ullrich Stock.

Über die Feiertage zum Jahreswechsel hat der Hamburger Stadtliga-Spieler und findige Taktiker erst die Netflix-Serie vorgestellt und dann  in acht Folgen als Miniserie einen flotten Schachkurs geschrieben.

Die Vorgeschichte:

Nachdem die Serie "Damengambit" im Oktober 2020 online ging, wurde sie in den ersten vier Wochen von 62 Mio. Haushalten in der Welt angesehen und sorgte damit für Rekordeinschaltquoten. Inzwischen haben weit über 100 Mio. Menschen die Serie gesehen. In der Folge entstand ein weltweiter Schachboom, den die Händler gar nicht mehr versorgen konnten. Schachcomputer waren ausverkauft und Händler wie Schach Niggemann meldeten das Zehnfache des üblichen Umsatzes. Alle wollen Schach spielen. Aber wie funktioniert Schach eigentlich?

Die Lust am Brett...

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Schach in acht Tagen - ein "Regelfeuilleton"

Folge 1:

"Das Brett ist Bühne, Arena, Glacis, Schlachtfeld. Hier werden Fallen gestellt, Figuren geschlagen, Bauern umgewandelt, Mattnetze gesponnen. Hier wird rochiert, gefesselt und gedroht. Das Brett ist der karierte Urgrund des Geschehens. Und wie es liegt, ist nicht egal. Es muss immer, immer, immer so zwischen den Spielern liegen, dass sich rechts in der Ecke vor ihnen ein weißes Feld befindet."

Karierte Arena...

Folge 2:

"Furchtlose Zeitgenossen gibt es natürlich auch. Sie ziehen den f-Bauern gleich im ersten oder zweiten Zug. Das ist etwa so, wie zu Hause in klirrend kalter Nacht mit dem Fuß das Fenster aus den Angeln zu treten, um sich etwas frische Luft zu verschaffen. Es wird arg zugig, und bald kommt ungebetener Besuch."

Buchstäblicher Zahlensalat...

Folge 3:

"Und um nun noch vom Letzten zu sprechen: Der Turm ist die Mattmaschine schlechthin. Wer das Schachspielen erlernt, wie jetzt vielleicht Sie, übt zunächst das Mattsetzen mit König und Turm gegen König auf dem ansonsten leeren Brett. Der Turm macht die Räume eng, wie man in einer verwandten Sportart sagt; der König stützt ihn und setzt nach. Gemeinsam sind sie stark; der gegnerische König wird an den Rand gedrängt und – aus! Es gibt kein Entkommen."

Die Mattmaschine...

Folge 4:

"Fragte man einen vom Platz gestellten Läufer am Spielfeldrand nach einer turbulenten Partie, was sich denn da eben auf dem Brett zugetragen habe, würde er nur unzureichend Auskunft geben können, weil er die Hälfte wieder verpasst hat, wie immer!

Dem Läufer stehen nur 32 Felder zur Verfügung. Was auf den anderen 32 Feldern geschieht, geht voll an ihm vorbei. Man könnte sagen: Unter den Blinden ist der Einäugige Läufer."

Postbote mit Schlitz...

Folge 5:

"Im Schach liegen die Frauen bislang zurück. Vielleicht, weil sie nicht so versessen sind wie die Männer? Beth sei Dank holen sie jetzt auf, und die feministische Komponente des königlichen Spiels mag sie zusätzlich beflügeln. Denn auf dem Brett ist die Dame die dominierende Figur. Bauer, Springer, Läufer, Turm – alle männlichen Geschlechts – sind jeder für sich nicht mal halb so stark wie sie."

Die Lady im Feld...

Folge 6:

"Fortgeschrittenen macht der Springer Spaß; in einer erfahrenen Hand verliert seine Bewegung alles Schräge und Kantige. Zwischen Start- und Landefeld spannt sich ein eleganter Bogen, zuweilen sogar ein Lichtbogen, wenn das Gegenüber von der blitzartigen Erkenntnis getroffen wird, diese Wendung mal wieder überhaupt nicht vorhergesehen zu haben."

Ratloser Hubschrauber...

Folge 7:

"Interessanterweise haben die Bauern keinen eingebauten Rückwärtsgang. Ihr Leben kennt nur eine Richtung: nach vorn. Wenn in der Schachszene gelegentlich abschätzig von "rückständigen Bauern" gesprochen wird, so ist das zutiefst ungerecht. Die Bauern sind von ihrem Naturell her fortschrittlicher als alle anderen Akteure auf dem Brett."

Larvenheini, Zerschmetterling...

Folge 8:

"Misst man den Potentaten an seinen Taten, dann fällt die Bilanz dürftig aus. Majestät stehen meist nur ängstlich im Weg herum und opfern Leib und Leben Eurer Truppen dem eigenen Wohlergehen. Das lässt sich den netflixinspirierten Schachinteressierten unserer Tage kaum mehr vermitteln. Sie jubeln der Dame zu. Selbstermächtigung, Teilhabe, Entscheidungsfreude!"

Seine Majestät turnt...

 

Die Zeit: Schach in acht Tagen...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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