Schach in der teuersten Stadt der Welt

02.05.2012 – Der Cuca-Cup in Luanda erlebte dieser Tage schon seine zweite Auflage und zieht neben Spielern vom afrikanischen mehr und mehr Großmeister aus den anderen Kontinenten an. Beim letzten Mal war Sergey Tiviakov noch klar die Nummer Eins der Setzliste. Diesmal übertraf ihn Viktor Bologan als Elo-Schwergewicht. Erwin L' Ami, Ahmed Adly, Alexandr Fier, Maxim Adly dazu einige weitere GMs waren die Anwärter auf einen der Geldpreise im insgesamt 30-köpfigen Feld. Bologan, derzeit in Bestform, wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann mit 8 aus 9. Den ersten Preis im parallel ausgetragenen Frauenturnier teilten sich Catarina Leite und Alina L' Ami. Letztere fand außerdem Zeit für einen bunten Bildbericht und steckt mit ihrer Begeisterung für Land und Leute jeden Leser an. Ein Klick bis Angola...

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Afrikanisches Abenteuer
Von Alina L' Ami

Einer der größten Erdölproduzenten Afrikas, Angola, entwickelt sich in den letzten Jahren auch zu einem der reizvollsten Orte der Welt, um… Schach zu spielen. Natürlich gibt es viele schöne und exotische Orte, die in einem die Lust wecken, ein einzigartiges Schachturnier zu spielen. Aber wie leicht kann man tatsächlich zu diesen Schachturnieren fahren? Oder wie teuer sind sie?
 

Das "Taca Cuca"-Turnier, das vom 18. bis 26. April in Luanda stattfand, möchte ein Zeichen setzen und schickt sich an, europäischen Vorbildern zu folgen und ein kaum erschlossenes Schachgebiet zu öffnen: Afrika! Ehrlich gesagt wäre ich nicht überrascht, wenn das Gedränge um einen Platz in dem bereits prestigeträchtigen Turnier in Angola schon sehr bald sehr groß ist – so großzügig sind die Preise und die Bedingungen, die die Organisatoren ‘abenteuerlustigen’ westlichen Spielern bieten. Doch bis es so weit ist, schauen wir doch erst einmal, wie das Turnier von 2012 weiter ging…

 

Mit einem absoluten 'Wahnsinns'-Score von 8 Punkten aus 9 Punkten war Victor Bologan der souveräne Sieger des Männerturniers, wodurch er auf 18. Platz der Live-Rating-Liste vorrückte und sich 5.000$ Preisgeld für den ersten Platz sicherte! Er gab nur zwei Remis ab und mit ein bisschen Glück hätte der moldawische Großmeister alle seine Partien gewonnen! Seine Performance ist umso beeindruckender, da er in den letzten sieben Runden ausschließlich gegen starke Gegner gespielt hat. Dennoch gewann er Partie um Partie und war irgendwann nicht mehr einzuholen!

 

Platz zwei ging an Sergey Tiviakov, und auch er erzielte erstaunliches Ergebnis (7,5 aus 9), wenn man bedenkt, wie stark seine Gegner waren und er sich nicht immer der allerbesten körperlichen Verfassung erfreute. Aus unerfindlichen Gründen wurde er von einer Krankheit nach der nächsten geplagt: eine fürchterliche Allergie, Fieber, Magenschmerzen, Erkältung, aber trotzdem spielte er weiter auf höchstem Niveau!


Sergey Tiviakov vs Ahmed Adly
 

  

Krank zu sein ist nie besonders lustig, vor allem nicht in Afrika, wenn der Körper nicht an das Essen, das Klima oder die Bakterien gewöhnt ist. Unter der Oberfläche des Luxushotels und der international ausgerichteten Speisekarte lauern die gleichen Gefahren für die Gesundheit wie überall auf der Welt. Aber keine Angst, liebe Schachfreunde, es gibt jede Menge Informationen, um mit allen Aufgaben fertig zu werden, die einem zu stellen Mutter Afrika beschließt! Nur gegen eine Sache waren wir wehrlos: immer extrem früh aufzuwachen, manchmal sogar vor acht Uhr morgens! Vermutlich hat sich das heiße und feuchte Klima über uns amüsiert und die Spieler gezwungen, aufzustehen und sogar zum Frühstück zu erscheinen :).

 

Im Frauenturnier dauerte der Kampf um den ersten Platz und die 3.000$ Preisgeld bis zum Schluss! Nach einem Remis Ihrer Autorin gegen die Nummer zwei der Setzliste, WIM Catarina Leite aus Portugal, in Runde vier, haben wir beide alle restlichen Partien gewonnen und kamen am Ende auf 8,5 aus 9. Aber wer würde bei diesem Rennen schließlich als Erste ins Ziel gehen?! Entschieden hat das erst die vierte Wertungskategorie: Buchholz. Und die Entscheidung fiel erst, nachdem das letzte Formular der letzten Partie im Turnier unterzeichnet worden war! Zu verfolgen, wie unsere vorherigen Gegnerinnen sich schlugen, wer von uns beiden in diesem Rennen mehr Glück haben würde, war ziemlich aufregend. Am Ende war es Catarina!


Catarina Leite vs Epah Tembo aus Sambia


Meine Wenigkeit


Die südafrikanische WIM Anzel Solomons, die Dritte wurde.


Lorita Mwango aus Sambia

 

Schach ist ein Sport und deshalb gehört Glück immer dazu. Manchmal ist es auf unserer Seite, manchmal nicht, aber es sorgt immer für interessante Kämpfe! Wie langweilig wäre es sonst...

 

Es ist an der Zeit, die Sieger zu würdigen:


Abschlussfeier

 

Das Ansehen des Schachs in Angola und darüber hinaus zu fördern, ist ein Ziel von Aguinaldo Jaime, dem ehemaligen Vize-Premierminister von Angola. Dr. Jaime ist nicht nur ein sehr erfolgreicher und angesehener Politiker, er ist zudem auch noch ein unermüdlicher Förderer des Schachs. Sein enger Zeitplan hielt ihn jedoch nicht davon ab, bei der Abschlussfeier dabei zu sein und ein schönes Glas Wein mit uns zu genießen.
 


Pokal-Inflation an unserem Tisch :)


 

Einen der Pokale hatte ich für meinen zweiten Platz im Frauenturnier erhalten, die anderen drei waren bei den Herren gewonnen worden. Interessant ist, dass die Endergebnisse an der Spitze exakt der Elo-Rangliste entsprechen:
 

1. Victor Bologan mit 8 aus 9

2. Sergey Tiviakov mit 7,5 

3. Erwin L'Ami mit 6,5

 

Endstand

Rg.   Name FED Elo Wtg1 Wtg2 Wtg3
1 GM Bologan Viktor MDA 2687 8.0 0.0 39.5
2 GM Tiviakov Sergey NED 2673 7.5 0.0 36.5
3 GM L'ami Erwin NED 2611 6.5 0.0 31.5
4 GM Adly Ahmed EGY 2596 6.0 0.0 33.0
5 GM Dlugy Maxim USA 2518 5.5 0.5 32.5
6 GM Kasparov Sergey BLR 2503 5.5 0.5 32.5
7 GM Abergel Thal FRA 2474 5.0 0.0 27.5
8 FM Domingos Catarino ANG 2261 5.0 0.0 27.0
9 FM Chemeris Roman UKR 2350 5.0 0.0 25.5
10 GM Fier Alexandr BRA 2599 5.0 0.0 25.0
11 IM Aderito Pedro ANG 2320 5.0 0.0 24.5
12 GM Fernandes Antonio POR 2400 5.0 0.0 24.0
13   Alberto Manuel ANG 2143 4.5 0.0 24.5
14   Simoes Joao ANG 2272 4.0 0.0 24.5
15   Chumfwa Stanley ZAM 2358 4.0 0.0 24.5
16 FM Jere Daniel ZAM 2389 4.0 0.0 23.0
17 FM Domingos Ediberto ANG 2197 4.0 0.0 20.5
18 IM Sousa Armindo ANG 2200 4.0 0.0 19.5
19   Cambando Jose ANG 2026 4.0 0.0 19.5
20   Dias Vanderson ANG 1942 4.0 0.0 19.0
21   Tavares Eliseu Domingos Manuel ANG 2062 4.0 0.0 18.5
22   Pascoal Eduardo ANG 2224 4.0 0.0 18.5
23   Oliveira Luciano ANG 2211 4.0 0.0 18.0
24 IM Agnelo Amorin ANG 2216 4.0 0.0 17.0
25   Fernandes Carlos A ANG 2114 4.0 0.0 15.0
26   Camilo Edilson Antonio ANG 1735 3.5 1.0 16.5
27   Agostinho Tito Andre Quiela ANG 2234 3.5 1.0 11.0
28 IM Soares Erikson Roberto Maurici ANG 2168 3.0 0.0 11.5
29 CM Solomon Deon RSA 2217 2.5 0.0 11.0
30   Farmoroso Silvio ANG 0 0.0 0.0 0.0

 

Endstand Frauenturnier

Rg.   Name FED Elo Wtg1 Wtg2 Wtg3
1 WIM Leite Catarina POR 2165 8.5 0.5 42.0
2 WGM L'ami Alina ROU 2372 8.5 0.5 42.0
3 WIM Solomons Anzel RSA 1920 6.5 0.0 32.5
4 WIM Mudongo Boikhutso BOT 1838 5.5 0.0 26.5
5 WFM Lopang Thsepiso BOT 1837 5.0 0.0 24.0
6 WFM Tlale Tshepang RSA 1784 5.0 0.0 20.5
7 WCM Tembo Epah ZAM 1909 4.5 0.0 26.0
8   Rosalino Sonia ANG 0 4.5 0.0 22.5
9   Mwango Lorita ZAM 1834 4.5 0.0 20.5
10   Sussu Margarida ANG 0 4.0 0.0 23.5
11   Saina Yvonne ZAM 0 4.0 0.0 21.5
12   Rocha Valquiria ANG 1780 4.0 0.0 19.0
13   Reis Fatima ANG 1807 3.5 0.0 18.5
14   Irineia Gabriel ANG 1454 3.0 0.0 16.0
15   Oliveira Engracia ANG 1748 1.0 0.0 6.0
16   Vilhete Vania Fausto Da T. MOZ 1799 0.0 0.0 0.0
17   Gomes Edna ANG 0 0.0 0.0 0.0


Da es an der Spitze des Männerturniers keine Punktgleichheit gab, wurde auch keiner der Preise geteilt. Vielleicht war das kein Zufall, sondern vielmehr Ausdruck des Bemühens, den Tie-Break nach Möglichkeit zu vermeiden. Preise nicht zu teilen, ist vielleicht eine gute Möglichkeit, um die Spieler zu motivieren, lange und kämpferische Partien zu spielen, worüber sich das Publikum freut. Außerdem: seinen Preis mit jemandem zu teilen, der im Verlauf des Turniers keine einzige Partie an den Spitzenbrettern gespielt hat und am Ende durch reinen Zufall die gleiche Punktzahl wie man selbst hat, ist nicht ganz fair. Von den Ergebnissen seiner Gegner und Gegnerinnen abhängig zu sein, ist andererseits auch wieder etwas, das man nicht kontrollieren kann...deshalb weiß ich nicht, welches System besser ist. Vielleicht ist das Hort-System das beste?!


Die Botswana-Girls: Thsepiso Lopang und Boikhutso Mudongo.
 


Zu viel Neugier schadet nicht :)
Sergey probiert gern Neues aus – je seltsamer und exotischer, je besser!



Eine beeindruckende Restebilanz :)

 

 

Ich weiß nicht ganz genau, was wir dort gegessen haben... aber die rosa Frucht hatte einen bitter/sauren Geschmack und faseriges Fruchtfleisch. Das war allerdings nicht nach jedermanns Geschmack – so manche Geschmacksrichtung war für den westlichen Gaumen ungewohnt.

 

Besser bekannt, aber immer noch exotisch: Bananen und Wurzelgemüse, das wie Kartoffeln schmeckt. Mein Favorit ist im Moment das weiß-gelbliche Gemüse, Yuka, auch als Kassava oder Maniok bekannt.


Der einzige Wermutstropfen bei diesem Turnier war, dass wir nicht mehr von dem sehen konnten, was dieses wunderbare Land zu bieten hat. Die Stadt war ein ganzes Stück entfernt und so konnten wir kaum mehr erforschen als unseren Hotelkomplex. Der für den Ruhetag geplante Ausflug fand am Ende doch nicht statt. Aber man weiß nie, welche Vorteile es hat, wenn einem etwas entgeht. Und außerdem, hätten wir mitten in der Stadt gewohnt, inmitten von Beton, Zement, Lärm und Staub, dann hätten wir uns wahrscheinlich nach einer grüneren und ruhigeren Umgebung gesehnt. Es liegt in der menschlichen Natur, sich immer das zu wünschen, was wir nicht haben :).
 

Zurück zu uns, wir sind Schachspieler geblieben, haben uns mit Blitzschach und dem Swimmingpool vergnügt und unsere Gesellschaft genossen. Nur ein paar von uns erwiesen sich als ein wenig kühner, wie Sie später noch sehen werden...



 







Die Damen aus Angola


GMs beim Blitzschach
 





Das Cuca-Bier des Hauptsponsors darf natürlich nicht fehlen! 


GM Maxim Dlugy wurde vom FM Daniel Jere zu einer Blitzpartie herausgefordert.


Hey! Der 500-Kwanza-Schein – ist das der Einsatz, um den es geht?!


Angolanisches Geld – buntere Scheine habe ich nur selten gesehen! Interessant finde ich, dass Münzen fast nie gebraucht werden, sie sind schwer und nutzlos. Denn was sollte man mit ihnen in der teuersten Stadt der Welt auch kaufen?!

 



Und das meinte ich: wenn man die Stadt nicht erforschen kann, dann hat man immer noch die Natur! Sergeys unerschrockene Neugier gab den Startschuss für alle weiteren Abenteuer. 

 



In den Fußstapfen Sergeys: noch ein Sergey - GM Sergey Kasparov!
 


ndere, wie der französische GM Thal Abergel und Boikhutso Mudongo aus Botswana...

 

...entspannen sich lieber, um die Schönheit der Natur zu bewundern, von fern oder..

 


...von nah; Sergey, ist das Marihuana?!

 

 
as ist keine Rose, das ist ein großer Baum! Offensichtlich schützt sich der Baum so davor, von wilden Tieren gefressen zu werden.

 


Überall gibt es so viel zu entdecken! Insekten...

 


... große Tiere ...




... zwei Zebras...


ogar ein Dinosaurier! Sergey Kasparov wollte die Bestie zähmen...


...doch ohne viel Erfolg :))

 

 

Und im Großen und Ganzen war das unser afrikanisches Abenteuer.


Zumindest habe ich das geglaubt, als die Zeit gekommen war, zum Flughafen zu fahren, um nach Hause zurückzukehren.

Aber ich hatte mich geirrt. Auf meinem Weg zum Abflugschalter hatte ich noch Gelegenheit, ein paar Bilder zu machen, zum Beispiel von diesem Tata-Fahrzeug und ein paar Alltagsszenen:

 




Skyline


Viele Schirme



Ein Markt

 






Das Meer


Im Hintergrund sieht man die Skyline Luandas




 Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen!

 

 

 

 



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