"Schach ist wertvoll": Ein Interview mit Stefan Kindermann

von Johannes Fischer
17.03.2020 – Stefan Kindermann zählte lange Jahre zu den besten Spielern Deutschlands, jetzt leitet er die Münchner Schachstiftung und die Münchner Schachakademie. Außerdem entwickelte er zusammen mit Prof. Dr. Robert von Weizsäcker und Dijana Dengler den "Königsplan", ein Ratgeber, der zeigt, wie Schach hilft, im Alltag klarer zu denken, besser zu planen und besser zu entscheiden. In einem Interview mit Johannes Fischer sprach Kindermann über seine Schachkarriere, den Königsplan und warum und wie er weitergeben will, was wertvoll im Schach ist. | Foto: Stefan Kindermann

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"Schach hilft, optimale Entscheidungen zu treffen"

Am 28. Dezember 2019 feierte Stefan Kindermann seinen 60. Geburtstag und anlässlich dieses Jubiläums führte Johannes Fischer ein ausführliches Interview mit dem Münchner Großmeister.

In dem Interview sprach Kindermann über seine Schachkarriere und verriet, wie seine Schachbegeisterung geweckt wurde. Mit sechs Jahren lernte er die Regeln des Schachs, aber fand das Spiel nicht besonders interessant. Das änderte sich, als er im Alter von elf gegen einen Freund spielte und verlor. Diese Niederlage gegen einen Spieler mit dem schönen Namen "Königsbauer" weckte Kindermanns Ehrgeiz. Er kaufte sich ein Schachbuch und wurde vom Zauber des Spiels gefangen genommen.

Mit 14 wusste er, dass er Profi werden wollte. Er machte noch sein Abitur, aber danach verdiente er sein Geld als Turnierspieler. Er gehörte lange Jahre zu den besten Spielern Deutschlands, wurde mit Bayern München mehrfach Deutscher Mannschaftsmeister und erzielte in nationalen und internationalen Turnieren zahlreiche Erfolge. Sein größter Erfolg war der Sieg beim Zonenturnier 1995 in Ptuj.

Stefan Kindermann beim Blindsimultan gegen zwei taiwanesische Spitzenspieler. Elisabeth Pähtz kommentiert. | Foto: Stefan Kindermann

Mitte der 1990er Jahre beendete Kindermann seine Profilaufbahn, und suchte nach Möglichkeiten, "das Wertvolle, das im Schach steckt, weiterzugeben". Dieser Wunsch war auch die Motivation zur Gründung der Münchener Schachakademie und der Münchener Schachstiftung. Die Schachakademie bietet qualitativ hochwertiges Schachtraining an, die Schachstiftung unterstützt Kinder aus benachteiligten Familien dabei, das Schach und seine Vorteile kennenzulernen.

Erste Schachkurse in der Schachakademie mit Dijana Dengler und Tochter Alina | Foto: Stefan Kindermann

Außerdem entwickelte Kindermann zusammen mit Prof. Dr. Robert von Weizsäcker und Dijana Dengler den "Königsplan", ein, so Kindermann, "handfestes Modell für Planen und Entscheiden in allen möglichen Situationen". Die Idee hinter dem Königsplan war, die besten strategischen Ansätze von Schachmeistern für das praktische Leben zu nutzen.

Die Idee kam gut an und bei seinen zahlreichen Vorträgen für Führungskräfte traf Kindermann immer wieder erfolgreiche und bekannte Manager, die früher Schach gespielt haben und "unisono bestätigt haben, dass sie vom Schach sehr profitiert haben".

Für sehr wichtig hält Kindermann dabei die Rolle der Intuition, die auf einem Wissen beruht, das man sich durch Erfahrung und Feedback angeeignet hat:

"Als Schachspieler hat man die Möglichkeit, darzustellen, … dass Intuition unglaublich wertvoll ist. Denn um gut Schach zu spielen, braucht man Bauchgefühl und Intuition. Die vielen Möglichkeiten überfordern die reine Ratio und Logik.

Intuition speist sich zum allergrößten Teil aus einem Erfahrungsschatz, einem Wissen. Die erste Voraussetzung für eine gute Intuition ist, dass man einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz anhäuft. Doch für die Entwicklung jeder Fähigkeit gibt es eine ganz entscheidende Voraussetzung: man muss Feedback bekommen. Wenn ich über die Qualität meiner Entscheidungen ein eindeutiges Feedback habe, dann weiß ich, ob das gut funktioniert hat oder nicht und kann mich entsprechend ausrichten. Der Schachspieler ist in der luxuriösen Situation, dass es ein klares Feedback über die Qualität seiner Entscheidungen gibt."

Interview mit Stefan Kindermann

Dank an Herrn Jürgen Sterlike für die Tontechnik

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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declan 1234 declan 1234 18.03.2020 06:13
Ich habe auch den Königsplan. Es ist interessant, daß man Schach auch fürs tägliche Leben nutzen kann. Auch die Münchner Schachakademie finde ich toll. Leider wohne ich nicht in München, um die Angebote nutzen zu können.
Reinhard Murina Reinhard Murina 18.03.2020 03:32
@BeatingGonzo
Aus diesem Artikel
https://www.zeit.de/2016/29/stefan-kindermann-schach-profispieler-geschaeftsmann
In seiner besten Zeit zählte er zu den besten 70 Spielern der Welt...
Ich habe auch die chessbase DVD- der Königsplan, so wie er das beschreibt (auch in dem Zeit Artikel),
war es für Stefan Kindermann bestimmt das Richtige. Er hat sich immer schon vorgestellt, wie alle anderen ihn
auslachen und sich freuen, wenn er gegen einen Amateur verlieren wird.
"Mache ich einen Fehler, bin ich ungnädig zu mir selbst."
BeatingGonzo BeatingGonzo 18.03.2020 11:24
Stimmt. Das sieht man ja deutlich an gescheiterten Existenzen wie Magnus Carlsen oder Garri Kasparow.
Ironic Priest Ironic Priest 17.03.2020 07:27
Er hat vorgemacht, dass man mit dem ernsthaften Schach aufhören sollte, wenn man es im Leben zu etwas bringen will.
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