Schach älter als bisher angenommen

01.04.2003 – Bei der computerunterstützen Entzifferung eines Textfragments auf einem Blatt einer Schriftrolle aus Qumran hat es kürzlich eine überraschende Neu-Interpretation gegeben. Demnach ist das Schachspiel doch deutlich älter als bisher angenommen und stammt ursprünglich auch nicht aus Indien oder China. Alles spricht nun dafür, dass Schach in Ägypten zur Zeit Ramses II erfunden wurde und sich wohl aus dem ägyptischen Senet-Spiel entwickelt hat. Mehr...

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"Nimm diese Urkunden, die versiegelten Kaufurkunden und auch die offenen, und leg sie in ein Tongefäß, damit sie lange Zeit erhalten bleiben..." (Jesaja 32,12)

Überraschende Neuinterpretation eines Qumran-Fragments
Schach anscheinend schon in Ägypten erfunden

Im Frühjahr 1947 suchte der Beduine Muhammad edh-Dhib eine entlaufene Ziege und kletterte deshalb an der Westküste des Toten Meeres in der Nähe der Ruine Qumran einen Steilhang hinunter. Er fand eine Höhle und in ihr mehrere Tonkrüge, in denen  verklebte in Leintücher eingewickelte Lederrollen aufbewahrt waren. Man brachte die Rollen zu dem Händler und Schuster Kahlil Iskander Shahin. Dieser vermutete einen archäologischen Wert.


Karte


Qumran Höhle. Fundort der Schriftrollen


Grabungen bei Qumran
(Fotos: Prof. Freund, C. Barghaus, Kibbuz Kahlia bei Qumran)

Der Fund wurde für umgerechnet etwa DM 1000,- an den Erzbischof Athanasius Yeschue Samuel von der syrisch-orthodoxen Gemeinde verkauft. Als die Rollen im Februar 1948 dem Bibelexperten Dr.Johm C.Trever vorgelegt wurden, erkannte dieser sofort ihre historische Bedeutung. Er stellte fest, dass einer der Rollen den kompletten hebräischen Text des Propheten Jesaja enthielt. Anhand der Schriftform datierte er die Texte auf das 1. oder 2. Jh. nach Christus. Spätere radioaktive Untersuchungen haben dies bestätigt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren keine Überlieferungen dieses Textes bekannt, die aus einer Zeit vor dem 10 Jh. stammten.

Religiöse und profane Texte

Die so genannten Qumran-Rollen, die genauere Bezeichnung lautet die "Rollen vom Toten Meer", enthielten religiöse, aber auch profane Texte. Sie wurden offenbar von der Religionsgemeinschaft der Essener angefertigt. Anfangs hatte man vermutet, dass die alten Texte die christliche Überlieferung widerlegen werde, doch das Gegenteil war der Fall. Nach der nicht immer einfachen Übersetzung stellten die Experten fest, dass im Gegenteil die christliche Überlieferung fast wörtlich bestätigt wurde.


Foto: Dr. Randall Price, World of Bible Ministries (Texas/USA).
Dr. Randall Price bei einer Radaruntersuchung des Qumranplateaus. 
 

Bis 1956 wurden immer weitere Schriftrollen entdeckt. Spezialisten aus vielen Ländern waren an der Entzifferung der Texte beteiligt, darunter auch der deutsche Professor Dr. Claus-Hunno Hunzinger. Bis heute dauert die Entzifferungsarbeit an, denn die Schriftrollen mit unvokalisierten hebräischen und aramäischen Texten waren nur teilweise erhalten, vieles musste rekonstruiert werden. Manche Buchstaben hatten sich im Laufe der zwei Jahrtausende auf die Rückseite des darüber liegenden Fragments verewigt und waren also nur spiegelbildlich zu lesen.


Schwierige Puzzlearbeit an Qumran-Fragmenten

Auf manchen Fragmenten war überhaupt nichts zu erkennen; sie mussten mit Infrarotlicht lesbar gemacht werden. Bei den Sortierarbeiten konnte man eine erste Unterteilung nach Farbe und Art des beschrifteten Stoffes (Leder, Papyrus) vornehmen. Auch die Farbe der Tinte und die Art der Handschrift waren Einteilungskriterien. Manchmal sind auf einem Fragment ein, zwei Buchstaben zu lesen. Buchstaben sind häufig in der Mitte durchgetrennt und kaum zu entziffern. Während bei den biblischen Texten noch Hilfe in Form einer hebräischen Wortkonkordanz vorlag, war die Entzifferung der nicht-biblischen Texte ohne Orientierungshilfe besonders mühsam.

Deutsches Lasermikroskop hilft bei der Übersetzung

Bis 1967 unterstand die Arbeit des Expertenteams der Jordanischen Antikenverwaltung. Nach dem Sechs-Tage-Krieg wurden die Qumranfragmente zur Kriegsbeute der Israelis, die sich heute um die Entschlüsselung bemühen. Einige Texte sind schon seit Jahren veröffentlicht und liegen z.T. schon in deutscher Übersetzung vor. Andere Fragment werden nur nach und nach in Fachzeitschriften publiziert.

Bei der Entzifferung der Schriftrollen spielte auch ein 250.000 Mark teures Lasermikroskop eine wichtige Rolle. Die deutsche Bundesregierung hatte das eigentlich für medizinische Forschungen entwickelte Gerät im Januar 2001 zur Verfügung gestellt. Das durch Laserstrahlen gelenkte Mikroskop kann auf den Pergamenten anhand des Griffelabdrucks noch Buchstaben entziffern, deren Tinte längst verschwunden ist.

Für Aufsehen sorgte kürzlich ein Artikel von Prof. Dr. On. Ekoj-dab von der Universität Jericho im Archelogical Resulting Expr. Verb. Enqirer (No. 5/2003, S. 114. "New Light on old Texts"). Dieser soll in Kürze auch von Scientific America übernommen und damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit Hilfe eines neuen Übersetzungsprogramms konnte Prof. Ekoj-dab ein völlig unklare Stelle (Chap. 7, Blatt 15, Rolle 38, Höhle 11) sehr viel eindeutiger übersetzen. Bei diesem Anfang eines größeren Textfragments, insgesamt 12 Blatt, wird von einer Schlacht eines ägyptischen Pharaos, sehr wahrscheinlich Ramses II., berichtet, die in keinem Zusammenhang mit anderen Überlieferungen steht und durch keinen weiteren Text bestätigt wird. Bisher bereitet dieses Text-Fragment den Experten um Prof. Ekoj-dab großes Kopfzerbrechen, da der Text von einer Schlacht berichtet, die es offenbar gar nicht gegeben haben kann.  

Der Text wird nun so transkribiert:

Fragment 7/15/38-11, (7Q1196)

(1) [der König sch[ickte] (den) Königlichen Feldarbeiter (der ihm) am nächsten stand. Er ging zwei Tage (Felder?) weit. Dort tat ihm der andere es gleich.
(2) [der König sch[ick]te (seinen) Kameraden (ihm) zur [Hi]lfe.
(3) [der Kampf ging in das Reich des Königs. Und er starb in einem Zug. (...)
(4) [Des Königs {Falke} kam. Er schlug die Feinde nieder nach zwei Tagen (?). Sie {der Gleiche} kämpften in der Luft bis die Königin kam.
(5) Nun griff der Feind an den Rändern(?) des Reiches an. Fußvolk (?) und Streit{wagen} waren dabei.
(6) [doch der König kam und nahm die Feinde alle ge[fangen] seines (Reiches). Ihm halfen seine {Soldaten} und die Streitwagen.
(7) Alle fernen Völker, du machst, wovon sie leben. Du hast den Nil auch an den Himmel gesetzt. Deine Strahlen säugen jedes Feld.

Mit freundlicher Genehmigung von Archelogical Res. Expr. Verb. Enq.

Zeichenerklärungen:

[...]

verlorener Text

{Text}

Verbesserungsvorschlag

(Text)

wörtlich im Text nicht vorhandene, zum besseren Verständnis in der Übersetzung hinzugefügte Wörter.

(?)

unsichere Lesung

[Text]

Ergänzter Text

Wie Prof. Ekoj-dab in seinem Artikel schrieb, brachte ihn sein 13-jähriger Sohn, ein begeisterter Schachspieler, auf eine Neudeutung des Fragments, die völlig plausibel ist und ein neues Licht auf den Ursprung des Schachs wirft. Eigentlich muss man sagen, dass, sollte sich die Neudeutung durch plausible Übersetzungen der weiteren Blätter dieses Textes bestätigen, ein radikales Umdenken in Bezug auf Herkunft und Geschichte des Schachs notwendig ist.

Prof Ekoj-dab berichtete in dem auch für Nicht-Experten spannend geschriebenen Artikel, dass er am Schreibtisch saß und gedankenverloren die Worte des Textes vor sich hin murmelte, als sein Sohn Esneson, der gerade eine paar Schachpartien auf seinem Reiseschach nachspielte, spontan rief: "Aber das ist doch eine Schachpartie." Tatsächlich lässt sich der Text ohne Weiteres als Partieanfang deuten, und zwar wie folgt:


Partiefragment aus Qumran zum Nachspielen...


Der letzte Satz des Textfragments stammt ohne Zweifel aus dem ägyptischen Totenbuch, was seine ägyptische Herkunft eindeutig belegt.
 

Wie kommt eine Schachpartie nach Qumran?

Wenn das betreffende Fragment tatsächlich als Schachpartie gedeutet werden kann, und es spricht vieles dafür, kann es laut Prof. Ekoj-dab dafür nur eine mögliche Erklärung geben: Den Ägyptern war das Schachspiel bereits bekannt, als die Israeliten unter Moses das Land verließen. Sorgfältig haben diese die Überlieferung bewahrt, auch wenn ihnen der Sinn für den Text im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist.  Wahrscheinlich sogar schon sehr bald nach dem Auszug aus Ägypten.

Die "Ägyptische Gefangenschaft" der "Söhne Jacobs" fällt in die Zeit des 1400 v.Chr. Erst Ramses II. gewährte den Israeliten unter der Führung von Moses etwa 150 Jahre später den Auszug. Die Geschichte von Moses, der als Neugeborener nur knapp dem Mordanschlag auf alle neu geborenen männlichen Hebräer entkam und dem später Jahwe als brennende Dornbusch erschien, ist hinlänglich bekannt.

Ramses II, in dessen Regierungszeit die berühmte Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter unter ihrem König Muwatalli fällt - die ägyptischen Geschichtsschreibung wertet diese als großen Sieg, tatsächlich war sie aber nicht mehr als ein knappes Remis - ist in vielerlei Hinsicht einer der größten Pharaonen Ägyptens. Es war sein fünftes Regierungsjahr, als er mit 20.000 Mann nur ganz knapp einem sorgfältig gelegtem Hinterhalt der Hetither entkam, die mit 250 Kampfwagen und fast 40.000 Mann vor Kadesch aufgezogen waren. Nach der Schlacht schlossen Hethiter und Ägypter Frieden. Liegt hier der Ursprung für die Erfindung des Schachspiels? Es ist gut möglich, dass Ramses der große und weise König war, der kriegsmüde den Auftrag zur Erfindung des Schachspiels gab, so wie wie es durch die Weizenkornlegende überliefert wird.


Schachfigur auf antikem Schmuck?

Unter Ramses, der viele Bauten in Auftrag gab, wurde auch die Hauptstadt Pi-Ramesse im östlichen Nildeltas  in der Nähe des heutigen Quantir gegründet. Sie entstand auf den Grundmauern der ehemaligen Stadt Auaris, der ehemaligen Hauptstadt der Hyksos, der Fremdherrscher während der 15. Dynastie. Für die Bauarbeiten wurden möglicherweise Hebräer als Arbeitskräfte geholt, denn von hier ging wohl 1263/62 v. Chr. im siebzehnten Amtsjahr des Ramses, der Exodus aus.


Ägyptische Aufzeichnungen in Stein

Sehr wahrscheinlich haben die Hebraäer von hier auch den Bericht einer (oder mehrerer ?) Partien oder Partiefragment von den  Wänden der Tempel des Osiris oder des Totentempel des Sethos abgeschrieben und mit nach Palästina genommen, bis er schließlich bald nach der Zeitenwende in den Tonkrügen der Essener für 2000 Jahre verschwand, so Prof. Ekoj-dab.


Falke (Springer?)

Wenn man einmal den Schritt zur Herkunft des Schachspiels im Agypten des 13.Jt v. Chr. gewagt hat, passen plötzlich viele Puzzlesteine wie von selbst zueinander.

Man muss sich das Ägypten des 13 Jt. v.Chr. als wohl organisierte Kultur vorstellen, die von unserer gar nicht so sehr verschieden ist. So haben die ägyptischen Kinder damals genauso mit Puppen und Bällen gespielt wie die die heutigen. Und viele der heutigen Gewohnheiten stammen sogar aus dieser Zeit, so z.B., der Brauch der Frauen, sich zu schminken oder der Aberglaube. Auch Brettspiele sind zu finden.

Tatsächlich gibt es aus Ägypten eine Reihe von Funden von Spielbrettern oder Spieltischen, vor allem des Senet-Spiels. Die genauen Spielregeln sind nicht mehr bekannt. Man vermutet, dass derjenige gewonnen hatte, der alle seine Spielsteine über 30 Felder ins Ziel bringen konnte. Gewürfelt wurde mit Wirbelknochen (siehe Bild) oder Stöckchen. Das Spiel hatte auch eine religiöse Bedeutung, was die Beliebtheit des Spiels erklären würde. Das Ziehen der Spielsteine über das Feld wurde gleichgesetzt mit dem Reisen der Toten durch das Totenreich. Der Sieg des Spiels garantierte die Wiedergeburt des Verstorbenen. Das Senet-Spiel ist offenbar der direkte Vorläufer Schachspiels (Senet -> S'a'ch -> Schach ?).


Ägyptischer Senet-Spieltisch
, Würfel aus Wirbelknochen

Unbestritten in der Erforschung der geschichtlichen Entwicklung des Schachspiels ist heute die Bedeutung des arabischen Raumes. Unter den Experten gibt es bisher verschiedene Meinungen über den Ursprung. So lokalisieren die einen das Schachspiel und seinen Ursprung nach Indien um 550 n.Chr. andere sehen die die Erfindung des Schachspiels in China, wo angeblich frühe Quellen es schon für das Jahr 204 v. Chr. bezeugen. Die große Spanne zwischen diesen beiden Ursprungsdaten beweist, dass auch eine schon viel ältere Herkunft möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich ist. Bei genauer Betrachtung der kulturellen Bedeutung Ägyptens für die Entwicklung der Zivilisation ist es keineswegs überraschend., dass auch das Schachspiel dort seinen eigentlichen Ursprung hat.

Auch die übergroße Beliebtheit figürlicher Darstellung im alten Ägypten bekäme einen neuen Sinn, wenn die Figuren gleichzeitig oder in ähnlicher Form in dem vielleicht beliebtesten Spiel des alten Ägypten eine Bedeutung hätten.

Ägyptische Schachfiguren:

 
König (Pharao)

 

Darstellungen der Königin (Dame), die kniende Version stammt aus Oberägypten


Der Läufer wurde als Katze oder Falke dargestellt.


Der Streitwagen. Später wurde diese Figur zunehmend als Obelisk dargestellt, was die heutige Form des Turmes erklärt.

Endlich kann auch ein bekanntes Bild eines Ägypters richtig interpretiert werden, von dem man bisher nicht wusste, was es darstellt:

Nun ist klar, dass dieser Ägypter vor einem Schachbrett sitzt. Der Herrscherstab in der rechten Hand deutet darauf hin, dass es sich um einen hohen Würdenträger handelt, wahrscheinlich sogar Ramses II.


Ägyptisches Schachspiel: Das Brett ist aus Ton, die dunklen Felder in Terrakotta. Links sieht man schon schwarze Bauern in der auch heute noch üblichen abstrakten Darstellung. Rechts weiße Gegenstücke. Ob die Ägypter schon an den Bretträndern Koordinaten verwendet haben, ist nicht bekannt.


Archaische Schachfigur, Nil-Oberlauf 
Mittleres 2 Jt. v.Chr., Museum of early board and card games, Kairo

Als Prof. Dr. Ekoj-dab im Hinblick auf die neue Hypothese den Papyrus mit der Schachnotation noch einmal untersuchte, machte er mit Hilfe des Lasermikroskops eine weitere sensationelle Entdeckung.


Fragment 7/15/38-11, (7Q1196)


Detail

Der Text enthielt ein ohne Hilfsmittel (s. rote Markierung) nicht mehr lesbares Datum - fast so, wie es heute noch üblich ist, das Datum einer Schachpartie zu notieren. In diesem Fall konnte das Datum als 1359 B.C. entziffert werden. Das ist ein bisher einzigartiger Fall von absoluter Datierung auf einem so alten Originaldokument in der bisherigen archäologischen Geschichtsschreibung. Wir dürfen gespannt sein, welche unglaublichen Überraschungen die Forschung in der Zukunft noch für uns bereit hält. So meldeten österreichische Archäologen gerade den Fund einer Figur (s.u.), die ebenfalls großer Wahrscheinlichkeit eine Schachfigur sein könnte. Nähere Untersuchungen stehen aber noch aus.


Frühe österreichische Schachfigur?

 

André Schulz/1.4.2003
Mit besonderem Dank an Prof. Dr. On. Ekoj-dab für die Übersendung des Text-Bildmaterials und Dr. Robert Hübner für den Hinweis auf die Verwendung eines Computers.

 


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