Schach mit Michail Tal

von Albert Silver
12.06.2014 – Nach Fischer kommt Tal. Der erste Band der ChessBase Master Class Serie beschäftigte sich mit Bobby Fischer, der zweite widmet sich Mikhail Tal. Sein mutiges, kreatives Spiel hat Generationen von Schachspielern inspiriert und auf dieser DVD erfährt man, was Tal auszeichnet und wie er gespielt hat. Albert Silver hat sich die DVD angeschaut.

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Nur wenig Spieler faszinieren so wie Michail Tal und kein anderer steht so sehr für Kreativität und Phantasie wie der 8. Weltmeister. Deshalb war ich hocherfreut, dass sich der zweite Band der ChessBase Master Class Serie mit dem Schachzauberer aus Riga beschäftigt. Aber mir kamen auch Zweifel. Allerdings nicht, weil ich Angst hatte, die DVD könnte schlecht sein. Denn ich glaube, wenn man sich mit Tal beschäftigt, kommt fast immer etwas Gutes dabei heraus, denn Tals Meisterwerke überstrahlen fast alles. Aber ich hatte seine Autobiographie und viele Bücher über ihn bereits gelesen und war nicht sicher, ob diese DVD mehr sein würde als nur ein weiteres Stück in meiner Sammlung.

Nach einem Blick auf die Inhaltsangabe, die so strukturiert ist wie die erste Master Class DVD über Bobby Fischer, hätte ich den ersten Teil, in dem sich Dorian Rogozenco mit Tals Eröffnungen beschäftigt, beinahe übersprungen. Denn Tal war nicht unbedingt berühmt für seine Eröffnungsvorbereitung, sondern verließ sich gerne auf sein Talent. Aber dann wollte ich doch hören, was Rogozenco zu sagen hatte. Eine gute Entscheidung, denn Rogozencos Ausführungen haben mir die Augen für Tals Schwächen und Stärken in der Eröffungen geöffnet.

Über den Revanchewettkampf zwischen Tal und Botvinnik 1961 sowie Tals angegriffener Gesundheit, die maßgeblich zu seiner Matchniederlage beigetragen haben soll, wurde viel geschrieben. Aber wie Rogozenco zeigt, litt Tal nicht nur unter einem schlechten Gesundheitszustand, sondern hatte auch ein anderes, vielleicht sogar wichtigeres Problem: seine Eröffnungsvorbereitung.

Tals katastrophale Schwarzbilanz zeigt, welche Schwierigkeiten er in der Eröffnung hatte. Von den ersten fünfzehn Partien des Wettkampfes holte er mit Schwarz nur ein einziges Remis und verlor sieben Mal. Natürlich könnte man immer noch argumentieren, diese Bilanz sei gesundheitlich bedingt gewesen, aber es ist nicht zu leugnen, dass Tal in der Eröffnungen große Schwierigkeiten hatte. Rogozenco zeigt auch, wie sehr Tals Eröffnungsstrategie im Revanchewettkampf 1961 von der im Wettkampf 1960 abwich.

Dorian Rogozenco liefert eine erstklassige Präsentation und Untersuchung

Im ersten Wettkampf 1960 war Tal viel flexibler und hatte sich an die jeweilige Situation angepasst, indem er Stellungen anstrebte, in denen er sich wohlfühlte, auch wenn sein Wissen über die jeweiligen Varianten nicht immer perfekt war. Im Revanchematch spielte Tal dagegen unbeirrt 1.e4, obwohl er gegen Botvinniks Caro-Kann wenig ausrichten konnte. Und mit Schwarz spielte er trotz wiederholter Niederlagen hartnäckig Nimzo-Indisch, obwohl die entstehenden Stellungen Botvinnik viel besser lagen als Tal. Natürlich gibt es immer mehr als einen Grund, warum man einen solchen Wettkampf verliert, aber die Eröffnungsvorbereitung war beim Wettkampf 1961 ein entscheidender Faktor für Tals Niederlage.

Michael Marin unternimmt eine fünfteilige Darstellung von Tals strategischem Können, ein Bereich, in dem Tal oft unterschätzt wird. Zu Unrecht, denn auch nach dem Verlust seines Weltmeistertitels spielte Tal noch jahrelang in der Weltspitze - und mit verwirrenden taktischen Manövern allein funktioniert das nicht.

 

Marin zeigt, wie Tal Botvinnik während des Wettkampfs 1960 positionell auf dem falschen Fuß erwischte.
 

Marin zeigt, wie die 11. Partie des ersten Wettkampfs zwischen Botvinnik und Tal zum Wendepunkt im Match wurde, weil Tal seinen erfahrenen Gegner mit feinem positionellem Schach überspielen konnte, also genau auf Gebiet, in dem der Titelverteidiger glaubte, überlegen zu sein. Je älter Tal wurde, desto größer wurde sein strategisches Verständnis, und 20 Jahre später gelangen ihm strategische Meisterleistungen, die ihn zu der Bemerkung veranlassten, er hätte dem jungen Tal aus den 60er Jahren das eine oder andere zeigen können. Ein gutes Beispiel für das phantastische positionelle Verständnis Tals ist sein Sieg über Timman in der ersten Partie ihres Kandidatenwettkampfs 1985.

Die schwerste Aufgabe aller Autoren hatte vielleicht Oliver Reeh. Er war für "Taktik" zuständig und hat aus diesem Bereich 20 Beispiele aus Tals Partien ausgewählt. Keine leichte Aufgabe, denn natürlich findet man in Tals Partien jede Menge Taktik, aber genau das ist das Problem: Man muss eine Auswahl treffen, die die bekannten Meisterwerke berücksichtigt, aber darf auch weniger bekannte Beispiele nicht ignorieren, damit sich die Leser (oder Zuschauer), die die berühmten Beispiele schon kennen, nicht langweilen. Diese Auswahl ist Reeh sehr gut gelungen. 

 

Oliver Reeh lieferte eine gelungene Darstellung der ausgewählten Kombinationen.
Neben den 20 von ihm vorgestellten Taktikstellungen enthält die DVD weitere 245 taktische Trainingsaufgaben.

Was mich betrifft, so kannte ich einige der von Reek präsentierten Taktikstellungen bereits, aber dennoch hat es Spaß gemacht, sie noch einmal anzuschauen und mich an denen zu probieren, die ich noch nicht kannte. Jede Stellung ist in mehrere Abschnitte unterteilt und mit einer Einleitung versehen. Man wird aufgefordert, die Aufgaben schrittweise zu lösen, denn Tals Kombinationen bestehen nur selten aus einer Rechts-Links-Kombination, sondern wirken stattdessen oft wie die Angriffe des Tasmanischen Teufels in den Looney Tunes.

Mikhail Tal bei einem seiner Angriffe 

Aber machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Appetit auf Kombinationen dadurch nicht gestillt wird.
Denn die DVD enthält eine Sammlung mit 245 Taktikaufgaben, mit denen man sein taktisches Können testen kann.

Schließlich kommen wir zum unermüdlichen Karsten Müller, der seine Endspielbegeisterung und sein Endspielwissen enthusiastisch teilt. Müller unterteilt die 12 Videos, in denen er über Tals Endspielkönnen spricht, thematisch. Sechs Videos zeigen "Magische Momente", dann folgen eine Reihe von Turmendspielen sowie drei berühmte Endspiele Tals.

Karsten Müller beherrscht die Kunst, Endspiele informativ und unterhaltsam zu präsentieren.

Ohne eine Datenbank mit Tal-Partien wäre die DVD unvollständig. Und natürlich gibt es die, ergänzt um die Tabellen aller Turniere und Wettkämpfe, von denen man weiß, dass Tal sie gespielt hat. Die Datenbank enthält 2900 Partien Tals, angefangen von einer Simultanpartie, die er als Kind 1948 gespielt hat bis hin zu seiner letzten Turnierpartie. Dazu kommen noch zahlreiche Partien, die von Tal selbst, aber auch Spielern wie Alburt, Dolmatov, Euwe, Ftacnik und sogar Kasparov, um nur einige zu nennen, kommentiert worden sind.

2900 Tal-Partien, jede Turniertabelle, die man finden konnte, sowie Hunderte von kommentierten Partien

Tal ist Tal und es hätte schon etwas ganz Schlimmes passieren müssen, um mit einer Sammlung von Tal-Partien kein Vergnügen zu haben. Natürlich war dies nicht der Fall. Stattdessen hat mich die hohe Qualität der Arbeit der Autoren beeindruckt. Rogozencos gründliche Untersuchung von Tals Eröffnungsbehandlung im Laufe seiner Karriere war faszinierend und informativ. Zugleich half sie mir, meine bisherigen Ansichten über die Gründe für Tals Scheitern im Revanchewettkampf gegen Botvinnik 1961 zu revidieren.

Die DVD wird durch zahlreiche kommentierte Partien und Hunderte von Trainingsstellungen abgerundet und ist so das beinahe perfekte Geschenk für jeden Tal-Fan. Nachdrücklich empfohlen.

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Albert Silver ist Redakteur und Autor. Er lebt in Rio de Janeiro in Brasilien.
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