Schach und Philosophie

von André Schulz
21.10.2021 – Der Autor Denis Grozdanovitch ist in Frankreich durch seine Werke mit Essays und philosophischen Betrachtungen sehr bekannt. In seinem jüngsten Werk "La vie rêvée du joueur d'échecs" beschäftigt er sich mit dem Schachspiel. Raphaël Enthoven stelle das Werk und den Autor in seinem Magazin "Philosophie" bei Arte vor. | Foto: Denis Grozdanovitch und Raphaël Enthoven (Arte)

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Der französische Autor Denis Grozdanovitch, geboren am 9. Mai 1946 in Paris, stammte aus einer Familie von Sportlern. Sein  Vater war ein guter Tennissspieler und seine Mutter Tennistrainerin. Er selber spielte ebenfalls seit frühester Jugend ebenfalls Tennis, wurde 1963 Juniorenmeister von Frankreich und in die französische Tennis-Nationalmannschaft berufen. Später wandte er sich dem Squash zu und wurde 1975 erstmals französischer Meister. Wie seine Mutter arbeitete er während seiner Studienzeit als Tennistrainer.

2002 veröffentlichte er sein erstes Werk "Petit traité de désinvolture". Es folgten in kurzer Folge eine Reihe von Veröffentlichungen mit Anekdoten, Notizen und philosophischen Betrachtungen. Grozdanovitch veröffentlicht "Essays" im Geiste von Montaigne, in denen sich Alltagsanekdoten mit philosophischen Gedanken vermischen. 2011 erschien sein erster Roman "La Secrète Mélancolie des marionnettes" (Die geheime Melancholie der Marionetten). 

Denis Grozdanovitch unterhält an der Universität von Paris zudem eine Schreibwerkstatt und führt eine Kolumne in der Zeitung "Libération". Außerdem veröffentlicht er regelmäßig Artikel in "La Revue littéraire", "L'Atelier du roman", "Les Moments littéraires", "Les Cahiers", und "Dossiers de L'Herne".

In seinem jüngsten Werk "La vie rêvée du joueur d'échecs" beschäftigt sich Denis Grozdanovitch mit dem Schachspiel. Auf elegante und witzige Weise plädiert der Autor für eine "lebendige Verteidigung des spielerischen Geistes, als Ausdruck einer Existenzphilosophie, ein Tor zur Kindheit und zu den Träumen und ein Heilmittel gegen den Zeitgeist der Ernsthaftigkeit, der unsere Zeit erstickt." 

Denis Grozdanovitch schreibt: 

"Obwohl ich von klein auf ein Ballsportler war, entdeckte ich schließlich, dass das Schachspiel alle anderen Spiele übertrifft, weil es uns in die Tiefen unserer Träume stürzen kann. In diesem Buch erzähle ich die Geschichte, wie ich in meiner Jugend mithilfe des Schachs der Gefahr der geistigen Enge entfliehen konnte. Zugleich versuche ich in diesem Buch zu zeigen, wie der Schachwettkampf in gleichem Maße eine ausgezeichnete Schule der Vorsicht in unseren Urteilen, ein Prüfstein für die Genauigkeit unseres Denkens und ein wertvoller Einstieg in die Selbsterkenntnis ist."

Grozdanovitch zeichnet in seinem Werk über das Schachspiel die Portraits verschiedener großer Spieler, deren große intellektuelle Fähigkeiten im Schach zuweilen mit höchst exzentrischen Manien einhergehen und so ein "barockes Spektakel bieten, bei dem das Komische mit dem Pathetischen konkurriert".

Das Schachspiel habe aber auch eine große soziale Funktion und lade zu einer "wärmeren Geselligkeit" ein, als Gegenentwurf zum "utilitaristischen und planerischen Geist, der die Welt von heute zu entzaubern beginnt."

Der französische Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven hat den schachbegeisterten Autor Denis Grozdanovitch in seine Arte-Sendereihe "Philosophie" eingeladen und sprach mit ihm über sein Werk und die Bedeutung des Schachs.
 

Foto: Denis Grozdanovitch und Raphaël Enthoven (Arte)

Im Schach, so Grozdanovitch, siege zuweilen die Fähigkeit zur Intuition über die reine Berechnung. Die Schachspieler führen ihre Züge für jedermann sichtbar auf dem Brett aus und doch bleiben ihre Absichten oftmals für den Gegenspieler versteckt. Die Schachspieler täuschen ihre Gegner, ohne zu lügen.

Als weiterer Gast wurde die mehrfache französische Meisterin Marie Sebag eingeladen.

Foto: Arte


Arte schreibt in seiner Ankündigung für den Filmbeitrag:

Ist beim Schach letztlich alles eine Frage der Berechnung? Oder kann auch Intuition zum Sieg führen? Diesen Fragen widmen sich die Gäste Denis Grozdanovitch und Marie Sebag.

Schachspielen – täuschen ohne zu lügen? Die Spielerinnen und Spieler versuchen, ihr Gegenüber in die Irre zu führen, es zu überlisten und zu überraschen. Doch nichts geschieht im Verborgenen: Jeder Schachzug ist sichtbar, es gibt keine Geheimnisse oder Lügen. Sind die Spielenden also ihr eigener Feind?

Schach bietet unbegrenzte Möglichkeiten auf begrenztem Raum. Zwar ist die Anzahl der Felder immer die gleiche (64) und auch die der Figuren ändert sich nicht (32), doch für die einzelnen Schachzüge gibt es unendlich viele Optionen. Die Überlegenheit des Computers gegenüber dem Menschen überrascht da wenig. Ist beim Schach letztlich alles eine Frage der Berechnung? Oder kann auch Intuition zum Sieg führen? Diesen Fragen widmen sich die Gäste Denis Grozdanovitch und Marie Sebag.

Der Schriftsteller Denis Grozdanovitch studierte an der Pariser Filmhochschule und war früher Leistungssportler. Wie der Titel seines neuen Romans „La vie rêvée du joueur d’échecs“ (2021) verdeutlicht, gilt seine große Leidenschaft außerdem dem Schach.

In „Philosophie“ analysiert er knifflige Schachzüge oder stellt alte Meister und Meisterinnen vor. Zudem wagt er eine Schachpartie gegen Marie Sebag, die nicht nur den Titel des „Internationalen Meisters“ trägt, sondern der auch als erste Französin der höchste internationale Schachtitel „Großmeister der Frauen“ verliehen wurde. Im Januar 2019 stand sie auf Platz 16 der Weltrangliste der Frauen und führte in Frankreich die Rangliste der Spielerinnen an und belegte Platz 34 der Gesamtrangliste.


Zum Film-Beitrag bei Arte...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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