Schach vor 1 Mio. Zuschauern

03.09.2004 – Zumindest theoretisch konnten am vergangenen Wochenende 1 Mio. Zuschauer auch Schach genießen, denn die Hamburger Schachfreunde präsentierten ihren Sport zusammen mit Showeinlagen wie Drachenbootrennen, Wasserski fahren, Löschbootspritzen, Fesselballon fahren, Fallschirmspringen, reichlich Musik, einem langen Feuerwerk am Abend und einem Wettschwimmen in der Binnenalster für Unverzagte beim 29. Hamburger Alstervergnügen, das an den drei Veranstaltungstagen reichlich Zuschauer aus Hamburg und dem Umland anlockte. Christian Zickelbein berichtet vom Alsterschachvergnügen. Alstervergnügen: Offizielle Seite...Mehr...

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Schach spielen - ein besonderes Alstervergnügen
von Christian Zickelbein



Vor drei Jahren hat der damalige Geschäftsführer des Hamburger Schachverbandes Friedrich Habicht das „Alstervergnügen“ jeweils Ende August als einen Anlass und Ort entdeckt, viele Menschen zum Schachspielen einzuladen und vielleicht sogar auch als Mitglieder der Hamburger Vereine zu werben.

Eine Million Besucher nahm nach der Zählung des Hamburger Abendblattes an der „Party in der Endlosschleife“ teil. Gegen Bierstände und Musikbühnen behauptete sich das Angebot der Schachspieler als Alternative sehr gut auf der Reesendammbrücke über dem Alsterfleet: Unter drei großen Schirmen, in Hamburg conditio sine qua non, luden knapp 30 Bretter die Passanten nonstop zu Simultanspielen und hunderten freien Partien ein.



Dr. Maria Barlage, Referentin für Frauenschach des Hamburger Schachverbandes, zieht die Fäden bei diesem Schach-Spektakel. Sie plant exakt bis ins letzte Detail, lädt die vielen von Tag zu Tag wechselnden Animateure ein und hält sie vom 26. bis 29. August vier Tage lang vom Vormittag bis in den Abend mit Butterbroten und Kaffee bei guter Laune, so dass alle in der Lage sind, den vielen zuschauenden Besuchern ihre Freude am Schachspiel zu vermitteln. Trotz der großen Konkurrenz ist am Schachstand immer was los! Und viele Zuschauer werden selbst aktiv. Keines der knapp dreißig Bretter bleibt lange frei, die Simultanspieler haben kaum eine Ruhepause.

2004 war zum ersten Mal die Teilnahme am „Duell der Städte“, das der Deutsche Schachbund am Tag des Schachs ausschreibt, geplant. Der Hamburger Schachklub von 1830 wollte sich dieser Herausforderung im Rahmen des Alstervergnügens stellen und wählte mit dem Sonntag, 29. August, offenbar den falschen Tag: Die Hälfte der Besucher des Alstervergnügens, also eine halbe Million, kommt regelmäßig am Sonnabend. So hatten wir mit nur 150 aktiven Teilnehmern schon gegen den Schachklub Doppelbauer Kiel in der Nachbarschaft im Norden keine Chance. Der junge Kieler Vereine machte seinem Namen alle Ehre und bekam mehr als die doppelte Menge Schachspieler an die Bretter, nämlich 309! Und in Saarlouis waren’s gar 829 Teilnehmer! Da werden wir uns für unser Jubiläumsjahr 2005 einiges einfallen lassen müssen, wenn wir das Duell der Städte einmal gewinnen wollen. Aber auch ohne Erfolg im DSB-Wettbewerb hat uns das Schachspielen an der Alster viel Spaß gemacht.

Leider kann ich als „Tat- und Augenzeuge“ nur von diesem Sonntag, dem letzten Tag des Alstervergnügens 2004 erzählen, aber zuvor verdienen die Protagonisten aller Tage doch mindestens genannt zu werden, zeigt doch ihre bunte Liste über die Vereinsgrenzen hinweg, dass die Veranstaltung von der ganzen Hamburger Schachszene getragen wird. In Maria Barlages Notizbuch stehen sie natürlich auch alle: Die Planung des nächsten Alstervergnügens beginnt immer schon während der laufenden Veranstaltung.



Am Donnerstag moderierte Dr. Hans Schüler, bis Februar 2004 noch Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes, nun sein Ehrenmitglied, die Veranstaltung; Hendrik Schüler (SKJE), Merijn van Delt und Eva Maria Zickelbein (HSK) spielten simultan, und Ricarda Rohlfs (SKJE) agierte als Organisationshelferin.

Die Moderation am Freitag übernahm Claus Langmann (HSK); Ingo Wilms, der neue Vorsitzende des HSJB vom SC Königsspringer, Julia Lipp (SC Schachelschweine) und Stefan Schnock (HSK) unterstützten die Standleitung, und nonstop simultan spielten die Hamburger Jugendmeister Georg Herzenstein und Julian Zimmermann (SC Königsspringer) sowie der Hamburger Seniorenmeister Harm Cording (SK Marmstorf) – gegen den um 18 Uhr aus-brechenden stürmischen Regen hatten sie jedoch keine Chance.
Am besonders publikumswirksamen Sonnabend boten bis 21 Uhr die Jugendmeister Hendrik Möller, Robin Stellwagen, Stefan Schnock und Helge Colpe vom HSK sowie René Mandelbaum (SC Weiße Dame), Dr. Hauke Reddmann (SK Wilhelmsburg) und der Bundesligaspieler Dirk Sebastian (HSK) parallele Simultanveranstaltungen, anfangs moderiert Thomas Richter, dem Referenten für Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes.

Die Hamburger Schachszene ist so groß, dass am Sonnabend drei weitere Schachveranstaltungen stattfanden. Die Langenhorner Schachfreunde mit ihrem Vorsitzenden Hugo Schulz., zugleich auch 2. Vorsitzender des Verbandes, nahmen in einem Einkaufszentum in ihrem Stadtteil in einer anderen Kategorie selbstständig am Duell der Städte teil. Der Hamburger Schachklub hatte natürlich einen kleinen Stand vor seiner Haustür beim Eilbeker Stadtteilfest, und der Ausschuss für Allgemeine Jugendarbeit des HSJB soll zu einer Fête in den Stadtpark eingeladen haben.

Am Schlusstag des Alstervergnügens hatten einige Bundesliga-Spieler des HSK zur Freude viele Zuschauer ihren härtesten Einsatz beim Blitz-Handicap: Dirk Sebastian. Hannes Langrock und Merijn van Delft traten gegen vier Gegner an, die meisten Vereinsspieler, und mussten in fünf Minuten vier Partien schaffen. Unser Photo zeigt das Match zwischen Dirk Sebastian und dem Quartett (von links nach rechts) Robin Stellwagen, Christoph Drechsler (Nimzowitsch Zürich), Katja Stellwagen und Otto Huter (Schachfreunde Hamburg). Viele Zuschauer begeisterte noch mehr als die spannende Partien vor allem das live im Sportreporter-Stil kommentierte Gesamt-Spektakel, das die Meister - von einem zum anderen Brett springend - boten: mit Erfolg, denn sie blieben in elf Matches ungeschlagen, dreimal immerhin schafften die Amateure ein 2:2. Besonders erfolgreich waren am strategisch günstigen Außenbrett Robin Stellwagen und Stefan Skotarik. Und Christoph Drechsler, dem Präsidenten des SK Nimzowitsch Zürich, hatte es soviel Spaß gemacht, dass er zum Schluss die Seite wechseln und sich auch einmal in dieser für ihn neuen Disziplin erproben wollte. Es sah gut für ihn aus bei seinem Spagat an vier Brettern, doch wir mussten das Handicap-Match beim Stand von 2:1 für unseren Schweizer Gast, der früher selbst in der Schweizer Bundesliga gespielt hat, gegen 19.00 Uhr abbrechen, weil ein stürmischer Regen ausbrach und unser Spielmaterial trotz der drei großen Schirme gerettet werden musste.

Wissa Nassery (8) spielte natürlich nicht mit beim Blitz-Handicap: Der Meister seiner Grundschule in Bergedorf vertiefte sich in seine Simultanpartien und nahm unsere Einladung in den HSK-„Kindergarten“ nach der Zustimmung seiner Mutter begeistert an. Der weite Weg schreckt die afghanische Familie nicht: Willkommen im Klub!

Natürlich wurde auch am Sonntag nicht nur für den HSK geworben. Wieder waren mehrere Vereine in Maria Barlages Mannschaften vertreten: Auch Peter-René Mandelbaum (SC Weiße Dame) und Michael Keuchen (Schachfreunde Hamburg) spielten simultan, und Interessierte konnten sich den Prospekt des Hamburger Schachverbandes mit allen Hamburger Vereinen mitnehmen: Genügend interessierte und sogar starke Spieler noch ohne Verein sind den anwesenden Vertretern der Vereine aufgefallen!

Wie ich allen beim Alstervergnügen engagierten Helfern danke, möchte ich auch dem großen HSK-Team am Sonnabend möchte für sein Engagement Dank sagen: Bernd Grube, Adrian Boog, Leif Goltermann, Klaus Hadenfeldt, Helmut Jürgens, Hannes Langrock, Martin Obst, Frank Palm, Robin und Katja Stellwagen, Katja Stephan, Dirk Sebastian, Merijn van Delft und Eva Maria Zickelbein, und ich hoffe, ich habe keinen vergessen.

Schließen möchte ich mit einem Kommentar zu dem Photo links, das im Hintergrund die Arkaden am Alsterfleet zeigt und im Vordergrund den Jüngsten in unserem Team Adrian Boog, der zunächst als Spieler kam, schnell zum Organisationshelfer avancierte und schließlich gar zum Simultanspieler. Und im nächsten Jahr wird er als Schachclown auf dem Jungfernstieg Schachaufgaben stellen und Passanten unter unsere Schachschirme locken!

 

Hamburger Impressionen:

 


Das berühmte Panorama an der Binnnenalster.


Wasserspaß am Rathausmarkt


Anbaden

Photos: Eva Maria Zickelbein, Christian Zickelbein, Benjamin Bartels
 

 

 

 

 


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