Schachbund und Schachjugend: Stellungnahmen

von André Schulz
19.11.2019 – In der letzten Woche sorgte die Freistellung des langjährigen DSJ- Geschäftsführers Jörg Schulz durch den Deutschen Schachbund für große öffentliche Aufmerksamkeit. Zu diesem Vorgang gibt es nun Erklärungen vom DSB, von der DSJ und außerdem eine gemeinsame Absichtserklärung zum Status der DSJ.

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Letzten Dienstag (12. Nov.) wurde die Freistellung des DSJ-Geschäftsführers Jörg Schulz durch den Deutschen Schachbund bekannt und sorgte bei den deutschen Schachfreunden für große Aufmerksamkeit und hitzige Diskussionen. 

Nun haben der Präsident des Deutschen Schachbundes Ullrich Krause und der Vorstand der Deutschen Schachjugend dazu Stellung genommen. Für den Deutschen Schachbund hat sein Präsident Ullrich Krause erklärt, dass personelle Entscheidungen schon aus rechtlichen Gründen und zum Schutz der Mitarbeiter nicht öffentlich begründet werden und von Seiten des Schachbundes auch nicht öffentlich diskutiert werden können. Als Grund für die Entlassung von DSJ-Geschäftsführer wird die "vollständige Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen dem DSB-Präsidium und dem DSJ-Geschäftsführer Jörg Schulz" angeführt.

Der Vorstand der Deutschen Schachjugend beanstandet in seiner Erklärung, dass die DSJ "in den Entscheidungsprozess, der zur Kündigung geführt hat, nicht eingebunden" war. 

Die Freistellung von Jörg Schulz ist inzwischen aufgehoben. Ihm wurde vom DSB fristgerecht zum 30. Juni 2020 gekündigt.

In einer gemeinsamen Erklärung von DSB und DSJ wird zudem die Absicht bekundet, die Deutsche Schachjugend in einen eingetragenen Verein umzuwandeln. 

Der Status der Deutschen Schachjugend, einerseits als unabhängige Organisation, anderseits in den Deutschen Schachbund eingegliedert, bot in der Vergangenheit immer wieder Anlass für Reibungspunkte. In der gemeinsamen Stellungnahme des Deutschen Schachbundes und der Deutschen Schachjugend wird darauf hingewiesen:

"Ziel aller Beteiligten ist es, durch die rechtliche Trennung die unbefriedigende Situation aufzulösen, dass sich der DSB einerseits für die DSJ z. B. steuerrechtlich verantworten muss, dass sich die DSJ aber andererseits – insbesondere finanziell – selbst verwaltet."

Die geplante Umwandlung der Deutschen Schachjugend in einen eingetragenen Verein berührt auch alle Landesjugendverbände, als Mitglieder der Deutschen Schachjugend.   

 

Stellungnahmen:

Mitteilung des Präsidenten

Das Arbeitsverhältnis des DSB mit dem DSJ-Geschäftsführer Jörg Schulz wurde heute in Umsetzung eines Beschlusses des DSB-Präsidiums vom 15. November zum 30.Juni 2020 fristgerecht gekündigt. Ausschlaggebend für die Kündigung ist die vollständige Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen dem DSB-Präsidium und dem DSJ-Geschäftsführer Jörg Schulz.

Ich möchte betonen, dass die Details personalrechtlicher Angelegenheiten zum Schutz unserer Mitarbeiter nicht öffentlich behandelt werden. Dies gilt natürlich auch im vorliegenden Fall. Das DSB-Präsidium hat sich deshalb aus der durch die E-Mail des DSJ-Vorstandes vom 12.11.2019 initiierten Diskussion auf diversen Internetforen vollständig herausgehalten und wird dies auch weiterhin tun. Ich werde mich außerdem zum Inhalt vertraulicher Gespräche nicht öffentlich äußern. Ich habe bei den Sitzungen unserer offiziellen Gremien am vergangenen Wochenende (Arbeitskreis der Landesverbände und Hauptausschuss) ausführlich berichtet und alle Fragen beantwortet und dabei aus den bereits genannten Gründen um die zwingend erforderliche vertrauliche Behandlung dieser Gespräche gebeten.

Ullrich Krause
Präsident des Deutschen Schachbundes

Mitteilung des Präsidenten auf der DSB-Seite...

Stellungnahme des Vorstands zur Kündigung des DSJ-Geschäftsführers

Der Deutsche Schachbund hat heute unserem Geschäftsführer Jörg Schulz die fristgerechte Kündigung zum 30. Juni 2020 erklärt. Die Freistellung ist zunächst bis auf weiteres ausgesetzt.

Wir als DSJ waren in den Entscheidungsprozess, der zur Kündigung geführt hat, nicht eingebunden und haben dies beanstandet. Die Hintergründe wurden uns auf den Sitzungen am vergangenen Wochenende erläutert: Der DSB betrachtet das Vertrauensverhältnis gegenüber unserem Geschäftsführer als vollständig zerrüttet. Wir bedauern die nun zutage getretene Dimension der Spannungen; wir selbst stehen weiter ohne Vorbehalt zu unserem Geschäftsführer.

DSB-Präsidium und DSJ haben auf dem Hauptausschuss am 16. November 2019 die gemeinsame Absicht erklärt, die DSJ in einen eigenen Verein umzuwandeln (vgl. die entsprechende Mitteilung vom heutigen Tage). Die Landesverbände haben mit großer Mehrheit ihr Wohlwollen für dieses Vorhaben ausgedrückt. Es ist geplant, dass ein außerordentlicher DSB-Kongress am 9. Mai 2020 über die Umwandlung entscheidet. Bis dahin stellt die DSJ die Personalfragen zurück.

In den letzten Tagen hat uns eine Welle der Solidarität erreicht – Vereine, Landesschachjugenden, Landesverbände, aktive und ehemalige Jugendspieler*innen und Ehrenamtliche haben ihre Stimme ergriffen. Wir sind tief gerührt von all der Resonanz. Ihr habt sichtbar gemacht, dass die DSJ so viel mehr ist als nur ihr Vorstand und ihr Geschäftsführer. Bitte unterstützt uns darin, bis Mai 2020 ein eigener Verein zu werden! Für das 50. Jubiläumsjahr wäre dies das größte Geschenk für die DSJ.

Der Vorstand der Deutschen Schachjugend

Stellungnahme bei der Deutschen Schachjugend auf der DSJ-Seite...

Geschäftsordnung der Deutschen Schachjugend...

Gemeinsame Erklärung des DSB und der DSJ zur Eigenständigkeit der Schachjugend.

Das Präsidium des Deutschen Schachbundes, der Vorstand der Deutschen Schachjugend und die Landesverbände haben auf dem Hauptausschuss am 16. November 2019 ihre gemeinsame Absicht bekundet, die Deutsche Schachjugend in einen eingetragenen Verein umzuwandeln. Dies soll nach Möglichkeit bereits im Mai 2020 auf einem außerordentlichen Bundeskongress geschehen.

Ziel aller Beteiligten ist es, durch die rechtliche Trennung die unbefriedigende Situation aufzulösen, dass sich der DSB einerseits für die DSJ z. B. steuerrechtlich verantworten muss, dass sich die DSJ aber andererseits – insbesondere finanziell – selbst verwaltet. Die Umwandlung soll dieses strukturelle Defizit beheben und es beiden in Zukunft ermöglichen, sich auf die partnerschaftliche Sacharbeit zu konzentrieren. DSB-Präsidium und DSJ-Vorstand unterstreichen dabei, dass die neue Struktur nicht zu einem Auseinanderdriften der Verbände führen soll.

Gemeinsame Arbeitsgruppen werden die rechtlichen, finanziellen und schachpolitischen Fragen klären, die diese Veränderung mit sich bringt.

Präsidium des Deutschen Schachbundes und Vorstand der Deutschen Schachjugend

Gemeinsame Erklärung auf der DSB-Seite...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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