Schachbund veröffentlicht aktuelle Mitgliederstatistik

von ChessBase
26.01.2024 – Der Deutsche Schachbund hat eine aktuelle Mitgliederstatistik veröffentlicht. Dabei zeigt sich der DSB von den Auswirkungen der Pandemie gut erholt und konnte im Letzten Jahr über 5000 neue Mitglieder gewinnen. Allerdings sterben immer mehr kleine Vereine. | Grafik: Mitgliederentwicklung insgesamt in Prozent. Das Jahr 2015 bildet mit 100% den Referenzwert. Grafiken: Deutscher Schachbund

ChessBase 17 - Megapaket - Edition 2024 ChessBase 17 - Megapaket - Edition 2024

ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan

Mehr...

Pressemitteilung des Deutschen Schachbundes

Mitgliederentwicklung geht steil nach oben

Erfreuliche Nachrichten erreichten uns am 17. Januar, als uns der Referent für Datenverarbeitung Jürgen Dammann, die Mitgliederzahlen zum 1. Januar 2024 mitteilte. Mit 93.354 Mitgliedern hatte der Deutsche Schachbund deutlich zugelegt.

Bereits am 28. September 2023 vermeldeten wir einen Zuwachs von rund 5.000 Mitgliedern gegenüber dem Jahresbeginn 2023. Ohne den Deutschen Fernschachbund (BdF), der bei uns seit 2006 Mitglied ist und selbst rund 1.500 Mitglieder hat, standen wir im September bei genau 93.654 Mitgliedern. Im letzten Quartal sind immer viele Abmeldungen zu erwarten und die Zahl sank zum 1. Januar 2024 um genau 300 Mitglieder. Ohne den BdF.

Nach den jetzt in unserem Newsletter veröffentlichen Zahlen, die auch dem Deutschen Olympischen Sportbund gemeldet wurden, steigt unsere Mitgliederzahl (inklusive BdF) vom 1. Januar 2023 zum 1. Januar 2024 um 5.411 Personen. Mit jetzt 94.811 Mitgliedern hat der Deutsche Schachbund den höchsten Mitgliederstand seit 2008 erreicht!

Pandemie und Netflix-Serie

Wir schreiben den Januar 2020. Der DSB befindet sich mit über 93.000 Mitgliedern weiter im Aufwärtstrend und gewann zum Vorjahr rund 1.300 neue Mitglieder. Doch am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. In Fernost greift ein noch unbekannter Virus um sich, der nur wenige Monate später die ganze Welt lahmlegen wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) tauft den Virus COVID-19 und erklärt am 11. März 2020 die Epidemie zu einer weltweiten Pandemie. Die meisten Staaten, darunter auch Deutschland, leiten Gegenmaßnahmen ein, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dazu gehören Kontakt- und Ausgangsverbote, ein Mundschutz zur eigenen Sicherheit und der anderer Personen, die Schließung öffentlicher Einrichtungen und der Verbot von öffentlichen Veranstaltungen, später Impfungen gegen das Virus. Das öffentliche Leben kommt praktisch zum Erliegen. Von Betrieben und Firmen wird Heimarbeit verlangt, wenn möglich. Onlinemeetings, vorher nur Insidern bekannt, boomen.

Auch der Schachsport ist betroffen. Die wöchentlichen Vereinsabende, Schachturniere und andere Veranstaltungen müssen abgesagt werden. Onlineschach beginnt zu florieren und Vereine verlagern ihre Trainingssitzungen in das Internet. Und in Bremerhaven gründet sich sogar ein eigener Onlineschachverein. Viele Schachspieler verlagern ihre Aktivitäten in das Internet. Internationale Titelträger wie Niclas Huschenbeth oder Georgios Souleidis starten als Streamer eine zweite Karriere. Der Deutsche Schachbund lässt die Deutsche Internetmeisterschaft wiederauferstehen und eine Deutsche Schach-Onlineliga wird ins Leben gerufen.

Im Januar 2021 hat der DSB rund 3.700 Mitglieder weniger. Der deutsche Sport insgesamt verliert in dem einen Jahr rund 800.000 Mitglieder.

Während die Pandemie für einen Mitgliederschwund sorgt, kommt beim US-amerikanischen Streaming-Anbieter Netflix am 23. Oktober 2020 eine siebenteilige Serie auf den Markt, die Netflix Rekordzuschauerzahlen bescheren wird. Vor der Produktion der Serie hatten die Macher sogar Kontakt mit dem Deutschen Schachbund aufgenommen, denn in "Das Damengambit" geht es um - Schach! Mit 62 Millionen Netflix-Abonnenten als Zuschauer wird die Serie, die teilweise auch in Berlin gedreht wird, das bis dahin erfolgreichste Netflix-Produkt. "Das Damengambit" sorgt für einen Schachhype - und für einen Teufelskreis. Die Pandemie verhindert die Rekrutierung neuer Mitglieder. Und das ausgerechnet dann, wenn plötzlich jeder in einen Schachverein möchte. Als Ersatz bleibt nur das Onlineschach, wo bei den diversen Onlineplattformen wie lichess.org die Spielerzahlen durch die Decke gehen.

Im Januar 2022 hat der DSB noch einmal rund 1.300 Mitglieder weniger, während im deutschen Sport allgemein wieder ein kleiner Zuwachs von rund 47.000 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Zwei Monate später hebt Deutschland die meisten Einschränkungen aufgrund der Pandemie wieder auf.

2023: Es geht wieder aufwärts

Zum Jahresbeginn 2023 hat der Deutsche Schachbund die Talsohle durchschritten und den Mitgliederstand von 2021 erreicht. Und der Januar 2024 brachte noch einmal einen ordentlichen Schub nach oben:

DSB-Mitgliederentwicklung insgesamt, männlich und weiblich von 2015 bis 2024 mit absoluten Zahlen

Während sich die beiden oberen Kurven mit der Gesamtmitgliederzahl und der Zahl der männlichen Mitglieder sehr ähnlich sind, ist bei den weiblichen Mitgliedern nahezu eine gerade Linie fast ohne Aufs und Abs zu sehen. Das hat seinen Grund im geringen Anteil der weiblichen Mitglieder an der Gesamtmitgliederzahl. Deshalb haben wir alle drei Kurven im folgenden Diagramm in ein prozentuales Verhältnis gebracht. Die Mitgliederzahl am 1. Januar 2015 setzten wir gleich 100 Prozent und führten die Kurven anhand der prozentualen Veränderung zu 2015 weiter:

DSB-Mitgliederentwicklung insgesamt, männlich und weiblich von 2015 bis 2024 mit prozentualen Werten und 2015 als Ausgangswert mit 100%

In diesem Diagramm ist zu sehen, das sich auch die Kurve der Mitgliederzahl weiblich in den Pandemiejahren ähnlich verhält wie die beiden anderen Kurven. Mit dem Unterschied, das die Anzahl der weiblichen Mitglieder schneller wächst, als die der männlichen. Das ist auch sehr gut im folgenden Diagramm zu sehen, wo sich der Anteil der weiblichen Mitglieder langsam der 10-Prozent-Marke nähert:

Prozentualer Anteil der weiblichen DSB-Mitglieder von 2015 bis 2024

Altersstruktur des Deutschen Schachbundes

Der DOSB verlangt von seinen Mitgliedsverbänden Zahlen innerhalb bestimmter Altersbereiche: von 0 bis 6, von 7 bis 14, von 15 bis 18, von 19 bis 26, von 27 bis 40, von 41 bis 60 und über 60 Jahre. Danach sind auch die folgenden Diagramme aufgebaut.

Bei den nachfolgenden Kurven fallen drei besonders in das Auge:

Die Kurve der 7-14-Jährigen bildet ziemlich genau die Gesamtkurven von oben ab, korreliert also mit dem Pandemie-Tal 2020 bis 2022.
Die Ü60-Kurve steigt unbeeindruckt von der Pandemie immer an.
Die 41-60-Jährigen werden immer weniger.

Warum das genau so ist, bedürfte einer genauen Analyse jedes einzelnen Mitglieds. Die Vermutung, das die 41-60-Jährigen alle in die Ü60 übergehen und von den 27-40-Jährigen keiner nachkommt, wäre nur reine Spekulation.

DSB-Mitgliederentwicklung von 2015 bis 2024 nach den Altersbereichen des DOSB

Die Kurven der männlichen Mitglieder verhalten sich ähnlich wie die Kurven aller Mitglieder. Da der Anteil männlicher Mitglieder bei rund 90-92 Prozent liegt, verwundert das auch nicht:

DSB-Mitgliederentwicklung der männlichen Mitglieder von 2015 bis 2024 nach den Altersbereichen des DOSB

Wenn wir nur die weiblichen Mitglieder betrachten, gehen alle Kurven nahezu permanent nach oben. Und das trotz Pandemie. Eine Ausnahme machen die 7-14-jährigen Mädchen. Mit Beginn der Pandemie brechen die Zahlen ein:

DSB-Mitgliederentwicklung der weiblichen Mitglieder von 2015 bis 2024 nach den Altersbereichen des DOSB

Der Deutsche Schachbund im Vergleich mit dem gesamten Sport

Da die Mitgliederzahlen des DSB mit rund 90.000 gegenüber 27 Millionen im gesamten deutschen Sport verschwindend gering sind, macht ein Vergleich der absoluten Mitgliederzahlen keinen Sinn. Wir haben deshalb das Jahr 2015 wieder als Ausgangspunkt mit 100 Prozent genommen und danach die prozentualen Differenzen zu diesem Jahr verglichen. Da es für 2024 noch keine Zahlen vom DOSB gibt, haben wir das aktuelle Jahr im Diagramm nicht berücksichtigt.

Mitgliederentwicklung im DSB und DOSB von 2015 bis 2024 mit prozentualen Werten und 2015 als Ausgangswert mit 100%

Das Vereinssterben geht (leider) weiter

Der positive Aufwärtstrend bei den Einzelmitgliedern im Schach als auch im gesamten Sport, geht leider einher mit einem Vereinssterben. Auch hier haben wir die Entwicklung wieder prozentual verglichen, weil die absoluten Werte (DSB ca. 2.300, DOSB ca. 89.000 Vereine) nicht anders sinnvoll darzustellen sind.

Am 1. Januar 2015 hatte der DOSB 90.240 Vereine, der DSB 2.473. Das sind die beiden 100-Prozent-Werte im Diagramm. Danach ging es nur abwärts. Immer mehr Mitglieder konzentrieren sich in immer weniger Vereinen.

Vereinsentwicklung im DSB und DOSB von 2015 bis 2024 mit prozentualen Werten und 2015 als Ausgangswert mit 100%

Zu- und Abgänge in den Landesverbänden des DSB

Die am 22. Januar 2024 von uns anhand der DSB-Mitgliederverwaltung MIVIS erstellte Statistik der Mitgliederbewegung zeigt alle Landesverbände mit mehr Zugängen als Abgängen. Berücksichtigt wurden alle Zu- und Abgänge vom 01.01.2023 bis zum 01.01.2024. Nicht berücksichtigt wurden die Problemschachvereinigung Schwalbe und der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB), da deren Zu- und Abgänge verschwindend gering waren. Auch der BdF wurde nicht berücksichtigt, da dieser nicht mit MIVIS verwaltet wird. Beim BdF gibt es im Gegensatz zu allen anderen Mitgliedsverbänden einen negativen Trend. Am 1. Januar 2023 hatte der BdF 1.549 Mitglieder, am 1. Januar 2024 waren es nur noch 1.457.

Verband 01.01.2023 Zugänge Abgänge Differenz 01.01.2024
Deutscher Schachbund 87323 17590 11569 6021 93344
Badischer Schachverband 8030 1385 757 628 8658
Bayerischer Schachbund 16276 1641 893 748 17024
Berliner Schachverband 2916 757 540 217 3133
Hamburger Schachverband 2440 487 357 130 2570
Hessischer Schachverband 6723 1458 907 551 7274
Schachbund Nordrhein-Westfalen 16882 4026 2722 1304 18186
Niedersächsischer Schachverband 5161 1233 849 384 5545
SB Rheinland-Pfalz 4450 916 522 394 4844
Saarländischer Schachverband 1022 177 166 11 1033
SVB Schleswig-Holstein 2577 569 444 125 2702
Landesschachbund Bremen 877 234 139 95 972
Schachverband Württemberg 8889 2048 1398 650 9539
Schachbund Brandenburg 1514 393 247 146 1660
LSV Mecklenburg-Vorpommern 1026 223 178 45 1071
Schachverband Sachsen 3438 728 478 250 3688
LSV Sachsen-Anhalt 2892 830 661 169 3061
Thüringer Schachbund 1835 472 300 172 2007

Wichtiger Hinweis: Die Zahlen vom 01.01.2024 in dieser Tabelle weichen von den Zahlen für die Beitragsrechnungen ab, weil zwischen dem 17. und 22. Januar von den Landesverbänden noch Ab- und Anmeldungen rückwirkend getätigt wurden.

Die "nackten" Zahlen

Grundlage fast aller Diagramme waren die nachfolgenden Tabellen, deren Zahlen aus der Meldung an den DOSB stammen und auch dort - bis auf 2024 - nachzulesen sind.

Mitgliederentwicklung insgesamt

Gesamt 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
89.628 89.165 89.255 89.931 91.770 93.047 89.342 87.672 89.400 94.811
0-6 605 547 532 635 616 729 486 587 780 904
7-14 16.842 16.892 17.120 17.711 18.166 18.766 16.732 15.216 16.167 19.480
15-18 6.984 6.873 6.878 6.987 7.073 7.247 7.281 7.260 7.552 8.720
19-26 8.304 8.218 8.174 8.053 7.986 8.202 8.198 8.710 9.173 9.613
27-40 10.133 9.927 9.961 10.032 10.157 10.245 10.011 10.274 10.700 11.242
41-60 28.026 27.637 27.198 26.723 26.838 26.452 25.016 23.866 22.900 22.252
ü60 18.734 19.071 19.392 19.790 20.934 21.406 21.618 21.759 22.128 22.600

Mitgliederentwicklung männlich

Männlich 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
82.601 82.071 82.041 82.498 84.107 85.012 81.578 79.905 81.103 85.821
0-6 444 400 386 478 473 534 340 399 576 697
7-14 14.222 14.239 14.401 14.906 15.326 15.760 13.953 12.594 13.231 16.107
15-18 6.137 6.041 6.030 6.158 6.202 6.350 6.359 6.311 6.582 7.686
19-26 7.494 7.407 7.377 7.236 7.132 7.305 7.311 7.763 8.141 8.558
27-40 9.280 9.053 9.082 9.127 9.246 9.347 9.101 9.334 9.720 10.208
41-60 26.785 26.376 25.908 25.363 25.398 24.961 23.563 22.421 21.449 20.750
ü60 18.239 18.555 18.857 19.230 20.330 20.755 20.951 21.083 21.404 21.815

Mitgliederentwicklung weiblich

Weiblich 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
7.027 7.094 7.214 7.433 7.663 8.035 7.764 7.767 8.297 8.990
0-6 161 147 146 157 143 195 146 188 204 207
7-14 2.620 2.653 2.719 2.805 2.840 3.006 2.779 2.622 2.936 3.373
15-18 847 832 848 829 871 897 922 949 970 1.034
19-26 810 811 797 817 854 897 887 947 1.032 1.055
27-40 853 874 879 905 911 898 910 940 980 1.034
41-60 1.241 1.261 1.290 1.360 1.440 1.491 1.453 1.445 1.451 1.502
ü60 495 516 535 560 604 651 667 676 724 785

Die ChessBase GmbH, mit Sitz in Hamburg, wurde 1987 gegründet und produziert Schachdatenbanken sowie Lehr- und Trainingskurse für Schachspieler. Seit 1997 veröffentlich ChessBase auf seiner Webseite aktuelle Nachrichten aus der Schachwelt. ChessBase News erscheint inzwischen in vier Sprachen und gilt weltweit als wichtigste Schachnachrichtenseite.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure