Schachbund: Weitere Stellungnahmen der Kaderspieler

06.03.2017 – In detaillierten Stellungnahmen haben sich eine Reihe von Kaderspielern noch einmal zum Kompetenzstreit im Leistungssport-Referat des Deutschen Schachbund geäußert, sprechen ihrer Unterstützung für den Bundestrainer aus und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit den beteiligten Personen.

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Statements der Kaderspieler:

 

Melanie Lubbe (B-Kader) :

Ich kann die internen Vorgänge in der Kommission Leistungssport und im DSB nicht beurteilen und möchte mich deshalb nicht dazu positionieren. Ich habe Dorian jedoch über die letzten Jahre als sehr kompetenten Trainer und Mannschaftskapitän schätzen gelernt und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Vitaly Kunin (B-Kader) :

Ich kenne Dorian Rogozenco als hervorragenden und starken Trainer, sowie einen netten Menschen. Im Sommer 2016 habe ich beim Mitropa Cup gespielt, wo Deutschland eine Gold - und eine Silbermedaille gewonnen hat (und nur sehr knapp das „Double" verpasst hat). Der Bundestrainer hat eine tolle Atmosphäre in den Mannschaften gebildet und auch bei der Vorbereitung uns sehr viel geholfen, bei den Eröffnungen sowie bei den psychologischen Aspekten.  Dank dieser Unterstützung, habe ich beim Mitropa Cup sogar das beste Turnier im Jahr 2016 gespielt. Selbstverständlich wünsche ich mir, dass Dorian Rogozenco auch in Zukunft als Bundestrainer tätig bleibt.

Filiz Osmanodja (B-Kader) :

Ich bin ungefähr zu der Zeit in den Bundeskader gekommen, als Dorian auch Bundestrainer wurde und ich denke, dass das für den deutschen Kader ein Glück war, da Dorian in seiner Funktion sehr ambitioniert ist und man deutlich merkt, dass er versucht das deutsche Schach im Leistungssportbereich voranzubringen. Ich konnte das bei vielen verschiedenen Gelegenheiten miterleben:

Anfangs hat er damals mehrere Lehrgänge für die „Prinzen“ in Hamburg organisiert, an denen ich auch teilnahm. Er betreute mich bei der Jugend-WM in Durban 2014 sehr erfolgreich. Und natürlich organisierte er auch die Frauenlehrgänge für die Frauennationalmannschaft. Kurz, er versuchte uns immer so oft wie möglich Training zu bieten und war ehrlich an unserer Weiterentwicklung interessiert. Am meisten beeindruckten mich dabei seine Fähigkeiten als Trainer, welche ich sehr schätze und die Fähigkeit bei Mannschaftskämpfen auch den Ehrgeiz bei den Spielern zu wecken und zu stärken.

Auch erhalte ich seit geraumer Zeit Einzeltraining per Skype, welches mir sehr hilft.  

Ich finde es nicht förderlich gegen Dorian und seine Ideen vorzugehen, statt diese bestmöglich zu unterstützen und ich würde mir wünschen, dass Dorian in Zukunft nicht in seiner Tätigkeit als Bundestrainer eingeschränkt wird.

Judith Fuchs (B-Kader) :

Meines Erachtens, ist durch die Ernennung von Dorian Rogozenco zum Bundestrainer mehr Transparenz und Offenheit als zuvor im Bereich Leistungssport entstanden. Ich schätze sehr, dass wir mit ihm über alle Kritikpunkte sprechen können, wie z.B. Nominierungsfragen. Das war vor seiner Zeit kaum möglich bzw. wurde mehr oder weniger ignoriert. Unser gemeinsames Training letztes Jahr in Hamburg zusammen mit Sarah, fand ich auch sehr effektiv und hilfreich. Man kann deutlich spüren, wie sehr er bei den Mannschaftsturnieren mit den Spielern mitfiebert. Mit dem Leistungssportreferenten hatten wir während der Olympiade überhaupt keinen Kontakt, was mich verwundert hat.

Rainer Buhmann (B-Kader) :

Mit der Arbeit des Bundestrainers Dorian Rogozenko bin ich sehr zufrieden. Der Umgang mit ihm ist angenehm und auch sein schachliches Wissen und seine Erfahrung sind hilfreich bei der Vorbereitung für Partien, wie auch für mein tägliches Training Zuhause.

Er hat einige gute Ideen für das Training mit den Kaderspielern eingeführt. So bietet er bspw. Online Trainingseinheiten und stellt Datenbanken mit Trainingsaufgaben zur Verfügung. Dieses Angebot nehme ich regelmäßig und gerne wahr.

Seit einigen Jahren haben wir bei Turnieren der Nationalmannschaft einen weiteren Trainer zur Eröffnungsvorbereitung mit dabei. Dies ist meiner Meinung nach eine sehr positive Entwicklung und hilfreich für die Spieler. Die Spieler wurden auch frühzeitig über die Trainersuche informiert und es wurde vom Bundestrainer nach Vorschlägen gefragt. Es ist denke ich nicht immer leicht einen Eröffnungstrainer zu finden mit dem sich jeder Spieler gleichermaßen gut versteht. Für mich kann ich nur sagen, dass ich mit den bisherigen Trainern gut klar gekommen bin und mich alle bestmöglichst unterstützt haben.

Zu den Schwierigkeiten mit Thomas Luther musste ich leider bei der Rückreise von der Schacholympiade in Baku meine eigenen negativen Erfahrungen machen. Ich kenne Thomas Luther schon recht lange und hatte bis zum oben genannten Zeitpunkt immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Dieses positive Verhältnis hat leider durch einige Aussagen seinerseits sehr gelitten. Am Flughafen in Baku habe ich mich mit Thomas Luther über die aktuelle Situation im DSB Leistungsport unterhalten. Dabei fielen von ihm Aussagen, dass es nicht sein dürfe, dass ein "schwacher Spieler" wie ich es sei, für das GM-Turnier in Dortmund nominiert wird und ich sollte auch nicht für die Nationalmannschaft spielen. Er meinte auch, dass ich keine stärkeren Spieler schlagen könne.  Im weiteren Gespräch erzählte ich ihm, dass ich einige talentierte Jugendliche (2200-2500 Elo) trainiere. Daraufhin war seine Antwort, dass es einfach nur schlecht sei für mein Schach, mit so schwachen Spielern zu trainieren. Danach kam von ihm noch die Frage, ob es für die Spieler wichtig sei, dass der Bundestrainer während dem Turnier vor Ort ist.

Diese Aussagen kamen ohne weiter inhaltlich darauf einzugehen und wirkten sehr irritierend auf mich. Man kann über Trainingspläne und Nominierungen immer diskutieren, aber die Art und Weise fand ich einfach unpassend. Von einem erfahrenen Großmeister und DSB-Funtkionär würde ich mir wünschen, konstruktive Ideen für mein Training und meine schachliche Weiterentwicklung zu bekommen.

Meiner Meinung nach wäre es wichtig, dass wir im Bereich Leistungssport alle zusammenarbeiten. Wenn wir erfolgsorientiert arbeiten wollen, müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen und konstruktiv Meinungen und Ideen austauschen, auch über persönliche Betroffenheit hinaus.

Liviu-Dieter Nisipeanu (A-Kader) :

Der Bundestrainer hat in dieser Angelegenheit meine vollste Unterstützung! So wie es jetzt ist, kann es einfach nicht weiter gehen. Es wurden bereits mehr als genug Gründe genannt, warum Thomas Luther als Leistungssportreferent nicht geeignet ist. Mich hat es beispielsweise auch gewundert, warum Thomas Luther die optimale Gelegenheit In Baku nicht wahrgenommen hat, sich als neuer Leistungssportreferent seinen Mannschaften einmal vorzustellen.

Was die Nationalmannschaft betrifft, hoffe ich, dass spätestens jetzt jeder verstanden haben sollte, dass der richtige "Teamgeist"  für ein erfolgreiches Abschneiden unglaublich wichtig ist - vom 6. Platz als MANNSCHAFT in Reykjavik 2015 bis hin zum 37. Platz in Baku mit quasi 5 EINZELSPIELERN. Leider sehe ich auch keine Möglichkeit für einen tollen Teamgeist, solange die Spieler 'von oben' gegeneinander oder gegen den Trainer aufgehetzt werden.

Letztendlich stellt sich mir die Frage, wie man junge Spieler zum Profischach motivieren kann, wenn man ständig versucht die deutschen Nummer 1 aufgrund fortgeschrittenen Alters aus der Nationalmannschaft zu verdrängen? Ist das ein Teil seines "Konzeptes", oder einfach nur Neid und Frust?

Elisabeth Pähtz (A-Kader) :

Ich kenne Thomas Luther seit meiner Kindheit, wir kommen beide aus Erfurt. Seine Kandidatur zum Leistungssport-Referenten fand aufgrund seiner Sachkenntnis zunächst meine uneingeschränkte Unterstützung.

Nach seinem Amtsantritt änderte sich meine Meinung jedoch schlagartig. Von persönlichen Animositäten zwischen ihm und Bundestrainer Dorian Rogozenco war mir im Vorfeld nichts bekannt. Thomas versuchte mich zunächst in einem privaten Gespräch davon zu überzeugen, dass Dorian schon aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse nicht als Repräsentant des DSB tauge. Später trug er ihm während einer Sitzung vor versammelter Mannschaft an, einen Deutschkurs zu belegen, womit er sich nach meinem Dafürhalten selbst ein Armutszeugnis ausstellte. Sicher entspricht Dorians Deutsch nicht dem eines Muttersprachlers, für die gute Verständigung ist es jedoch mehr als ausreichend. Viel wichtiger, und ich denke, ich spreche damit zumindest für die Damen-Nationalmannschaft, war uns sein engagiertes Auftreten beim Training und Wettkampf, sowie sein Einsatz für unsere Interessen - worin er nun seit geraumer Zeit von Thomas Luther torpediert wird.

Zum Konflikt zwischen Georg Meier und Dorian betreffs der Nominierung für Dortmund möchte ich nur den bislang nicht geäußerten Fakt beitragen, dass die Veranstalter neben Dieter Nisipeanu ausdrücklich um einen neuen Nationalspieler gebeten hatten.

 


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Silvio Z Silvio Z 09.03.2017 09:16
@hockeyplayer
Bitte richtig lesen. Liviu-Dieter Nisipeanu hat dem Bundestrainer keinesfalls vorgeworfen, für Baku 2016 fünf Einzelspieler nominiert zu haben. Sondern er schrieb, daß eben kein Teamgeist entstehen kann, "solange die Spieler 'von oben' gegeneinander oder gegen den Trainer aufgehetzt werden." Und eben WEIL das der Fall war, zerfällt eine Mannschaft dann eben in fünf EINZELSPIELER. Auf dieser Grundlage ist TEAMGEIST unmöglich, wenn das Umfeld nicht stimmt und 'vergiftet' ist.
hockeyplayer hockeyplayer 08.03.2017 10:07
Wie soll der Leistungssport im Schach funktionieren, wenn die dafür Verantwortlichen gegeneinander arbeiten?
Etwas merkwürdig finde ich die Stellungnahme von Herrn Nisipeanu. Einerseits befürwortet er den jetzigen Bundestrainer, um ihm gleichzeitig vorzuwerfen, dass dieser für Baku 2016 fünf Einzelspieler nominiert hat. Das passt m.E. nicht zueinander.

Die Lösung des Problem ist banal: Der DSB sollte endlich den Leistungssport im Schach einführen.
Dass, was der DSB unter Leistungssport versteht, ist genau ebendies nicht. Es geht nur bedingt um die Förderung von starken Spielern, sondern darum eine leistungsstarke Basis zu schaffen. Das kann oder will man beim DSB nicht begreifen. Je stärker die Basis ist, desto stärker werden auch die Spitzenspieler sein.

Der DSB ist mit der ehemaligen Prinzengruppe den umgekehrten Weg gegangen. Es wurden junge starke Einzelspieler gefördert, die so stark gemacht wurden, dass bei einigen bis zum GM-Titel gereicht hat. Das ist zeit- und kostenintensiv, bringt aber dem Schach in Deutschland überhaupt nichts, da die Minimalanforderung Elo 2700 nicht erreicht wurde. Derartige Kraftakte wird sich der DSB dauerhaft nicht leisten können. Also ist Basisarbeit angesagt. Die aber möchte niemand machen, weil es nur Kinder und Senioren zu fördern gilt.

Abschließend ein Beispiel wie es funktionieren kann. Der Berliner Fußball-Oberligist Tennis Borussia Berlin, der nicht eben für seine Finanzstärke bekannt ist, leistet vorbildliche Jugendarbeit.
Diese ist aber mit einem Trainingsumfang verbunden, den es im Jugendschach nicht gibt und wirft die Fragen auf, die der DSB zu beantworten hat, nämlich folgende:
Werden fußballspielende Jugendliche schulisch weniger gefordert als schachspielende?
Warum können jugendliche Fußballspieler mehr Zeit für ihr Training aufwenden als schachspielende Jugendliche?
Was bringt die Förderung des Schulschachs, wenn das Resultat, nämlich die Spielstärke auf breiter Ebene nicht stimmt?

Die Kommission Leistungssport im DSB dient meiner Meinung nach nur dazu Geld vom BMI abzugreifen. Die regelmäßigen Treffen müssen demzufolge stattfinden, um Aktivität gegenüber dem BMI nachweisen zu können. Da wundert es dann auch nicht, dass diese Treffen nicht produktiv sind.

Ob ein Besuch bei Tennis Borussia Berlin oder gar Bernhard Peters weiterhilft, darf bezweifelt werden. Aber der DSB täte gut daran, es zumindest zu versuchen über den Tellerrand zu schauen. Es schadet vermutlich nicht.

P.S.: Körperliche Bestätigung, z.B. Laufen, müsste auch noch mit den Leistungssportkatalog des DSB aufgenommen werden. Wird aber vermutlich nicht funktionieren, weil Laufen kein Sport ist. Oder vielleicht doch?
RevTiberius RevTiberius 07.03.2017 06:09
Da sollte Rainer wohl wieder mal zum Buhmann gemacht werden! Kleiner Scherz am Rande. Aber Spass beiseite! Es ist ein einziges Trauerspiel, mitansehen zu muessen, wie amateurhaft sich der DSB praesentiert. Wenn sich so viele Spitzenspieler so klar gegen Herrn Luther positionieren, dann sollte das zu denken geben. Ich hoffe er reagiert mit einem polemischen Rundumschlag der ihn dann voellig diskreditiert damit man ihn dann im Mai auf dem DSB Kongress entgueltig vom Hof jagen kann
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