Das Bodnaruk-Hejazipour-Drama

von André Schulz
14.02.2017 – Hinter den reinen Ergebnissen der Frauen-Weltmeisterschaft versteckt sich manches Drama. Das längste Gefecht am gestrigen Stichkampftag lieferten sich Anastasia Bodnaruk und Mitra Hejazipour. Der Wettkampf zwischen den beiden Frauen war hochdramatisch und einige der Partien waren es ebenfalls. Verpasste Chancen, blank liegende Nerven...

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Drama in fünf Akten

Ohne den iranischen Schachverband stünde die FIDE, was das Frauenschach angeht, nicht besonders gut da. Das seltsame Reglement der FIDE bei den Weltmeisterschaften der Frauen sieht vor, dass im jährlichen Wechsel ein Wettkampf und ein K.o.-Weltmeisterschaft um den Titel gespielt wird. Aus Unzufriedenheit über diesen Modus ist Hou Yifan aus dem Frauenschach ausgestiegen. Das hat die Anzahl potenzielle Ausrichter für diese Weltmeisterschaft nicht gerade erhöht. Eigentlich hätte es schon 2016 eine K.o.-WM geben sollen, doch niemand fand sich bereit, diese zu organisieren (und zu bezahlen!). Schließlich sprang der Iranische Verband ein und nun findet das Turnier in Teheran statt. Nach Landessitte tragen die Spielerinnen nun Kopftücher, erhalten aber schon alleine mit ihrer Teilnahme ein Preisgeld von 3700 Dollar.

Am Samstag begann die erste Runde, die sich wie alle folgenden Runden (außer der Finalrunde) über drei Tage hinzog. Nach zwei Tagen mit langen Partien folgt ein Stichkampftag. Ein Drittel der Begegnungen ging in dieser Verlängerung. Hinter den nackten Ergebnissen verbergen sich einige nervenaufreibende Dramen. Am längsten zog sich der Wettkampf zwischen Anastasia Bodnaruk und Mitra Hejazipour hin. Der Wettkampf zwischen den beiden jungen Frauen war nicht nur als Ganzes hochdramatisch - die meisten der insgesamt neun Partien waren es auch.

 

Anastasia Bodnaruk

 

1. Akt

Eigentlich hätte der Wettkampf schon nach den langen Partien entschieden sein sollen. Doch Bodnaruk stellte in der ersten Partie mit Schwarz in angenehmer Stellung einzügig einen Turm ein. Die zweite Partie schloss sei mit einer hübschen Kombination ab.

 

 

2. Akt

Also ging es in den Stichkampf. Hier kam Bodnaruk in der ersten Schnellschachpartie (25 Minuten plus Zugabe), wieder mit Schwarz spielend, ziemlich unter die Räder. Die zweite Partie gewann sie, wir wissen aber nicht wie, denn die Notation ist offenbar unvollständig.

 

 

3. Akt

Nächste Runde, Schnellschachpartien mit 10 Minuten Grundbedenkzeit. Bodnaruk verlor erneut die erste Partie, diesmal mit Weiß. Die zweite Partie gewann die Russin, doch auch hier ist die Notation unvollständig.

 

 

4. Akt

Es folgte die Blitzrunde, mit Partien mit 5 Minuten plus 3 Sekunden. Besonders die erste Blitzpartie hatte es in sich. Hejazipour stand im Endspiel auf Gewinn, vergab diesen sogar zum Verlust und hatte dann Glück, dass Bodnaruk sich revanchiert. Eine typische Blitzpartie eben. In der zweiten Partie gab es einen klaren Befund.

 

 

Mitra Hejazipour

 

5. Akt

Letzte Partie - Armageddon. Bodnaruk hat Weiß und muss mit einer Minute mehr auf der Uhr gewinnen. Hejazipour reicht remis. Die Iranerin steht lange Zeit, bis zum Schluss auf Gewinn, überschreitet aber die Zeit.

 

 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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