Schachfan und Basektballprofi Jabril Durham

von André Schulz
07.09.2021 – Was haben Schach und Basketball gemeinsam? Zum Beispiel Türme, jedenfalls in Hamburg, wo der Bundesligist "Hamburg Towers" zuhause ist. Zum anderen jetzt auch Jabril Durham. Der Neuzugang der "Towers" spielt gerne Schach und nimmt als neuer Chefstratege aus dem Spiel mit den Holzfiguren sicher auch einiges für das Spiel im Basketball Court mit.

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Schach und Bsketball

Manche Hamburger Sportfans mussten sich inzwischen daran gewöhnen, dass ihr Lieblingsverein (nur zur Zeit) nicht erstklassig spielt. Für die Schachfreunde gilt das nicht. Der Hamburger Schachklub spielt ganz oben, in der ersten Schachbundesliga - wenn dort bald wieder gespielt wird. Nicht nur das hat der Schachklub gemeinsam mit den "Hamburg Towers". Das ist der Name des ebenfalls erstklassigen Hamburger Basketball-Teams. Obwohl "Towers" als Name auch gut zu einem Schachklub passen würde. Die Hamburg Towers haben für die kommende Saison nun einen neuen Chefstrategen verpflichtet. Der US-Amerikaner Jabril Durham ist der neue "Point Gard" der Towers. Mit Türmen beschäftigt sich Durham auch gerne in seiner Freizeit. Als Hobby hat er Schach angegeben.

Das war ein guter Grund, dass sich der frühere Hamburger Schach-Bundesligaspieler und Sportreporter des Hamburger Abendblattes, allen voran der einstige Bundesligaspieler Rainer Grünberg, zu einem kleinen Wettkampf mit dem neuen "Tower" trafen. ChessBase wurde freundlicherweise zu dem Meeting dazu gebeten und so gibt es hier auch Gelegenheit, einmal das Strategiespiel "Basketball" vorzustellen.

Als Meeting Point diente das große Schachspiel im Hamburger "Planten un Blomen"- Park. Hier trifft sich regelmäßig die Hamburger Freiluft-Schachszene. 
 

Planten un Blomen: Blick auf den Fernsehturm

Neuer Chefstratege der Hamburg Towers

Jabril Durham erschien in Begleitung des Pressesprechers der Hamburg Towers Florian Eisebitt und hatte etwas Respekt vor dem bevorstehenden Schachvergleich: "Are you a Grandmaster", fragte er Rainer Grünberg etwas ängstlich. 

Am großen Brett: Jabril Durham, Florian Eisebitt

Das Wetter spielte mit und nach dem kleinen Match, bei dem sich Jabril Durham ganz gut schlug, aber gegen den ausgebufften Sportreporter natürlich auf verlorenem Posten stand, gab es noch Gelegenheit zu einem Interview, bei dem Durham ein wenig von seiner Karriere und seinen Eindrücken erzählte.

Rainer Grünberg (li.) gegen Jabril Durham

Jabril Durham in Denkerpose

Weltreisender in Sachen Basketball

Jabril Durham ist ein echter Weltreisender in Sachen Basketball. 1994 in Desoto, Texas geboren, kam er in der College-Zeit zum Basketball und spielte dort in der College-League NCAA, von 2014-2016 für die Arkansas Razorbacks. 2016-17 spielte er in Schweden für Jamtland, 2017-18 in Ungarn für PVSK-Veolia und wechselte dann in die griechische Liga zu den Rethymno Cretan Kings, wo er aber nur zwei Spiel bestritt. Von Griechenland ging es noch 2018-19 nach Riga in die lettische Basketball-Liga. Dort wurde Jabril Durham mit VEF Riga lettischer Meister und Vizemeister der lettische-estnischen Liga.

Im Juli 2019 wechselte Jabril Durham zu Vostok-65, das Basketball-Team von Yuzhno Sakhalinsk auf der russischen Insel Sachalin. Das ist schon ein sehr spezieller Ort für einen Basketballspieler. Von hier sind es vielleicht 200 km Luftlinie bis zur nördlichsten japanischen Insel Hokaido.

Durham erzählte, dass sie mit dem Team zu den Spielen weite Reisen zu den Auswärtsspielen unternehmen musste. Dann ging es vom fernen Osten, wo die Sonne aufgeht und der Tag beginnt, im Flugzeug in der Zeit zurück Richtung Westen. Meist über die Drehscheibe Moskau. Zeitlich gesehen kam man dann oft zu einer früheren Tageszeit an als man gestartet war.

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie empfahlen die USA allen US-Bürger außerhalb des Landes in die USA zurückzukehren und Jabril Durham kündigte deshalb seinen Vertrag im fernen Osten vorzeitig und kehrte vorübergehend in die USA zurück. Nun ist Jabril Durham also wieder auf dem Alten Kontinent angekommen. 

Das Interesse am Schach bei Jabril Durham wurde durch die Netflix-Serie "The Queen's Gambit" befeuert. "Fantastic", fand Durham die Serie und wollte wissen, ob sie auf einer wahren Geschichte beruht.

Pose für den Fotografen des Abendblattes

Schach ist nicht das einzige, was Durham außerhalb des Basketballs interessiert. Er beobachtet die Vorgänge an der Börse, hat dort etwas Geld angelegt, zum Beispiel in Tesla-Aktien, und findet zudem Geschichte spannend. 

Mit 1,87 m ist Jabril Durham alles andere als ein Riese. Wenn man es nicht wüsste, würde man nicht darauf kommen, dass er Profi-Basketballspieler ist. Wie die meisten anderen Spieler auch, wohnt er in Wilhelmsburg, in der Nähe der Spielhalle, zusammen mit seiner Frau. "Die Gegend ist großartig, aber es ist fast unmöglich, einen Parkplatz zu finden," hat der Neu-Hamburger festgestellt. Der Teamspirit bei den Towers sei außerordentlich gut, befand Durham. Das sie in den anderen Teams, für die er gespielt hat, nicht überall so gewesen. Er traut der Mannschaft für die kommende Saison einiges zu.

Jabril Durham wird zunächst ein Jahr lang für die Towers spielen. Einjahresverträge sind das  Übliche im Basketball. Die Spieler der Bundesliga sind Profis, aber bei Weitem nicht so hochbezahlt wie Fußballprofis. "Der Jahresetat der Towers liegt bei  etwa 5 Mio. Euro", erzählte der Pressesprecher der Towers Florian Eisebitt. "Zum Vergleich: Der Etat von Bayern München bewegt sich um die 20 Mio. Euro."

Die Hamburg Towers

Die Hamburg Towers wurden 2013 ins Leben gerufen. Seit der Saison 2019-20 spielt das Team in der ersten Basketball Bundesliga. In der letzten Saison erreichten die Towers als Siebte erstmals die Play Offs der besten acht Teams, schieden aber im Viertelfinale gegen den späteren Meister Alba Berlin aus.

Ihre Heimspiele tragen die Hamburg Towers in der edel-optics-arena im Wilhelmsburger Inselpark aus. Die Halle kann 3400 Zuschauer aufnehmen, aber wie alle anderen Sportarten auch, hat die Corona-Pandemie die Hamburg Towers schwer getroffen, da keine Spiele vor Zuschauern möglich waren. Nach gegenwärtigem Stand können bei den kommenden Heimspielen bis zu 1300 Zuschauer eingelassen werden. Man hofft aber auf die Zulassung von mehr Zuschauern mithilfe einer 2G-Regelung.

Schachprogramme für den Basketball-Strategen: André Schulz und Jabril Durham

Wie funktioniert Basketball?

Eine Basketball-Mannschaft besteht aus fünf Spielern, mit festen Rollen und Positionen. Der Point Gard ist der Aufbauspieler des Teams, der Stratege, der aus den Rückraum die zumeist fest einstudierten Spielzüge eröffnet. Auf der Position des Point Gard werden "kleine" wendige Spieler mit hoher Passgenauigkeit und guter Spielübersicht eingesetzt. Jabril Durham ist "nur" 1,85 m groß.

Neben dem Point Gard spielt der Shooting Gard. Auch auf dieser Position spielen meist kleinere, wenige Spieler. Bei Ballgewinn ist der Shooting Gard in der Lage, mit Distanzwürfen den Konter zu beschleunigen. Point Gard und Shooting Gard verteidigen bei gegnerischen Angriffen den "Backcourt".

Vor den beiden Gards spielt der Center. Er ist meist der größte und schwerste Spieler einer Mannschaft. In der Nordamerikanischen NBL gilt eine Größe von 2,13 als ideal für den Center. 

Auch der Power Forward ist ein größerer Spieler, meist der zweitgrößte nach dem Center. Er und der schmalere, mittelgroße Small Forward besetzen im Frontcourt die Flügel.

Das ist eine typische Aufstellung im Basketball, aber nicht die einzige mögliche. Manche Teams spielen auch mit zwei Centern und nur einem Forward. Eine Mannschaft hat bis zu sieben Wechselspieler. Es darf beliebig oft gewechselt werden.

Ähnlich wie Schach ist Basketball ein Geometriespiel, bei dem eine günstige Raumaufteilung und Überzahl eine wichtige Rolle spielen. Und außerdem Schnelligkeit. Bekanntlich ist Schach der schnellste Sport der Welt. Aber dann kommt schon Basketball.

Hamburg Towers Homepage...

Homepage der Basketball-Bundesliga...

Spielsysteme im Basketball...

Basketball-Geometrie...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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WolfPaul WolfPaul 07.09.2021 05:54
Feine Geschichte mit Lokalkolorit! Hat mir Erkenntnis gebracht, und viel Spaß beim Lesen gemacht. Danke! Wolf Paul
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