Schachfestival Baden-Baden: Kleiner Rückblick

05.08.2003 – Neben vier spannenden Turnieren mit vielen Teilnehmern bot das Schachfestival in Baden-Baden auch eine große Simultanvorstellung, bei der Großmeister und Großmeisterinnen eine gemeinsame Simultanvorstellung im Freien an 92 Brettern gaben. Anna Dergachova war dabei und fühlte sich als gebürtige Russin in den Kuranlagen von Baden-Baden sofort zu Hause. Kein Wunder: Hier reisten früher wohlhabende Russen, viele Schriftsteller und sogar Katherina die Große in den Urlaub und verspielten ihr Geld im Spielcasino. Und Dostojewski ließ sich zu seinem Roman Der Spieler inspirieren. Die Spieler von Baden-Baden...

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Rückblick: Schachfestival Baden-Baden
Von Anna Dergachova


Baden-Baden Trinkhalle

Als mich Christian Bossert Anfang Juni anrief und fragte, ob ich beim badischen Schachfestival mitmachen möchte, zögerte ich nicht. Außer dem Meisteropen, in dem ich spielen sollte, gab es auch noch zwei weitere Openturniere und das Seniorenturnier, an dem mein Vater Abram Khasin teilnahm.


Christian Bossert und Gattin

Christian fragte auch, ob ich weitere gute Schachspieler mitbringen könnte. Da habe ich sofort an GM Suat Atalik aus Bosnien gedacht. Suat sagte zu, er kam etwas früher, um uns in Essen zu besuchen und am 24. Juli fuhren wir zu viert (meine Mutter wollte natürlich auch mit) mit meinem Auto (was trotz des Zwischenfalls in Walldorf immer noch munter fährt *) dorthin.

Baden-Baden ist ein seit Jahrhunderten bekannter Kurort. Viele russische Adlige, angeführt von Katerina der Großen, besuchten diesen Ort, um ihre Gesundheit zu pflegen, in den heilenden Thermen des Friedrichbads zu baden und das einmalige Klima zu genießen. Die einmalige Rosenanlage, die wunderschönen Parks mit Birken, das kleine Flüsschen Oos mit mehreren Brücken, dies alles sagt der russischen Seele sehr zu.

Einige berühmte Schriftsteller wie Anton Tchechov und Ivan Bunin waren dort ebenfalls des Öfteren. Das Kasino von Baden-Baden inspirierte Fedor Dostojewski einen seiner besten Romane „Der Spieler“ zu schreiben. 


Das Spielcasino

Auch heutzutage ist es unter den neuen russischen Reichen richtig „in“ ihre Villen in Baden-Baden zu kaufen, um dort einige schöne Sommermonate zu verbringen. Die Folge ist, dass das Personal in vielen Lokalen sehr gut russisch spricht, um ihren Gästen die Mühe zu sparen, die deutsche Sprache zu erlernen.

Das Schachfestival fand im Kongresszentrum, direkt in der Mitte der historischen Altstadt am Augustaplatz statt. Die Räumlichkeiten waren sehr gut, groß genug und hell. Unsere Fahrgemeinschaft war am Ende doch sehr erfolgreich. Suat dominierte das gesamte Turnier hindurch, gab lediglich drei Remisen ab, und wurde damit alleiniger Erster, mit einem Punkt Vorsprung vor GM Vladimir Baklan und IM Fabian Döttling.


Suat Attalik

Auch Fabian hatte Grund zur Freude, er schaffte seine dritte GM-Norm fast mühelos in diesem Turnier.


Fabian Döttling

Ich konnte mich nach mäßigem Start (erste Runde gegen  Baklan verloren, danach zwei Remisen gegen relativ schwache Elo-Gegner) steigern und gewann die letzten drei Partien und belegte mit 6 Punkten aus 9 Partien noch den geteilten 6. Platz und war damit Bester in meiner Raitinggruppe <2300. Am Meisterturnier nahmen insgesamt 51 Spieler teil, meine Startlistenummer war die 27, also war ich am Ende natürlich sehr zufrieden. In diesem Turnier ist es mir in der 8. Runde gelungen, meinen ersten Großmeister zu schlagen (hoffentlich nicht den letzten). Mein Vater wurde bei den Senioren nur Zweite, er gewann 6 Partien aus 7 Runden und verlor eine einzige gegen Dr. Alfred Osthof. Sein Gegner gab dann nur noch einen halben Punkt ab und wurde damit Erster.


Der Sieger des Seniorenturniers, Dr. Alfred Osthoff (mit Pokal) und IM Abram Khasin (rechts daneben), Vater von Anna Dergachova


Viele Preisträger

In diesem Jahr hat das Schachfestival sehr viele jugendliche Spieler gesehen. In allen 3 Turnieren waren es mehr als 90 Spieler, welche die 18 Jahre noch nicht erreicht haben. Einer davon – der 11-jährige Denis Kharchenko aus der Ukraine, der aber auch schon für einen deutschen Verein, die Bremer SG spielt, gewann das Open!


Dennis Kharchenko

Auch sonst gab es eine große Menge an Geld- und Sachpreisen, die viele Schachfreunde für ihre Leistungen mit nach Hause nehmen konnten. An dieser Stelle noch ein großes Lob an die Organisation. Noch nie habe ich solch eine Pünktlichkeit erlebt. Schon am ersten Tag musste ich mich sehr wundern. Das war der Tag der Anreise und die erste Runde war für 16 Uhr angesetzt. Nie im Leben, dachte ich, werden die Organisatoren es schaffen, zwei Turniere um diese Zeit zu starten. Doch ich war angenehm überrascht. Punkt 4 ging es los.


Schiedsrichter Dr. Holger Moritz hat sich mit gelben und roten Karten bewaffnet.

Nach Beendigung der letzten Partie ging es genau so rasch mit der Auslosung für die nächste Runde, und schon um 21 Uhr waren wir alle, ich meine Christian Bossert, Willi Knebel (der Schiedsrichter), Thilo Gubler und andere Helfer und Schiedsrichter in einem der vielen Restaurants zum Abendessen versammelt.


Familie Kiefhaber

Dort wurden Geschichten ausgetauscht und überlegt, ob die Spieler demnächst für das Unterhalten oder gar das Analysieren fremder Partien, während ihre Eigene noch läuft, eine rote oder gelbe Karte wie im Fußball bekommen sollten.

Während des Schachfestivals gab es noch ein weiteres großes Event. Die Großmeister und Großmeisterinnen aus Baden-Oos gaben ein alternatives Simultan an 92 Brettern für Schachliebhaber. Die Großmeister verloren 5 Partien und gaben 9 Unentschieden ab.


Kovalewskaia


Skripchenko

Auch für die professionellen Spieler war es nicht so einfach die Gedanken des Vordermannes zu durchschauen. Doch die Amateure hatten die einmalige Gelegenheit in einer einzigen Partie gleich gegen 10 führende Spieler anzutreten.


"Gigant" Anand im Simultan gegen zwei "Zwerge", die Söhne von Christian Bossert und Frede Berend.

Natürlich war es für alle Beteiligten in erster Linie ein riesiger Spaß. Zwischen Eisessen und fröhlichen Gesprächen führten die Großmeister ihre Züge aus.

Christian Bossert und Fred Berend wechselten irgendwann ihre Söhne aus, doch die Partien konnten sie auch nicht mehr retten.


Die Väter


Almira Skripchenko und Suat Atalik


 

Ich freute mich wieder einmal Almira zu sehen, zusammen haben wir dann dem Kasino ein Besuch abgestattet, doch dort dürfte ich leider nicht fotografieren. Alles in allem ein gelungener Ausflug ins Badische!       

 

 


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