Schachfestival Bled: Tradition am Seeufer

von Stefan Liebig
12.03.2026 – Seit fast einem Jahrhundert ist die slowenische Kurstadt Bled ein besonderer Ort der internationalen Schachgeschichte. Mit dem noch bis zum Wochenende laufenden Schachfestival knüpft der traditionsreiche Austragungsort an große Turniere an – und verbindet die historische Strahlkraft mit einem Turnier für ambitionierte Titelträger und Amateure sowie Nachwuchsspieler. | Fotos: Schachfestival Bled / Luka Rifelj

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Schachidylle am Bleder See

Eingebettet in die Alpenlandschaft im Nordwesten Sloweniens zählt Bled zu den bekanntesten Kur- und Ferienorten des Landes. Der Ort liegt malerisch am Bleder See, über dem eine mittelalterliche Burg thront, und ist seit Jahrzehnten ein Anziehungspunkt für Touristen, Kulturinteressierte – und Schachbegeisterte. Neben sportlichen Großereignissen wie internationalen Rudermeisterschaften oder Weltmeisterschaften im Schach der Senioren hat sich Bled auch als Schauplatz weiterer bedeutender Schachturniere etabliert.

„Das beste Amateur-Schachturnier der Welt

Wo Sie wie ein Großmeister behandelt werden.“

(Slogan auf der Offiziellen Website)

Die Kombination aus alpiner Landschaft, historischer Architektur und gut ausgebauter touristischer Infrastruktur macht die Stadt zu einem attraktiven Austragungsort für internationale Veranstaltungen. Diese spannende und vielseitige Mischung aus Atmosphäre und Tradition prägt auch das heutige Schachfestival, das Spieler aus vielen Ländern anzieht.

Historische Wurzeln: Turniere seit 1931

Die Geschichte der internationalen Schachturniere in Bled reicht bis ins Jahr 1931 zurück: Damals fand hier ein stark besetztes Turnier statt, das von dem slowenischen Großmeister Milan Vidmar initiiert wurde. Vierzehn der führenden Meister ihrer Zeit nahmen teil. Sieger wurde der damalige Weltmeister Alexander Aljechin. Er dominierte das Turnier und gewann es ohne eine einzige Niederlage vor Salo Flohr und Efim Bogoljubov.

Phantastische Taktik und glasklare Technik. Das waren die Markenzeichen auf Aljechins Weg zum WM-Titel 1927. Das Team Rogozenco, Marin, Reeh und Müller stellt Ihnen den 4. Weltmeister und sein Schaffen vor. Inkl. interaktivem Test zum Mitkombinieren!

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Bled immer wieder zum Schauplatz bedeutender Schachveranstaltungen, an dem viele Weltklassespieler und Weltmeister teilnahmen. Besonders das Turnier von 1961 gilt als legendär: Der lettische Großmeister Michail Tal gewann die Konkurrenz, dabei spielte er unter anderem auch gegen den jungen Bobby Fischer (Foto links, Schachfestival Bled).

Kein anderer Weltmeister erreichte auch über die Schachwelt hinaus eine derartige Bekanntheit wie Bobby Fischer. Auf dieser DVD führt Ihnen ein Expertenteam die Facetten der Schachlegende vor und zeigt Ihnen u.a die Gewinntechniken des 11.Weltmeisters

Den Höhepunkt der modernen Ära bildete schließlich die Schacholympiade 2002 (Foto rechts, Schachfestival Bled). Mehr als 1600 Spieler aus über 130 Nationen traten damals in der slowenischen Stadt zum größten Mannschaftswettbewerb der Schachwelt an. Diese Veranstaltungen festigten Bleds Ruf als einen der traditionsreichsten Turnierorte Europas.

Das aktuelle Schachfestival

Mit dem heutigen Schachfestival wird diese Tradition bewusst wiederbelebt. Das Turnier findet im Kongressbereich des Rikli Balance Hotels statt und verbindet das Schachspielen mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Veranstaltet wird das Festival vom Schachklub Ljubljana gemeinsam mit lokalen Partnern und einem Organisationsteam aus erfahrenen Funktionären und Spielern, darunter mehrere international bekannte Schachgrößen und -organisatoren wie Markus Ragger (Foto links, Schachfestival Bled), Laura Unuk (Foto rechts, Luka Rifelj), Darja Kaps, Ana Srebrnic und Luka Lenic.

Das Herzstück bildet ein offenes Turnier im klassischen Schach. Gespielt wird nach Schweizer System über neun Runden und einer Bedenkzeit von 75 Minuten plus 15 Minuten nach dem 40. Zug und 30 Sekunden Inkrement ab Zug 1. Die Spieler können bis zu drei Freirunden nehmen und erhalten jeweils einen halben Punkt. Teilnahmeberechtigt sind Spielerinnen und Spieler mit einer Wertungszahl bis 2300 Elo. Der Gesamtpreisfonds beträgt rund 6.000 Euro. Der Sieger des Open-Turniers erhält 1.000 Euro, daneben werden Preisgelder für verschiedene Wertungskategorien vergeben, etwa für Frauen, Senioren, Nachwuchsspieler und unterschiedliche Elo-Gruppen.

Neben dem Hauptturnier mit 78 Teilnehmern umfasst das Festival weitere Aktivitäten, darunter Blitz- und Schnellschachturniere, Simultanveranstaltungen mit Großmeistern sowie kulturelle Programmpunkte rund um die Region Bled.

Teilnehmerfeld und Turnierverlauf

Nach vier der neun Runden hat sich IM Leon Mazi aus Slowenien mit 3,5 aus 4 an die Spitze gesetzt. Der einzige Spieler, der momentan mit der Nummer 4 der Setzliste noch Schritt hält, ist Petar Gazic aus Bosnien und Herzegowina. Seine 3,5 aus 4 sind aufgrund seiner Setzlistenposition 41 schon als Sensation zu bezeichnen. Gegen drei deutlich stärker Spieler holte er in den Runden 2 bis 4 insgesamt 2,5 Punkte. Den beiden folgen neun Spieler mit drei Punkten. Dennoch kommt es in Runde 5 noch nicht zum Aufeinandertreffen der Führenden. Beide spielen mit Schwarz gegen Gegner mit 3 Punkten.

Hier die Kurzpartie von Mazi aus Runde 4:

Tabelle

78 Teilnehmer

Partien

Links:


Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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