Schachfreunde punkten im Abstiegskampf

15.12.2006 – Eine der Mannschaften, die als möglicher Abstiegskandidat häufig genannt werden, sind die Schachfreunde Berlin. Schon im letzten Jahr war das Team gefährdet, konnte sich aber mit einem brillanten Schlussspurt am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. In diesem Jahr ist der Abstiegskampf für die "Etablierten" durch die starken Aufsteiger Remagen und Bindlach noch härter geworden. Umso glücklicher waren die Berliner, dass sie am vergangenen Wochenende zwei unerwartete Punkte bei den Nordvereinen einstreichen durften. Bericht bei den Schachfreunden... Berichte zur Bundesliga...Nachdruck...

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Bundesliga: Erfolgreiches Wochenende für die Schachfreunde
(
Nachdruck des Berichts der SF-Berlin)

Im Kampf gegen die beiden favorisierten Nordclubs aus Hamburg und Bremen holten die Schachfreunde Berlin erhoffte Punkte für den Klassenerhalt. Das dabei aber ausgerechnet Werder Bremen, der Meister von vor zwei Jahren, geschlagen werden konnte, hätte vor den beiden Runden wohl keiner gedacht. Aber der Reihe nach:

5. Runde: SF Berlin - Hamburger SK 3-5

Brynell - Gustafsson remis
Polzin - Ftacnik 0-1
Thiede - Kempinski 0-1
Berndt - Hansen 1-0
Borriss - Müller 0-1
Poldauf - Reeh 1-0
Kraemer - Heinemann remis
Schneider - Sebastian 0-1

Allein um diese Runde zu beschreiben könnte man seinen Konjunktivbedarf eines ganzen Jahres verbrauchen. Der Sieg der Hamburger ging völlig in Ordnung, aber hätte, wenn und aber...

Nach der Eröffnungsphase waren die Schachfreunde guter Dinge, hatten sie doch einige gute Stellungen auf den Brettern. Als erstes endete die Partie zwischen Martin Kraemer und Thies Heinemann, die in einer Najdorf-Variante nie die Theorie verließen.

Die nächste beendete Partie war die am Spitzenbrett zwischen Stellan Brynell und Jan Gustafsson. Hier gab es ebenfalls ein Unentschieden, mit dem Stellan zum Schluss auch sehr zufrieden sein muss, hatte er doch gehörig unter Druck gestanden. Allerdings hätte er seinen Gegner im 16. Zug mit Te1 vor große Probleme stellen können. Die Pointe ist nach Td8 das Damenopfer Sxe5, wonach Schwarz an Händen und Füßen gefesselt wäre. Soviel zum ersten Konjunktiv.

Die anderen großen Konjunktive sind die Partien von Rainer Polzin und Ilja Schneider. Rainers Gegner Lubomir Ftacnik brachte in der Königsindischen Verteidigung mit 18.h3 eine zweifelhaft Neuerung. Am Brett fand Rainer aber nicht die richtige Angriffsfortsetzung und ging nach ein paar weiteren zweifelhaften Zügen fürchterlich unter. Ilja schoss mit Dc7 zwar nur einen, dafür aber auch entscheidenen Bock. Die Eröffnung - so krumm sie auch aussehen mag - war eigentlich ganz o. k.

Ungefähr zeitgleich endeten auch die Partien von Martin Borriss und Dirk Poldauf. Martin ist gegen GM Karsten Müller doch zu offensiv angegangen und wurde ausgekontert. Geht man nach den letzten Ergebnissen, so "patzte" Dirks Gegner Oliver Reeh schon im dritten Zug, hatte Poldi doch in den Runden zuvor zwei Mal gegen die Abtauschvariante verloren (was aber nur einmal an seiner Eröffnungsbehandlung lag). Nach dem "Fehler" Sd2 trug der Adrenalinstoss Poldi fasst von alleine zum vollen Punkt. Aber vielleicht hatte Dirk ja auch gegen exd5 etwas vorbereitet. Der nächste Gegner, der sich 3.exd5 traut, wird es erfahren...

Damit stand es 4-2 für den HSK. Es liefen noch die Partien von Lars Thiede gegen Robert Kempinski und Stephan Berndt gegen Sune Berg Hansen. Dass der Kampf nicht bereits entschieden war, verdanken wir einem glatten Figureneinsteller von Hansen in Gewinnstellung. Er hatte zwar noch zwei Bauern für den Springer, aber die technischen Probleme meisterte Stephan sicher.

Allerdings war klar, dass am dritten Brett wenn überhaupt Kempinski gewinnen würde, was er dann auch tat.

Mit einer gehörigen Portion Glück (Können?) hätten also ein oder gar zwei Mannschaftspunkte drin sein können, aber es sollte nicht sein. Aber da gab es ja noch am Sonntag einen Kampf...

Die kommentierten Partien gibt es hier (SF Berlin)...



6. Runde: SF Berlin -Werder Bremen 4,5-3,5

Brynell - McShane 0-1
Polzin - Efimenko remis
Thiede - Hracek remis
Berndt - Babula remis
Borriss - Nyback remis
Poldauf - Fish remis
Kraemer - Schandorff 1-0
Schneider - Knaak 1-0

Ein hart erkämpfter (nur eine Partie unter fünf Stunden), etwas glücklicher aber völlig verdienter Sieg gegen den Deutschen Meister von 2004/2005. Liga sei gewarnt: Das Projekt Klassenerhalt geht jetzt erst richtig los!

Gegen Werder Bremen waren wir krasser Außenseiter. Bremens Mannschaftsführer Till Schelz-Brandenburg fasst es auf der Werderaner Homepage gut zusammen: Mit sieben GMs angetreten und der einzige Bremer IM hat eine höhere Elo-Zahl als unser einziger GM. Aber mit dem richtigen Kampfgeist und dem Quentchen Glück können auch über 100 Elo-Punkte unterschied an jedem Brett wettgemacht werden.

Das einzige "Kurzremis" nach ca. 3,5 Stunden gab es an Brett vier zwischen Stephan Berndt und Vlastimil Babula. Bis zur nächsten Entscheidung sollte es dann noch 1,5 Stunden dauern. Die Bremer gingen durch einen sauber herausgespielten Sieg von Luke McShane an Brett eins gegen Stellan Brynell in Führung. So ein Isolani ist schon blöd...

Aber dann schlugen unsere "Halbstarken" an Brett sieben und acht zurück. Martin Kraemer gewann eine sehr schöne Partie gegen Lars Schandorff. Er opferte einen Bauern für positionellen Druck. Auf der Suche nach Vorteil verschlechterte Schandorff seine Stellung aber immer mehr (was sucht der Läufer auf a1?), so dass Martin den Bauern mit Vorteil zurück gewinnen konnte. Auf der Suche nach Gegenspiel opferte Schandorff die Dame, aber Martin lies nicht mehr locker.

Das die Partie von Ilja Schneider gegen Rainer Knaak kompliziert werden würde, war schon nach den ersten Zügen klar (1.e4 Sc6 2.Sc3 e6). Entschieden wurde die Partie in der Zeitnotphase, als Ilja sich in den Komplikationen besser zurechtfand.

Als nächstes endeten die Partien von Martin, Lars und Dirk jeweils mit einem Remis. Diese kamen allerdings auf völlig unterschiedliche Weise zustande. Lars hatte in der ganzen Partie keine größeren Probleme und hatte sogar ein Remisangebot abgelehnt, da er zumindest ideell besser Stand und so den Druck auf die Bremer Mannschaft aufrecht erhalten wollte (ein Freibier für Teamgeist!). Auch Dirk stand immer eher etwas besser, aber der Mehrbauer zum Schluss war nicht zu verwerten.

An der Partie von Martin Borriss gegen Tomi Nyback aber hing im Endeffekt der Ausgang des Mannschaftskampfs. Nach den jüngsten Schlappen mit dem Königsinder spielte Martin diesmal die Tartakower-Variante im Damengambit. Dabei geriet er mächtig unter Druck und spätestens, als ein Weißer Bauer auf f6 auftauchte, machten sich seine Teamkameraden doch arge sorgen. Aber auch hier konnte der Berliner die Zeitnotphase besser bewältigen als sein Bremer Konkurrent, der im 40. Zug hätte gewinnen können. In der Folge konnte Martin seine Dame opfern und es war auf einmal Weiß, der sich ins Dauerschach retten musste.

Als letztes endete die Partie von Rainer Polzin. Die Eröffnung behandelte Rainer nicht zum besten, ein schwacher Zug von Efimenko (Sd5) brachte den Schachfreund aber in Vorteil. Allerdings befand sich Rainer in Zeitnot, so dass nach dem 40. Zug Efimenko einen Mehrbauern hatte. Der war jedoch extrem schwierig - wenn überhaupt - zu verwerten. Um voranzukommen, opferte Efimenko seinen Mehrbauern und ging auf den weißen König los. Rainer hielt aber sicher das Remis und damit die zwei Mannschaftspunkte fest.

Jetzt müssen wir diesen Kampf- und Teamgeist nur über die Feiertage transferieren, und der Klassenerhalt ist nicht unmöglich.

Die kommentierten Partien gibt es hier (SF Berlin)...
 

 

 

 

 

 


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