Schachlegende Gligoric gestorben

16.08.2012 – Der jugoslawische Großmeister Svetozar Gligoric war einer der stärksten Schachspieler nach dem Zweiten Weltkrieg. Und viel mehr als das. Seine Kollegen respektierten und schätzten ihn als Schachspieler und Person, in seiner Heimat Jugoslawien und später in Serbien galt er als Volksheld und machte das Schach populär, er sprach mehrere Sprachen fließend und war leidenschaftlicher Musikliebhaber und Komponist. Gligoric, der im Zweiten Weltkrieg in einer Partisaneneinheit gekämpft hatte, arbeitete nach dem Krieg als Journalist, Autor und Organisator. Sein Buch über den Weltmeisterschaftskampf 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und entwickelte sich zum Bestseller. Am 14. August 2012 starb Gligoric im Alter von 89 Jahren in Belgrad an den Folgen eines Schlaganfalls. Nachruf...

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Svetozar Gligoric: 2. Februar 1923 – 14. August 2012

Die legendäre serbische Großmeister Svetozar Gligoric starb am 14. August in Belgrad an den Folgen eines Schlaganfalls. Er war 89 Jahre alt. Gligoric wird am Freitag, den 17. August, um 13:30 in der Allee der Großen auf dem Neuen Belgrader Friedhof (Novom Groblju) begraben.



Gligoric stammt aus einer armen Belgrader Familie und begann mit elf Jahren Schach zu spielen. Die Regeln brachte ihm ein Untermieter der Familie bei. Sein erstes Schachspiel schnitzte Gligoric aus Weinflaschenkorken und sein erstes Turnier gewann er 1938, vier Jahre, nachdem er die Regeln des Spiels gelernt hatte. Später entwickelte er sich zu einem der besten Spieler der Welt und gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den zehn besten Spielern der Welt.

Zwischen 1947 und 1971 wurde Gligoric 12 Mal jugoslawischer Meister und von 1950 bis 1982 nahm er für Jugoslawien an 15 Schacholympiaden teil und kam dort in 223 Partien auf ein Ergebnis von +88 –26 =109. In der ersten Olympiade nach dem Zweiten Weltkrieg in Dubrovnik 1950 spielte Gligoric am ersten Brett und führte die jugoslawische Mannschaft mit dem Gewinn der Goldmedaille zu einem historischen Erfolg. In den 50er Jahren belegte das jugoslawische Team meist den zweiten oder dritten Platz.


Gligoric beim III° torneo internazionale di scacchi Venezia 1949


Kandidatenturnier Zürich/Neuhausen 1953

Gligoric gewann zahlreiche internationale Turniere, unter anderem Mar del Plata 1950, Stockholm 1954, Belgrade 1964, Manila 1968 sowie Lone Pine 1972 und 1979. Immer wieder spielte er auch beim Traditionsturnier in Hastings mit, in dem er 1951–52, 1956–57, 1959–60, 1960–61 und 1962–63 entweder alleiniger oder geteilter Erster wurde.


In der letzten Runde des Interzonenturniers in Portoroz spielte Gligoric gegen Bobby Fischer, mit dem er jahrelang gut befreundet war.

Regelmäßig nahm Gligoric an Zonen- und Interzonenturnieren teil und 1952, 1958 und 1967 qualifizierte er sich dort für die Kandidatenturniere. Hier war er mit durchschnittlichen Ergebnissen in den Kandidatenturnieren 1953 und 1953 und einer Wettkampfniederlage gegen Mikhail Tal im Kandidatenturnier 1968 allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Doch ihm gelangen Siege gegen die Weltmeister Max Euwe, Mikhail Botvinnik, Vasily Smyslov, Tigran Petrosian, Mikhail Tal und Bobby Fischer. Sein letztes Turnier spielte Gligoric 2003 beim Rilton Cup im Alter von 80.


Die Teilnehmer des First Piatigorsky Cup in Los Angeles, 1963: Benko, Gligoric, Olafsson, Najdorf, Petrosian, Reshevsky, Keres und Panno

Gligoric hat zahlreiche und wesentliche Beiträge zur Theorie und Praxis des Königsinders und des Spaniers geleistet. Er sprach eine Reihe von Sprachen fließend und arbeitete als Journalist und Turnierorganisator. Seine große Leidenschaft neben dem Schach war die Musik und 2011 veröffentlichte er eine CD mit eigenen Kompositionen, die vom Jazz, Balladen und Rap inspiriert waren.

In seinem Kondolenztelegramm an den Serbischen Schachverband erklärte der serbische Premierminister Ivica Dacic, "Svetozar Gligoric war eine Legende und sein Tod ist ein großer Verlust für Serbien." Die Ministerin für Jugend und Sport, Alisa Maric, meinte in ihrer Beileidserklärung an den Serbischen Schachverband: "Im Namen des Ministeriums für Jugend und Sport und auch persönlich möchte ich mein tief empfundenes Beileid und Mitgefühl über den Tod von Svetozar Gligoric ausdrücken, des größten serbischen Schachspielers aller Zeiten, der vor allem ein wertvoller und edler Mensch war. Unser Gliga brachte dem jugoslawischen und serbischen Schach Weltruhm ein und für Generationen junger Schachspieler war er Vorbild und Lehrer. Es war eine Ehre, ihn jahrzehntelang gekannt und von ihm gelernt zu haben."

Großmeister Ljubomir Ljubojevic, selbst bereits eine Schachlegende, erklärte: "Der Tod unseres Gliga hat mich tief erschüttert. Gliga war eine wunderbare Schachpersönlichkeit und eines meiner Vorbilder. Sein Gefühl für Kunst, Kultur und Schach und seine Ergebnisse haben unser Land für Jahrzehnte zu einer Schachsupermacht gemacht. Gligoric' große Liebe zur Musik zeigt die Breite und den Reichtum seiner Persönlichkeit. Ich hoffe und glaube, dass er seine letzten Moment mit der Melodie erlebt hat, die er mit solcher Leidenschaft perfektionieren wollte. Der Tod dieses Schachgiganten des 20. Jahrhunderts lässt die Schachwelt verarmt zurück. Ewiger Ruhm für unseren lieben Gliga." Und Boris Spassky schrieb: "Ich habe gerade die traurige Nachricht erhalten, dass Gliga diese Welt verlassen hat. Wir waren immer gute Freunde, denn er war einer meiner Mentoren. Wir haben in vielen Turnieren zusammen gespielt. Ich möchte mein tief empfundenes Mitgefühl über Gligas Tod zum Ausdruck bringen, der für mich einen großen und unwiderbringlichen Verlust darstellt, denn er war ein wirklich guter und wohlwollender Mensch."



Alle Bilder in diesem Nachruf wurden von Edward Winter zur Verfügung gestellt, der auf seiner Webseite Chess Notes eine spezielle Seite eingerichtet hat, die Svetozar Gligoric gewidmet ist.



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