Schachlegenden in Dresden

27.08.2012 – Am Rande des ZMDI-Opens in Dresden kam es zu einem ungewöhnlichen Treffen. Acht Großmeister, alle über 75 und alle früher Spitzenspieler ihres Landes, wenn nicht gar der Welt, trafen sich in Dresden, um noch einmal gegeneinander anzutreten, Simultan zu spielen und Erinnerungen auszutauschen. Könnte man aufschreiben, was Juri Awerbach, Andreas Dückstein, Burkhard Malich, Fridrik Olafsson, Lothar Schmid, Mark Taimanow, Wolfgang Uhlmann und Ewgenij Wasjukow alles im Schach erlebt haben und erinnern, wüsste man viel über die Schachgeschichte des letzten Jahrhunderts. Dagobert Kohlmeyer war bei dem Treffen dabei.Turnierseite ZMDI-Open...Zum Bericht...

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Pegasus IGM Chess Summit 2012: Riesenparty mit Schachlegenden von Awerbach bis Uhlmann in Dresden
Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer

So ein Treffen hat der berühmte Neumarkt in Dresden noch nicht erlebt. Vor der weltbekannten Frauenkirche gaben sich an den vergangenen Tagen acht Schachlegenden aus vier Ländern bei verschiedenen Gelegenheiten die Ehre. Ihre Namen waren vor vielen Jahrzehnten das "Who Is Who" des Weltschachs.


Gruppenbild in Dresden

"Weißt du noch?", war die am meisten gestellte Frage zwischen Wolfgang Uhlmann und seinen Kollegen, ehe sich die Maestros für den Berichterstatter zum ersten Gruppenbild aufstellten. So kreuzte der Dresdner Uhlmann zum Beispiel 1962, also vor genau 50 Jahren, beim Lasker Memorial in Berlin die Klingen mit Jewgeni Wasjukow. Der Russe gewann damals die Partie und das Turnier. Er erinnert sich noch heute ganz genau an diese Zeit.


Wiedersehensfreude (vorne: Wolfgang Uhlmann und Fridrik Olafsson, hinten, von links nach rechts: Lothar Schmid, Andreas Dückstein und Mark Taimanow)

Noch früher trafen Uhlmann und Juri Awerbach aufeinander. 1956 bei einem internationalen Turnier in Dresden siegte der Endspielkünstler Awerbach, der heute 90 Jahre alt ist und immer noch genug Elan zum Reisen besitzt. Es war sein zweiter Besuch der sächsischen Metropole in diesem Jahr. Schon im Juni war Awerbach bei einem Treffen der Schachhistoriker in Dresden.

Die Idee zu dem "Pegasus IGM Chess Summit" stammt vom schachbegeisterten Unternehmer Dr. Rainer Maas, der gemeinsam mit Dr. Dirk Jordan vom ZMDI Schachfestival jährlich so ein Treffen in der Olympiade-Stadt von 2008 plant. Eingeladen waren Großmeister, die älter als 75 Jahre sind. Schon das Vierer-Turnier zu Wolfgang Uhlmanns 77. Geburtstag im März war ein großer Erfolg. Dort spielten mit Mark Taimanow (Russland) und dem Dresdner aber nur zwei Teilnehmer im Nestoren-Alter. (Lajos Portisch war 74 und Robert Hübner 63.)


Lothar Schmid, Wolfgang Uhlmann

Diesmal reisten acht frühere Weltklasse-Spieler an, die oft mit Uhlmann die Klingen kreuzten. Prominentester Gast war der Isländer Fridrik Olafsson. Er gehörte einst nicht nur zu den besten Spielern, sondern war von 1978 bis 1982 auch Präsident der Internationalen Schachföderation FIDE.


Fridrik Olafsson

Olafsson fand die Idee des Treffens phantastisch. "Es ist wunderbar, dass verdiente Großmeister verschiedener Länder auf diese Art gewürdigt werden. Das zeigt den Respekt vor der älteren Generation. An Wolfgang Uhlmann und meine anderen Kollegen habe ich nur gute Erinnerungen: Alles Gentlemen, die ich sehr schätze."

Der Isländer kam nicht zum ersten Mal mit seiner Frau Audur nach Dresden. "Wir waren schon öfter privat hier. Die sächsische Metropole gefällt uns ausgezeichnet. Dresden gehört für uns zu den Top Ten der schönsten Städte."


Fridrik Olafsson, Rainer Maas

Der Berichterstatter nutzte die Gelegenheit auch zu einem längeren Gespräch mit Olafsson über dessen Beziehung zu Bobby Fischer. Beide kannten sich seit 1958, als der Isländer den Amerikaner beim Interzonenturnier in Portoroz zum ersten Mal traf. Sie freundeten sich an, und Olafsson war auch einer der wenigen, die Fischer auf dessen Lebensweg bis zum Tod im Januar 2008 direkt begleitet haben. Olafsson ist der Meinung, dass Bobby Fischer stärkster Schachspieler aller Zeiten war. (Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.)

Der Dresdner Schach-Gipfel startete mit einem Empfang auf Schloss Albrechtsberg.


Familie Taimanow auf Schloss Albrechtsberg

Es war ein stimmungsvoller Sommerabend, bei dem Wolfgang Uhlmann und Fridrik Olafsson im Freien zum Vergnügen der Gäste eine Blitzpartie auf dem Großfeld-Schach spielten. Olafsson gewann.


Freude beim Blitzen mit Großfiguren

Anschließend gab Andreas Dückstein eine Simultanvorstellung. Zweimal konnte der 85-jährige Wiener besiegt werden: vom Nachwuchstalent Peter Abdurachimow und von Dr. Rainer Maas, der die Tradition des Großmeistertreffens fortsetzen möchte.

Am Tag darauf folgte dann am Nachmittag mit einer Lebendschach-Partie vor der Frauenkirche das Highlight des IGM Summits 2012. Ströbecker Schachjünger in ihren berühmten Kostümen waren gekommen und stellten sich den Veteranen als Komparsen zur Verfügung.


Lebendschach auf dem Dresdner Neumarkt

Die Partie wurde zu einem Länderkampf zwischen Deutschland und Russland.


Burkhard Malich, Lothar Schmid, Wolfgang Uhlmann

Auf deutscher Seite spielten die Großmeister Lothar Schmid (84), Wolfgang Uhlmann (77) und Burkhard Malich (75) gegen die russischen Figurenkünstler Juri Awerbach (90), Mark Taimanow (86) und Jewgeni Wasjukow (79).


Team Russland: Juri Awerbach, Jewgeni Wasjukow, Mark Taimanow

Die Russen hatten Weiß und setzten zu Beginn den Königsbauern nach vorn, worauf die Gastgeber natürlich die Französische Verteidigung, Uhlmanns Lieblingseröffnung, wählten. Nach hartem Kampf gewannen die Gäste das Spiel im 31. Zug.


Lothar Schmid, Burkhard Malich

Den Abschluss bildete ein Gala-Dinner für die Schachlegenden in einem Nobel-Restaurant am Neumarkt. Auch dort wurden viele Erinnerungen ausgetauscht. Juri Awerbach ergriff das Wort, Jewgeni Wasjukow sang ein Lied. Fridrik Olafsson dankte im Namen der Schach-Senioren für dieses großartig organisierte Treffen. Die Einladung für das nächste Mal ist bereits erfolgt. Vom 13.-15. August 2013 werden die berühmten Großmeister über 75 Jahre wieder in Dresden erwartet. Vielleicht kommen dann noch einige mehr.

Die Simultan-Gewinnpartie von Dr. Rainer Maas hatte ein nettes Finale.



Andreas Dückstein - Rainer Maas
Sizilianisch B22

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.c3 d6 4.d4 Lg4 5.Le2 h6 6.h3 Lxf3 7.Lxf3 cxd4 8.cxd4 g5 9.Sc3 Lg7 10.Le3 e6 11.0-0 Sge7 12.d5 exd5 13.exd5 Se5 14.Le2 a6 15.Sa4 b5 16.Sc3 0-0 17.f4 Sf5 18.Ld2 Db6+ 19.Kh1 Sg3+ 20.Kh2 Sxf1+ 21.Dxf1 Sg6 22.fxg5 Le5+ 23.Kh1 Dd4 24.Td1 Dh4 25.Df3 hxg5 26.Se4 f6 27.Df5 Kg7 28.Tc1 Lxb2 29.Tc7+ Tf7 30.Lg4 Se7 31.Dd7 f5 32.Lxg5 Dxg4 33.hxg4 Th8+ 34.Kg1 Ld4+ 35.Kf1 fxe4+ 0-1.


Weiß verliert die Dame oder wird matt.

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